200 Flughäfen vernetzen: Globale IT-Infrastruktur im Rekordtempo

by Cansu Karacan

Confare ImpactAward Nominee Michael Gstach: 200 Flughäfen vernetzen – Globale IT-Infrastruktur im Rekordtempo

Michael Gstach übernahm Anfang 2025 als Group CIO & CISO die Technologieverantwortung der Designa Axess Industries Holding (Axess | Designa) – einem internationalen Anbieter von Zutritts-, Besucher- und Parkraumbewirtschaftungslösungen mit Anlagen an über 200 Flughäfen weltweit. Er übernahm eine fragmentierte IT-Landschaft aus gewachsenen lokalen Strukturen und den Auftrag, eine globale Gruppen-IT aufzubauen – bei laufendem Betrieb, in 53 Ländern. In weniger als einem Jahr etablierte er eine gruppenweite IT-Organisation, erreichte die ISO 27001-Zertifizierung und finalisierte die IT-Strategie 2026–2028. Im Gespräch erklärt er, was Impact in der IT wirklich bedeutet.

 

Ihre Stimme für die IT ist gefragt! HIER können Sie täglich für Ihre Favoriten beim Confare ImpactAward voten. Verliehen wird der Preis beim Confare CIOSUMMIT in Frankfurt. Freuen Sie sich auf inhaltliche Top-Beiträge von CIOs aus renommierten Unternehmen aus ganz Deutschland. Nähere Infos zum Event finden Sie HIER.

Welche Rolle spielen IT und Digitalisierung für Euer Geschäftsmodell heute?

IT ist das Nervensystem des Unternehmens – und es wächst gerade deutlich.

Unsere Produkte werden zu Plattformen. Was früher eine Schranke war, ist heute ein vernetztes System aus Software, Cloud und KI. Skigebiete wollen nahtlose Erlebnisse ohne Anstehen. Flughäfen brauchen Fraud Detection in Echtzeit. Stadien denken in dynamischer Zugangssteuerung, nicht mehr in Kassenhäuschen.

Das verändert die Anforderungen an die interne IT fundamental: Wir müssen Geschwindigkeit liefern, ohne Stabilität zu gefährden. Und wir müssen gleichzeitig die internen Abläufe digitalisieren, damit das Unternehmen die Marge hat, diese Produktinnovation zu finanzieren.

IT ist kein Kostenfaktor mehr. Sie ist der Hebel, an dem beides hängt.

Ihr habt eine massive Veränderung der IT-Architektur und Systemlandschaft gestartet. Was ist das Zielbild der Transformation?

Konkret: ein globales ERP, eine deutlich schlankere Applikationslandschaft, Cloud-first, KI-gestützte Abläufe und 24/7-Support rund um die Welt.

Als ich anfing, hatten wir über 100 Applikationen – und niemand wusste genau wie viele. Wir hatten kein gemeinsames Budget, keine gemeinsamen Services, keine gemeinsame Entscheidungslogik.

Das Zielbild ist nicht die Technologie, sondern das Betriebsmodell dahinter: eine globale IT-Einheit, die als zuverlässiger Partner des Business wahrgenommen wird. Jede Entscheidung, die wir heute treffen, beantwortet eine Frage: Bringt sie uns näher an dieses Zielbild – oder weg davon?

Erst verstehen, dann gestalten. Das klingt selbstverständlich – ist es aber nicht. Der Reflex ist: sofort handeln, sofort konsolidieren. Wer das tut, bevor er weiß, warum die Dinge so gewachsen sind, wiederholt die Fehler der Vergangenheit mit neuem Namen.

Welchen Impact haben diese Schritte auf dem Weg zu einer globalen IT-Einheit auf das Unternehmen, seine Mitarbeiter und seine Kunden?

Für das Unternehmen: Nicht zu unterschätzen sind die Synergieeffekte durch die Applikationsharmonisierung. Wenn dieselbe Anforderung nicht mehr in acht verschiedenen Tools gelöst wird, sondern einmal – gruppenübergreifend –, spart das nicht nur Kosten. Es schafft eine gemeinsame Sprache, eine gemeinsame Datenbasis und die Grundlage für echte Skalierung. Dazu kommen erstmals ein gemeinsames IT-Budget auf Gruppenebene, gemeinsame Services und verursachergerechte Kostentransparenz.

Für die Mitarbeitenden: Wachstumspfade, die es in der alten Struktur nicht gab – auf zwei Ebenen. Wer vorher lokalen IT-Betrieb gemacht hat, arbeitet heute an gruppenweiten Projekten. Anderer Scope, andere Gesprächspartner, andere Anforderungen. Die Themen sind interessanter geworden – und damit für viele auch die Arbeit selbst. Und dann gibt es die Einzelnen, die das konsequent weitertreiben: Ein Kollege aus dem Infrastrukturbetrieb einer Tochtergesellschaft verantwortet heute eine internationale Führungsfunktion für die Gruppe. Globale Strukturen schaffen Möglichkeiten, die lokale Strukturen nicht bieten können.

Für die Kunden: Verfügbarkeit und Sicherheit. Seit der ISO 27001-Zertifizierung wurden alle Bedrohungen abgewehrt. Kundenerlebnis beginnt mit Verlässlichkeit.

Confare ImpactAward Voting Banner

Ihre Stimme für die IT ist gefragt! HIER können Sie täglich für Ihre Favoriten beim Confare ImpactAward voten.

