Zehn Behind-the-Badge-Gäste, die auf LinkedIn darüber schreiben, was es braucht, damit AI im Unternehmen Wirkung entfaltet.
von Michael Ghezzo

Für Behind the Badge habe ich in den vergangenen Monaten viele CIOs und IT-Verantwortliche interviewt. AI war dabei fast immer ein Thema. Im Mittelpunkt standen jedoch selten einzelne Sprachmodelle, Tools oder Technologien. Viel öfter ging es um die Voraussetzungen, die Unternehmen schaffen müssen, damit AI im Alltag tatsächlich hilft.
Dazu gehören Daten, Prozesse, Kernsysteme, Berechtigungen, Fähigkeiten und Kosten. Manchmal beginnt die Arbeit auch mit einer einfachen Frage: Braucht es diesen Ablauf überhaupt noch? In einer Bank stellt sich rasch die Frage, was ein Agent entscheiden darf. Im Krankenhaus zählt, ob Technologie mehr Zeit für die Versorgung schafft. In der Industrie geht es darum, Produktionsdaten und Engineering in konkrete Wertschöpfung zu übersetzen.
Für diese Ausgabe des Confare Social CIO Spotlight habe ich zehn Menschen aus diesen Gesprächen ausgewählt, deren LinkedIn-Profile ich gerne verfolge. Ihre Beiträge zeigen unterschiedliche Wege, AI in Unternehmen zu verankern – und machen sichtbar, wie eng Technologie mit den Grundlagen der Organisation verbunden ist.
Warum es den Social CIO Spotlight gibt
Das Social CIO Spotlight ist aus dem täglichen Austausch mit Menschen entstanden, die in Unternehmen die digitale Transformation vorantreiben und die Wirtschaft der Zukunft mitgestalten.
Viele CIOs, IT- und Digitalisierungsverantwortliche teilen auf LinkedIn offen, woran sie arbeiten, welche Entscheidungen sie treffen und wo es schwierig wird. Mit dem Social CIO Spotlight machen wir Profile sichtbar, bei denen sich mitverfolgen lässt, wie IT- und Digitalisierungsprofis Entscheidungen treffen, Veränderungen vorantreiben und mit den Herausforderungen ihrer Arbeit umgehen.
Florian Dürr – VP AI & Digital Transformation, Eberspächer Group
Warum folgen? Florian Dürr teilt konkrete Erfahrungen dazu, wie AI aus ersten Experimenten in die Organisation kommt.
Bei Eberspächer wurde aus einem kleinen Start mit fünf Lizenzen eine breite Auseinandersetzung mit AI: Rund 1.700 Mitarbeitende wurden geschult. Fachbereiche sollen Anwendungen ausprobieren, entwickeln und beurteilen können, was ihnen im Arbeitsalltag hilft.
Damit verändert sich auch die Rolle der zentralen IT. Wenn mehr Entwicklung außerhalb der klassischen IT stattfindet, braucht es Plattformen, Integration, Security und Standards. Sonst wird es schwierig, aus einzelnen guten Ideen eine tragfähige Landschaft zu machen.
Auf LinkedIn schreibt Florian über Zahlen, Lernkurven und Herausforderungen der AI-Transformation – etwa darüber, wie man interne Sponsoren gewinnt, Nutzung misst und aus Experimenten eine breitere Veränderung macht.
Lutz Seidenfaden – zuletzt CIO und SVP Information Technology, MTU Aero Engines
Warum folgen? Lutz Seidenfaden verbindet AI mit End-to-End-Prozessen und der Zusammenarbeit von Business und IT.
Im Behind-the-Badge-Gespräch beschrieb er die AI-Arbeit bei MTU mit zwei Begriffen: Breitensport und Spitzensport. Zum Breitensport gehören Assistenzsysteme für viele Wissensarbeiter:innen. Beim Spitzensport arbeitet die IT gemeinsam mit Fachleuten aus Produktion, Supply Chain und Engineering an spezialisierten AI- und Machine-Learning-Anwendungen.
Bei MTU reicht das bis zu multimodalen Modellen, die technische Zeichnungen, Modelle und Strömungssimulationen zusammenbringen. AI wird so Teil der Zusammenarbeit zwischen Business und IT und der Gestaltung durchgängiger Prozesse.
Das Interview entstand noch während seiner Zeit als CIO bei MTU. Mit 1. Oktober 2026 hat Lutz nach mehr als sechs Jahren seine Aufgaben übergeben. Seine Beiträge zu „Business and IT fly together“, Business Value und End-to-End-Transformation bleiben eine lesenswerte Perspektive auf die Entwicklung der IT.
