Confare LivinIT Trophy Preisträger – Das Netzwerk hinter dem ESC 2026

by Ella Engl-Wurzer

Confare LivinIT Trophy Preisträger – Das Netzwerk hinter dem ESC 2026

LIVINIT_ORF

Mehr als 120 Menschen aus ORF, A1, Wiener Stadthalle und Wien Holding haben in weniger als acht Monaten die vollständige IT-Infrastruktur für den Eurovision Song Contest 2026 geschaffen. 100 Gbit/s, mehr als 360 Access Points und über zehn getrennte Netzwerke bildeten die technische Grundlage für das größte Live-Musikevent der Welt.

Das gemeinsame Projekt ist für die Confare LivinIT Trophy nominiert. Im schriftlichen Interview gibt David Reinecker, IT-Manager ESC 2026 beim ORF, Einblick in die Arbeit des Projektteams und zeigt, wie sich eine Infrastruktur dieser Dimension trotz laufend neuer Anforderungen sicher, flexibel und zuverlässig umsetzen ließ.

Erleben Sie die nächste Verleihung live vor Ort: Sichern Sie sich bereits jetzt Ihren Platz für den Confare CIOSUMMIT Salzburg am 22. September 2027 und melden Sie sich jetzt an.

In weniger als acht Monaten musste eine vollständige IT-Infrastruktur für das größte Live-Musikevent der Welt entstehen. Womit beginnt man bei einem Projekt dieser Dimension – und welche Unbekannten haben euch anfangs am meisten beschäftigt?

Wir haben mit den groben Eckdaten aus Basel, dem Austragungsort des ESC 2025, begonnen. Diese Informationen wurden uns freundlicherweise von SRF und Swisscom zur Verfügung gestellt. Zusätzlich standen uns die grundlegenden Anforderungen der EBU zur Verfügung. Auf dieser Basis haben wir gemeinsam mit A1 und der Wiener Stadthalle zunächst ein Konzept für eine belastbare Basisinfrastruktur entwickelt.

Von dort aus wurde die Planung Schritt für Schritt konkreter. Mit den Anforderungen der einzelnen Gewerke und den zunehmend klarer werdenden Teilnehmer- und Nutzerzahlen konnten wir die Infrastruktur immer genauer dimensionieren.

Gleichzeitig war uns von Anfang an bewusst, dass sich die Anforderungen laufend verändern würden. Deshalb war unser Konzept bewusst nicht als starrer Masterplan ausgelegt, sondern als belastbare Basis, die jederzeit erweitert werden konnte – was im Projektverlauf auch tatsächlich notwendig wurde.

Eine der größten Herausforderungen war daher, mit Unbekannten zu planen: Wie viele Personen würden sich tatsächlich in den einzelnen Bereichen aufhalten? Welche Anforderungen würden sich aus den unterschiedlichen Gewerken ergeben? Und welche zusätzlichen Anforderungen würden noch im Laufe des Projekts entstehen? Gerade bei einem Event dieser Größenordnung mussten wir deshalb immer einen gewissen Puffer einplanen.

Bei den technischen Spezifikationen haben wir uns aus Sicherheitsgründen bewusst für eine gewisse Überdimensionierung entschieden. Der zusätzliche Aufwand und die damit verbundenen Ressourcen waren für uns gut investiert. Denn bei einem Event wie dem ESC ist ein etwas größer dimensioniertes Netzwerk wesentlich weniger problematisch als ein Engpass oder gar ein Ausfall während der laufenden Produktion.

Die Einreichungen und Nominierungen für die Confare LivinIT Trophy 2027 sind bereits geöffnet: Gestalten Sie die Auszeichnung mit und reichen Sie Ihr Projekt oder Ihr Favoriten-Team jetzt ein.

Beim ESC 2015 reichten eine 3-Gbit/s-Anbindung und einige WLAN-Netze. 2026 waren unter anderem 100 Gbit/s, mehr als 360 Access Points und über zehn getrennte Netzwerke erforderlich. Was hat die Anforderungen in diesen elf Jahren am stärksten verändert?

Aus unserer Sicht wurde diese Entwicklung vor allem durch zwei Faktoren getrieben: die deutlich gestiegenen Erwartungen von Medienvertreter:innen und Delegationen sowie die immer höheren technischen Anforderungen der Produktion selbst.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Visuals für die zahlreichen Videowalls – an den Wänden, im Bühnenboden und an vielen weiteren Stellen. Allein diese Anwendungen benötigen heute mehr als das Dreifache der gesamten Bandbreite, die beim ESC 2015 zur Verfügung stand.

Gleichzeitig hat sich auch die Art der Berichterstattung grundlegend verändert. Hochauflösende Fotos und Videos sowie Livestreams werden heute innerhalb von Sekunden von mehr als 1.000 Journalist:innen produziert, verarbeitet und weltweit veröffentlicht. Auch die Künstler:innen selbst sind über Social Media unmittelbar in die Berichterstattung eingebunden und erzeugen zusätzlichen Datenverkehr.

Damit ist das Netzwerk längst nicht mehr nur eine Infrastruktur für klassische IT-Arbeitsplätze. Es ist heute ein zentraler Bestandteil der gesamten Liveproduktion. Datenmengen entstehen nicht mehr punktuell, sondern kontinuierlich und in Echtzeit. Sie müssen zuverlässig und ohne Verzögerung verarbeitet und übertragen werden.

