Jan A. Poczynek – Corporate Evolution Beyond AI

Jan A. Poczynek ist Co-Founder und Managing Director von NOWEVOLVE, Entwickler des Beyond AI Loop Frameworks und Initiator des CDO Circle Austria. Er hat sich nach zwei Jahrzehnten Konzern-IT bei IBM und Unilever und seiner Geschäftsfeldleitung im Software Development Consulting seit 2008 auf komplexe Organisationsberatungen und Führung spezialisiert. Am 22. Oktober 2026 leitet er in Wien das Seminar „Corporate Evolution Beyond AI“. Vorab haben wir mit ihm über das gesprochen, worüber alle reden und woran die meisten scheitern: KI-Transformation, die wirklich gelingt.
Was bedeutet Corporate Evolution Beyond AI eigentlich?
Corporate Evolution heißt: Organisationen entwickeln sich unter KI, Komplexität und Disruption nicht einfach weiter, sie evolvieren fundamental. Der Unterschied ist nicht semantisch. Anpassung optimiert nur das Bestehende. Evolution stellt die eigene Daseinsberechtigung grundlegend infrage. Beyond AI bedeutet, dass wir KI nicht als Technologieprojekt behandeln, sondern als das, was sie ist: einen Imperativ, der Geschäftsmodell, Führung und Kultur gleichzeitig unter Druck setzt. Die meisten Organisationen sind noch nicht für die Zukunft gebaut. Wer nur digitalisiert, bildet seine alten Prozesse eins zu eins in neue Systeme ab und wundert sich, dass das Geschäftsmodell dasselbe bleibt und vom Mitbewerb attackiert wird. Corporate Evolution ist die Fähigkeit, das eigene Unternehmen deshalb neu zu denken, bevor es der Markt für einen tut.
Wie gelingt es, KI-Initiativen so aufzusetzen, dass Technologie, Organisation und Führung zusammenspielen?
Gar nicht, solange man sie als drei getrennte Baustellen führt. Genau das ist der häufigste Fehler. Die IT stellt ein Tool zur Verfügung, die Organisation soll es annehmen, die Führung erwartet Produktivitätswunder. Das funktioniert nicht, weil Technologie, Struktur und Kultur ein gekoppeltes System sind. Im Beyond AI Loop denken wir sie deshalb gleichzeitig: Radikale Dekonstruktion, New Leadership, Innovation und Transformation greifen ineinander. Eine KI-Initiative gelingt, wenn sie an einer echten Frage ansetzt, nämlich welches Problem wir zukünftig wirklich für unsere Kund*innen lösen, und nicht an einem Use Case, den jemand spannend fand. Erst kommt das Problem, dann die Frage, dann das Tool.
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Woran erkennt ein Unternehmen, ob es bereit ist, KI produktiv einzusetzen?
Reife zeigt sich nicht an der Zahl der Pilotprojekte, sondern an der Ehrlichkeit gegenüber dem Status Quo. Ich achte auf drei Dinge. Wird über KI geredet oder mit ihr gearbeitet? Machen, tun, üben schlägt jede Roadmap. Fühlen sich Menschen sicher genug, unbequeme Fragen zu stellen, oder regiert die Abwehr? Die Angst vor der eigenen Selbstbetroffenheit, die vierte Kränkung der Menschheit, blockiert mehr Transformationen als jedes Budget. Und kennt die Führung ihren eigenen Technical und AI Debt, oder weicht sie aus? Wer ausweicht, ist nicht bereit. Für eine erste ehrliche Standortbestimmung stellen wir außerdem allen Teilnehmer*innen des Seminars unser Beyond AI Assessment Online frei zur Verfügung.
Welche Rolle übernimmt die IT, wenn KI nicht nur Prozesse, sondern das Unternehmen verändert?
Die IT hört auf, Lieferant zu sein, und wird zur strategischen Infrastruktur der Veränderung. Das ist Zumutung und Chance zugleich. Solange KI nur Prozesse optimiert, bleibt die IT im gewohnten Rahmen. Sobald KI das Geschäftsmodell verschiebt, und das tut sie, siehe sinkende Transaktionskosten und Agent-to-Agent-Logiken, reicht Verwaltungslogik nicht mehr. Dann braucht es IT-Leadership, die mitgestaltet, welche Teile des Unternehmens man neu baut und welche man eliminiert oder vollständig automatisiert. Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob das System läuft, sondern ob wir noch das richtige Unternehmen für die Zukunft bauen. Wer das nur als Betriebsthema begreift, greift zu kurz.
