
Andreas Kranabitl ist Geschäftsführer der SPAR ICS, der IT-Unit von SPAR, Confare CIOAWARD Gewinner 2017 und wurde von der Community zum CIO of the Decade gewählt. Als langjähriger Partner der Confare Community ist er auch Speaker beim Confare CIOSUMMIT Salzburg.
Was bedeutet es, IT als echten Business-Partner zu etablieren? Welche Rolle spielen Vertrauen, Architektur und Klarheit in der Priorisierung? Und wie gelingt es, Innovation nicht nur zu denken, sondern konkret umzusetzen?
In unserem Behind the Badge Interview spricht Andreas Kranabitl über die Transformation der IT, den Erfolg der SPAR-App – und warum es mehr braucht als Technologie.
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Du bist ein viel gesehener Gast bei unseren Events und auf der Confare Bühne. Du hast den Confare CIOAWARD gewonnen und wurdest sogar von unserer Community als CIO of the Decade gewählt. Dein Unternehmen ist die SPAR ICS, und dort bist du schon viele Jahre aktiv. Welche Rolle spielen IT und Digitalisierung sowie die SPAR ICS im SPAR-Konzern? Kannst du uns das ein bisschen schildern?
Danke, dass du darauf hingewiesen hast, dass ich schon sehr lange im Unternehmen bin — konkret seit 1982, da habe ich in der IT bei SPAR begonnen. Ich habe in meinem Berufsleben noch nie woanders gearbeitet, immer in der IT. In dieser Zeit hat sich natürlich sehr viel verändert.
In den 80er-Jahren trugen wir teilweise noch weiße Mäntel, waren irgendwo im Keller unterwegs. In den 90ern kam dann die nächste große Welle, riesige SAP-Projekte, die der IT immer mehr Relevanz im Unternehmen gebracht haben.
Dann folgte die nächste Phase mit Internet, E-Commerce, rund um die 2010er-Jahre, wo SPAR massiv investiert hat. IT ist immer stärker ins Business hineingewachsen, die Zusammenarbeit mit den Fachbereichen wurde intensiver.
Heute sprechen wir über Cloud, die enorme Dynamik gebracht hat — neue Software, neue Projekte, die direkt ins Business wirken. Jetzt starten wir in die nächste Welle mit KI, die noch einmal vieles verändern wird.
Das Unternehmen ist extrem innovativ und nimmt Digitalisierung sehr ernst. Wir haben sehr gute Rahmenbedingungen und arbeiten kontinuierlich daran, gemeinsam mit dem Business Dinge umzusetzen und auch Herausforderungen anzugehen.
Ich denke, wir sind gut positioniert, haben ein starkes Standing im Gesamtunternehmen und Digitalisierung wird bei uns ernst genommen.
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Du hast eine beeindruckend lange Geschichte im Unternehmen. Würdest du sagen, dass dir diese tiefe Kenntnis des Unternehmens hilft, deine Rolle als Geschäftsführer wahrzunehmen?
Geschäftsführer zu sein, war nie eine einfache Aufgabe und ist es heute weniger denn je. Aber natürlich hilft es enorm, das Unternehmen von Grund auf zu kennen.
SPAR hat sich in Österreich und den Nachbarländern, in den wir tätig sind, in den letzten vergangenen Jahrzehnten stark entwickelt — mit großen Übernahmen, Expansionsprojekten und großen Technologieprojekten. Ich verstehe heute sehr genau, was wichtig ist, um Vertrauen aufzubauen. Da hilft mir die langjährige Tätigkeit sehr.
Vertrauen ist für mich extrem wichtig: Wir haben das Jahresmotto „Perform Trust“ — also Leistung erbringen und gleichzeitig Verlässlichkeit zeigen. Dieses Vertrauen gilt nicht nur gegenüber den Fachbereichen und dem Management, sondern auch innerhalb der IT: Wir können uns aufeinander verlassen. Das ist die Basis, um auch Risikoprojekte anzugehen.
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Auch wir spüren diesen partnerschaftlichen Umgang. Du trägst außerdem viel dazu bei, dass das CIO Summit in Salzburg erfolgreich ist. Vielen Dank für diese Zusammenarbeit.
Du hast schon viele Themen angesprochen, die aktuell auf den Schreibtischen der CIOs landen. Wie setzt du die richtigen Prioritäten, um Ressourcen fokussiert einzusetzen?
