Chancengleichheit als Führungsaufgabe: Petra Clemens über Sichtbarkeit und gezielte Talentförderung

by Cansu Karacan

Chancengleichheit als Führungsaufgabe: Confare ImpactAward Nominee Petra Clemens über Sichtbarkeit und gezielte Talentförderung

Petra Clemens ist Global CIO bei der Eppendorf-Gruppe und Confare ImpactAward Nominee. HIER können Sie täglich für Ihre Favoriten beim Confare ImpactAward voten. Verliehen wird der Preis beim Confare CIOSUMMIT in Frankfurt.

Im ersten Teil unseres Gesprächs haben wir darüber gesprochen, wie Petra Clemens als Global CIO von Eppendorf Business Value in den Mittelpunkt stellt und warum moderne IT vor allem Komplexität reduzieren muss. In diesem zweiten Teil geht es um ein Thema, das ihr persönlich besonders am Herzen liegt: Female Leadership.

Michael Ghezzo:
Petra, uns verbindet nicht nur die Leidenschaft für IT Leadership und die CIO-Community, sondern auch das Thema Female Leadership. Mit der Confare Female IT Community beschäftigen wir uns seit vielen Jahren intensiv damit.
Woher kommt dein persönliches Engagement für Frauen in der IT?

Petra Clemens:
Ich habe darüber tatsächlich noch einmal nachgedacht. Ein Stück weit beginnt das natürlich bei meiner eigenen Geschichte.

Während meines Studiums waren wir unter rund hundert Studierenden gerade einmal zehn Frauen. Damals habe ich mir darüber ehrlich gesagt gar nicht viele Gedanken gemacht. Ich wollte einfach etwas studieren, das mir Spaß macht und mit dem ich später einen spannenden Beruf ausüben kann.

Dass ich mich heute so intensiv für Frauen engagiere, hat viel mit meinem eigenen Berufsweg zu tun. Meine Karriere war alles andere als geradlinig. Ich habe mehrfach erlebt, wie schwierig es als Frau sein kann, den nächsten Karriereschritt zu machen.

Ein Erlebnis ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Nach der Geburt meines Kindes bin ich in meinen Beruf zurückgekehrt. Vorher war ich Abteilungsleiterin, danach sollte ich plötzlich nur noch Projekte übernehmen. Das konnte ich damals überhaupt nicht nachvollziehen. Im Gegenteil: Ich hatte das Gefühl, dass ich durch diese Erfahrung strukturierter geworden war und mich persönlich weiterentwickelt hatte. Trotzdem wurde mir weniger Verantwortung übertragen.

Michael Ghezzo:
Du hast erzählt, dass es noch weitere Situationen gab, die dich nachhaltig geprägt haben.

Petra Clemens:
Ja. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Führungsposition, die neu besetzt wurde.

Ich hatte damals das größte Projekt des Unternehmens geleitet und war überzeugt, dass genau diese Aufgabe der nächste logische Schritt für mich wäre. Stattdessen wurde ich nicht einmal gefragt. Die Position ging an einen männlichen Kollegen. Ich war nicht einmal Teil des Auswahlprozesses.

Als ich nachfragte, bekam ich zur Antwort: “Du hast doch bereits eine Aufgabe. Warum sollten wir dich auf diese Position setzen?”

Das hat mich damals sehr beschäftigt. Nicht nur, weil ich die Stelle nicht bekommen habe, sondern weil ich gemerkt habe, dass ich gar nicht wahrgenommen wurde.

Im Rückblick war genau das einer der Momente, in denen ich beschlossen habe, stärker für mich selbst einzustehen. Und irgendwann habe ich gemerkt: Wenn ich das für mich selbst kann, dann kann ich das auch für andere Frauen tun. Heute sehe ich genau darin einen wichtigen Teil meiner Aufgabe.

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Michael Ghezzo:
Barbara sagt häufig, dass Frauen und IT hervorragend zusammenpassen. Was oft fehlt, ist weniger Kompetenz als vielmehr das Zutrauen oder die Unterstützung durch das Umfeld.
Warum übernehmen aus deiner Sicht trotzdem noch immer vergleichsweise wenige Frauen Führungsverantwortung?

Petra Clemens:
Ich würde die Frage ein wenig anders stellen.

Ich glaube gar nicht, dass Frauen sich grundsätzlich weniger zutrauen. In vielen Gesprächen habe ich erlebt, dass Frauen Führungspositionen ganz bewusst ablehnen. Nicht, weil sie glauben, die Aufgabe nicht bewältigen zu können.

