Confare Livin IT Trophy Gewinner – Kwizda Agro: Digitale Landwirtschaft schont Ressourcen

Kwizda Agro ist Gewinner der Confare LivinIT Trophy – der Auszeichnung für die besten IT-Projekte des Jahres.
Wir sprechen heute mit Mark Winkler – Head of Digitalization von Kwizdda Agro. KX – Kwizda Xperience – heißt die neuste technologische Innovation des Unternehmens. Durch Digitalisierung wird der Pflanzenschutz nachhaltiger und effizienter gestaltet. Erfahren Sie in diesem Artikel, wie das Gewinner-Projekt erfolgreich mit Startups arbeitet, wie selbst mit komplexen Daten gearbeitet werden kann und vieles mehr.
Welche konkrete Herausforderung in der Landwirtschaft hat euch am stärksten dazu motiviert, ein digitales Ökosystem aufzubauen?
Die Landwirtschaft steht heute vor enormen Herausforderungen: unberechenbare Wetterextreme, erhöhter Schädlings- und Krankheitsdruck, strengere regulatorische Vorgaben und wirtschaftlicher Druck prägen den Alltag in den Betrieben.
Der administrative Aufwand ist hoch, Fachkräfte sind rar und viele Wirkstoffe verschwinden vom Markt. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Lösungen, die Pflanzenschutz möglichst ressourcenschonend und effizient gestalten – sowohl ökologisch als auch ökonomisch.
Traditionelle Methoden allein reichen nicht mehr aus. Wir müssen innovative Wege gehen – und hier helfen die Kraft der IT und Digitalisierung sowie ein entsprechendes digitales Ökosystem. Das erlaubt uns, rascher und zu shared cost voranzukommen.
Hier ein kurzes Infovideo mit genaueren Informationen zum Projekt.
Wie habt Ihr die Zusammenarbeit mit Startups aufgebaut und welche Kriterien sind für Euch bei der Partnerwahl entscheidend?
Wir haben Rahmen-Agreements und Projektframeworks definiert. Das heißt, wir haben ein grundsätzliches gemeinsames Verständnis aufgebaut, das Enterprise-Anforderungen und agile Vorgehensweisen ausbalancieren kann.
Außerdem haben wir uns genau überlegt: Was entwickeln wir mit wem langfristig selbst? Was nutzen wir kurzfristig – in Startup-Manier – erneut oder probieren es aus? Und wo gehen wir in ein erweitertes Scale-up?
Entscheidend sind natürlich die führenden Köpfe und Menschen dahinter: Brennen sie dafür? Gehen sie die letzte Meile mit uns? Sind sie bereit, etwas anzupassen, zu adaptieren, gemeinsam zu verbessern?
Denn jede Innovation ist zu Beginn nicht perfekt – und wäre sie es, wäre sie wahrscheinlich keine Innovation mehr.
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Was unterscheidet Euer „Ecosystem Agriculture“-Konzept von klassischen digitalen Insellösungen?
Wir haben mächtige, aber gekapselte Lösungen von großen internationalen Playern gesehen, die alles von A bis Z bereitstellen und kontrollieren möchten. Diese scheitern jedoch an der Fragmentiertheit Europas und an der Dynamik der Natur.
Wir haben daher einen klaren Nordstern definiert: Wir gehen konsequent von einem datengesteuerten Plattform- und Lösungssetup aus, bei dem jeder im Ökosystem seine Kernkompetenz einbringen kann.
Dabei haben wir von Anfang an auch auf die visuelle und ganzheitliche Repräsentation geachtet – parallel zu den technischen Entwicklungen und Anpassungen haben wir auch ein „Brand“-Konzept gestartet.
Oft wird vergessen, dass Technologie und Marketing, also die Schaffung einer starken Marke, genauso wichtig sind.
Mit KX bietet Ihr schon heute praxisnahe Microservices – welche Anwendung hat Euch in der Umsetzung besonders begeistert?
Der Schwenk von hardwaregetriebenen Wetterstationen und Prognoseservices hin zu vollkommen digitalen, entmaterialisierten Systemen.
Plötzlich ist etwas um 40 Euro pro Jahr möglich, das vorher 1.500 Euro pro Jahr gekostet hat.
Ich bin Hobby-Musikproduzent und sehe, wie stark hier die Digitalisierung und Entmaterialisierung wirkt – vom Plattenspieler und Studio hin zum Webservice und Streaming der Songs.
Es ist wirklich begeisternd, wenn man die Kraft der IT und Digitalisierung auch in völlig anderen Branchen und Themenfeldern umsetzen kann – und es funktioniert.
Wie gelingt es Euch, die oft komplexen Daten in einfache und direkt nutzbare Handlungsempfehlungen für Landwirte zu übersetzen?
Reduce to the Max ist hier das Credo. Ich kann 100 Tabellen zeigen – oder ein Ampelsystem wählen.
Ich kann eine komplexe End-to-End-Lösung anstreben – oder schlanke, fokussierte Microservices.
Dabei sind gutes UX/UI natürlich wichtig. Ein erfahrenes Kernteam inhouse, gepaart mit Entwicklungspartnern, die mitfiebern und mitdenken, stellt das sicher.
