CIO der NATO – Wie IT den Frieden wahrt

by Bianca Bogad-Frey

Manfred Boudreaux-Dehmer - CIO der NATO - Wie IT den Frieden warht

Manfred Boudreaux-Dehmer (CIO der NATO) im Interview mit Confare-Gründer Michael Ghezzo. 32 Nationen, hohe Komplexität und reichlich Druck. Wie Manfred Boudreaux-Dehmer durch ein gemeinsames Ziel – digitale Transformation – diese und weitere Herausforderungen meistert, erfahren Sie in diesem Blog-Interview.

Die Mission der NATO

Michael Ghezzo: Es hat mich ehrlich gesagt überrascht, wie offen ihr kommuniziert. Hat das auch mit einer bewussten Positionierung der IT in der NATO zu tun?

Manfred Boudreaux-Dehmer: Ja, das ist tatsächlich Teil unserer Kommunikationsstrategie. Wir wollen, dass die Menschen verstehen, was die NATO ist und was nicht. Unser Ziel ist Deterrence und Defense – durch die militärische Struktur, durch die Command Structure der Allianz mit ihren 32 Nationen. Diese Offenheit ist wichtig, denn die NATO ist 76 Jahre alt, und es gab immer wieder auch Kritik. Umso wichtiger ist es, zu erklären, wofür wir stehen: Nämlich für die Freiheit und Unabhängigkeit von einer Milliarde Menschen.

Und für die IT der NATO gilt das genauso. Wir wollen zeigen, wie wir mit Steuergeldern verantwortungsvoll umgehen, dass wir technologisch vorne mitspielen und dass die NATO ein attraktiver Arbeitgeber ist. Die Mission – Frieden sichern – zieht Menschen an, die daran glauben. Das unterscheidet uns von einem klassischen Wirtschaftsunternehmen.

Michael: Du bist Keynote Speaker beim Confare CIOSUMMIT in Wien. Was bedeutet es, CIO der NATO zu sein – und woran arbeitet ihr gerade?

Manfred: Ich habe zwei Hauptrollen. Zum einen bin ich verantwortlich für IT Coherence – das umfasst Enterprise Architecture, Portfolio Management, Service-Delivery und Technologieentscheidungen innerhalb der NATO Enterprise, also den 57 Organisationen, die intern zur NATO gehören. Die zweite Rolle ist die des Single Point of Authority für Cyber Security. Wir managen Risiken, koordinieren Cyberabwehr, managen Incidents und bauen die Sicherheitsarchitektur der NATO auf.

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32 Nationen – 1 Entscheidung

Michael: Das klingt nach extremer Komplexität. Wie schaffst du es, in dieser Struktur mit 32 Nationen und 76 Jahren Geschichte wirklich Impact zu haben?

Manfred: Wir alle sind uns beim Ziel einig: digitale Transformation. Wir haben eine umfassende As-Is-Analyse durchgeführt – Systeme, Prozesse, Skill-Level. Dann haben wir definiert, wo wir hinwollen: Welche Prozesse, welche Systeme, welche Technologien wie AI und Data Analytics brauchen wir? Und wie schulen wir unsere Mitarbeiter? Es ist ein Kraftakt, aber auch ein gemeinsames Ziel.

Michael: Was mich beeindruckt hat: Wie viel Kreativität in diesem Kontext möglich ist. Wie viel Raum für neue Ideen gibt es wirklich?

Manfred: Sehr viel. Und zwar genau wegen unserer Struktur. Entscheidungen bei der NATO müssen im Konsens getroffen werden. Wenn 31 Nationen zustimmen und eine nicht, gibt es kein Go. Das heißt, wir sind ständig im Dialog und müssen kreativ sein, um Lösungen zu finden, die für alle passen. Das fördert Innovation.

Michael: Viele CIOs teilen die Erfahrung: Alle sind sich einig, dass Transformation wichtig ist, aber der Weg dahin ist hart. Wie schafft man es, nicht nur zu überzeugen, sondern zu begeistern?

Manfred: Wir setzen auf modulare Projekte. Keine Big-Bang-Ansätze mehr. Wir starten klein, zeigen den Mehrwert und skalieren dann. Diese sichtbaren Erfolge überzeugen mehr als jede PowerPoint. Und so holen wir immer mehr Menschen mit ins Boot.

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Soft Skills statt harter Abgrenzung

Michael: Wie viel Entrepreneur Spirit braucht ein CIO heute?

Manfred: Sehr viel. Der klassische CIO im Rechenzentrum ist Vergangenheit. Heute muss ein CIO Business Strategy in Technology Strategy übersetzen – und umgekehrt. Neue Technologien wie KI beeinflussen die Geschäftsstrategie aktiv. Es ist ein wechselseitiger Prozess. Ohne unternehmerisches Denken geht das nicht mehr.

Michael: Ein Dauerbrenner in der Community: Wie überwindet man Silos?

Manfred: Mit Kommunikation. Mit Empathie. Mit Einbindung. Das sind keine “Soft Skills”, das sind Leadership-Skills. Wer als CIO über Abteilungsgrenzen hinweg wirksam sein will, muss sich mit Verhandlung, Präsentation und Teamdynamik auskennen. Technik reicht nicht.

Michael: Du bist Vorbild für viele. Was sind deine drei wichtigsten Tipps für junge Menschen, die CIO werden wollen?

Manfred: Erstens: Entwickle Kommunikations- und Verhandlungsfähigkeit. Du musst Ideen verkaufen können. Zweitens: Werde vom Techniker zum Allrounder. Es braucht Systemdenken, Leadership und Strategiekompetenz. Drittens: Bleib neugierig. CIO zu sein, ist heute eine Reise über viele Disziplinen hinweg.

Michael: Du bist beim Confare CIOSUMMIT 2026 dabei. Welche Bedeutung haben solche Veranstaltungen für dich?

Manfred: Es ist eine Zwei-Wege-Straße. Wir wollen zeigen, wie modern die NATO im IT-Bereich ist. Gleichzeitig lerne ich in Gesprächen mit CIOs aus ganz Europa enorm viel. Jeder löst Probleme anders. Dieser Austausch ist für mich persönlich und fachlich enorm wertvoll.

Michael: Vielen Dank für das Gespräch. Ich freue mich auf deinen Auftritt in Wien – für mich ganz persönlich ein besonderes Highlight!

Manfred: Ich freue mich ebenfalls. Bis bald!

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