Als CIO die Komplexität des Flughafens Zürich managen – Strategie, Technologie, Leadership

by Lisa Baur

Inzwischen rund 14 Jahre ist Konrad Zöschg in verschiedenen IT Funktionen am Flughafen in Zürich tätig. Als Head of ICT positioniert er die interne IT als Enabler für Innovation und Kundenzufriedenheit. Im Vordergrund steht für ihn dabei eine zukunftsorientierte strategische Ausrichtung, prozessuale und menschliche Weiterentwicklung und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Lieferanten und Kunden. Dies macht ihn in den Augen der Jury zum #Top CIO 2018.

Die Komplexität beim Betrieb eines Flughafens steigt stetig. Wo sehen Sie dabei die wichtigsten Handlungsfelder und technologischen Entwicklungen?

Vor allem geht es darum, die Bedürfnisse unserer Kunden wirklich zu verstehen und dafür die optimalen Lösungsansätze zu finden. Dazu haben wir neue Rollen geschaffen, um den Dialog mit unseren internen und externen Kunden sowie Flughafenpartnern zu intensivieren. Damit unterstützen wir das Ziel, am richtigen Thema zu arbeiten.
Innerhalb dieses Handlungsfeldes verstehe ich auch die Digitalisierung der Unternehmung. Hierbei ist es mir wichtig, bestehende Prozesse nicht einfach 1:1 zu digitalisieren, sondern zuerst kritisch zu hinterfragen und Optimierungen konsequent und zeitgleich umzusetzen. Da haben wir bereits einige Projekte erfolgreich umgesetzt.

Das zweite Handlungsfeld ist die Standardisierung der IT Infrastrukturen und Applikationen. Durch eine Vielzahl neuer Anforderungen bei bestehenden Rahmenbedingungen sahen wir uns dazu gezwungen, neue Ansätze zu designen um IT Lösungen zu bauen und zu betreiben. Wir haben dafür mit eigenen Ingenieuren und Technikern ein Framework definiert, mit dem sich aus Standardkomponenten einfache und komplexe Systeme bauen lassen. Das Ziel ist, uns bei jeder Veränderung aus diesem “Baukasten“ zu bedienen und damit immer für uns bekannte und standardisierte Technologien, Prozesse und Bedienungselemente zu haben. Mit diesem Ansatz bauen wir gerade eine neue Hochverfügbarkeitsinfrastruktur inkl. neuen Datacentern. Das Endziel ist, mehr durch einfachere und standardisierte IT-Mittel machen zu können und den Betriebsaufwand zu optimieren. Selbstsprechend ist, dass wir dabei nicht jeden Sonderwunsch erfüllen können und wollen, was wiederum im vorher genannten Dialog gegenüber dem Kunden transparent gemacht wird. Das wird weitestgehend akzeptiert, weil wir von Beginn an die Hintergründe erklären können und die Wiederverwendungsrate von Lösungen erhöhen.

Das dritte Handlungsfeld ist die Weiterentwicklung der ICT Organisation selbst. Die kontinuierliche Verbesserung ist dabei ein wesentlicher Punkt. Wenn wir Reibungsverluste haben, gilt es diese aktiv durch jeden Mitarbeitenden zu verringern oder zu eliminieren. Hier werden wir auch von zentralen Vorhaben der Unternehmung unterstützt.
Ebenso gehört die Weiterentwicklung und Besetzung von Teams und Personen für mich dazu. Dies aber nicht nur auf technischer Ebene, sondern auch in Bezug auf die Persönlichkeits- und Führungskompetenzen. Ich lege grossen Wert darauf, dass nicht nur Technik im Vordergrund steht.

Was bedeutet das für Ihre Aufgabe als CIO und die IT-Mitarbeiter?

Swiss CIO Summit - Konrad ZöschgDie wohl wichtigste Aufgabe ist der Spagat und die Risikoabwägung zwischen der Sicherstellung des Flug- und Flughafenbetriebs und die zeitgleiche Weiterentwicklung des Flughafens. Diese ist in der Regel als Programm, Projekt oder Vorhaben organisiert. Betrieblich gesehen haben wir im 2017 rund 25‘000 Störungen behoben, rund 12‘000 Aufträge bzw. Bestellungen erledigt und gleichzeitig eine durchschnittliche Verfügbarkeit über alle unsere Systeme von 99,98% bei einem 7x24h Betrieb erreicht. Diese hohen Verfügbarkeitswerte sind bei den permanenten Umbauten und Veränderungen nicht selbstverständlich und der Verdienst meines Teams. Dieses sorgt Tag und Nacht dafür, dass unsere Passagiere, unsere internen und externen Kunden reibungslos unsere Dienstleistungen nutzen können.