Sondern weil sie sagen: “Im Moment möchte ich mich um meine Familie kümmern.”

Genau dort beginnt für mich unsere Verantwortung. Wir müssen Rahmenbedingungen schaffen, die beides ermöglichen: flexible Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle, Jobsharing und eine Unternehmenskultur, in der niemand das Gefühl haben muss, sich zwischen Familie und Karriere entscheiden zu müssen.

Natürlich spielt Selbstvertrauen ebenfalls eine Rolle, aber häufig geht es um etwas anderes. Es geht um die Frage, wie sich Familie, Beruf und Führungsverantwortung miteinander vereinbaren lassen.

Wir Frauen übernehmen nach wie vor einen großen Teil der Familien- und Care-Arbeit. Deshalb braucht es Partner, auf die man sich verlassen kann. Und es braucht Unternehmen, die diese Lebensrealität ernst nehmen.

Michael Ghezzo:
Das ist also keine Aufgabe, die Frauen allein lösen können.

Petra Clemens:
Ganz genau. Es ist eine Aufgabe der Familien, der Unternehmen und letztlich auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Nur wenn wir gemeinsam daran arbeiten, schaffen wir Rahmenbedingungen, in denen Frauen ihr Potenzial wirklich entfalten können.

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Michael Ghezzo:
Du hast vorher schon angesprochen, dass viele Menschen dazu beitragen müssen, damit sich etwas verändert. Das betrifft Familien genauso wie Unternehmen.
Du betonst auch immer wieder, wie wichtig Male Allies sind. Welche Rolle können Männer ganz konkret dabei spielen, mehr Frauen für Führungsrollen und Karrieren in der IT zu gewinnen?

Petra Clemens:
Zunächst einmal möchte ich wirklich eine Lanze für viele Männer brechen. Ich bin heute dort, wo ich bin, weil mich Männer auf meinem Weg unterstützt haben. Mein damaliger Chef hat mir Sichtbarkeit gegeben. Er hat mich zu wichtigen Terminen mitgenommen, mich vorgestellt und mir die Möglichkeit gegeben, auf Bühnen zu sprechen. Das war unglaublich wertvoll.

Sichtbarkeit ist einer der entscheidenden Faktoren für eine Karriere, ein weiterer Punkt sind faire Gehälter. Noch immer gibt es deutlich mehr Männer als Frauen in Führungspositionen. Deshalb können Männer auch dazu beitragen, Gehaltsstrukturen kritisch zu hinterfragen und sich für faire Rahmenbedingungen einzusetzen.

Ich selbst habe einmal einen großen Gehaltssprung gemacht. Dadurch konnte ich mir ein Au-pair leisten. Das hat vieles verändert und es mir ermöglicht, Familie und Beruf deutlich besser miteinander zu vereinbaren. Rückblickend war das ein echter Karrierebooster. Faire Gehälter schaffen eben nicht nur Gerechtigkeit. Sie eröffnen oft überhaupt erst die Möglichkeit, Führungsverantwortung zu übernehmen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist Mentoring. Ich finde es wichtig, dass erfahrene Männer Frauen begleiten und ihre Erfahrungen weitergeben. Es geht überhaupt nicht darum, dass Frauen sich verändern oder wie Männer führen sollen.

Im Gegenteil. Frauen müssen keine Männer werden, um erfolgreich zu sein, aber es hilft, bestimmte Mechanismen in Unternehmen besser zu verstehen. Warum werden Entscheidungen so getroffen? Wie funktionieren Netzwerke? Wie entstehen Chancen? Solche Erfahrungen weiterzugeben, ist unglaublich wertvoll.

Und schließlich geht es um Fairness. Wenn Führungspositionen neu besetzt werden, sollte man selbstverständlich auch Frauen ansprechen und ihnen diese Chancen eröffnen – statt automatisch an diejenigen zu denken, die solche Aufgaben bisher übernommen haben. Für mich hat das mit Fairness, Sichtbarkeit und echter Chancengleichheit zu tun.

Michael Ghezzo:
Du hast das Thema Sichtbarkeit jetzt schon mehrfach angesprochen. Was können wir ganz konkret tun, damit mehr Frauen mit ihrer fachlichen Expertise sichtbar werden?

Petra Clemens:
Da gibt es viele Möglichkeiten. Mit der Confare Female IT Community macht ihr bereits sehr vieles richtig. Frauen brauchen Bühnen. Und zwar nicht gelegentlich, sondern ganz selbstverständlich.

