Michael Gstach (Designa-Axess Industries Holding) – Das sind die richtigen Rahmenbedingungen für Innovation

Confare CIOAWARD Nominee Michael Gstach spricht im Interview über die menschliche Komponente der digitalen Transformation. Was die IT braucht, um als Enabler für das Unternehmen zu fungieren, erklärt der Group CIO von Designa-Axess Industries Holding.
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Du bist CIO in einem Unternehmen, mit dem viele täglich in Berührung kommen. Was macht ihr konkret?
Wir sind internationaler Anbieter von Zutritts-, Besucher- und Gästemanagementlösungen – mit Fokus auf E-Commerce und verbessertes Kundenerlebnis.
Skigebiete, Stadien, Messezentren, Freizeitparks, Museen, Sehenswürdigkeiten. Und digitale Lösungen der Parkraumbewirtschaftung für Flughäfen, Städte, Krankenhäuser und Shopping Centers.
Das heißt, viele kommen täglich mit unseren Lösungen in Kontakt, ohne dass ihnen der Name sofort etwas sagt.
Ihr habt eine stark fragmentierte IT-Landschaft übernommen. Was war die wichtigste Entscheidung zu Beginn?
Nicht mit Technologie zu starten.
Der Reflex ist da: Systeme konsolidieren, Tools vereinheitlichen.
Ich habe mich bewusst dagegen entschieden und das erste halbe Jahr genutzt, um zu verstehen.
Warum sind die Dinge so gewachsen?
Welche Anforderungen wurden damit erfüllt?
Transformation funktioniert in solchen Strukturen nur, wenn die Menschen mitgehen. Das geht nur über Vertrauen.
Was bedeutet das konkret im Vorgehen?
Zuhören, bevor man bewertet.
Fragmentierung entsteht nicht zufällig. Dahinter stehen Entscheidungen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt sinnvoll waren.
Wenn man das versteht, lassen sich auch Veränderungen besser begründen.
Viele Unternehmen stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Wie gelingt der Schritt von vielen Lösungen hin zu einer Plattformstrategie?
Der erste Schritt ist Transparenz.
Man muss wissen, was man überhaupt im Einsatz hat. Das klingt einfach, ist es aber oft nicht.
Bei uns waren es über 100 Applikationen.
Wir haben einen Servicekatalog aufgebaut – nicht aus IT-Sicht, sondern entlang der Geschäftsprozesse.
Welche Leistungen braucht das Unternehmen?
Welche Werkzeuge unterstützen diese Leistungen?
Dadurch wird sichtbar, wo gleiche Prozesse unterschiedlich umgesetzt werden. Daraus ergibt sich das Konsolidierungspotenzial.
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Und daraus entsteht dann ein Zielbild?
Genau.
Wenn das Zielbild klar ist, verändert sich die Entscheidungslogik.
Es geht nicht mehr um einzelne Tools, sondern darum, ob eine Entscheidung näher zum Zielbild führt oder davon weg.
Du hast das Prinzip „Reuse before Buy before Build“ eingeführt. Was verändert das in der Organisation?
Es verändert die Denke.
Fachbereiche wollen oft eigene Lösungen, Entwickler bauen gerne selbst, IT-Teams haben bestehende Systeme aufgebaut.
Das Prinzip stellt diese Gewohnheiten infrage.
Es geht aber nicht um Einschränkung, sondern um Vereinfachung.
In einer internationalen Organisation gibt es fast immer jemanden, der ein Problem bereits gelöst hat.
Wenn man das nutzt, spart man Zeit, Kosten und reduziert Risiko.
Wo macht Eigenentwicklung dann noch Sinn?
Dort, wo ein direkter Bezug zum Geschäft besteht.
Wir haben zum Beispiel einen komplexen Konfigurator entwickelt, der unsere Produkte abbildet.
Das ist nah am Kerngeschäft.
Bei Standardthemen wie Ticketing oder CRM bringt Standardsoftware mehr – auch in der Umsetzung.
Wie hat sich die Rolle der IT dadurch verändert?
IT ist heute Teil der Entscheidungsfindung.
Früher wurde IT oft erst eingebunden, wenn Entscheidungen bereits getroffen waren.
Heute ist sie von Anfang an dabei – bei Wachstum, bei neuen Märkten, bei strategischen Fragen.
Das verändert die Wahrnehmung und die Verantwortung.
Du beschreibst dich selbst als Katalysator für Innovation. Was bedeutet das konkret?
Rahmenbedingungen schaffen.
Zu viele Abstimmungen bremsen Ideen. Wenn jede Idee mehrere Gremien durchlaufen muss, verliert sie Energie.
Deshalb halten wir die Hürden bewusst niedrig.
Ideen werden schnell getestet. Wenn sie funktionieren, werden sie weiterentwickelt.
Wenn nicht, lernt man daraus.
Gleichzeitig gibt es strategische Initiativen von oben.
Die Aufgabe ist, beides zusammenzubringen.
Welche Rolle spielt Führung in diesem Kontext?
Eine sehr zentrale.
Für mich sind drei Dinge entscheidend: zuhören, Verantwortung übertragen und Schutz geben.
Verantwortung heißt, Entscheidungen wirklich zu übergeben.
Schutz heißt, im Zweifel auch dafür einzustehen, wenn etwas nicht funktioniert.
Das schafft Vertrauen und ermöglicht Entwicklung.
Du warst für den Confare CIOAWARD nominiert. Welche Bedeutung haben solche Auszeichnungen?
Die Nominierung aus der Community ist für mich bereits sehr wertvoll.
Sie zeigt, dass Arbeit wahrgenommen wird.
Darüber hinaus geht es um Sichtbarkeit.
Es geht darum zu zeigen, wie IT-Führung in der Praxis funktioniert und welche Menschen dahinterstehen.
Technologie allein reicht nicht. Entscheidend sind die Menschen, die sie gestalten.
Was nimmst du persönlich aus dieser Entwicklung mit?
Dass Veränderung ohne Verständnis nicht funktioniert.
Und dass viele Themen lösbar werden, wenn man sie gemeinsam angeht.


