Cloud Risk-Management neu gedacht – Warum Confare ImpactAward Nominee Tobias Schmitz auf Pragmatismus setzt

Zwischen strengen gesetzlichen Vorgaben, sensiblen Versichertendaten und dem Ruf nach modernen Verwaltungsstrukturen steht die IT des öffentlichen Sektors vor enormen Herausforderungen. Die Debatte um Cloud-Nutzung und digitale Souveränität wird dabei oft emotional geführt. Doch wie gelingt der Spagat zwischen Innovation, Sicherheit und Handlungsfähigkeit in der Praxis?
Tobias Schmitz, Sprecher der Geschäftsleitung NOVA / Head of IT der Berufsgenossenschaft Holz und Metall und der VBG, setzt auf Pragmatismus statt Schwarz-Weiß-Denken.
Tobias Schmitz ist für den Confare ImpactAward nominiert. HIER können Sie täglich für Ihre Favoriten voten. Verliehen wird der Preis beim Confare CIOSUMMIT in Frankfurt.
Michael Ghezzo:
Tobias, kannst du uns die Berufsgenossenschaft Holz und Metall und deine Rolle als CIO kurz vorstellen?
Tobias Schmitz:
Gerne. Wir sind mit zwei Berufsgenossenschaften unterwegs: einmal der Berufsgenossenschaft Holz und Metall und der VBG, der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft. Beide gehören zu den größten Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung. Die Unfallversicherung ist eine der Säulen der gesetzlichen Sozialversicherung in Deutschland. Hauptaufgaben sind die Prävention von Arbeitsunfällen, Reha und Entschädigung nach Unfällen oder Berufskrankheiten.
Wir sind weniger bekannt als eine Kranken- oder Rentenversicherung, weil bei uns der Arbeitgeber die Beiträge allein bezahlt. Diese beiden Berufsgenossenschaften haben ihre IT zusammengelegt und eine Innengesellschaft gegründet. Wir sind als Innengesellschaft die interne IT dieser beiden Berufsgenossenschaften und bieten im Rahmen von Kooperationen das gesamte IT-Portfolio, Kernsysteme, ERP und IT-Arbeitsplatz, auch für andere Träger der Unfallversicherung an. Ich bin Sprecher der Geschäftsleitung dieser Innengesellschaft und damit, weil wir interne IT sind, auch intern der IT-Verantwortliche in den beiden Berufsgenossenschaften.
Michael Ghezzo:
Und was verbirgt sich hinter dem Namen NOVA?
Tobias Schmitz:
NOVA ist einfach ein Kunstname für die Gesellschaft. Er ist vor meiner Zeit entstanden. So nennen wir uns als gemeinsame IT.
Ihre Stimme für die IT ist gefragt! HIER können Sie täglich für Ihre Favoriten beim Confare ImpactAward voten.
Michael Ghezzo:
Du beschäftigst dich mit der Modernisierung von Verwaltungs-IT. Die soll sich vor allem an den Bedürfnissen der Versicherten orientieren. Was bedeutet das konkret in eurem Alltag?
Tobias Schmitz:
Aus meiner Sicht spielt es für unsere Versicherten überhaupt keine Rolle, wie die Organisation aufgebaut ist und welcher Sozialversicherungsträger zuständig ist. Die Versicherten erwarten einfach, dass ihre Anliegen einfach und digital funktionieren. Deswegen müssen wir uns bei Projekten immer zuerst fragen: Welchen Nutzen hat das für die Versicherten oder für die Betriebe?
Ein gutes Beispiel ist für mich die elektronische Patientenakte. Stell dir vor, du gehst zum Arzt und hast Blutwerte. Jetzt wäre es davon abhängig, ob die Krankenversicherung oder die Unfallversicherung diese Blutuntersuchung bezahlt hat. Nur wenn die einen es bezahlt haben, kommt es in deine Akte, sonst nicht. Das macht überhaupt keinen Sinn. So eine Patientenakte entfaltet ihre Wirkung nur, wenn sie aus Sicht des Patienten ein vollständiges Bild liefert, unabhängig davon, wer der Kostenträger war.