Um die Dimension dieser Entwicklung greifbar zu machen, kann man einen Blick auf den Datenverkehr in österreichischen Haushalten werfen: Vergleicht man das Nutzungsverhalten von 2015 mit heute, zeigt sich eine ähnliche Entwicklung – natürlich in einem völlig anderen Maßstab. Genau diese massive Zunahme der digitalen Nutzung spiegelt sich auch beim ESC wider.

Während des Aufbaus und im laufenden Betrieb kamen immer wieder neue oder veränderte Anforderungen hinzu. Welche spontane Anforderung hat das Team besonders gefordert – und wie wurde sie gelöst?

So banal es klingt: Besonders gefordert haben uns tatsächlich die scheinbar kleinen Anforderungen – etwa Verbindungen zu neuen Orten oder Bereichen, die in der ursprünglichen Planung noch gar nicht berücksichtigt waren.

Innerhalb weniger Stunden eine zusätzliche Verbindung über Glasfaser oder Kupfer quer durch ein mehr als 70 Jahre altes Gebäude herzustellen, ist eine ganz eigene Herausforderung. Dabei mussten wir bestehende Infrastruktur mit kurzfristig selbst verlegten Leitungen kombinieren und koordinieren.

Das erfordert nicht nur technisches Know-how, sondern auch eine sehr genaue Planung. Denn in einem laufenden Veranstaltungsbetrieb kann man nicht einfach beliebig neue Leitungswege erschließen.

Die zweite große Herausforderung waren kurzfristige Anpassungen bei Authentifizierung und Routing. Immer wieder mussten Geräte plötzlich neue Schnittstellen im Netzwerk erhalten, über mehrere Netze kommunizieren oder temporär freigeschaltet werden.

Technisch lassen sich viele dieser Änderungen innerhalb weniger Minuten umsetzen. Die eigentliche Herausforderung bestand aber darin, dies zu tun, ohne unser Sicherheitskonzept aufzuweichen.

Genau darin lag für uns eine der wichtigsten Aufgaben: Auch unter enormem Zeitdruck durften wir bei der Security keine Abkürzungen nehmen. Viele Anforderungen wären bei einer schnellen Standardumsetzung vermutlich durch eine Lockerung unserer Sicherheitsvorgaben gelöst worden. Stattdessen mussten wir für jede dieser Situationen eine sichere und trotzdem praktikable Lösung finden.

Über eine eigene Schnittstelle zum Akkreditierungssystem wurden Personen automatisch dem richtigen Netzwerk zugeordnet. Wie entstand diese Lösung – und was vereinfachte sie für 1.200 Journalist:innen, 36 Delegationen und zahlreiche Mitarbeitende?

Die Lösung entstand aus einem einfachen Problem: Wie geben wir sehr vielen Menschen unkompliziert Zugang zum richtigen Netzwerk, ohne auf ein gemeinsames Passwort oder eine aufwendige zusätzliche Registrierung zurückgreifen zu müssen?

Für die Journalist:innen wäre ein offenes WLAN oder ein gemeinsames Passwort natürlich die einfachste Lösung gewesen – aus Security-Sicht war das aber keine Option. Deshalb haben wir die Authentifizierung direkt mit dem Akkreditierungssystem verknüpft.

Die Zugangsdaten waren auf der Akkreditierung abgedruckt und zusätzlich in der App verfügbar. Dadurch konnten sich die 1.200 Journalist:innen, 36 Delegationen und Mitarbeitenden vor Ort einfach authentifizieren, ohne einen zusätzlichen Registrierungsprozess durchlaufen zu müssen.

Für die wenigen Fälle, in denen es dennoch Probleme gab, stand unser Helpdesk im Media Centre und in der Delegation Bubble zur Verfügung. So konnten wir Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit verbinden, ohne den ohnehin schon vollen Ablauf vor Ort durch einen zusätzlichen Registrierungsprozess zu belasten.

Gala Dinner & Livin IT Trophy – eine Nacht, in der Spitzenleistungen in der IT sichtbar, gefeiert und ausgezeichnet werden.

Mehr als 120 Menschen aus ORF, A1, Wiener Stadthalle und Wien Holding waren beteiligt. Was würde euch die Confare LivinIT Trophy bedeuten – und welche Leistungen des Teams sind für das Publikum unsichtbar geblieben?

Für uns wäre die Confare LivinIT Trophy eine großartige Möglichkeit, sichtbar zu machen, wie viele Menschen hinter einer solchen Veranstaltung arbeiten. Denn tatsächlich sind unsere Leistungen für das Publikum nahezu vollständig unsichtbar.

Die IT-Infrastruktur ist für die TV-Abwicklung und für unzählige Bereiche der Veranstaltung vor Ort essenziell. Trotzdem sehen weder das Publikum in der Halle noch die Millionen Menschen vor den Bildschirmen, wie viele Menschen im Hintergrund dafür sorgen, dass alles funktioniert.

Eine Auszeichnung wäre deshalb nicht nur eine Anerkennung für das Ergebnis, sondern vor allem für die vielen Menschen im Team. Sie würde zeigen, dass ihre Arbeit vielleicht nicht unmittelbar sichtbar ist, aber einen wesentlichen Baustein für das Gelingen eines Projekts dieser Größenordnung darstellt.

Confare #CIOSUMMIT Wien 2025 Banner dünn

Jetzt für das Confare CIOSUMMIT Wien am 17. & 18. März 2027 in der METAStadt anmelden – der zentrale Treffpunkt, an dem die Zukunft der IT im DACH-Raum diskutiert und gestaltet wird.

Für Sie ausgewählt

Leave a Comment