CONFARE CIO IMPACT CHALLENGE NOMINEEs: Siemens CIO Hanna Hennig und Rainer Karcher machen IT nachhaltig

by Barbara Schweinberger

CIOs und IT-Manager machen die Welt zu einem besseren Ort. Sie leben neue Führungsprinzipien vor, schaffen die Voraussetzungen für Nachhaltigkeit und Umweltschutz oder helfen gesellschaftlichen Herausforderungen mit Digitalisierung und Technologie erfolgreich zu begegnen. Sie verändern Unternehmen oder sogar ganze Branchen, helfen Menschen, die in Not sind, und leben gesellschaftliche Verantwortung vor.

Im Confare Blog stellen wir Ihnen Impact Challenge Nominees Hanna Hennig und Rainer Karcher vor. Bei der DACH-weiten Confare CIO IMPACT Challenge zeichnen wir sie aus, diese Weltverbesserer und Verantwortungsträger. Die Gewinner werden beim Confare CIOSUMMIT Frankfurt gekürt. Wollen Sie persönlich die besten Beispiele erleben? Melden Sie sich jetzt an.

Confare Impact Challenge

Wir stellen Ihnen die Nominierten im Confare Blog vor: Hanna Hennig als CIO und Rainer Karcher, Global Director IT Sustainability arbeiten bei einem der weltweit führenden Technologiekonzerne, Siemens, gemeinsam mit ihren Kunden und Partnern daran den Übergang ins digitale Zeitalter zu gestalten. Sie sind der Überzeugung, dass Nachhaltigkeit in der IT nicht nur mehr Awareness, sondern auch Budget und organisatorische Einbettung benötigt.

Hanna Hennig und Rainer Karcher sollen als Impactful CIO ausgezeichnet werden? Beim täglichen Publikumsvoting zur Confare Impact Challenge können Sie die beiden und zahlreiche andere hochkarätige IT-Entscheider mit Impact unterstützen. Die Gewinner treffen Sie persönlich beim Confare CIOSUMMIT Frankfurt am 6. Oktober.

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Confare Impact Challenge

Wie ist die Nachhaltigkeit in die Siemens IT eingebunden? Wie kam es dazu?

Impact Challenge Nominee Meme Karcher 2Rainer Karcher: Im April 2020 hatte ich mit unserer CIO Hanna Hennig und unserem IT Strategy Head Frederik Janssen ein Gespräch, bei dem ich von meinen Volunteering- Aktivitäten im Umfeld des Umweltschutzes erzählt habe und hierbei auch erwähnte, dass meiner persönlichen Wahrnehmung nach innerhalb der IT jemand fehlt, der sich um Sustainability- und CSR- Themen kümmert.
Erfreulicherweise haben Hanna und Frederik dem zugestimmt und gaben mir die Chance und die Verantwortung, mich dem Thema zu widmen.
Was anfangs als Experiment gedacht war, entwickelte sich rasch zu einer umfangreichen Themenmenge und es hat sich schnell herausgestellt, dass man sich dieser wichtigen Aufgabe in Vollzeit widmen sollte.

Mittlerweile ist Nachhaltigkeit und die gesellschaftliche Verantwortung ein zentrales Kernelement der globalen Siemens IT.
Als Teil der IT-Strategie wurden „Sustainability & CSR“ auch in unsere „IT Guiding Principles“ aufgenommen, die die Grundlage für all unsere Services darstellen. In meiner Rolle als Sustainability- Verantwortlicher sorge ich dafür, dass wir unser Technologie- Portfolio zielgerichtet bereitstellen, um Siemens die Umstellung auf effiziente, weniger ressourcenintensive Prozesse und Produktionspraktiken zu ermöglichen und hierbei umwelt- und gesellschaftsfreundliche Ansätze zu nutzen.

Was sind die wichtigsten Handlungsfelder, wenn es um Nachhaltigkeit in der IT geht?

Hanna Hennig: Aus unserer Sicht gibt es drei wesentliche Themen, die es in der IT und durch die IT im Sinne der Nachhaltigkeit zu betrachten gilt.