Gleichzeitig laufen im Unternehmen mehrere hundert Projekte. Bei sehr vielen sind wir als IT involviert und rund 80 laufende Projekte davon sind reine IT Projekte. Aus IT Portfoliosicht betrachtet, bieten wir Lösungen für rund 8 Branchen an, welche am Flughafen vereint sind. Wir sind also nicht nur interne IT sondern auch Dienstleister ausserhalb der eigenen Unternehmung und haben rund 350 Kunden.

Für mich und die IT-Mitarbeitenden bedeutet das in erster Linie, dass unser Alltag sehr vielseitig ist und wir immer wieder von einem Themengebiet ins andere wechseln können und müssen. Mir persönlich kommen da meine inzwischen fast 14 Jahre Erfahrung am Flughafen Zürich in verschiedenen IT Funktionen entgegen. Den nötigen Überblick zu behalten, dass die Puzzleteile noch zusammenpassen ist für uns alle herausfordernd und spannend. Zu verstehen was die Unternehmung plant, wo welche Projekte in Angriff genommen werden, wie sich der Flughafen weiterentwickelt und was im Betrieb beschäftigt, ist eine tägliche Bereicherung und bietet mir die Basis, Anforderungen an die IT abzuleiten und umzusetzen.

CIO Summit 2019 - Talente bewegen

Was macht die Aufgabe eines modernen CIO aus?

Das Verständnis fürs Ganze und nicht nur die technologische Betrachtung ist der Schlüssel, um die IT und das Business näher zusammenzubringen. Ich sehe mich da in der Rolle des Business-Partners und Enablers. Der Erfahrungsaustausch mit andern CIOs vergleichbarer Flughäfen oder Unternehmen ist für mich wichtig, um offen diskutieren zu können und gegenseitig voneinander zu lernen.

Ebenso gehört es dazu, die Führung der IT aktiv wahrzunehmen, Erkenntnisse beim Namen zu nennen und zu agieren. Dass wir uns dabei kontinuierlich weiterentwickeln müssen und damit jeden Tag etwas besser werden, ist für mich eine Grundvoraussetzung. In diesem Bereich habe ich in den letzten Jahren auch im Führungs-, Prozess- und Changeverständnis viel dazugelernt und mich auch dafür engagiert.

Als dritte Disziplin sehe ich die Eigenschaft, Partner und Kunden für Ideen zu begeistern und gemeinsam umzusetzen. Hier habe ich in den letzten Jahren gelernt, dass ein für die Unternehmung ausgewogener Mix zwischen Inhouseabwicklung und der Ergänzung mit den zu uns passenden Partnern der effektivste und immer mehr auch der wirtschaftlichste Ansatz ist. Mir ist es weiterhin sehr wichtig, dass wir die Kerngeschäfte und die Zusammenhänge selbst im Griff haben. Passende Partner sind für mich Fachkräfte mit dem richtigen Fach- und Persönlichkeitsrucksack, die wirtschaftliche Dienstleistungen anbieten und kulturell zu uns passen.

Welche Fähigkeiten sind dafür entscheidend?

Für mich ist ein moderner CIO ein Mensch, der Freude an Veränderungen haben muss, das nötige Mass an Risiko eingehen kann und will, sowie die Führung seines Teams aktiv in die Hand nimmt und die richtigen Personen mit an Bord holt bzw. dahin entwickelt. Ich sehe mich als Coach, der zusammen mit einem ausgewogenen Team Dinge anpackt und positiv verändert. Wir schaffen unsere Ziele ausschliesslich zusammen. Dabei ein transparenter und klarer Kommunikator zu sein ist der Schlüssel, um die Visionen und Ideen weitergeben zu können. Botschaften bzw. Ziele müssen einfach sein, so dass sie auf allen Ebenen verstanden und umgesetzt werden können. Ich habe auch die Erwartung an mich selber, dass ich für meine Mitarbeitenden gut erreichbar und offen für Feedback bin. Unser Bürokonzept unterstützt diese offene Kommunikation und den Austausch.

Auf technischer Ebene sehe ich mich als Generalist, bei dem mir meine Aus- und Weiterbildungen helfen. Ich muss wissen wie die IT grundsätzlich funktioniert, wohin wir wollen, wo wir stehen und welches die wesentlichen Abhängigkeiten sind. Entscheidend ist, dass ich dafür sorge, dass wir entsprechend der Strategie, den Architekturgrundsätzen, dem Projektportfolio und unseren Service Level Agreements arbeiten und nicht vor lauter neuen Technologien, Tools und Gadgets den Fokus verlieren.

Was sind Ihre wichtigsten 3 Tipps an IT-Manager im Digitalen Zeitalter?