Wie verändert KI die Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen, IT und Management?
Sie rückt zusammen, was vorher sehr oft getrennt gearbeitet hat. KI zwingt Fachbereiche, IT und Management in eine gemeinsame Denkbewegung, weil keine dieser Funktionen die Transformation allein tragen kann. Silos waren immer schon ineffizient, jetzt werden sie existenziell riskant.
Was entsteht, sind Superteams, aus Menschen und KI, aber auch aus Funktionen, die vorher nur nebeneinanderher gearbeitet haben. Das braucht New Leadership: weniger Kontrolle, mehr Psychological Safety, mehr Hyperawareness, mehr Kollaboration. Führung schafft den Rahmen, in dem selbstorganisierte Teams arbeiten, statt jede Entscheidung nach oben zu delegieren. Zusammenarbeit ist damit kein Soft Factor mehr, sondern die eigentliche Transformationskompetenz.
Welche drei Schritte sind entscheidend, damit KI-basierte Transformation gelingt?
Am Anfang steht eine ehrliche Frage: Welches Problem lösen wir für unsere Kund*innen wirklich, und was würden wir eliminieren oder automatisieren, wenn wir das Unternehmen heute neu gründen? Diese radikale Dekonstruktion ist der Ausgangspunkt. Dann kommt es auf Balance an. Ein Unternehmen muss sich nach innen neu aufstellen, in Kultur, Struktur und Führung, und gleichzeitig nach außen neue Märkte, Produkte, Services und Kundenerlebnisse aufbauen. Beides bedingt einander. Wer nur nach innen reformiert, verliert den Markt. Wer nur nach außen expandiert, ohne innen tragfähig zu sein, riskiert seinen Ruf. Und schließlich braucht es Menschen, die vorangehen: eine Allianz überzeugter, risikobereiter Führungskräfte statt Konsens auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Kein Schritt funktioniert isoliert. Das ist der Punkt: Diese Entwicklung läuft fortlaufend, nicht als Projektplan mit Enddatum. Sie ist hoch anspruchsvoll.
Was sollten CIOs und Transformationsverantwortliche heute tun?
Aufhören zu warten. Wer heute souverän mit KI umgeht, hat nicht gestern begonnen, sondern früh in Kompetenz, Kultur und Mindset investiert. Konkret heißt das: Lernfortschritt und Experimente strategisch absichern, statt sie dem Zufall zu überlassen. Verbündete suchen, Peer-Exchange und Cross-corporate Learning nutzen. Und im Zweifel lieber kontrolliert intern oder auch mit Externen experimentieren, bevor es die Konkurrenz tut. Vor allem aber: der Realität ins Auge sehen. Tacheles reden, keine Nebelbomben. Die meisten Organisationen blockieren sich derzeit vor allem selbst. Mein Appell bleibt derselbe: Join in to digital innovation, or at least get out of the way, please. NOWEVOLVE ist diesbezüglich kein Firmenname – es ist ein Imperativ.
Corporate Evolution Beyond AI – das Seminar
KI-Transformation als IT- oder Technologieprojekt? Lieber nicht. An einem kompakten Seminartag entwickeln CIOs und Innovationsverantwortliche das Rüstzeug, um KI nicht nur einzuführen, sondern Organisation, Kultur und Führung wirksam weiterzuentwickeln. Gearbeitet wird am eigenen Unternehmen und an realen Praxisfällen aus dem DACH-Raum, im direkten Austausch mit anderen CIOs und Innovationsverantwortlichen.
- Oktober 2026, 9 bis 17 Uhr, Schwaigergasse 19/21, 1210 Wien. Inkludiert sind umfassende digitale Unterlagen – Slides, Beyond AI Whitepaper und Cases Collection – sowie das Online verfügbare Beyond AI Assessment für alle Teilnehmer*innen. HIER anmelden.
Jan A. Poczynek dazu: „Wer wartet, gewinnt keine Zeit, sondern verliert Zukunft. Ich freue mich auf einen Tag mit Menschen, die gestalten wollen statt verwalten.“