Bei der elektronischen Patientenakte ist das inzwischen so. Von Anfang an war das aber nicht so gedacht. Sie wurde zunächst sehr stark aus den Silos der ministeriellen Zuständigkeiten konzipiert. Das haben wir zum Glück überwunden. Dieses Denken müssen wir viel stärker in der gesamten Verwaltung verankern.
Michael Ghezzo:
Digitalisierung in der Verwaltung bedeutet damit auch Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Körperschaften und Organisationen. Wie funktioniert das in der Praxis?
Tobias Schmitz:
Das geht nur, indem man gut zusammenarbeitet. Das fängt zunächst mit Vertrauen an. Ich finde, wir arbeiten in der Sozialversicherung, mindestens innerhalb der Gruppe der CIOs, heute viel enger zusammen, als das noch vor einigen Jahren der Fall war.
Wir tauschen uns regelmäßig über diverse Dinge aus, entwickeln auch Lösungen gemeinsam und vermeiden damit, dass jeder die gleichen Fehler noch einmal macht. Das geht natürlich nur, wenn man gemeinsame Ziele verfolgt und sich abstimmt. Wir können es uns heute einfach nicht mehr leisten, dass jeder dasselbe Problem noch einmal löst. Da sind wir inzwischen, finde ich, sehr gut abgestimmt.
Michael Ghezzo:
Funktioniert diese Zusammenarbeit vor allem auf CIO-Ebene oder gibt es auch darüber hinaus viele Schnittstellen zwischen den Organisationen?
Tobias Schmitz:
Die sind vielfältig, aber auf dieser Ebene fängt es natürlich an. Ich muss als CIO den Willen zur Zusammenarbeit haben und das entsprechend im eigenen Haus vertreten. Wenn Zusammenarbeit gewünscht und gewollt ist und man das vorlebt, funktioniert sie auch auf den anderen Ebenen.
Verliehen wird der Preis beim Confare CIOSUMMIT in Frankfurt. Freuen Sie sich auf inhaltliche Top-Beiträge von CIOs aus renommierten Unternehmen aus ganz Deutschland. Nähere Infos zum Event finden Sie HIER.
Michael Ghezzo:
Für viele ist Cloud-Technologie eine Voraussetzung für moderne IT. In der Verwaltung gibt es dabei gesetzliche, technische und auch ethische Anforderungen. Dazu kommt die Diskussion über digitale Souveränität. Wie lassen sich Innovation, Sicherheit und Unabhängigkeit sinnvoll verbinden?
Tobias Schmitz:
Für mich beginnt das zunächst mit einer ehrlichen Risikoabwägung. Häufig wird sehr intensiv über die rechtlichen Risiken der Cloud gesprochen. Die sind auch da. Aber auch der Betrieb im eigenen Rechenzentrum ist mit diversen Risiken verbunden.
Keine Behörde in Deutschland ist annähernd in der Lage, so hohe IT-Security-Standards im eigenen Rechenzentrum umzusetzen, wie große Cloud-Anbieter das können. Das muss in die Gesamtabwägung aller Risiken mit einfließen.
Häufig erleben wir in dieser Diskussion mittlerweile eine sehr pauschale oder binäre Sichtweise: US-Anbieter schlecht, EU-Anbieter gut. Aus meiner Sicht ist das zu kurz gegriffen. Natürlich müssen wir viel mehr in europäische Lösungen investieren. Wenn man sich aber die Frage stellt, ob wir Stand heute sofort ohne US-Lösungen auskommen, sage ich: Ich glaube nicht.
Das hängt sehr stark davon ab, wie weit die Digitalisierung in den jeweiligen Häusern fortgeschritten ist. Nehmen wir Bürokommunikationssoftware. Es macht einen Unterschied, ob ich hochgradig und voll integrierte Fachprozesse implementiert habe oder ein bisschen PDF-Dokumentenverwaltung mache. Da gibt es große Unterschiede, wie weit wir mit entsprechenden Alternativen heute schon sind.