Einerseits entsteht Nachhaltigkeit bei uns selbst, die klassische „Green IT“. Ein wesentlicher Aspekt ist hierbei die Lieferkette der IT. Zusammen mit Partner*innen und Herstellern achten wir darauf, wie wir IT- Equipment schon im Herstellungsprozess nachhaltiger gestalten können und diese mit möglichst wenig Verpackung sowie einem möglichst geringen CO2-Fußabdruck bis zu unseren Anwender*Innen bringen können. Am Ende der Nutzungszeit möchten wir den Geräten möglichst mittels Wiederaufbereitung eine Verlängerung des Einsatzes an anderer Stelle ermöglichen. Bei 90% der Geräte ist dies auch möglich, selten sind Geräte nicht mehr reparabel. Sollte eine Weiterverwendung nicht möglich sein, ist eine umweltgerechte Entsorgung und möglichst umfangreiche Nutzung der Rohstoffe in Neuprodukten das Ziel. Unbedingt zu vermeiden ist die Erzeugung von Elektroschrott, der dann auf Mülldeponien landet.

Ein weiteres, elementares Handlungsfeld sind Rechenzentren, sowohl im Eigenbetrieb als auch in der Cloud. Die Effizienz und Auslastung von Systemen sind in der Cloud deutlich höher als im Eigenbetrieb, weshalb ein großer Teil unserer Services bereits in der Cloud betrieben wird. Aber auch hier können wir die Cloud- Service- Provider beeinflussen und gemeinsam dafür Sorge tragen, dass möglichst nachhaltig gearbeitet wird, z.B. mit der Verwendung von erneuerbaren Energiequellen oder dem Betrieb der Rechenzentren in Klimazonen, in denen möglichst häufig freie Kühlung zum Einsatz kommen kann. Im Eigenbetrieb spielen ähnliche Elemente eine Rolle, Effizienz und Auslastung der Ressourcen sind hierbei besonders im Fokus.

Das dritte Handlungsfeld ist die gesellschaftliche Verantwortung, die sich zum Beispiel im Einbringen der Digitalisierungskompetenz in den Bildungssektor zeigt. Die Spende der aufbereiteten Hardware spielt hierbei ebenso eine Rolle, wie ein aktives Engagement in Schulen und Universitäten, nicht zuletzt um als Arbeitgeber attraktiv zu sein und junge Talente anzuziehen.

Was bedeutet es IT-Sustainability Manager zu sein und welche Hindernisse und Möglichkeiten entstehen?

Impact Challenge Nominee Hennig2Rainer Karcher: Sustainability ist ein sehr umfangreiches und spannendes Tätigkeitsfeld.
Kolleg*innen zu ermutigen, IT- Services nachhaltiger zu nutzen und damit einen Denkanstoß zu geben, Transparenz zu schaffen durch die Berechnung des CO2-Fußabdrucks, bis hin zu sozialen Aspekten, bei denen wir andere unterstützen- dies sind nur einige Beispiele meiner Leidenschaft, die ich hier tagtäglich umsetzen kann. Es geht um nicht weniger, als den Planeten zu retten und die Welt für unsere Kinder und Enkelkinder lebenswert zu erhalten oder sogar zu verbessern.

Wir erfahren große Unterstützung hierbei, sowohl intern bei Siemens als auch mit vielen Partnern außerhalb. Es mangelt also nicht an Möglichkeiten, sich zu engagieren und wirklich etwas zu bewegen.
Nachhaltigkeit ist jedoch eher ein Marathon als ein Sprint, dies sind wir besonders in der IT nicht gewohnt. Wir haben meist die Tendenz, sehr schnell Erfolge erzielen zu wollen, was gerade im Kontext Sustainability aber oftmals nicht möglich ist. Das sind allerdings eher Herausforderungen und keine wirklichen Hindernisse.

Es gibt eine Sustainability@IT Ambassador Gruppe – was ist ihre Rolle?

Rainer Karcher: Die Sustainability IT Ambassadors sind aktuell eine 32 Personen-große Gruppe, die allesamt die Leidenschaft für das Thema Nachhaltigkeit teilen, verteilt in die diversen Fachbereiche, Geschäftseinheiten und Zentralfunktionen bei Siemens und die aus ihren fachspezifischen Bereichen Feedback geben. Dieser Einblick ermöglich es, die speziellen Anforderungen zu berücksichtigen und Prioritäten zu setzen. Darüber hinaus tragen die Ambassadors die Kernelemente unserer zentralen IT Sustainability Strategie in ihre Bereiche, quasi als verlängerter Arm und als Sprachrohr.

Confare CIOSUMMIT Frankfurt

Wie wirkt sich Nachhaltigkeit auf die IT-Strategie aus? Was bedeutet das für die CIO?

