Der Charme des Misserfolgs – Warum Scheitern toll ist

by Alp Keser

Confare Keynote Speaker, Bestseller Autor und Motivator Markus Czerner über das Schöne am Scheitern. Woran preisgekrönte CIOs und IT-Manager gescheitert sind, welche Niederlagen wegweisend waren und für welche Misserfolge sie dankbar sind?

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Stellen Sie sich vor, Sie wären in einer Verfassung, in der es unmöglich wäre zu scheitern. Jeder Schritt, den Sie machen ist ein absoluter Erfolg. Alles, was Sie machen gelingt Ihnen. Was würden Sie tun?

Ein schöner Gedanke, oder? Aber lassen Sie uns ehrlich sein, er ist Ideologie. Es ist nicht möglich nur Erfolg zu haben und das ist gut so. Hätten wir nur Erfolg, würden wir uns nicht mehr weiterentwickeln. Wir würden auf einem Level stehen bleiben. Leider passiert genau das mit vielen Menschen. Sie tun alles dafür den Misserfolg zu vermeiden und hören auf, sich weiterzuentwickeln. Der Preis für solch eine Einstellung ist hoch. Manchmal bezahlen wir ihn sogar mit unserem Leben. Nämlich dann, wenn wir unsere Träume begraben, aus Angst sie nicht erreichen zu können. Wer versucht, keine Fehler zu machen, macht schon einen der größten Fehler überhaupt. Wie wir mit dem Thema Scheitern umgehen, entscheidet letztlich über den Verlauf unseres Lebens, genauer gesagt über Erfolg oder Misserfolg.

Erfolgreiche Menschen scheitern öfter

Der Unterschied zwischen erfolgreichen und erfolglosen Menschen ist, dass erfolgreiche Menschen anders auf Misserfolge reagieren. Erfolglose Menschen jammern über die Umstände, das Schicksal, die ungerechte Welt, den bösen Chef, verbunden mit der quälenden Frage: „Warum zum Teufel immer ich?“ Fehler wollen sie nicht wahrhaben, ignorieren sie oder machen immer wieder die Gleichen. Erfolgreiche Menschen hingegen fragen sich: „Wozu bin ich gescheitert und was kann ich ändern?“ Sie nutzen ihre Niederlagen, um besser zu werden. Es ist die identische Ausgangssituation, aber beide werden einen völlig anderen Weg im Leben gehen. So schön die Frage „was wäre, wenn ich nicht scheitern könnte“ auch ist, die wirklich wichtigen Fragen sind: Wie reagiere ich auf das, was passiert und wie will ich auf das reagieren, was mir passiert?

Wir denken ja auch immer, die super-erfolgreichen Menschen scheitern nicht. Auch das ist ein Irrglaube. So gut wie jeder erfolgreiche Mensch ist zehnmal öfter gescheitert, als der Durchschnittsmensch. Aber das wollen wir nicht wahrhaben, denn wenn die Super-Erfolgreichen genauso scheitern wie wir, würde das bedeuten, dass es für uns auch möglich ist, so erfolgreich zu sein wie sie. Nun ja, es ist möglich. Für jeden von uns. Dafür müssen wir aber bereit sein, zu scheitern. Bevor wir das machen verstecken wir uns lieber unter dem Schutzmantel der Illusion, dass erfolgreiche Menschen nicht scheitern und das Glück stets mit ihnen ist.

Spielen Sie Lotto – aber nicht in der Lotterie

Es ist der Traum vieler Menschen: Sechs Richtige plus Superzahl. Den Hauptgewinn im Lotto abräumen, den lästigen Job kündigen, zu dem man sich tagtäglich hinschleppen muss und das Leben in finanzieller Freiheit genießen. Endlich alles das machen, was man schon immer machen wollte.
7,3 Millionen Bundesbürger spielen regelmäßig Lotto und Toto. Weit über 21 Millionen spielen gelegentlich. Dabei spielen 26 Prozent der Deutschen die beliebteste Spielform „6 aus 49“. Woche für Woche spielen die Menschen in der Hoffnung, den großen Jackpot zu knacken. Woche für Woche gehen sie in den Lottoladen. Woche für Woche füllen sie einen Schein aus. Woche für Woche verlieren sie. Woche für Woche zahlen sie Geld dafür.