Natürlich müssen wir die Unabhängigkeit Europas voranbringen. Das unterstütze ich total. Aber die Arbeitsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung ist ein gleichwertiges Ziel. Auch die muss erhalten bleiben. Und wenn ich mir anschaue, in welchen Abhängigkeiten wir heute sind und wie sich die Anbieter verhalten, macht mir in der aktuellen Situation ein großer deutscher ERP-Anbieter ehrlich gesagt genauso viele Sorgen wie die viel zitierten Risiken bei Microsoft und Co.
Deswegen ist unser Konzept Hybrid IT und eine Multi-Cloud-Strategie. Damit können wir auf der einen Seite Innovationen nutzen und haben auf der anderen Seite die Chance, Abhängigkeiten aktiv zu steuern.
Digitale Souveränität heißt am Ende nicht, alles selbst zu machen. Sie bedeutet, handlungsfähig zu bleiben. Ich zitiere an der Stelle sehr gerne Bernie Wagner, der sagt: „Digitale Souveränität heißt, vom Verhandlungstisch aufstehen zu können.“ Da sind wir natürlich noch lange nicht. Aber das ist das Ziel, das man verfolgen muss.
Michael Ghezzo:
Die Diskussion wird teilweise sehr emotional geführt und erinnert fast an die Glaubenskriege der IT von vor 20 Jahren. Gibt es bei digitaler Souveränität überhaupt eine pauschal richtige Antwort?
Tobias Schmitz:
Nein. Man darf das alles nicht binär betrachten. Da spielen sehr viele Aspekte eine Rolle und die müssen alle einfließen. Deshalb kommt auch jeder, abhängig von der Situation, in der er sich gerade befindet, zu einer anderen Einschätzung, was die richtige Lösung ist. Darauf gibt es keine pauschale Antwort.
Michael Ghezzo:
Du stehst für einen sehr pragmatischen Ansatz. Gleichzeitig habt ihr ein klares Modell für die Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und IT entwickelt. Wie sieht dieses Modell aus?
Tobias Schmitz:
Das müssen wir erst einmal beweisen, dass es so gut funktioniert, weil wir gerade erst umstellen. Natürlich tragen wir gemeinsam die Verantwortung für die Digitalisierung unserer Services. Trotzdem braucht es innerhalb dieser gemeinsamen Verantwortung eine klare Rollenschärfung.
Unsere Lösung ist einfach: Der Fachbereich verantwortet das „Was“, die IT das „Wie“. Gemeinsam entscheiden wir, ob wir es machen.
Das führt dazu, dass wir nicht nacheinander arbeiten, sondern miteinander. Wir wollen Fusion Teams gründen, in denen Fachbereiche und IT in Sprints gemeinsam die Lösung umsetzen. Dadurch entstehen weniger Missverständnisse, Entscheidungen können schneller getroffen werden und am Ende passen die Lösungen besser zu den Anforderungen.
Michael Ghezzo:
Dass das funktioniert, zeigt auch deine Nominierung für den Confare Impact Award. Gratulation dazu, ein schöner Erfolg. Man kann dich täglich im Online-Voting unterstützen. Wofür steht eine Stimme, die an Tobias Schmid geht?
Tobias Schmitz:
Sie steht für den Weg, den wir gerade mit dem gesamten Team gehen: einen starken Weg der Konsolidierung. Damit modernisieren wir die IT-Landschaft in der gesetzlichen Unfallversicherung, reduzieren die Zahl unserer Systeme und treiben die Digitalisierung besser voran. Das ist aktuell ein anstrengender Weg für alle Beteiligten. Jede Stimme ist ein Zeichen dafür, dass das Team den richtigen Weg geht.
Michael Ghezzo:
Dann drücke ich die Daumen für das Voting und für den eingeschlagenen Weg. Toi, toi, toi weiterhin. Danke, dass du deine Erfahrungen teilst. Tobias, ich freue mich, dass wir uns am 23. September in Frankfurt beim CIOSUMMIT persönlich sehen.
Tobias Schmitz:
Das wird so sein. Danke dir!
Jetzt anmelden und die Preisverleihung am 23.09.2026 live miterleben! Sichern Sie sich rechtzeitig Ihren Platz am Confare CIOSUMMIT Frankfurt.