  1. Ich erlebe und beobachte immer wieder, dass IT Organisationen keine Strategie haben, die den Namen Strategie verdient. Die wirkliche Auseinandersetzung mit der Daseinsberechtigung einer IT und welche Werte vertreten werden sollen, fehlt. Sich die Zeit dafür zu nehmen und auch die Voraussetzungen für die Erarbeitung der Vision und Strategie einzufordern der Startpunkt der Reise. Ich bin kein Befürworter dies extern erarbeiten zu lassen, das muss im Team erarbeitet und geformt werden. Ich bin überzeugt, dass eine selbst erarbeitete Strategie wesentlich dazu beiträgt, dass sich ein IT-Team einfacher damit identifiziert und sich auch daranhält.
  2. Ich muss die Mittel kennen, die mir helfen mit meinem Team die Ziele zu erreichen. Das können technische, organisatorische oder personelle Mittel sein. Ich muss auch wissen, wo und wie ich diese einsetzen kann. Um das Optimum zu finden ist der Austausch mit meinen dafür relevanten Schlüsselpersonen wichtig.
  3. IT ist für mich keine reine Technologie-Mannschaft mehr. Eine IT besteht natürlich aus technikaffinen Personen, aber gute Projektmanagement-Skills, ausgeprägte Kommunikationsfähigkeiten, Prozessverständnis, reife Persönlichkeitskompetenzen und der offene Umgang mit Veränderung gehören ebenfalls dazu. Dies sind wichtige ergänzende Eigenschaften eines modernen IT-Teams. IT-Manager oder CIOs müssen die Fähigkeit besitzen, die für das Unternehmen bzw. für das zu erreichende Ziel, die Skills zusammenzusetzen oder dahin zu entwickeln.

Welche 3 Technologien sollte man als CIO im Auge behalten?

Ich beziehe meine Antwort nicht isoliert auf Technologien, diese sind für mich nur Mittel zum Zweck, sondern Disziplinen rund um die Technologie:

  1. Für mich ist der primäre Fokus auf die (Schlüssel)-Information wichtig. Es ist entscheidend, dass wir Daten technisch sauber erfassen, verarbeiten und “veredelt“ als relevante Informationen unseren Kunden rechtzeitig und auf dem dafür vorgesehenen Medium zur Verfügung stellen können. Als Basis dafür benötigen wir eine Datenarchitektur und das Prozessverständnis.
  2. Um die Daten optimal verarbeiten zu können benötigen wir eine System- und Applikationslandschaft, die angepasst auf die Prozesse optimale Ergebnisse liefert. Über eine Integrationsschicht sorgen wir dafür, dass Systembrüche eliminiert und die Daten konsistent verarbeitet, gespeichert und bereitgestellt werden.
  3. Damit wir das ansteigende Volumen bewältigen können, arbeiten wir an der Standardisierung und Automatisierung von Abläufen. Dies machen wir indem wir unsere Produkte auf jene reduzieren oder austauschen, die wirklich auch nachgefragt werden und dass wir Technologien und Prozesse einsetzen, die uns erlauben einen höheren Automatisierungsgrad zu erreichen. Ich bin ein starker Befürworter Dinge richtig und konsequent anzupacken.

Was bedeutet der CIO AWARD für Sie? Warum ist es wichtig, IT-Manager vor den Vorhang zu holen, die aktiv die Digitalisierung von Unternehmen in die Hand nehmen?

Der CIO Award ist in erster Linie eine Auszeichnung für uns als IT-Team, wir sind nur gemeinsam erfolgreich. Ich bin sehr stolz, dieses Team führen zu dürfen und der Award gibt Motivation und Energie, die ambitionierten Ziele im Betrieb und in der Weiterentwicklung des Flughafens konsequent anzupacken.

Die IT in jedem Unternehmen spielt heute und morgen eine immer wichtigere Rolle das Business zu unterstützen und das Unternehmen weiterzuentwickeln. Das sehe ich jeden Tag bei uns und in der Zusammenarbeit mit all unseren Partnern am Flughafen Zürich. Die Digitalisierung von Unternehmen wird zur überlebenswichtigen Disziplin und es ist an der Zeit, dass mit guten Beispielen die Awareness dafür auf breiter Basis geschaffen wird und (endlich) richtig damit begonnen wird, die digitalen und technischen Revolutionen in den Unternehmen anzupacken. Eine moderne IT ist kein Cost-Center mehr, sie wird zum wichtigen Partner und Enabler und ist mitverantwortlich für den nachhaltigen Erfolg des Unternehmens.

Treffen Sie Konrad Zöschg und knapp 200 weitere hochkarätige IT-Manager beim 8. Confare Swiss CIO SUMMIT und sein Sie dabei, wenn die Schweizer IT-Manager des Jahres gekürt werden.

 

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