5 entscheidende Schritte beim Aufbau Ihres digitalen Ökosystems

by Annecilla Sampt

Im digitalen Business werden Kooperationen und Partnerschaften schon fast zur Überlebensfrage, da die Grenzen zwischen der IT Welt und der klassischen Welt immer mehr verschwimmen. Im Blog verrät uns Frank Reinelt, COO des eurodata Geschäftsbereichs für Smart Services, welche Schritte man gehen muss, um ein digitales Ökosystem aufzubauen.

Warum ist es im digitalen Business entscheidend, neue Wege der Kooperation zu nutzen?
Wir stehen vor einer Zeitenwende. Im Zusammenhang mit der Digitalisierung werden nur noch Superlative verwendet. Woran liegt das? Bis vor einigen Jahren konnte man noch klare Linien zwischen der IT Welt und der klassischen Welt ziehen. Die Grenzen verschwimmen. Zum Beispiel wurde Mobilität noch vor 10-20 Jahren mit einem fahrbaren Untersatz, z.B. dem Auto oder einem anderen Transportmittel assoziiert. Heute ist Mobilität vor allem auch das Wissen über die geeignete Wahl der Transportmittel, die Routen, Verfügbarkeit und Störungen (z.B. Stau). Daraus haben sich bereits neue Angebote entwickelt, was wir am Beispiel UBER sehen. Diese Angebote nennt man Smart Services und sie entstehen durch die Verschmelzung von physikalischen und digitalen Leistungen mit den Daten. Erfolgreiche Smart Services sind nutzerzentrisch, d.h. stellen das Nutzerbedürfnis in den Vordergrund.
Smart Services nutzen immer das verfügbare Ecosystem des Internets.
Jedes Unternehmen sollte sich dessen bereits bewusst sein und frühzeitig erkennen, welche Perspektive es in diesem Ecosystem einnimmt. Dafür braucht es eine Strategie. Lumir Boureanu, CTO des eurodata Geschäftsbereichs für Smart Services teilt die Strategien in 4 Kategorien ein.

Folgend sind diese am Beispiel Mobilität beschrieben:

  1. Embedded Innovator Strategie: Eine produktzentrische Strategie, z.B. Automobilhersteller integrieren die Navigation fest in das Fahrzeug.
  2. Solutionist Strategie: Diese Strategie bezieht die Nutzerperspektive mit ein. Das Navigationssystem ist eine externe Komponente, die man optional hinzukaufen kann, sich aber in das Fahrzeug integriert
  3. Aggregator Strategie: Das ist eine nutzerzentrische Strategie, z.B.ein Anbieter stellt komplette Mobilitätsangebote zur Verfügung, in denen beispielsweise auch Versicherungen und Pannenservice enthalten sind
  4. Synergist Strategie: Diese Strategie fokussiert nur auf das eigene Produkt und öffnet es dem Ecosystem: Der Automobilhersteller bindet das Fahrzeug an das Internet an, was z.B. über eine Smartphone Schnittstelle möglich wäre.

Obwohl die Synergist Strategie nicht nutzerzentrisch ist, eröffnet sie deutliche Vorteile aus Nutzersicht. Das erkennt man, wenn man die Autofahrt nicht isoliert betrachtet, sondern sie als Abschnitt der Reise  z.B. nur bis zum nächstgelegenen Flughafen. Für den Nutzer ist die Reise hier nicht zu Ende, denn er hat viele weitere Abschnitte seiner Reise vor sich, z.B. Check-in, Weiterreise am Zielort seines Fluges mit Taxi oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Mit der Synergist Strategie kann das eigene Angebot, z.B. das Auto, in ein Mobilitätsangebot eingebettet werden, das den Reisenden von der Haustür bis zum Zielort führt. Hieran erkennt man auch die Bedeutung des autonom fahrenden Autos. Es geht hier weniger darum den Komfort beim Autofahren zu erhöhen, sondern darum das Auto perfekt in Mobilitätsangebote einbinden zu können.
Durch die geschickte Kombination mehrerer Perspektiven, wird die produktzentrische bzw. kundenzentrische Sicht mit der kooperativen Vorgehensweise kombiniert und bringt so die optimale Vorgehensweise für das Unternehmen zutage. Generell ist aber wichtig, die Perspektive passend zur Organisation und Branche zu wählen. Häufig entwickeln sich auf Basis einer solchen Strategie disruptive Geschäftsmodelle.