Impact Challenge Nominee Meme Hennig 1Hanna Hennig: Nachhaltigkeit ist bereits seit längerem in der Siemens Unternehmensstrategie verankert. Mit dem Siemens DEGREE-Framework, das im Juni 2021 veröffentlich wurde, haben wir darüber hinaus für alle Kernthemen konkrete Initiativen definiert und klare, sehr ambitionierte Ziele gesetzt, die wir gemeinsam mit unseren Kunden vorantreiben werden. DEGREE ist ein 360-Grad-Ansatz für alle Stakeholder – unsere Kunden, unsere Lieferanten, unsere Investoren, unsere Mitarbeiter, den Gesellschaften, denen wir dienen und unserem Planeten. Auch unsere IT-Strategie wurde um den Aspekt Sustainability und Corporate Social Responsibility erweitert – sämtliche existierenden, aber auch neue Services werden immer auch unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit betrachtet. Alle unsere Aktivitäten sind an dem DEGREE Framework ausgerichtet.
Sustainability ermöglicht aber auch, weitere Geschäftsmodelle zu entwickeln und das spiegelt sich auch in der Rolle der CIO. Was klassisch bisher von einer CIO erwartet wurde wird jetzt ergänzt um genau diese Tätigkeitsfelder. Digitalisierung und Sustainability werden dabei als elementare Verbindung zu einem Kernelement, die IT und damit die CIO wird zur treibenden Kraft im Konzern hin zu einer nachhaltigen Entwicklung. Soziale Verantwortung wird ergänzend immer wichtiger und auch hier spielt die CIO eine wesentliche Rolle.

Was sind die ersten Schritte? Welches dann die größten Hebel?

Rainer Karcher: Der erste Schritt ist Transparenz. Um zu erkennen, was verbessert werden kann, an welcher Stelle eine Veränderung auch einen nachhaltigen Effekt hat, muss der aktuelle Stand der IT im Kontext der Nachhaltigkeit eruiert werden.
Der Energie- Verbrauch und damit CO2- Fußabdruck sind hierbei elementar, aber auch die Kreislaufwirtschaft im Kontext von IT- Komponenten spielt z.B. eine große Rolle: Wie gehe ich mit ausgemusterten Komponenten um, wie verhalte ich mich mit Partnern, wo können und wo müssen Verträge angepasst werden?
Bei uns ist ein wesentlicher Teil der IT- Services an Provider und Partner*innen ausgelagert. Hierliegt ein großer Hebel: Statt jeder für sich alleine, versuchen wir gemeinsam eine Verbesserung zu erreichen.

Ein weiterer, bedeutsamer Hebel ist es das Engagement der Kolleg*innen im Konzern um Themen in die Umsetzung zu bringen – getreu dem Motto „einfach mal machen“. Dabei ist die Kommunikation von großer Bedeutung. Die Übersetzung der fachspezifischen Begriffe in eine verständliche Form, die Nutzung von Äquivalenten für CO2, die auch außerhalb der Expert*innen für dieses Thema nachvollziehbar sind, dies ist immer der Beginn, um damit Großes bewegen zu können.

Welche Rolle spielen Ecoysteme und Collaboration für den Erfolg dieser Initiativen?

Hanna Hennig: Aus meiner Sicht sind Ökosysteme und die Zusammenarbeit über Abteilungsgrenzen hinaus elementar! Ein solch wichtiges und komplexes Thema kann man nicht alleine umsetzen, man benötigt den stetigen Austausch – sowohl intern als auch extern. Es geht hier auch um einen Mindset-Shift, denn um Veränderungen umzusetzen und dabei echten Mehrwehrt zu erzielen, brauchen wir eine neue, agile und kollaborative Arbeitsweise. Das bedeutet z.B. auch, dass ich Informationen, die ich in irgendeiner Form entwickelt habe, offen teile – etwa wie man den ökologischen Fußabdruck von einem Produkt kalkuliert. Es ist unabdingbar, dass wir alle an einem Strang ziehen, denn die Zeit, dass jeder das Rad neu entwickelt, haben wir nicht mehr und schließlich geht es um unser aller Zukunft! Wir müssen möglichst schnell agieren und dafür braucht es Zusammenarbeit und Synergie-Effekte sowie das entsprechende Mindset.

Welche Erfolge konntet ihr bereits erzielen?Impact Challenge Nominee Karcher 1

Rainer Karcher: Wie ich bereits erwähnt habe, ist Transparenz zu schaffen stets der erste Schritt, in unserem Fall ging es um den ökologischen Fußabdruck von IT Services. Zu Beginn unseres neuen Geschäftsjahrs im Oktober werden wir ein Carbon Dashboard veröffentlichen, mit dem jeder in der Lage sein wird, seinen eigenen „IT-Fußabdruck“ anzeigen zu lassen. Diese Initiative ist ein Startpunkt, wir wollen das Konzept in die breite Masse bringen. IT und die Digitalisierungen können einen großen Einfluss haben, wenn man sie an vielen Stellen als Transportmittel nutzt, um Dinge nachhaltig zu verändern.