Richtig Scheitern

Die statistische Wahrscheinlichkeit für den Hauptgewinn, sechs Richtige plus Zusatzzahl, liegt bei 0,00000072 Prozent oder 1:139.838.160. Wir haben eine 0,00000072-prozentige Gewinnchance auf den Hauptgewinn und haben somit die Gewissheit, zu 99,99999928 Prozent zu verlieren. Dennoch setzen wir auf die 0,00000072 Prozent. Im echten Leben ist Scheitern umsonst. Dabei haben wir sogar eine viel höhere Gewinnwahrscheinlichkeit, dennoch hören die meisten Menschen nach dem ersten misslungenen Versuch auf oder versuchen es gar nicht erst.

Mal angenommen, Sie wollen sich selbstständig machen und ich sage Ihnen, dass die Wahrscheinlichkeit auf Erfolg bei einem Prozent liegt. Was würden Sie tun?
Die meisten würden sich sofort gegen die Selbstständigkeit entscheiden. Selbst bei einer Aussicht auf Erfolg von 60 Prozent, wären viele Menschen noch unsicher, ob sie das Risiko eingehen sollen. Zu groß ist die Angst davor es nicht zu schaffen. Ich kann das nicht verstehen. Es macht doch keinen Unterschied, ob es ums Lotto spielen oder die Selbstständigkeit geht – jede Niederlage ist nichts weiter als ein neuer, kostenloser Lottoschein mit einer weiteren Chance auf den Hauptgewinn. Den großen Jackpot.

Haben Sie den Mut zu scheitern

Beim Lotto spielen haben wir keine Angst zu scheitern, denn es wird erwartet, dass wir scheitern. Wir werden sogar nach jeder Niederlage von unserem Umfeld ermutigt, es immer weiter zu versuchen, man weiß ja nie. Vielleicht gelingt der Lucky-Punch mit sechs Richtigen plus Superzahl. Es ist wie bei einem kleinen Kind, das gerade das Laufen lernt. Es scheitert und scheitert, wird aber immer wieder ermutigt, weiterzumachen, bis es laufen kann. Wieso zum Teufel können wir diese Einstellung nicht unser Leben lang beibehalten?

Wieso können wir nicht so leben, wie wir Lotto spielen?
Wo ist der Unterschied zwischen Lotto spielen und anderen Bereichen des Lebens, zum Beispiel beim Versuch sich selbstständig zu machen?

Es gibt keinen! In beiden Fällen gibt es ein Ziel mit ungewissem Ausgang. Beim Lotto sind wir bereit, von einem Misserfolg zum nächsten zu gehen und das ein Leben lang. Schaffen wir es nicht, den Jackpot zu gewinnen, ist es für uns völlig okay. Immerhin haben wir es versucht, und das unzählige Male. Beim Schritt in die Selbstständigkeit versuchen manche es gar nicht erst. Andere versuchen es einmal und wenn es nicht klapp, lassen sie es sein. Aus Angst, zu scheitern. Ganz ehrlich, spielen Sie Lotto! Nicht um den Millionen Euro Jackpot, der jede Woche ausgeschüttet wird, sondern um den wirklichen Jackpot, Ihre Träume! Vielmehr noch: Spielen Sie um Ihr Leben, denn der wahre Hauptgewinn ist ein glückliches und erfülltes Leben.

Wir müssen weg von der Null-Fehler-Toleranz

Was wir brauchen, ist ein neues Bewusstsein für unser eigenes Scheitern. Das gilt auch für die Unternehmenskultur. Schauen Sie sich die Fehlertoleranz in vielen Unternehmen einmal an: Null! Es gibt keine Fehlertoleranz! Taucht doch mal einer auf, wird er vertuscht oder die Verantwortung dafür an andere abgegeben. Das hat zur Folge, dass immer wieder die gleichen Fehler begangen oder sie erst dann wahrgenommen werden, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Das ist schade, denn jedes Unternehmen und jeder Mensch kann sich durch Fehler auf eine nächsthöhere Stufe stellen. Gelingen kann das aber nur, wenn Fehler erlaubt sind. Vielmehr noch, es kann nur gelingen, wenn Fehler als wertvoll erachtet werden. Denn wirklich scheitern können Sie nicht, niemand von uns. Sie können nur hinzulernen und besser werden. Fangen Sie an, die stärksten Werkezeuge zu nutzen, die wir in unserem Leben haben: Versuch und Irrtum.

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Markus Czerner

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