Marcus Loskant – Vorstandsmitglied und IT, LVM Versicherung
Warum folgen? Marcus Loskant zeigt, warum AI-Projekte oft bei Kernsystemen, Daten und Prozessen beginnen.
Neue Modelle helfen wenig, wenn Systeme kaum integrierbar sind oder wichtige Daten nicht sauber zur Verfügung stehen. Die LVM modernisiert ihre Kernsysteme schrittweise und baut eine API-basierte Architektur auf. Marcus hinterfragt auch bestehende Prozesse, bevor sie automatisiert werden. Bei einer Versicherung mit mehr als 130 Jahren Geschichte ist das eine umfassende Aufgabe.
Auf LinkedIn verbindet Marcus AI mit Legacy-Modernisierung, Architektur, Leadership und der Entwicklung der IT-Organisation. Gerade für Unternehmen mit gewachsenen Strukturen ist sein Blick auf die Grundlagen der Transformation interessant.
Leonhard Kerscher – Executive Vice President IT & Digital Transformation, Kärcher
Warum folgen? Leonhard Kerscher macht deutlich, dass AI-Agenten klare Prozesse und Verantwortlichkeiten brauchen.
Kärcher unterscheidet zwischen Everyday AI und Game-changing AI. Everyday AI soll möglichst vielen Mitarbeitenden zugutekommen. Dafür hat das Unternehmen früh darauf gesetzt, die Belegschaft breit mit generativer AI vertraut zu machen. Game-changing AI greift tiefer in Geschäftsprozesse ein.
Bei Kärcher wird der Soll-Prozess teilweise bewusst AI-basiert neu entworfen. Danach kommen Datenprodukte, Schnittstellen und Systeme dazu. Das Prinzip „No agent without process“ setzt dafür einen klaren Rahmen: Prozess, Zugriffe und Verantwortlichkeiten müssen definiert sein, bevor ein Agent produktiv arbeitet.
Auf LinkedIn schreibt Leonhard über breite Nutzung, Agenten, Cloud, S/4HANA und Architektur – und darüber, wie eine große Organisation neue Technologie in den Alltag bringt.
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Dr. Lea Sonderegger – CDO, CIO und Mitglied des Executive Committee, Swarovski
Warum folgen? Lea Sonderegger zeigt, wie AI mit messbarem Geschäftsnutzen und einer breiten Befähigung der Mitarbeitenden verbunden werden kann.
„Wir machen AI nicht, weil gerade alle über AI sprechen. Wir setzen AI dort ein, wo wir wirklich Wert schaffen können.“
Bei Swarovski wird geprüft, wo AI tatsächlich Wert schafft und welche Anwendungen sich skalieren lassen. Gleichzeitig hat das Unternehmen in AI Literacy investiert und eine AI Agent Factory aufgebaut. Rund 11.000 Mitarbeitende haben die Basic-Programme zur AI Literacy absolviert.
Leas Beiträge auf LinkedIn verbinden AI mit Daten, Customer Experience, Supply Chain, Leadership und Unternehmensstrategie. Das macht ihren Feed interessant für alle, die nachvollziehen möchten, wie neue Technologie in ein größeres Transformationsprogramm eingebettet wird.
Linda de Winter – CIO und Mitglied der Geschäftsleitung, Swisscard AECS
Warum folgen? Linda de Winter macht sichtbar, welche Fragen Agentic AI in einem Finanzunternehmen aufwirft.
Bei Swisscard führt Agentic AI rasch zu Themen wie Fraud Detection, Credit Risk, Compliance, Berechtigungen und Haftung. Wenn ein Agent im Auftrag eines Kunden Transaktionen ausführen kann, reicht die technische Frage, ob er dazu fähig ist, nicht aus.
Linda verbindet diese Fragen mit Architektur, Security, Plattformen und Standardisierung. Ihre Perspektive zeigt auch, wie stark Lifecycle und Architektur darüber entscheiden, wie viel Budget und Kapazität später für Neues bleibt.
Auf LinkedIn schreibt Linda über IT-Führung, Security, Organisationsentwicklung und die Rolle der IT auf Geschäftsleitungsebene. AI ist dabei eines von mehreren Themen, die sie in ihrer Funktion zusammenführen muss.
Thomas Greuter – CIO, Migros Bank
Warum folgen? Thomas Greuter erinnert daran, dass AI-Projekte bei Prozessen und Daten beginnen müssen.
