CONFARE CIO IMPACT CHALLENGE NOMINEE KAGES CIO PROF. WERNER LEODOLTER – Wie KI und Daten das Gesundheitswesen verändern

by Fernando Ducoing

CIOs und IT-Manager machen die Welt zu einem besseren Ort. Sie leben neue Führungsprinzipien vor, schaffen die Voraussetzungen für Nachhaltigkeit und Umweltschutz oder helfen gesellschaftlichen Herausforderungen mit Digitalisierung und Technologie erfolgreich zu begegnen. Sie verändern Unternehmen oder sogar ganze Branchen, helfen Menschen, die in Not sind, und leben gesellschaftliche Verantwortung vor.

Bei der DACH-weiten Confare CIO IMPACT Challenge zeichnen wir sie aus, diese Weltverbesserer und Verantwortungsträger. Die Gewinner werden beim Confare #CIOSUMMIT Frankfurt gekürt. Wollen Sie persönlich die besten Beispiele erleben? Melden Sie sich jetzt an.

Confare Impact Challenge

Wir stellen Ihnen die Nominierten im Confare Blog vor: Univ. Prof. Werner Leodolter ist als CIO der KAGES federführend an der Gestaltung des Gesundheitsportal Steiermark beteiligt. Er war 1999 Initiator des Healthcare CIO Ecosystem in Österreich und ist nach wie vor einer der Kondensationspunkte. Als CIO hat er die innovative Datennutzung in der KAGes vorangetrieben und mit der Entwicklung des Data Science Team der KAGes AI-gestützte Prognosealgorithmen bereits in die klinische Anwendung gebracht. Er unterrichtet an diversen Hochschulen Nachwuchs-Führungskräfte. Als Autor zeichnet er ein Zukunftsbild der technologischen Entwicklungen und beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragen, die sich daraus ergeben.

Werner Leodolter ist Ihr Favorit bei der Confare CIO Impact Challenge? 

Das Publikumsvoting ist gestartet! Voten Sie täglich für Ihren Favoriten und treffen die Gewinner persönlich beim Confare CIOSUMMIT Frankfurt am 6. Oktober.

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Wie verändert Technologie die Art und Weise, wie Unternehmen geführt werden?

Technologie macht Vorgänge im Unternehmen und im Markt transparenter. Sie hilft, Muster zu erkennen, z. B. zum Verhalten von Kunden, die wiederum auf Kundenzufriedenheit etc. schließen lassen. Die Technologie verändert also, wie ein Unternehmen seinen Markt, sein Umfeld und seine Prozesse wahrnimmt.

Die Technologie verändert aber auch, wie ein Unternehmen entscheidet und handelt. Sie ermöglicht die Automatisierung von Teilprozessen im Unternehmen, aber auch darüber hinaus. Chatbots tauschen sich beispielsweise mit Kunden und Lieferanten aus. Künstliche Intelligenz unterstützt die Mitarbeiter beim Entscheiden und Handeln zunehmend.

Für die Führung des Unternehmens gilt es daher, das Unternehmen oder den jeweiligen Unternehmensteil als hybride Intelligenz – die Kooperation menschlicher mit künstlicher Intelligenz – zu führen. Dabei ist es entscheidend, dass effizient gearbeitet wird und das Zusammenspiel gut abgestimmt und eingelaufen ist. So wie wir beim Autofahren die einzelnen Vorgänge weitgehend automatisieren und in unser Unterbewusstsein – neuerdings unterstützt durch Assistenzsysteme – verlagert haben. Der Fahrer gibt die Ziele vor, entscheidet über die Richtung und achtet auf die Umgebung. Die Unternehmensführung ist in einer ähnlichen Situation. Sie kann sich aber kein fertiges mit Assistenzsystemen ausgestattetes Auto kaufen. Ihre wichtigste Aufgabe ist daher, das Unternehmen und sein “Unterbewusstsein”, die Zusammenarbeit zwischen menschlicher und künstlicher Intelligenz, zu gestalten. Das heißt auch: Innovation zulassen und fördern – und das Unternehmen laufend anzupassen und nachzujustieren: Change-Management.

Ich habe die Gedanken dazu festgehalten im Buch: „Digital Transformation Shaping the Subconscious Minds of Organizations – Innovative Organizations and Hybrid Intelligencies“ 

springer.com– auch erläutert im Video  – dargestellt, insbes. Im Kapitel 6 “Will organisations emerge as hybrid Intelligencies from digital transformation?”

