Confare TopCIO Peter Reichstädter: Herzblut hält die Österreichische IT am Laufen

Mit großartiger IT kommt große Verantwortung. Peter Reichstädter, CIO des Österreichischen Parlaments und Gewinner der Confare TopCIO-Auszeichnung, spricht mit uns über die IT, die die Demokratie in Österreich unterstützt. Welche besonderen Herausforderungen sich da auftun und wie der mehrfach ausgezeichnete IT-Leiter damit umgeht, erfahren Sie in diesem Blogbeitrag.
Die IT im Parlament ist ja ein ganz wichtiger Teil der Infrastruktur unserer Demokratie. Was bedeutet denn diese Verantwortung für dich konkret als CIO?
Die Verantwortung ist enorm – und sie ist mir auch sehr bewusst, seit ich mich 2015 ganz gezielt für diesen Weg entschieden habe. Die IT im Parlament ist ein zentraler Bestandteil der Infrastruktur unserer Demokratie. Sicherheit und Stabilität stehen daher an oberster Stelle.
Wir unterstützen nicht nur die Parlamentsdirektion, sondern haben auch Schnittstellen zu den politischen Klubs – und das in absoluter politischer Äquidistanz. Gleichzeitig stehen wir stark im Fokus der Öffentlichkeit. Wenn etwa unsere Website nicht erreichbar ist, wird sofort nachgefragt. Das zeigt, wie sensibel und sichtbar unsere Arbeit ist.
Umso wichtiger ist es, unsere Infrastruktur nachhaltig, modular und gemeinsam weiterzuentwickeln. Die Verantwortung bleibt groß – aber genau das macht diese Aufgabe auch so besonders.
Sie wollen an Ihr IT-Team “Danke” sagen, wissen aber nicht wie? Mit einer Nominierung für die Confare LivinIT Trophy holen Sie Ihr Team und ihr Projekt auf die Bühne. HIER nominieren und einreichen.
Spielen geopolitische Herausforderungen eine besondere Rolle bei dieser Aufgabe?
Themen wie digitale Souveränität und Resilienz begleiten uns schon lange, werden aber aktuell noch einmal deutlich relevanter. Gerade in unserem Umfeld ist es entscheidend, hier strategisch und langfristig zu denken.
Wir stehen im engen Austausch mit anderen Institutionen – etwa mit anderen europäischen Parlamenten/dem europäischen Parlament und natürlich auch national mit Partnern. Denn ich bin überzeugt: Gemeinsam erreicht man mehr als alleine.
Viele IT-Themen sind Marathonthemen, keine Sprints. Es geht darum, langfristig tragfähige Lösungen zu entwickeln und dabei voneinander zu lernen – national wie international.
Wie ist es gelungen, in der Phase der Parlamentssanierung die Dinge beieinander zu halten?
Rückblickend war das eine echte Meisterleistung unseres Teams.
Wir hatten die Herausforderung, gleichzeitig den stabilen Betrieb in der Interimslokation sicherzustellen und die neue IT-Infrastruktur für das modernisierte Parlament aufzubauen. Das bedeutete zwei parallele „Betriebswelten“, die von ein und demselben Team getragen wurden.
Dass wir dabei kaum Auffälligkeiten im laufenden Betrieb hatten und gleichzeitig eine moderne, zukunftsfitte IT-Landschaft geschaffen haben, zeigt, was mit einem starken Team möglich ist. Darauf bin ich wirklich stolz.
Die Themen, die Sie beschäftigen – ganz bequem in Ihrer Mailbox. Schließen Sie HIER Ihr kostenloses conText Abo ab und bleiben Sie mit uns immer auf dem Laufenden.
Was ist bei der IT des Österreichischen Parlaments anders als in einem normalen Wirtschaftsunternehmen?
Im Parlament bist du deutlich exponierter. Viele Dinge stehen im öffentlichen Interesse, und entsprechend hoch ist die Aufmerksamkeit.
Gleichzeitig haben wir mehrere Stakeholder mit unterschiedlichen Anforderungen. Das macht die Zusammenarbeit komplex, insbesondere im Bereich Cybersecurity.
Wir setzen hier stark auf Partnerschaften, klare Rollen und kontinuierlichen Austausch. Wichtig ist nicht nur Prävention, sondern auch die Vorbereitung auf den Ernstfall.
Ein weiterer zentraler Punkt ist Awareness: Gerade Abgeordnete sind interessante Ziele für Angriffe. Themen wie Desinformation oder der Einsatz von KI machen das Umfeld zusätzlich herausfordernd (Stichwort Fake News). Hier müssen wir kontinuierlich sensibilisieren und gegensteuern.
Der Schlüssel, um das alles unter einen Hut zu bekommen, liegt für mich in klarer Governance und interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Wir haben verschiedene Gremien etabliert, in denen Vertreter:innen aus Politik, Verwaltung, IT und anderen Bereichen zusammenkommen. Dort diskutieren wir Herausforderungen, priorisieren Themen und definieren gemeinsame Zielbilder – unsere „Nordsterne“.
Ergänzt wird das durch externe Expert:innen und spezialisierte Fachbeiräte. Wichtig ist, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und offen zu diskutieren.
Wenn es gelingt, einen gemeinsamen Nordstern zu definieren, dann wird auch die Umsetzung deutlich einfacher – fürs Team, für meinen Chef, für mich.
Was hält dich als CIO am Laufen?
Ein Wort beschreibt es für mich ganz gut: Herzblut.
Ich mache diese Arbeit wirklich gerne und mit großer intrinsischer Motivation. Für mich gilt: Am Ende wird alles gut – und wenn es noch nicht gut ist, dann sind wir noch nicht am Ende.
Gleichzeitig treibt mich der Anspruch, Lösungen zu schaffen, die wirklich bei den Nutzer:innen ankommen. Ich sage oft: Der Wurm muss dem Fisch schmecken. User Experience ist entscheidend.
Dazu gehört auch, niemanden zurückzulassen – etwa durch Barrierefreiheit – und gleichzeitig die digitale Kompetenz im Unternehmen weiterzuentwickeln. Nur so können wir nachhaltig Fortschritte erzielen.
Was bedeutet der Confare CIOAWARD für dich?
Die Auszeichnung bedeutet mir viel – vor allem aber für die Organisation und das Team.
Es geht darum, die Menschen vor den Vorhang zu holen, die mit viel Engagement und Ownership an diesen Themen arbeiten. Genau diese Ownership ist entscheidend für den Erfolg von Projekten.
Ich habe oft erlebt, dass Ideen Zeit brauchen. Wichtig ist, dranzubleiben, zu kommunizieren und die richtigen Impulse zu setzen. Wenn dann Fachbereiche selbst Verantwortung übernehmen und Themen vorantreiben, entstehen wirklich nachhaltige Lösungen.
Gleichzeitig zeigen solche Auszeichnungen, dass der öffentliche Sektor ein spannendes und anspruchsvolles Umfeld ist – mit vielen Möglichkeiten, aktiv zu gestalten.