Auf dem Weg haben sich auch die Anforderungen an das Team massiv verändert. Wie gehst Du sicher, die Menschen auf diesem Weg mitzunehmen?

Indem man zuerst zuhört – bevor man erklärt, was jetzt anders wird.

Das erste halbe Jahr habe ich nicht konsolidiert, sondern verstanden. Ich habe mich intensiv mit den internationalen Gesellschaften auseinandergesetzt – Fragen gestellt, nicht Anweisungen gegeben. Warum sind die Dinge so gewachsen? Welche Anforderungen wurden damit erfüllt? Fragmentierung entsteht nicht zufällig – dahinter stehen Entscheidungen, die einmal sinnvoll waren.

Wer das versteht, kann Veränderungen so begründen, dass Menschen mitgehen wollen – nicht müssen.

Dann kommt das Zweite: Verantwortung wirklich übergeben. Nicht delegieren im Sinne von „mach das, aber frag mich bei jeder Entscheidung”. Sondern loslassen. Das erfordert Vertrauen – und die Bereitschaft, auszuhalten, wenn jemand einen anderen Weg geht als man selbst es getan hätte.

Und drittens: Schutz geben. Wenn etwas nicht funktioniert, stehe ich nach außen gerade – nicht das Team. Das ist keine Geste, das ist das Fundament, auf dem Eigenverantwortung entsteht.

Wie funktioniert bei einer so großen Veränderung die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführung, IT und Fachbereichen?

Ich berichte direkt an den Gesamtvorstand. Das ist keine Formalität, sondern die Voraussetzung dafür, dass IT-Themen zur richtigen Zeit auf dem richtigen Level besprochen werden.

Wir haben ein monatliches Vorstandssteering etabliert, in dem alle technologie- und sicherheitsrelevanten Themen mit hohem Impact gemeinsam gesteuert werden. Früher wurde IT oft erst eingebunden, wenn Entscheidungen bereits gefallen waren. Heute ist sie von Anfang an dabei – bei Wachstumsfragen, bei neuen Märkten, bei strategischen Prioritäten.

Mit den Fachbereichen funktioniert das genauso: nicht top-down diktieren, sondern gemeinsam verstehen, was sie brauchen, um ihre Ziele zu erreichen. Der Servicekatalog ist nicht aus IT-Sicht aufgebaut, sondern entlang der Geschäftsprozesse. Wenn Fachbereiche verstehen, was sie gewinnen – nicht was IT ihnen vorschreibt –, entsteht echte Zusammenarbeit.

Wie viel gesellschaftliche Verantwortung trägt man als Führungskraft – und was bedeutet das für dich in der täglichen Praxis?

Unsere Anlagen laufen an über 200 Flughäfen weltweit. Wenn IT dort versagt, steht kritische Infrastruktur still. Das ist keine abstrakte Verantwortung.

Ein Kollege hat mich auf etwas aufmerksam gemacht, das mich seitdem nicht mehr loslässt: Kritikalität ist nicht statisch – sie ist zeitabhängig. Ein Skigebiet macht einen Großteil seines Umsatzes an wenigen Tagen der gesamten Saison. Eine Messe hat drei Tage, in denen ein Ausfall eine Katastrophe wäre. Ein Flughafen hat Stoßzeiten, in denen jede Minute zählt. Kritische Infrastruktur bedeutet nicht: immer kritisch. Es bedeutet: in dem Moment, der für den Kunden zählt, zuverlässig da sein. Das hat verändert, wie wir über Monitoring, Reaktionszeiten und Verantwortung nachdenken – und ich kann das nur voll unterstützen.

Deshalb hat die ISO 27001-Zertifizierung für uns nicht nur interne Bedeutung. Sie ist das Fundament für das Vertrauen, das Betreiber in uns setzen.

Gleichzeitig glaube ich, dass Führung über die eigene Organisation hinauswirkt – wenn man es richtig macht. Ein ehemaliger Mitarbeiter, den ich jahrelang gefördert habe, ist heute selbst CIO. Er hat mich für die Confare-Nominierung vorgeschlagen. Das ist gesellschaftliche Verantwortung in der Praxis: Menschen befähigen, die dann in ihrer nächsten Rolle positive Wirkung entfalten – nicht im eigenen Unternehmen, sondern in der Branche.

Confare CIOSUMMIT Frankfurt Desktop- Banner 2026

Verliehen wird der Preis beim Confare CIOSUMMIT in Frankfurt. Freuen Sie sich auf inhaltliche Top-Beiträge von CIOs aus renommierten Unternehmen aus ganz Deutschland. Nähere Infos zum Event finden Sie HIER.

Welche Bedeutung hat der Confare ImpactAward für dich persönlich?

Sichtbarkeit – aber nicht für mich persönlich.

Der Impact Award fragt nach Wirkung, nicht nach Persönlichkeit. Das ist der entscheidende Unterschied. Es geht darum zu zeigen, was IT in einer globalen Industrieorganisation tatsächlich leisten kann, wenn man ihr den Raum dazu gibt.

Wir reden in der Branche viel über Technologie, über Plattformen, über Cloud und KI. Was zu selten sichtbar wird: die Menschen, die das gestalten. Und die Entscheidungen, die getroffen werden müssen, bevor das erste Ticket bearbeitet wird – über Vertrauen, über Verantwortung, über den Mut, nicht mit Technologie zu beginnen.

Das sichtbar zu machen – dafür steht dieser Award für mich.

Für Sie ausgewählt

Leave a Comment