Ich war vor Kurzem zu einem Podcast eingeladen und habe den Gastgeber gefragt, wie viele Frauen bisher bei ihm zu Gast waren. Er antwortete: „Keine. Du bist die Erste.“

Daraufhin habe ich gefragt, wie viele Männer er interviewt hat. Da wurde es plötzlich sehr ruhig. Genau dort beginnt Veränderung.

Wenn wir über Technologie sprechen, müssen Frauen selbstverständlich als Expertinnen eingeladen werden. Sie führen Unternehmen, verantworten große IT-Organisationen und bringen enorme Praxiserfahrung mit. Es geht dabei gar nicht darum, ständig über Diversität zu sprechen. Ich werde häufig genau zu diesem Thema eingeladen, und das mache ich gerne.

Genauso wichtig ist es aber, dass Frauen über ihre fachliche Arbeit sprechen. Über Projekte, die sie verantworten. Über Erfahrungen, die sie gesammelt haben. Und über den Beitrag, den sie in ihren Unternehmen leisten. Genau dadurch entstehen Sichtbarkeit und neue Vorbilder. Ich wünsche mir deshalb deutlich mehr Frauen auf Bühnen. Nicht als Quotenfrau, sondern ganz selbstverständlich.

Ich frage heute übrigens häufig nach, wie ein Panel besetzt ist. Wenn ich den Eindruck habe, dass Diversität keine Rolle spielt, spreche ich das offen an. Ich habe sogar schon einmal eine Einladung abgelehnt.

Ein Jahr später hat mich derselbe Veranstalter wieder angerufen und gesagt: “Wir haben unser Konzept geändert. Diesmal haben wir deutlich mehr Frauen auf der Bühne.”

Das zeigt, dass man durchaus etwas bewegen kann. Für mich lässt sich das in einem Satz zusammenfassen: Frauen in Tech brauchen nicht mehr Podien. Sie brauchen Mikrofone an den richtigen Tischen – dort, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden.

Michael Ghezzo:
Seit wir mit der Confare Female IT-Community gestartet sind, erleben wir, wie sich Diskussionen verändern, wenn mehr Frauen beteiligt sind. Gleichzeitig ist es gelungen, deutlich mehr Frauen beim CIOAWARD und Swiss CIOAWARD auszuzeichnen. Vor einigen Jahren wäre das kaum vorstellbar gewesen.

Petra Clemens:
Ja, das sehe ich genauso. Ich bin inzwischen auf vielen Panels und Veranstaltungen unterwegs. Immer wenn Frauen und Männer gemeinsam auf der Bühne stehen, verändert sich die Diskussion. Und ich beobachte noch etwas anderes: In der CIO-Community gibt es heute viele Männer, für die Diversität längst selbstverständlich geworden ist.

Ich denke dabei auch an unsere gemeinsamen Veranstaltungen. Ich stand dort mit zwei großartigen Männern auf der Bühne. Für sie war es überhaupt keine Frage, dass Frauen selbstverständlich dazugehören. Sie unterscheiden gar nicht mehr zwischen Männern und Frauen. Es geht ihnen darum, die richtigen Menschen zusammenzubringen. Das finde ich unglaublich schön.

Wenn wir an den Punkt kommen, an dem das für immer mehr Menschen selbstverständlich ist, dann brauche ich irgendwann auch keine Podcasts mehr zum Thema Diversität zu geben. Dann können wir wieder ausschließlich über Technologie, Leadership und die inhaltlichen Themen sprechen. Im Moment halte ich diese Diskussion aber noch für notwendig.

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Michael Ghezzo:
Eine Herausforderung, die wir immer wieder erlebt haben, war zunächst gar nicht, Frauen auszuzeichnen, sondern sie überhaupt für eine Nominierung oder Bewerbung zu gewinnen.
Viele sagen: „Warum sollte ich mich in den Vordergrund stellen? Hinter mir steht doch ein großartiges Team.“ Dabei geht es bei solchen Auszeichnungen genau darum, Menschen sichtbar zu machen.

Petra Clemens:
Das beobachte ich ebenfalls. Viele Frauen stellen ihre eigene Leistung zunächst hinter die des Teams. Dabei schließt sich das überhaupt nicht aus.

Natürlich entstehen Erfolge immer gemeinsam, aber genau deshalb ist Sichtbarkeit so wichtig. Wenn Frauen sichtbar werden, entstehen Vorbilder. Andere Frauen sehen, dass Karriere möglich ist, und trauen sich den nächsten Schritt eher zu.

