Confare ImpactAward Nominee Robert Mahnke (Universitätsklinikum Ulm) über Führung, Regulatorik und die Rolle des CIO als Übersetzer

Im ersten Teil des Interviews ging es um Digitalisierung als Voraussetzung für eine leistungsfähige Gesundheitsversorgung. Im zweiten Teil spricht Robert Mahnke darüber, wie Innovation, Regulatorik und Wirtschaftlichkeit zusammengebracht werden können und warum CIOs heute vor allem Übersetzungsarbeit zwischen Technik, Organisation und den jeweiligen Fachbereichen leistet.
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Michael Ghezzo:
Im Gesundheitswesen treffen derzeit sehr unterschiedliche Anforderungen aufeinander. Einerseits gibt es einen hohen Innovationsdruck, andererseits steigen die Anforderungen durch Regulatorik, Informationssicherheit und Compliance. Gleichzeitig müssen Krankenhäuser wirtschaftlich arbeiten. Wie gelingt es dir als CIO, in diesem Spannungsfeld die richtigen Prioritäten zu setzen?
Robert Mahnke:
Ob uns das immer gelingt, müssten wahrscheinlich andere beurteilen. Wir versuchen jedenfalls, diese unterschiedlichen Anforderungen so gut wie möglich miteinander zu verbinden.
Das Gesundheitswesen verfügt grundsätzlich über erhebliche Ressourcen. Gleichzeitig erleben wir seit vielen Jahren Reformen, die häufig eher schrittweise erfolgen.
Mit dem Krankenhauszukunftsgesetz haben wir einen wichtigen Impuls für die Digitalisierung erhalten. Gleichzeitig steigen aber auch die Anforderungen an Informationssicherheit, Datenschutz und Compliance kontinuierlich. Das gehört heute selbstverständlich dazu.
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Michael Ghezzo:
Viele sehen Regulatorik vor allem als Bremse für Innovation. Du betrachtest das differenzierter.
Robert Mahnke:
Ja. Compliance ist nicht grundsätzlich etwas Negatives.
Wenn Datenschutz, Informationssicherheit oder regulatorische Anforderungen von Beginn an mitgedacht werden, entstehen häufig bessere Lösungen. Dann entwickeln wir Anwendungen, die später auch tatsächlich skalieren können.
Natürlich erleben wir auch Situationen, in denen sich Vorgaben widersprechen oder unnötig kompliziert wirken. Das gehört ebenfalls zur Realität. Trotzdem halte ich es für den besseren Weg, diese Anforderungen früh zu berücksichtigen, anstatt sie erst am Ende eines Projekts nachzuziehen.
Dann wird aus Regulatorik kein Hindernis, sondern ein Qualitätsmerkmal der Lösung.
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Michael Ghezzo:
Gleichzeitig bleibt das Budget begrenzt. Wie gelingt es, unter diesen Bedingungen die richtigen Entscheidungen zu treffen?
Robert Mahnke:
Natürlich würden wir in vielen Bereichen gerne noch mehr investieren. Die Aufgaben werden nicht weniger – im Gegenteil.
Mit Themen wie NIS2, dem AI Act oder neuen Sicherheitsanforderungen kommen ständig zusätzliche Aufgaben hinzu. Diese Projekte lassen sich nicht einfach verschieben. Sie benötigen Personal und binden Kapazitäten, die an anderer Stelle fehlen. Genau deshalb müssen wir sehr bewusst priorisieren.
Dabei helfen uns klare Entscheidungsstrukturen.Wir haben beispielsweise eine Digitalisierungskommission, in der Vorhaben gemeinsam bewertet und priorisiert werden. Dadurch entstehen Entscheidungen nicht isoliert innerhalb der IT, sondern gemeinsam mit dem Unternehmen.
Michael Ghezzo:
Die Rolle des CIO verändert sich dadurch ebenfalls. Du hast sie einmal als Übersetzer zwischen Medizin, Pflege und Technologie beschrieben. Was macht diese Aufgabe für dich besonders spannend?
Robert Mahnke:
Dieser Gedanke begleitet mich eigentlich schon seit meinem Studium der Medizininformatik. Unser Professor sagte damals sinngemäß: “Sie werden an der Schnittstelle zwischen Medizin und Technik arbeiten.”
Dieses Bild hat mich bis heute geprägt. Er brachte damals ein Beispiel, das ich nie vergessen habe.
Ein Biologe und ein Informatiker sprechen über eine Maus. Beide verwenden denselben Begriff und meinen doch etwas völlig anderes. Genau solche Missverständnisse gibt es überall dort, wo unterschiedliche Fachdisziplinen zusammenarbeiten.
Deshalb braucht es Menschen, die beide Welten verstehen und übersetzen können.
Michael Ghezzo:
Und genau diese Rolle übernimmt heute der CIO?
Robert Mahnke:
Ja, IT ist heute mit nahezu allen Bereichen eines Krankenhauses verbunden. Natürlich arbeiten wir mit Ärztinnen und Ärzten oder mit der Pflege zusammen. Genauso aber auch mit der Gebäudetechnik, der Logistik, der Telefonie, der Sicherheitstechnik oder der Verwaltung.
Ein Universitätsklinikum funktioniert in vielerlei Hinsicht wie eine kleine Stadt. Jeder Bereich hat eigene Anforderungen, eigene Ziele und oft auch eine ganz eigene Sprache. Das macht die Aufgabe anspruchsvoll.
Genau das macht sie aber auch so spannend. Man lernt ständig neue Prozesse kennen und bewegt sich permanent zwischen unterschiedlichen Fachwelten. Für mich ist genau das eine der schönsten Seiten dieser Rolle.
Michael Ghezzo:
Diese Übersetzungsarbeit endet also nicht zwischen Medizin und IT.
Robert Mahnke:
Nein. Sie findet im gesamten Unternehmen statt. Oft erleben wir, dass unterschiedliche Bereiche ähnliche Ziele verfolgen, aber sehr unterschiedlich darüber sprechen.
Wenn wir dazu beitragen können, diese Perspektiven zusammenzubringen, hilft das dem gesamten Klinikum. Genau darin sehe ich heute eine wichtige Aufgabe der IT. Nicht nur Technologie bereitzustellen, sondern Zusammenarbeit zu ermöglichen.
Michael Ghezzo:
Robert, für genau diesen Ansatz bist du auch für den Confare ImpactAward nominiert. Die Community kann dich täglich im Online-Voting unterstützen. Wofür steht aus deiner Sicht eine Stimme für dich und dein Team?
Robert Mahnke:
Für mich steht sie für die Überzeugung, dass Digitalisierung nicht beim Tool aufhört. Dort beginnt sie erst.
Erst wenn Technologie, Prozesse, Daten und Menschen zusammenkommen, entsteht echter Mehrwert für den klinischen Alltag. Genau daran arbeiten wir jeden Tag.
Michael Ghezzo:
Robert, vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche dir viel Erfolg beim Online-Voting für den Confare ImpactAward und freue mich auf unser Wiedersehen beim Confare CIOSUMMIT Frankfurt.
Robert Mahnke:
Vielen Dank, Michael. Ich freue mich ebenfalls.


