Confare LivinIT Trophy Gewinner: Land NÖ steht für agile, ortsunabhängige Verwaltungsprozesse

by Bianca Bogad-Frey

Confare Livin IT Trophy Gewinner – Amt der Niederösterreichischen Landesregierung: Land NÖ steht für agile, ortsunabhängige Verwaltungsprozesse

So vermeidet das Land Niederösterreich doppelte Arbeit. Land NÖ Livin IT Trophy Nominee

Credit zum verwendeten Foto von Stummer Petra : NLK Pfeiffer

Das Amt der Niederösterreichischen Landesregierung ist Gewinner der Confare LivinIT Trophy – der Auszeichnung für die besten IT-Projekte des Jahres.

Wir sprechen heute mit Petra Stummer – CIO vom Amt der NÖ Landesregierung. GISMO ist das Resultat eines Projektcontests. Wie das Projekt so schnell umgesetzt werden konnte, wie das Baukastensystem bei der Flexibilität hilft und vieles mehr, erfahren Sie in diesem Bloginterview.

Was hat den Ausschlag für das Projekt GISMO gegeben?

Das Land NÖ hat 2019 einen Digi Contest durchgeführt, ein Wettbewerb für innovative digitale Projektideen, bei dem alle rund 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des NÖ Landesdienstes mitmachen konnten. Eines der Siegerprojekte war „noegis-mobile / geoinformation micro apps für Bürger und Bedienstete“ durch das der Bedarf für ein mobiles, geobasiertes Software-Ökosystem dargestellt wurde. GISMO war die Antwort auf diesen Handlungsbedarf und der Startschuss für agile, ortsunabhängige Verwaltungsprozesse zugeschnitten auf die Bedürfnisse der Akteure Vorort.

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Wie habt ihr es geschafft, die Anforderungen so eng mit den Anwender:innen abzustimmen und schnell in die Praxis zu bringen?

Wir haben GISMO in interdisziplinären Teams entwickelt in engem Austausch mit den Fachabteilungen, schneller “time to market” mit Minimal Viable Products (MVP) und echtem Feedback. Durch Shadowing vor Ort konnte auch ein niederschwelliger MVPs Zugang zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewonnen werden und gemeinsam mit den Personen welche die App verwenden die Ideen weiterentwickelt werden. Der Erfolg war kein Zufall, sondern Ergebnis einer offenen und nutzerzentrierten Zusammenarbeit.

Was macht das Framework hinter GISMO so flexibel für unterschiedliche Anwendungsfälle?

GISMO ist ein modulares Baukastensystem, wiederverwendbare Bausteine können flexibel kombiniert werden und ermöglichen so in kurzer Zeit neue Anwendungen.

Beispiele für solche Module sind:

  • Basiskarten & Geodatenintegration für die präzise Verortung und Darstellung von Standortinformationen.
  • Adress- und Stammdatenservices zum automatischen Einfügen korrekter Adress- oder Verwaltungsdaten.
  • Fotoerfassung zur direkten Aufnahme, dem Upload und der Verknüpfung von Bildern mit Geoposition.
  • Offline-Funktionalität die es ermöglicht, Anwendungen auch ohne Netzabdeckung voll nutzbar zu machen und die Daten später sicher zu synchronisieren.

Die vollständige Integration in unsere IT-Infrastruktur garantiert Sicherheit, Skalierbarkeit und Wartbarkeit. Das erlaubt uns, rasch und ohne große Verwaltungsaufwände oder lange Abstimmungsprozesse auf neue Anforderungen zu reagieren.

Welche technischen Hürden gab es bei der Offline-Funktionalität und wie habt ihr sie gelöst?

Die größte Herausforderung bestand in der Konzeption einer Synchronisierungslogik, die es ermöglicht georeferenzierte Daten lokal so zu indexieren, dass in der Applikation dann auch räumlich danach gesucht werden kann. Dafür musste am Client eine Synchronisierungslogik unter Ausnutzung umfangreicher clientseitiger Web-Technologien wie Service Worker und IndexedDB implementiert werden.

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Wie setzt ihr agile Methoden in der Entwicklung konkret um?

Wir setzen auf echte Agilität statt starrer Pläne:

  1. Zunächst wird für jeden Anwendungsfall ein Minimal Viable Product (MVP) erstellt.
  2. Das MVP wird mit den Fachabteilungen unmittelbar in der Praxis erprobt, zuerst in einem kurzen Vorstellungsworkshop und dann im Feld.
  3. Rückmeldungen der Anwenderinnen und Anwender werden systematisch gesammelt, priorisiert und in kurzen Iterationen umgesetzt.