Nach welchen Kriterien sollte ein CIO sein digitales Ecosystem auswählen und gestalten?
Wenn sich ein CIO für eine der o.g. Strategien entschieden hat, kann er die Kriterien für sich individuell festlegen. Ein allgemeingültiges Kriterium sollte jedoch sein, dass er mit dem gewählten Ecosystem in der Lage ist schnell auf Änderungen reagieren zu können. Große monolithische Systeme sind da eher ungeeignet. Der Trend geht also doch zu den flexiblen Schnellboot Angeboten, wie sie auch von Start-ups entwickelt werden. CIO’s von großen Unternehmen haben das erkannt, der Mittelstand hat hier in der Regel noch Nachholbedarf.
Das war auch für uns der Grund unser Angebot so zu entwickeln, dass wir unseren Kunden direkt und unmittelbar Zugriff auf die digitalen Ecosysteme ermöglichen. Wir machen das in Form von Industrie 4.0 Lösungen zum Beispiel ein Retrofit Angebot im Bereich Predictive Maintenance. Hier kann der vorhandene Anlagenbestand an das Ecosystem angebunden werden. Diese Kombination ermöglicht bessere Vorhersagen von Störungen oder den Ausfall von Maschinen. Das sind wiederum wichtige Informationen, die helfen nicht nur Kosten zu sparen, sondern auch das eigene Angebot auf einen besseren Service Level zu heben.  Mit unserer Lösung der „Connected e-Commerce“ zielen wir auf Handelsplattformen, die ihr Ecosystem von Anbietern, Produkten und Kunden integrieren und die Prozesse automatisieren müssen.

Was braucht es, um so ein Ecosystem zu managen?
Auch hier hängt das von der oben gewählten Strategie ab. Der Embedded Innovator gibt die Regeln, die Rahmenbedingungen vor. Er ist darauf angewiesen, dass sich das Ecosystem in sein Angebot integrieren kann oder er entwickelt es selbst. Entsprechend hoch ist der Aufwand. Unternehmen aus dem Silicon Valley, die sog. „Digital Natives“ wie Google oder UBER machen es genau anders herum. Sie schauen was das Ecosystem bereits liefert und nutzen die Daten, um daraus nutzerzentrische Angebote zu entwickeln. Deren Management des Ecosystems beschränkt sich auf das Regelwerk des Geschäftsmodels und den offenen Schnittstellen.

Was sind aus Ihrer Sicht die 5 wichtigsten Schritte um dieses Digitale Ecosystem aufzubauen?
Eigentlich geht es weniger darum das Ecosystem aufzubauen, denn es ist ja bereits da. Die Frage müsste daher eher lauten, mit welchen Schritten entwickelt man eigene Smart Services unter Nutzung des Ecosystems? Unsere Empfehlung sieht wie folgt aus:

  1. Das Geschäftsmodell. Prüfen Sie Ihr bisheriges Geschäftsmodell und erweitern oder verändern Sie es.
  2. Die Perspektive. Entscheiden Sie über Ihren Weg in die Zukunft: Als Einzelunternehmen oder im Verbund.
  3. Die Integration. Bauen Sie Ihre vernetzte Umgebung aus Geräten, Daten, Anwendungen, Prozessen und Services auf.
  4. Die Vernetzung. Physische und digitale Welt werden eins.
  5. Das Ergebnis. Geschafft! Sie haben umfassende Marktpräsenz erreicht!

 

Treffen Sie Frank Reinelt auf der 1. Be CIO Konferenz, welche am 13. September 2017 in Köln stattfindet und auf dem 6. Swiss CIO & IT-Manager Summit am 26. September 2017 in Zürich. Die Anmeldung für IT-Manager ist kostenlos.

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