Was braucht es, um die Zusammenarbeit zwischen Menschen und künstlicher Intelligenz zu gestalten?

Impact Challenge Nominee Werner LeodolterDie Organisation eines Unternehmens sollte sich danach richten, welche Entscheidungen die wichtigen sind, die das Tagesgeschäft erfolgreich machen, und sich darum herum organisieren. Das resultiert dann auch meist in flachen, am Kundennutzen orientierten Organisationen, die durch schlanke koordinierende Gremien und Stäbe gut aufeinander abgestimmt sind. Das sichert eine gute Anpassungsfähigkeit an dynamische Umgebungen und stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Der Grundsatz sollte immer lauten: “Menschen dienen nicht den Strukturen, sondern die Organisationen und ihre Infrastrukturen dienen den Menschen”.

In der Verbesserung der Entscheidungsprozesse im Tagesgeschäft sollte man weniger Augenmerk auf Automation legen als sich vielmehr auf Unterstützung und Erweiterung – Augmentation – der menschlichen Fähigkeiten fokussieren. Ein Beispiel: Wie unterstütze ich den Diagnoseprozess und die diagnostischen Entscheidungen? Welchen Risiken ist mein Patient besonders ausgesetzt? Was kann ich zum Beispiel tun, um zu verhindern, dass das Risiko eines Deliriums im Spital eintritt? Das Gestaltungsprinzip sollte dabei wo immer möglich lauten:

“Die künstliche Intelligenz macht die menschliche Intelligenz wertvoller denn je”.

Welche Rolle spielt die IT bei der Veränderung des Gesundheitswesens?

Die Veränderung von Strukturbezogenheit – das Beste für das Krankenhaus oder den niedergelassenen Arzt – hin zur echten Patientenzentriertheit über Organisationsgrenzen hinaus ist bereits im Gange und braucht die IT.

Dazu bedarf es einerseits des Willens zur patientenzentrierten Kooperation und andererseits der zur Verfügung Stellung von Kollaborationsplattformen. Das geht nur durch vertrauenswürdige IT-Lösungen: Es braucht das Vertrauen durch die teilnehmenden Ärzte und Gesundheitsberufe und das Vertrauen der Patienten: Sind meine Gesundheitsdaten bestmöglich geschützt? Etc. Solche Plattformen bereitzustellen, ist in einem öffentlichen Gesundheitswesen auch eine Aufgabe der öffentlichen Hand. Stichworte ELGA in Österreich, EPD in der Schweiz, EPA in Deutschland.

Confare CIOSUMMIT Frankfurt

Welche Potenziale bietet das Gesundheitsportal Steiermark?

Das Gesundheitsportal Steiermark wird den digitalen Zugang zu einem guten öffentlichen Gesundheitswesen im Versorgungsraum Steiermark bieten und gut in die österreichweite eHealth-Infrastruktur rund um ELGA und den Anwendungen der Sozialversicherung eingebettet sein.

Die Alternative wäre, den digitalen Zugang konkurrierenden Portalen durch Anbieter wie Amazon etc. in einem Versorgungsraum zu überlassen, die zweifellos versucht sein werden, die Informationen zum Patienten in irgendeiner Form zu monetarisieren. Für die Patienten und die Ärzte wird das umständlich und fragmentiert sein, weil sie mehrere Portale bedienen müssen.

Das Gesundheitsportal Steiermark wird dem Patienten den Zugang zu den Leistungsangeboten der Spitäler und niedergelassenen Ärzte bieten und Terminbuchungen ermöglichen, ohne in vielen verschiedenen Portalen herumspringen zu müssen. Es wird auch einfache Telemonitoring Möglichkeiten wie zum Beispiel ein Blutdrucktagebuch oder Schmerztagebuch ermöglichen (patient reported outcome), aber auch bestehende komplexere Diseasemanagementprozesse einbinden wie z. B. HerzMobil für Herzinsuffizienzpatienten. Die Ärzte können mit ihren Patienten eVisiten abhalten und untereinander in schwierigen Fällen Telekonsultation betreiben.

Wie sehen Sie hier die Potenziale von Data Driven Initiativen und Data Science?