Deshalb halte ich Awards, Vorträge oder Interviews für so wichtig. Sie machen Menschen sichtbar und geben anderen die Möglichkeit, sich an ihnen zu orientieren.

Michael Ghezzo:
Du bist selbst für den Confare ImpactAward nominiert. Was müssen Unternehmen aus deiner Sicht konkret verändern, damit mehr Frauen Führungsverantwortung übernehmen?

Petra Clemens:
Da gibt es mehrere ganz konkrete Ansatzpunkte.

Für mich beginnt das bereits bei Stellenausschreibungen. Wir formulieren häufig sehr lange Listen mit Muss-Kriterien. Viele Frauen lesen diese Ausschreibungen und denken sofort: “Das kann ich noch nicht alles.” Viele Männer bewerben sich trotzdem.

Deshalb sollten wir diese Anforderungen viel kritischer hinterfragen. Niemand erfüllt von Anfang an jede einzelne Voraussetzung. Es wird immer Bereiche geben, in denen man sich weiterentwickeln kann.

Außerdem sollten Stellenausschreibungen viel konkreter beschreiben, worum es in der Aufgabe tatsächlich geht: Welche Verantwortung übernimmt die Rolle? Was sind die wichtigsten Aufgaben?

Auch die Sprache spielt dabei eine wichtige Rolle. Heute gibt es viele Möglichkeiten, Ausschreibungen so zu formulieren, dass sie mehr Menschen ansprechen. Oft sind es kleine Veränderungen, die eine große Wirkung haben.

Ein weiterer Punkt sind Bewerbungsgespräche. Wenn wir Frauen interviewen, achte ich möglichst darauf, dass mindestens eine Frau am Gespräch beteiligt ist. Manchmal lasse ich beide sogar bewusst einige Minuten allein miteinander sprechen. Dann entstehen oft ganz andere Fragen: Wie ist die Unternehmenskultur wirklich? Wie fühlt sich die Zusammenarbeit an? Kann ich mich hier entwickeln? Diese Gespräche sind unglaublich wertvoll.

Ich nehme übrigens selbst sehr gerne an Bewerbungsgesprächen teil. Manchmal schauen die Kandidatinnen und Kandidaten etwas überrascht und fragen sich, warum die CIO persönlich mit am Tisch sitzt. Für mich ist das selbstverständlich. Ich möchte zeigen, dass dieses Thema für mich wichtig ist.

Michael Ghezzo:
Es geht also nicht nur um Recruiting, sondern um die gesamte Unternehmenskultur.

Petra Clemens:
Ganz genau. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle und Jobsharing. Es gibt viele Möglichkeiten, Menschen mehr Flexibilität zu ermöglichen. Ich kenne großartige Beispiele, in denen sich zwei Personen eine Führungsposition teilen. Warum sollten wir solche Modelle nicht viel häufiger nutzen?

Darüber hinaus ist es wichtig, dass Unternehmen klar zeigen, wofür sie stehen. Darauf bin ich bei Eppendorf besonders stolz. Unsere CEO hat vor Kurzem die Charta der Vielfalt unterzeichnet. Wir gehen bei diesem Thema ganz bewusst voran. Genau deshalb arbeite ich gerne für Unternehmen, die Diversität nicht nur kommunizieren, sondern im Alltag leben.

Michael Ghezzo:
Wenn Frauen sehen, dass andere Frauen in einem Unternehmen erfolgreich sind, verändert das wahrscheinlich auch die Attraktivität dieses Unternehmens.

Petra Clemens:
Absolut. Ich habe vor einiger Zeit den Diversity Award des CIO Magazins erhalten. Damit hatte ich damals überhaupt nicht gerechnet. Im Nachhinein war das für mich aber eine ganz besondere Auszeichnung, weil sie gezeigt hat, was wir gemeinsam erreicht haben.

Innerhalb von zwei Jahren ist es uns gelungen, den Frauenanteil in der IT von rund 18 auf etwa 30 Prozent zu erhöhen. Das bestätigt genau das, worüber wir die ganze Zeit sprechen. Wenn Frauen sehen, dass sich etwas bewegt und dass sie echte Entwicklungsmöglichkeiten haben, bewerben sie sich auch.

Heute bekomme ich deutlich mehr Bewerbungen von Frauen als noch vor einigen Jahren. Sichtbarkeit schafft Vorbilder. Und Vorbilder ermutigen andere, ihren eigenen Weg zu gehen.