Das ist tatsächlich eine der größten Herausforderungen. Ich verstehe mich nicht als jemand, der fürs Rechenzentrum zuständig ist, sondern für die Business-Transformation.
Wir wollen nicht nur Betrieb und Applikationsmanagement machen, sondern aktiv die Transformation des Unternehmens unterstützen. Dafür braucht es die Balance: einerseits technologische Weiterentwicklung, andererseits den Erhalt und die Weiterentwicklung bestehender Systeme.
Daneben braucht es Raum für Innovation, um Themen voranzutreiben, die zunächst experimentell wirken, aber mittelfristig echten Mehrwert bringen.
Es geht um die Notwendigkeit, klar zu priorisieren: Welche Projekte bringen uns als Unternehmen weiter, was adressiert die Kund:innen, wo schaffen wir Wert?
Die Priorisierung ist ein Dauerthema, das mich wahrscheinlich zwölf Stunden am Tag beschäftigt.
Ich höre im Hintergrund auch das Thema Unternehmensarchitektur mit: Man muss ja die Voraussetzungen schaffen, damit diese Prioritäten überhaupt umsetzbar sind.
Genau. Wir haben jedes Jahr einen klaren Plan, was wir vorbereitend tun müssen. Unser strategisches Prinzip lautet: „Wir haben die Technologie heute bereit für das, was das Unternehmen morgen braucht.“
Diese Vorarbeit ermöglicht es uns, schnell zu handeln, wenn es notwendig ist.
Du hast vorhin die Cloud angesprochen. Mit Cloud- und SaaS-Modellen wandert viel IT in fremde Hände. Wie wichtig ist euch Datensouveränität und Unabhängigkeit?
Das ist für uns ein sehr wichtiges Thema. Unsere Eigentümer gehen hier sehr sorgfältig vor. Wir haben lange diskutiert, wie wir damit umgehen, und eine klare Strategie entwickelt.
Wir entscheiden bewusst, wo wir Cloud nutzen und wo nicht. Dafür haben wir eine gute Governance-Struktur aufgebaut, auch in Zusammenarbeit mit unserer Rechtsabteilung.
Wir bewerten immer zwei Hauptkriterien: Datensouveränität — also wo liegen die Daten — und die Systemverfügbarkeit. Als kritische Infrastruktur können wir es uns nicht leisten, dass Systeme stundenlang ausfallen.
Dementsprechend entscheiden wir sehr überlegt und setzen auf solide Lösungen. Für Marketing-Themen, bei denen Verfügbarkeit nicht so kritisch ist, sind wir offener. Insgesamt gehen wir hier sehr professionell und strukturiert vor.
Sehr spannend. Man sieht, dass IT heute nicht nur im Unternehmen wirkt, sondern direkt beim Kunden ankommt. Mit der SPAR-App ist euch da ein großer Wurf gelungen. Was waren die Erfolgsvoraussetzungen?
Der größte Erfolgsfaktor waren die richtigen Leute und das richtige Team.
Es begann mit einer engen Zusammenarbeit zwischen Marketing, Vorstand und IT. Das Marketing hat sich überlegt, wie man den Kund:innen echten Mehrwert bieten kann. Das klare Ziel war: Der Kunde und die Kundin soll mit der App wirklich sparen.
Parallel hatten wir hervorragende IT-Expert:innen, die unsere Systeme und Prozesse perfekt kannten. Die App ist ein technologisches Meisterwerk: Sie verbindet etwa 15 Systeme, von der Kassa bis zum Backend, in Echtzeit.
Wenn du an der Kassa die App verwendest, gehen Daten nach Amsterdam in die Azure Cloud und kommen in Millisekunden zurück — dein Vorteil wird sofort angezeigt.
Dieses Know-how im Unternehmen war entscheidend. Wir haben das nicht eingekauft, sondern mit unseren eigenen Leuten entwickelt.
Daneben war die enge, schrittweise Einbindung der Fachbereiche wichtig: Vertrieb, Rechtsabteilung (Datenschutz) und viele andere. Außerdem mussten wir an einigen Stellen die digitalen Grundlagen stärken.
Diesen Erfolg kann man nicht kaufen — den muss man mit dem eigenen Team erarbeiten.
Danke, dass wir die App auch bei der Livin IT Trophy auf die Bühne holen durften.