Die Daten – im Gesundheitswesen die longitudinalen Verlaufsdaten von Patienten – sind eine wertvolle, aber weitgehend ungenutzte Quelle. Eine Wissensquelle nicht nur für die Forschung, die dann mittel- und langfristig dem Patienten zugutekommt, sondern auch für die unmittelbare dem Patienten zugutekommende klinische Innovation.

Ein Beispiel: Die KAGes hat auf Basis ihrer guten Datenbasis mit Machine Learning Vorhersage-Modelle entwickelt, die es erlauben, bei Patienten, die im Krankenhaus aufgenommen werden, vorherzusagen, ob ein hohes Risiko besteht, z. B. ein Delir zu erleiden. Diese Algorithmen können auch darauf hinweisen, welche Parameter des Patienten auf das hohe Delir-Risiko hindeuten. Damit kann die künstliche Intelligenz den Menschen in seinen Überlegungen und Entscheidungen unterstützen. So kann das klinische Personal rasch geeignete Präventionsmaßnahmen treffen. Es sind zahlreiche weitere Vorhersagemodelle in Arbeit.

Weiter verbreitet sind ja bereits die mittels Machine Learning trainierten Bildanalysealgorithmen zur Unterstützung von Radiologen und Pathologen bei ihrer diagnostischen Arbeit.

Wieviel gesellschaftliche Verantwortung trägt man als Führungskraft? Was bedeutet das in der täglichen Praxis?

Impact Challenge Nominee Werner Leodolter2Die ethisch tragfähige Anwendung der Technologien in Bereichen, die noch nicht durchreguliert sind – und mangels Erfahrungen auch nicht sein können – liegt in der gesellschaftlichen Verantwortung der Führungskräfte. Ein guter Teil der gesellschaftlichen Innovation wird somit von den Führungskräften verantwortet. Insofern hat sich die Verantwortung über die ohnehin schon große Verantwortung für das jeweilige Unternehmen hinaus erhöht. Ähnliches gilt meines Erachtens im Übrigen für die Klima-Thematik.

In der täglichen Praxis bedeutet das noch mehr Zielkonflikte, die es zu evaluieren und zu entscheiden gilt. Eine gute Unternehmensstrategie, die die Einbindung in das Eco-System mitumfasst, ist daher als Rahmen besonders wichtig und ist mit dem Aufsichtsrat/Eigentümer gut abzusichern. Die zunehmende datengetriebene Transparenz wird ein “Durchschwindeln” nicht mehr zulassen und würde das für jedes Unternehmen so wichtige Vertrauen des Marktes gefährden.

Wie wichtig ist das Eco-System für den CIO? Welche Erfolge konnten Sie beim Vernetzen von IT-Entscheidern erzielen? Warum ist es wichtig?

Der Austausch mit Kollegen innerhalb und außerhalb der Branche ist wichtig: Lernen von Anderen. Im Gesundheitswesen ist das leichter als in anderen Bereichen, weil die Wettbewerbskomponente einen anderen Stellenwert hat.

Wir – die IT-Verantwortlichen der österreichischen Krankenhausträger – haben 1999 auf meine Initiative hin das IT-Forum der österreichischen Krankenhausträger ins Leben gerufen – ohne Vereinsgründung und Formalitäten. Das ist ein Beispiel für Selbstorganisation im besten Sinne. Es haben sich daraus mehrere Arbeitsgruppen gebildet, die auch maßgeblich zur Entstehung der österreichischen eHealth-Infrastruktur beigetragen haben. Auch die österreichische SAP-Usergroup SAGA ist damals entstanden.

Welche Bedeutung hat die Confare CIO Impact Challenge für Sie persönlich?

Nachdem die Einbettung und der Impact in der Gesellschaft und im jeweiligen Eco-System in dieser Challenge einen hohen Wert einnehmen, betrachte ich diese Nominierung als große Ehre und stelle mich gerne dieser Wahl.

Werner Leodolter Buch 1Werner Leodolter Buch 2“Digital Transformation Shaping the Subconscious Minds of Organizations – Innovative Organizations and Hybrid Intelligencies” ist das neueste Buch von Werner Leodolter und bei Springer Nature verfügbar.

Bereits 2015 erschien das Buch “Das Unterbewusstsein von Organisationen/ Neue Technologien – Organisationen neu denken”.

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