Michael Ghezzo:
Trotzdem erlebt man manchmal Gegenwind. Es gibt Menschen, die fragen, warum Frauen überhaupt besonders gefördert werden sollen.

Petra Clemens:
Ja, diese Gespräche führe ich tatsächlich auch. Manchmal werde ich gefragt, warum ich so viele Frauen einstellen oder fördern möchte. Dann frage ich mich schon, warum wir diese Diskussion überhaupt noch führen.

Wenn wir heute in der IT noch immer bei einem Frauenanteil von rund 17 Prozent liegen, sollte doch klar sein, dass wir noch nicht am Ziel sind.

Natürlich bringt es nichts, darüber wütend zu werden. Viel wichtiger ist es, miteinander zu sprechen und zu erklären, warum Diversität für Unternehmen ein Gewinn ist. Viele Menschen kennen schlicht keine andere Realität.

Deshalb brauchen wir gute Beispiele. Wir müssen zeigen, wie erfolgreich gemischte Teams zusammenarbeiten. Genau darum geht es mir. Ich wünsche mir, dass wir diese Diskussion in einigen Jahren gar nicht mehr führen müssen, weil Diversität dann selbstverständlich geworden ist.

Letztlich tun wir das für die nächste Generation. Für unsere Kinder, für unsere Töchter.

Michael Ghezzo:
Du engagierst dich seit vielen Jahren als Mentorin und unterstützt auch unser Female IT Mentoring beim Confare CIOSUMMIT. Mentoring wirkt immer in beide Richtungen. Was hast du selbst von jungen Talenten gelernt?

Petra Clemens:
Sehr viel. Ich finde, als Mentorin lernt man mindestens genauso viel wie die Mentees selbst. Ich durfte in den vergangenen Jahren viele junge Frauen begleiten. Ihre Perspektiven haben mich immer wieder beeindruckt.

Ich erinnere mich an eine Mentee, die eine Produktionsorganisation geführt hat und dort mit ganz eigenen Herausforderungen konfrontiert war. Zu beobachten, wie selbstverständlich sie auf Menschen zugeht und auf Augenhöhe kommuniziert, war für mich sehr inspirierend. Von ihr habe ich gelernt, Situationen häufiger aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Die junge Generation geht insgesamt viel selbstverständlicher mit Vielfalt um. Für viele spielt es gar keine Rolle mehr, ob jemand Frau, Mann oder divers ist. Das ist für sie einfach normal. Auch das habe ich durch das Mentoring gelernt.

Deshalb sind diese Gespräche so wertvoll. Mentoring bedeutet eben nicht, dass nur eine Person Wissen weitergibt. Es ist immer ein gegenseitiges Lernen.

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Michael Ghezzo:
Wer dich selbst als Mentorin erleben möchte, hat dazu im Rahmen des Female IT Mentorings beim Confare CIOSUMMIT in Frankfurt, Zürich oder Salzburg Gelegenheit.
Zum Abschluss möchte ich dich noch um einen Rat bitten. Viele junge Menschen erleben den Einstieg in die IT derzeit als schwierig. Gleichzeitig verändert AI viele klassische Einstiegspositionen. Warum lohnt sich eine Karriere in der IT trotzdem – und welchen Rat möchtest du besonders jungen Frauen mitgeben?

Petra Clemens:
Mein wichtigster Rat ist ganz einfach: Seid mutig. Das sage ich wirklich in jedem Gespräch.

Ich selbst habe Wirtschaftsinformatik studiert. Vor meinem Studium hatte ich genau eine Zeile programmiert: Hello World. Mehr war es nicht. Ich hatte überhaupt keine technische Vorerfahrung. Aber ich fand das Thema spannend und habe mich einfach getraut. Dieser Schritt hat mein ganzes Berufsleben verändert. Ich wurde im Studium unglaublich gut aufgenommen. Meine männlichen Kommilitonen haben uns Frauen unterstützt.

Deshalb möchte ich jeder jungen Frau sagen: Traut euch. Ihr müsst nicht alles können, bevor ihr anfangt. Sucht euch Menschen, die euch begleiten. Sucht euch Mentorinnen und Mentoren. Baut Netzwerke auf. Niemand muss seinen Weg allein gehen.

Michael Ghezzo:
Petra, vielen Dank für das Gespräch. Ich wünsche dir alles Gute für das Online-Voting zum Confare ImpactAward und freue mich darauf, dich beim Confare CIOSUMMIT Frankfurt wiederzusehen.

Petra Clemens:
Vielen Dank, Michael. Ich freue mich ebenfalls sehr auf das Wiedersehen.

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