Und natürlich auch die Einbindung des Vertriebs, der Berater, der Winzer und Farmer, um herauszufinden, was am Ende des Tages wirklich zählt und welche „Sprache“ gesprochen wird.
Welche Rolle spielt das Feedback aus der Praxis bei der Weiterentwicklung Eurer digitalen Lösungen?
Das ist, speziell bei echter digitaler Transformation und Innovationsentwicklung, ein gut auszubalancierendes Thema.
Praxis spiegelt die gängige Realität wider – das ist aber oft ein Blick in den Rückspiegel oder bestenfalls eine linear steigende Einschätzung.
Eine exponentielle Veränderungskurve kann man sich oft schwer vorstellen, und eine Disruption will man meist gar nicht.
Doch genau dort hängt der Nordstern, zu dem man in der Entwicklung die Segel setzen und Kurs halten muss.
Auf der anderen Seite ist es genauso wichtig, die mittel- und langfristigen Essenzen der branchenspezifischen Praxis zu verstehen, zu beachten und einzubeziehen.
In der Landwirtschaft muss man außerdem bedenken, dass die Feedback-Zyklen natur- bzw. saisonbedingt vorgegeben sind.
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Digitalisierung ist für viele Landwirte immer noch ein sensibles Thema – wie baut Ihr Vertrauen auf?
Zum einen sind die Berater der Kwizda Agro zum großen Teil selbst Landwirte. Diese geben intensiv Feedback und benchmarken stark.
Wenn dann Lob kommt, wirkt das doppelt – nach innen und außen – und das schafft Vertrauen.
Außerdem haben wir bewusst „offenere“ Services geschaffen – zum Beispiel einen Planner, der nicht nur unsere Produkte, sondern auch die der Mitbewerber beinhaltet. Damit kann der Landwirt freier entscheiden, und das erzeugt Goodwill – aber auch wertvolle Insights.
Wo seht Ihr den größten Hebel für Ressourcenschonung und Effizienzsteigerung durch Eure Plattform?
Insbesondere beim richtigen Timing.
Wenn ich heute Pflanzenschutzmaßnahmen treffe, weil ich das immer so gemacht habe, der Krankheitsdruck aber gar nicht so hoch ist oder in der Nacht der Regen alles wegwäscht, ist das Ressourcenverschwendung.
Wenn ich jedoch vorausschauend planen, den Krankheitsdruck frühzeitig abfangen und das richtige Witterungszeitfenster erwischen kann, dann handle ich effizient.
Durch KX und die digitale Interaktion mit unseren Kunden – über Analysen, Vorhersagen und Rückmeldungen – verstehen wir außerdem immer besser, wo was wie eingesetzt wird, wirkt oder auch nicht so gut funktioniert hat.
Daten führen zu Informationen, Information gepaart mit Branchen-Know-how zu Handlungsweisheiten – und letztlich zu besseren Produktentwicklungen und Services.
Welche weiteren Technologien oder Features wollt Ihr in den nächsten Jahren in Euer Ökosystem integrieren?
Wir starten mit einem großen Techplayer und deren Digital Earth-Kompetenzen ein Projekt zur besseren Prediction in Ungarn und Rumänien. In Österreich sind wir durch die Kooperation mit Geosphere, die exzellente Daten liefern, vorne dabei.
In manchen anderen Ländern gibt es da noch Luft nach oben – hier kann derartige „brute force“ schon helfen.
Außerdem werden wir die Kraft der AI sowie Text- und Sprachfähigkeiten nutzen, um die Anwendbarkeit auf smarte Weise zu verbessern. Ich möchte dazu jetzt noch nicht zu sehr aus dem Nähkästchen plaudern, aber es wird anders passieren, als es derzeit bei vielen AI-Projekten geschieht.
Aus meiner Sicht wird hier vieles oft zu groß und komplex angegangen – und geht dann schief.
Darüber hinaus werden wir – nach der digitalen Unterstützung von Sales, Beratung und Kunden – hybride Lösungsentwicklungen starten, die auch die Pflanzenschutzprodukte selbst erweitern. Das heißt: Wir entwickeln am Produkt selbst digital mit und unterstützen es.
Warum ist es wichtig, erfolgreichen IT-Projekt-Teams eine Bühne zu bieten und sie auszuzeichnen?
Ich würde die Frage sogar etwas breiter beantworten. Für meinen Tätigkeitsbereich und Anspruch gibt es nicht mehr die Trennung von IT, Sales, Digital Transformation, Marketing, Ecosystemen bzw Partnern.
Insofern sehe ich erfolgreiche Teams größer angelegt. Entscheidend sind dabei die Menschen – jene, die sich gerade zu Beginn, wo die Unsicherheiten am größten sind, mutig in den Wind stellen und Entscheidungen treffen.
Das kann auch ein CFO sein, der dem Team das nötige Budget gibt und dahintersteht.
Die Bühne ist wichtig, wenn sie die Kooperation noch mehr fördert, Synergien ermöglicht und uns in Österreich und Europa – trotz aller Fragmentiertheit – hilft, Gemeinsames zu schaffen.