Wir nutzen Elemente aus Scrum z. B. Daily, Sprint-Planung, Retrospektiven und Kanban. Dadurch erreichen wir kurze Umsetzungszyklen, hohe Transparenz und einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

Mit kurzen Iterationen, klarer Visualisierung der Arbeitsschritte und offenen Retrospektiven halten wir den Prozess lebendig und transparent.

Welche Rolle spielen neue Features wie Speech-to-Text oder Computer Vision für die Zukunft von GISMO?

Neue Technologien wie Speech-to-Text oder Computer Vision sind für GISMO ein entscheidender Schritt, um die Arbeit unserer Nutzerinnen und Nutzer im Feld deutlich einfacher und inklusiver zu machen.

Mit Speech-to-Text können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die während Bauarbeiten, Begutachtungen oder bei jedem Wetter draußen im Einsatz sind, die Informationen direkt ins Gerät sprechen. Auch längere Texte lassen sich so unkompliziert erfassen, ohne mühsames Tippen am Handy. Gerade für Kolleginnen und Kollegen, die weniger routiniert im Umgang mit mobilen Tastaturen sind, ist das ein echter Mehrwert. Gleichzeitig achten wir streng auf eine DSGVO-konforme Verarbeitung: Ein Proof-of-Concept auf unserer eigenen Infrastruktur mit unserem bereits vorhandenem KI Sprachmodell hat bereits gezeigt, dass sich solche Szenarien sicher und performant umsetzen lassen.

Computer Vision eröffnet zusätzlich neue Möglichkeiten: Ein Foto reicht, um visuelle Informationen strukturiert automatisiert als Vorbefüllung in Formulare zu übertragen. Zum Beispiel die Größe einer Beschilderung, die Anzahl der Tafeln auf einem Ständer oder die erkannten Texte darauf. Der Mensch bleibt dabei immer im Mittelpunkt: Die KI füllt Formulare vor, aber die Prüfung und Freigabe erfolgt bewusst durch den Anwender. So sinkt die Hemmschwelle, mehr Details zu erfassen, und gleichzeitig reduziert sich die Erfassungszeit drastisch.

Beide Technologien haben das Potenzial, GISMO in den nächsten Jahren noch intuitiver, schneller und inklusiver zu machen. Unser Ziel ist es, moderne IT so einzusetzen, dass sie den Menschen unterstützt, nicht ersetzt.

Wie messt ihr den Erfolg von GISMO – sowohl aus Sicht der Verwaltung als auch aus Sicht der Bürger:innen?

Unser wichtigster Maßstab ist die Zufriedenheit der Anwenderinnen und Anwender. Wenn sie die Anwendungen gerne nutzen und von sich aus mit neuen Ideen und weiteren UseCases auf uns zukommen, wissen wir, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Für die Verwaltung zeigt sich der Erfolg zusätzlich in messbaren Effizienzgewinnen: weniger Medienbrüche, schnellere Bearbeitungszeiten, reduzierte Kosten pro Anwendung und eine bessere Wiederverwendbarkeit der Bausteine.

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Welche weiteren Einsatzszenarien seht ihr in den nächsten Jahren für das Framework?

Wir sind im engen Austausch mit den Fachabteilungen und es werden laufend neue UseCases an uns herangetragen. Dabei konzentrieren wir uns besonders auf den Außendienst in den Gruppen Straße und Wasser, weil hier der größte Hebel identifiziert wurde. Durch den Abbau von Medienbrüchen und eine effizientere Datensynchronisierung können enorme Effizienzgewinne erzielt werden.

Warum ist es wichtig erfolgreichen IT-Projekt-Teams eine Bühne zu bieten und sie auszuzeichnen?

Erfolgreiche IT-Projekte entstehen nicht im Alleingang, sondern durch engagierte Teams, die mutig neue Wege gehen und Verantwortung übernehmen. Eine Auszeichnung schafft Sichtbarkeit für diese Arbeit, macht die Leistungen der Teammitglieder greifbar und zeigt, dass Innovation in der Verwaltung möglich und wertvoll ist.

Darüber hinaus hat eine Bühne für erfolgreiche Projekte eine Vorbildfunktion: Sie motiviert andere, ebenfalls neue Ideen einzubringen, fördert die Innovationskultur und stärkt die Attraktivität der öffentlichen Verwaltung als moderner Arbeitgeber. Wertschätzung ist hier nicht nur ein „Nice to have“, sondern ein zentraler Motor für nachhaltige digitale Transformation.

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