5 Anzeichen, dass Sie sich auf die Suche nach einem neuen ERP machen müssen

by Lisa Baur

Matthias Weber von der mwbsc GmbH ist Experte für kaufmännische Softwarelösungen und die digitale Transformation im Mittelstand. Als Chefredakteur des Online-ERP-Fachmagazins ERP-News.info hat er sein Ohr nah an den Trends des ERP-Marktes. Im Blog haben wir mit ihm darüber gesprochen, was ERP in Zeiten der Digitalisierung bedeutet und wann es Zeit ist, nach einen neuen ERP zu suchen.

Inwieweit verändert die Digitalisierung die Anforderungen an Enterprise Software?

Innovative CIO - ERP SucheDie Digitalisierung verändert im Moment alles, auch die Anforderungen an Enterprise Software. Um ein konkretes Beispiel zu nennen: War früher eine Druckerschachtsteuerung für den klassischen Papierbelegdruck als Feature sehr wichtig, so legt man heute Wert auf einen elektronischen Rechnungsversand inklusive eingebetteten ZUGFeRD-XML. Kurz ausgedrückt: Bei der Auswahl von Unternehmenssoftware wird ein großer Fokus darauf gelegt, wie man mit dem Programm Geschäftsprozesse schneller, effizienter, sicherer und nun auch automatisiert und digital abwickeln kann. Schließlich möchte man sich mit dem neuen Softwareprodukt verbessern.

Wann ist es Zeit, sich nach einer neuen ERP Lösung umzusehen?

Man sollte sich dann um eine neue ERP-Lösung kümmern, wenn es Anzeichen einer Überalterung der ERP-Architektur gibt. Ich habe vor kurzem für das Medium POS Manager Technology 5 Anzeichen für veraltete Unternehmenssoftware identifiziert.
Es ist Zeit auf die ERP-Suche zu gehen, wenn folgende Probleme in der ERP-Architektur auftreten:

  • Im Unternehmen existiert eine doppelte Datenhaltung: In mehreren Softwarelösungen werden identische Daten gespeichert und die Datenpflege verbraucht unnötige Personal-Ressourcen.
  • Der Software fehlen Schnittstellen: Es erfolgt eine doppelte Datenerfassung in mehreren Systemen, weil diese nicht miteinander kommunizieren können. Gerade in IoT-Szenarien sind gute Schnittstellen essentiell.
  • Es wird ein veraltetes Datenbanksystem eingesetzt: Die Wartung und Lauffähigkeit treiben die EDV-Kosten unnötig in die Höhe, weil Spezialisten beauftragt werden müssen, die das System am Laufen halten
  • Mit der Software ist kein mobiler Datenzugriff möglich: Der Mitarbeiter ist gezwungen, jeden Tag ins Büro zu kommen. Work-Life-Balance und Smart Working können für einen modernen Arbeitsplatz nicht angeboten werden.
  • Die ERP-Architektur hat Performance-Probleme: Die Durchlaufzeiten von Geschäftsprozessen verlängern sich, da Unternehmenssoftware nicht schnell genug läuft.
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Welche Kriterien sind wichtig, um die richtige ERP-Lösung für ein Unternehmen zu finden?

Die Kriterien bei der Softwareauswahl sind so individuell wie das Unternehmen selbst. Wir glauben, der Erfolg eines ERP-Projektes hängt nicht nur von der Software selbst ab. Der Implementierungs-Partner und das Projektteam, beziehungsweise die Art des Projekt-Managements, tragen einen wesentlichen Teil dazu bei. In Zeiten der Digitalisierung braucht es ein zeitgemäßes Projektmanagement mit einem kompetenten Berater, der durch dieses Projekt führt. Der Best-Practice-Ansatz innerhalb der QITT-Methode führt perfekt durch das ERP-Projekt und berücksichtigt sogar die digitale Transformation des Unternehmens.

Was sind aus Ihrer Sicht die 5 wichtigsten Trends auf dem ERP Markt?

Ich habe mich erst vor kurzem mit meinem Online-Magazin ERP-News.info in einer Umfrage zu „ERP 2017“ mit dieser Thematik beschäftigt und einige Trends identifiziert. Im Rahmen unserer ERP-Interviews haben wir dann bekannte ERP-Hersteller gefragt, was Sie von diesen ERP-Trends halten. Auf unserem Fragenkatalog standen nach unserer Markt-Recherche die Themen:

  • Industrie 4.0
  • Internet of Things / Internet der Dinge / IoT
  • Lizenzkauf vs. Abo-Modelle bzw. pay-per-use
  • onPremise vs. Cloud-Varianten
  • Mobile CRM und MobileERP

Sind die großen Anbieter von Standardsoftware gut gerüstet für diese Veränderungen?

Wir wollen hier keine Anbieter nennen, aber wir lesen gerade von den großen ERP-Herstellern viel zu diesen Themen und deren Pläne. Einige Trends sind für den gesamten Markt noch sehr abstrakt. Industrie 4.0 kommt erst langsam in Fahrt. Nach der Zeit des Redens warten die Firmen jetzt auch mit Ergebnissen aus konkreten Projekten auf. Die Lernkurve ist bei großen Anbietern schon deutlich weiter fortgeschritten, so dass sie auch für Industrie 4.0 konkrete Produkte anbieten können. Aber der Bereich IoT steckt noch in den Kinderschuhen. Hier gibt es noch wenige Standards und es braucht noch Innovatoren, die das Thema vorantreiben. Ich persönlich würde mich aber freuen, wenn hier nicht nur die großen Anbieter Erfolge erzielen, sondern auch junge Start-ups zeigen was Sie können.

Und die Integratoren und Umsetzer?

Hier wird sich die nächsten Jahre weiter die Spreu vom Weizen trennen. Gerade kleine Systemhäuser haben im Moment einen schwierigen Stand auf dem Markt.
Grund eins: Die ERP-Hersteller setzen immer mehr auf die direkte Betreuung des Endkunden und stehen damit immer öfter im direkten Mitbewerb zu Integratoren und Umsetzer, die ich ERP-Anbieter nenne.
Grund zwei: Ich stelle eine Überalterung der Geschäftsführung bei Systemhäusern fest. Es fehlt vielen die Innovationskraft und der Wille für Neues. Immer mehr Inhaber denken an die Rente und verkaufen ihr Geschäft oder den Kundenstamm. Immer öfter kaufen auch ERP-Hersteller die bisherigen Vertriebspartner, was wieder den ERP-Hersteller zur Konkurrenz für andere ERP-Anbieter macht.
Meine Prognose ist, dass es in der Zukunft immer weniger Integratoren und Umsetzer geben wird. Es werden nur noch wenige große Systemhäuser übrigbleiben, die die Power haben, mit den Innovationen auf dem Markt Schritt zu halten und den großen ERP-Herstellern die Stirn zu bieten. Nur die ERP-Start-ups haben die Chance, den Markt aufzumischen. Die verzichten zumeist aber auf ein indirektes Vertriebsmodell mit Integratoren. Die Zukunft von Integratoren und Umsetzer scheint sehr ungewiss. Es sieht also nicht gut aus für diese Marktteilnehmer.

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