Außerdem arbeiten wir gerade tatkräftig an der Erweiterung der Kreislaufwirtschaft in Bezug auf gebrauchte IT-Hardware. Mitarbeiter*innen sollen bald auch im Mobile Working einfach und unkompliziert ihre alten Geräte abgeben können und sie somit dem Refurbishment-Prozess zuführen können. Dieser Prozess soll dann auch weltweit umgesetzt werden.

Des Weiteren sind wir sehr aktiv im Bildungsumfeld und haben dort schon viele Erfolge erzielt. Allein in den letzten Monaten konnten wir mit über 1000 Geräte-Spenden karitativen Einrichtungen sowie Familien unterstützen, da besonders zu Zeiten von Home-Schooling funktionstüchtige IT-Geräte Mangelware sind. Das Ganze umrahmen wir mit Workshops, in denen wir versuchen Kindern und Jugendlichen mit Spaß und Kreativität die Welt der IT näher zu bringen. Dafür arbeiten wir gemeinnützigen Unternehmen wie der Hacker School und CodeIT! zusammen, um sie z.B. ans Programmieren heranzuführen. Uns ist es wichtig, die Begeisterung der Kinder zu wecken und dass sie die IT für sich entdecken – vielleicht auch als möglichen Ausbildungsberuf. Damit tragen wir auch dazu bei, die Nachwuchskräfte von morgen zu fördern.

Wieviel gesellschaftliche Verantwortung trägt man als Führungskraft? Was bedeutet das für dich in der täglichen Praxis? 

Rainer Karcher: Was man in einer solchen Position oft schnell unterschätzt ist die Strahlkraft, die Wirkung auf andere. Je länger man in dieser Rolle ist, umso mehr nimmt man auch eine Vorbildfunktion ein. Mein Ziel es ist, authentisch zu sein und ich möchte Menschen Hinweise und Hilfestellungen geben, sie inspirieren und motivieren. Kurzum: einen positiven Einfluss auf mein Umfeld haben! Das ist mein täglicher Antreiber, ich versuche dies in jedem Lebensbereich zu leben.

Außerdem bin ich auch ein Fan des klassischen Reverse Mentorings. Ich versuche nicht nur ein Vorbild für andere zu sein, sondern auch mir wiederum Feedback geben zu lassen. Ich arbeite daher auch gerne mit Student*innen zusammen und versuche auch ihre Blickwinkel auf bestimmte Dinge einzufangen, da die jüngere Generation auch immer wertvolle Impulse gibt. Beispielweise genießt die Nachhaltigkeit bei ihnen eine ganz andere Priorität wie vielleicht in meiner Altersklasse.

Mir ist es darüber hinaus wichtig zu zeigen, dass nicht alle Handlungen dem finanziellen Umsatz oder einen persönlichen Mehrwert zugrunde liegen müssen. Große Konzerne sollten sich mehr ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verantwortung bewusst sein und diesen Einfluss auch dementsprechend nutzen.

Welche Bedeutung hat die Confare CIO Impact Challenge für dich persönlich?

Rainer Karcher: Mit unserer Teilnahme an der Confare CIO Impact Challenge will ich zeigen, dass man mit einer persönlichen Leidenschaft auch im beruflichen Umfeld etwas bewegen kann. An dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an Hanna Hennig, die das Vertrauen in mich hatte und mir die Chance gegeben hat, mich in ein so wichtiges Themenfeld einzuarbeiten und es in der Siemens IT zu treiben, obwohl anfangs keiner genau wusste, wohin es führen wird. Ich denke wir können stolz sein auf den Weg, auf den wir uns nun befinden! Dies wollen wir nun auch nach außen zeigen und als Vorbild fungieren.

Wir möchten die Möglichkeit nutzen und zeigen, dass das Thema der Nachhaltigkeit in der IT auch neue Business-Chancen schafft und dadurch auch neue Services entstehen können. Wir wollen anderen den Anreiz geben und den Aufruf starten, sich auszutauschen und gemeinsam für eine bessere Zukunft einzustehen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir dies durch Partnerschaften, Offenheit und Engagement erreichen können. Genau darum geht es uns: Gemeinsam in eine Richtung gehen und die Confare CIO Impact Challenge bietet den perfekten Rahmen dafür.

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