Exklusiv in der Kolumne mit Markus Czerner: Braucht Innovation ein Feindbild?
Ich habe eine These, die in vielen Managementrunden vermutlich nicht besonders gut ankommt:
Die meisten Menschen leisten erst dann wirklich Außergewöhnliches, wenn sie einen Gegner haben.
Nicht ein Problem.
Nicht eine Herausforderung.
Einen Gegner.
Ich habe das früh im Tennis gelernt. Solange ein Match „nett“ bleibt, spiele ich gutes Tennis. Solide. Kontrolliert. Technisch sauber. Aber nicht außergewöhnlich. Meine beste Leistung kommt erst, wenn ich meinen Gegner für die Dauer des Matches zu einem Feindbild mache.
Nicht persönlich.
Nicht unfair.
Aber klar genug, dass mein Kopf in einen anderen Modus schaltet.
Plötzlich wird alles schärfer.
Der Fokus.
Die Intensität.
Der Wille, jeden Ball zu holen.
Es geht nicht mehr um schönes Spiel. Es geht darum, zu gewinnen. Und genau dieser Mechanismus begegnet mir heute immer wieder in Unternehmen.
Komfort ist der natürliche Feind von Veränderung
In Organisationen hören wir ständig das Wort Transformation. Digitale Transformation. Kulturelle Transformation. Mindset-Transformation. Aber Transformation ohne echten Druck bleibt oft genau das: ein Konzept. Denn der Mensch – und auch Organisationen – sind erstaunlich gut darin, im Bekannten zu bleiben. Selbst dann, wenn alle wissen, dass Veränderung notwendig wäre.
Wir optimieren, wir diskutieren, wir planen. Aber wir verändern selten wirklich etwas Grundlegendes.
Warum?
Weil uns häufig der Gegner fehlt.
Der psychologische Schalter
Im Tennis passiert etwas Spannendes, wenn ich gegen jemanden spiele, der mich wirklich herausfordert. Mein Gehirn schaltet um. Es geht nicht mehr um schöne Technik oder elegante Punkte. Es geht um Lösungen. Um Kampf. Um das nächste Spiel. Der Fokus wird brutal klar.
Und genau das sehe ich auch in Organisationen, wenn sie plötzlich einem echten Wettbewerber begegnen.
Ein neuer Marktteilnehmer.
Ein Start-up.
Ein technologischer Sprung.
Plötzlich geht, was vorher angeblich unmöglich war.
Entscheidungen werden schneller. Budgets werden freigegeben. Ideen werden umgesetzt. Nicht, weil Menschen plötzlich klüger geworden sind. Sondern weil der Druck einen mentalen Schalter umlegt.
Echte Transformation braucht den Mut zur Herausforderung. Haben Sie den „mentalen Schalter“ umgelegt und IT-Projekte mit Biss gestaltet? Zeigen Sie Ihre Erfolge bei der Confare LivinIT Trophy – Jetzt einreichen!
Der Gegner als Energiequelle
Der Gegner erfüllt dabei eine wichtige Funktion: Er gibt Energie eine Richtung. Ohne Gegner verteilt sich Energie Mit Gegner bündelt sie sich. Im Tennis weiß ich genau, wogegen ich spiele. Im Unternehmen fehlt diese Klarheit oft. Dann heißt der Gegner diffus:
- „der Markt“
- „die Digitalisierung“
- „der Wandel“
Aber gegen abstrakte Begriffe kämpft niemand wirklich.
Das Problem erfolgreicher Organisationen
Je erfolgreicher ein Unternehmen ist, desto schwieriger wird es, diesen Fokus zu erzeugen. Denn Erfolg erzeugt Sicherheit. Sicherheit erzeugt Routinen. Und Routinen erzeugen Komfort. Die größte Gefahr für erfolgreiche Organisationen ist deshalb selten der Wettbewerb.
Es ist Selbstzufriedenheit.
Ich habe Matches verloren, weil ich glaubte, stärker zu sein. Weil ich glaubte, das Spiel würde sich schon irgendwie gewinnen. Und genau so verlieren Unternehmen manchmal ihre Zukunft.
Nicht, weil sie zu schlecht sind. Sondern weil sie zu bequem geworden sind.
Der mentale Trick
Im Tennis habe ich irgendwann verstanden:
Das Feindbild ist kein Problem.
Es ist ein Werkzeug.
Ich brauche es nicht, um den Gegner zu hassen. Ich brauche es, um meine Energie zu mobilisieren.
Nach dem Match verschwindet dieses Bild sofort wieder. Aber während des Spiels hilft es mir, an meine Leistungsgrenze zu gehen.
Vielleicht brauchen Organisationen etwas Ähnliches. Nicht unbedingt ein Feindbild im klassischen Sinn. Aber einen klaren Gegner.
Ein Problem, das groß genug ist.
Ein Ziel, das mutig genug ist.
Eine Herausforderung, die unbequem genug ist.
Transformation braucht Spannung
Echte Transformation entsteht selten aus Zufriedenheit. Sie entsteht aus Spannung. Spannung zwischen dem, was ist – und dem, was möglich wäre. Die besten Teams, die ich kenne, schaffen diese Spannung bewusst. Sie warten nicht darauf, dass ein Gegner auftaucht. Sie stellen sich selbst die Fragen, die weh tun:
- Was würde ein Start-up tun, um uns anzugreifen?
- Welche unserer Produkte sind eigentlich schon überholt?
- Welche Entscheidung würden wir treffen, wenn wir heute neu anfangen würden?
Das sind keine angenehmen Fragen. Aber sie sind unglaublich kraftvoll.
Meine Erkenntnis aus dem Tennis
Die größte Gefahr ist nicht der starke Gegner. Die größte Gefahr ist ein Gegner, den wir nicht ernst nehmen. Im Tennis endet das meistens mit einem verlorenen Match. In Unternehmen endet es manchmal mit verlorenen Märkten. Deshalb glaube ich heute:
Vielleicht braucht Transformation gar keinen Feind. Aber sie braucht die Energie eines Gegners.
Die Frage ist nur:
Warten wir darauf, dass jemand anderes diese Rolle übernimmt?
Oder haben wir den Mut, uns selbst herauszufordern, bevor es jemand anderes tut.
Seit 15 Jahren ist der Confare CIOSUMMIT Zürich die Bühne für die Champions der Schweizer IT. Reichen Sie jetzt für den Confare Swiss CIOAWARD ein und feiern Sie mit uns 15 Jahre Exzellenz.