„Hier beginnt es mal wirklich mit dem Prozess-Redesign. Es beginnt mit den Daten.“
Thomas beschreibt seine Rolle als Technologie-Enabler und Übersetzer. Technologien sind verfügbar und entwickeln sich rasch weiter. Umso wichtiger wird die Fähigkeit, Technologieentscheidungen gut beurteilen zu können.
Bei AI gehören Governance, Risk, Cybersecurity, Datenqualität und Model Drift genauso zur Arbeit wie das Modell selbst. Wenn es um Effizienz geht, setzt Thomas früh bei Prozessen und Daten an.
Martin Wilde – Senior Vice President IT und CIO, PFISTERER
Warum folgen? Martin Wilde zeigt, wie AI mit Wertschöpfung und den konkreten Abläufen eines Industrieunternehmens verbunden werden kann.
Für PFISTERER liegt Potenzial entlang der Wertschöpfungskette: Auftragseingang, Verarbeitung, Produktion, Maschinenauslastung und Kundenverhalten liefern Daten, aus denen sich bessere Abläufe entwickeln lassen. Damit das funktioniert, müssen diese Daten nutzbar vorliegen. Gerade unstrukturierte Datenbestände werden schnell zu einer praktischen Aufgabe.
Martin verbindet AI mit der Wettbewerbsfähigkeit des industriellen Mittelstands und mit einer IT, die eng mit Produktion und Geschäft zusammenarbeitet. Sein LinkedIn-Profil liefert Einblicke in globale CIO-Arbeit, Transformation und Leadership.
Felix Frank – CIO und Head of IS&T DACH, Sodexo
Warum folgen? Felix Frank beschreibt, wie gemeinsame Daten und Plattformen dabei helfen, AI-Anwendungen über einzelne Bereiche hinaus zu skalieren.
Bei Sodexo sollen eine gemeinsame Datenbasis, wiederverwendbare Plattformen und ein entlang der Wertströme organisiertes Portfolio verhindern, dass neue Lösungen nur in einzelnen Bereichen funktionieren.
Analytics und AI unterstützen Fachbereiche dabei, Entscheidungen schneller zu treffen und erfolgreiche Services über einzelne Bereiche hinaus zu skalieren. Dafür müssen Business und IT gemeinsam entscheiden, welche Prozesse standardisiert, welche Daten harmonisiert und welche Produkte tatsächlich ausgebaut werden.
Für CIOs ist dieser Blick relevant, weil AI die Grenze zwischen zentraler IT und Fachbereich weiter verschiebt. Mehr Möglichkeiten außerhalb der IT bedeuten gleichzeitig mehr Arbeit an Plattformen, Integration und gemeinsamen Regeln.
Robert Mahnke – CIO, Universitätsklinikum Ulm
Warum folgen? Robert Mahnke setzt einen konkreten Maßstab für den Nutzen neuer Technologie: gewonnene Zeit für die Patientenversorgung.
Im Krankenhaus bekommt der Nutzen neuer Technologie eine sehr konkrete Bedeutung. Robert Mahnke verantwortet am Universitätsklinikum Ulm die Verbindung von Medizin, Pflege, Verwaltung und Technologie. Digitale Prozesse, Datenarchitektur, Interoperabilität und AI sollen Beschäftigte entlasten und die Versorgung unterstützen.
Bei knappen personellen Ressourcen ist gewonnene Zeit kein abstrakter Produktivitätswert. Sie kann bedeuten, dass medizinisches Personal mehr Zeit für Patient:innen hat. Gleichzeitig gelten in diesem Umfeld hohe Anforderungen an Verfügbarkeit, Datenqualität und Sicherheit.
Roberts Perspektive gehört deshalb in diese AI-Ausgabe: Sie hilft, den Nutzen einer Anwendung konkret zu benennen.
Mehr als der LinkedIn-Post: Behind the Badge
Diese Ausgabe basiert bewusst auf Behind the Badge. Das Format gibt es, weil wir bei Confare nicht nur Projekte, Rollen und Awards sichtbar machen wollen. Mich interessiert auch, wie die Menschen dahinter Entscheidungen treffen, was sie gelernt haben und wo sie selbst noch Fragen haben.
Wer bei einer der zehn Perspektiven tiefer einsteigen möchte, findet die Gespräche in unserer YouTube-Playlist. Dort liegen zahlreiche Interviews mit CIOs und IT-Verantwortlichen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.
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Von Michael Ghezzo
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