Übrigens: Die Ausschreibung für die Livin IT Trophy läuft noch bis Ende Juli!
Du hast das Thema KI schon angesprochen. Vielen Dank, dass wir heute nicht ausschließlich darüber sprechen, wie es oft passiert.
Trotzdem: Was braucht es, damit KI nicht nur Prototyp bleibt, sondern unternehmensweit skalierbar wird?
Ich bin überzeugt, dass KI in den nächsten drei bis fünf Jahren ein echter Game Changer sein wird — nicht nur im IT-Betrieb, sondern auch bei Services, Aufgaben und Leistungen.
Es wird Diskussionen über Arbeitsplätze geben. Ich glaube aber nicht, dass wir durch KI sofort massiv einsparen. Vielmehr werden wir weiterhin mehr Softwareentwickler brauchen, als es am Markt gibt, und KI hilft, diesen Mangel etwas abzufedern.
Technologische Entwicklungen nehmen immer mehr Geschwindigkeit auf. KI hat eine viel höhere Komplexität und einen größeren Impact als alles, was wir bisher gesehen haben.
Deshalb haben wir ein eigenes Team aufgebaut, das sich mit KI beschäftigt, Dinge ausprobiert und evaluiert.
Wir investieren etwa in intelligente Systeme, die Warenverfügbarkeit optimieren. Das wird immer komplexer, weil die Sortimentsvielfalt steigt.
Ich bin zuversichtlich, dass wir hier in den nächsten zwölf Monaten konkrete Ergebnisse sehen werden. Wichtig ist dabei, dass man nicht einfach alles ausprobiert, sondern sich auf die richtigen Themen konzentriert.
Man braucht Vertrauen — die Dinge, die wir anpacken, müssen auch wirklich Wirkung zeigen.
Sehr spannend. Wie verändert sich dadurch die Zusammenarbeit mit den Fachbereichen?
Für mich ist es ein großer Vorteil, dass wir als eigenes Unternehmen (ICS) klar als Ansprechpartner für digitale Themen wahrgenommen werden.
Jedes Unternehmen bei SPAR weiß: Wenn es um Digitalisierung geht, ist ICS zuständig. Das stärkt unsere Position und ermöglicht uns auch, eine eigene Kultur zu pflegen, um die besten Leute zu gewinnen.
Wir verstehen uns als Kompetenzzentrum und investieren viel in Projekte, die nicht nur IT-Projekte sind, sondern die Business-Transformation vorantreiben.
Die Fachbereiche müssen immer mehr mitziehen, um Technologien erfolgreich ins Unternehmen zu bringen. Wir arbeiten gerade an einem großen Workshop mit Fachbereichen, um gemeinsame Roadmaps und Programme zu entwickeln.
Wir haben einen eigenen Organisationsblock („grüner Block“) geschaffen, der sich speziell darum kümmert, die Fachbereiche abzuholen, zu entwickeln und gemeinsam Lösungen zu gestalten.
Dabei ist es wichtig, partnerschaftlich vorzugehen: zuhören, gemeinsam erarbeiten — nicht von oben herab diktieren.
Das stärkt unsere Position im Unternehmen und macht uns zu einem echten Partner.
Ich kann nur jedem CIO empfehlen, diesen Weg zu gehen.
Eine letzte Frage noch: Du hast wesentlich dazu beigetragen, dass wir das CIOSUMMIT nach Salzburg bringen konnten. Warum war dir das wichtig?
Einerseits ganz ehrlich: Ich bin für die IT bei SPAR verantwortlich und freue mich, wenn sich SPAR auf einer Bühne gut präsentieren kann. Ich denke, was wir tun, kann nicht jedes Unternehmen in Österreich leisten. Diese Erfahrungen teile ich gerne.
Andererseits hilft es mir enorm, mich mit anderen auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen, zu diskutieren oder auch mal gemeinsam zu jammern. Diese Community ist unglaublich wertvoll.
Wir müssen in Österreich mehr machen als nur Rechenzentren bauen. Wir haben so viele großartige Leute, die wir zusammenbringen und weiterentwickeln müssen.
Ich freue mich, dass wir das gemeinsam tun.
Vielen Dank, Andreas. Ich freue mich aufs Wiedersehen und wünsche weiterhin viel Erfolg!
Danke, hat mich sehr gefreut. Liebe Grüße an alle!


