Der Luxus des Vorausdenkens: Das versteht Confare Swiss CIOAWARD-Preisträger Konrad Zöschg unter moderner Führung

Während die Schweizer Unternehmenslandschaft durch dezentrale Energiesysteme, steigende Cybersecurity-Anforderungen und den rasanten technologischen Wandel tiefgreifende Veränderungen erlebt, fordert das moderne IT-Management frische Perspektiven auf Führung und Strategie.
Konrad Zöschg, CIO von Swissgrid und Preisträger des Confare Swiss CIOAWARD 2020, zeigt im Gespräch auf, wie vertrauensvolle Teamführung, gezielte Befähigung und strategische Verankerung in der Geschäftsleitung Unternehmen dabei helfen, diesen Wandel erfolgreich zu gestalten.
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Michael Ghezzo:
Konrad, wir kennen uns mittlerweile seit vielen Jahren. Ich freue mich besonders, dass wir dieses Gespräch im Jubiläumsjahr des Swiss CIOAWARD führen können. Du hast den Award als CIO des Flughafens Zürich entgegengenommen. Was ist dir von diesem Moment besonders in Erinnerung geblieben?
Konrad Zöschg:
Das Erste war tatsächlich Herzklopfen. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich die Treppe zur Bühne hinaufgegangen bin und mich vor allem darauf konzentriert habe, die Stufen richtig zu treffen.
Für mich war diese Auszeichnung aber nie etwas Persönliches. Sie war ein Dankeschön an das gesamte Team. Gerade während der Corona-Zeit haben wir gemeinsam enorm viel geleistet. Deshalb habe ich den Award immer als Anerkennung für diese gemeinsame Arbeit verstanden.
Michael Ghezzo:
Positive Rückmeldungen bekommt man in der IT eher selten. Meistens fällt gute IT erst dann auf, wenn etwas nicht funktioniert.
Konrad Zöschg:
Genau so ist es. Wenn alles funktioniert, gehört es einfach dazu. Ähnlich wie Strom aus der Steckdose. Die meisten Menschen nehmen gar nicht wahr, wie viele Leistungen die IT jeden Tag erbringt.
Gerade deshalb war diese Auszeichnung etwas Besonderes. Sie hat sichtbar gemacht, was hinter den Kulissen geleistet wird.
Michael Ghezzo:
Wie haben dein Unternehmen und dein Umfeld damals auf den Award reagiert?
Konrad Zöschg:
Die Resonanz hat mich ehrlich überrascht. Schon kurz nach der Bekanntgabe kamen die ersten Glückwünsche. Ich hatte nie erwartet, dass diese Auszeichnung eine solche Aufmerksamkeit erzeugt. Natürlich wurde es nach einigen Tagen wieder ruhiger.
Interessant ist aber, dass ich bis heute immer wieder darauf angesprochen werde. Vor allem im beruflichen Umfeld hat der Award einen langen Nachhall. Ich werde jedes Jahr noch mehrfach darauf angesprochen.
Michael Ghezzo:
Hat diese Sichtbarkeit auch deine weitere Karriere beeinflusst?
Konrad Zöschg:
Das Timing war zunächst etwas speziell. Während der Corona-Pandemie hatten wir einen Einstellungsstopp. Deshalb konnte sich der Award im Unternehmen nicht unmittelbar auf Themen wie Recruiting auswirken. Rückblickend glaube ich aber schon, dass die Auszeichnung sichtbar gemacht hat, wofür wir als Team stehen.
Einige Zeit später hat sich ein Headhunter bei mir gemeldet und mich auf die Position bei Swissgrid aufmerksam gemacht. Ob das ohne den Award genauso passiert wäre, weiss ich natürlich nicht.
Ich glaube aber schon, dass diese Auszeichnung dazu beigetragen hat, meinen Namen sichtbarer zu machen.
Michael Ghezzo:
Heute bist du CIO von Swissgrid und Mitglied der Geschäftsleitung. Wenn wir auf die vergangenen fünfzehn Jahre zurückblicken – wie hat sich die Rolle des CIO verändert?
Konrad Zöschg:
Aus meiner Sicht ganz wesentlich. Vor fünfzehn Jahren wurde die IT häufig vor allem als Kostenstelle wahrgenommen. Heute trägt sie unmittelbar zur Weiterentwicklung des Unternehmens bei. Das verändert auch die Rolle des CIO.
Früher habe ich mich deutlich stärker mit Technologie beschäftigt. Heute führe ich vor allem Gespräche mit dem Business: Wie können wir Prozesse verbessern? Wo können wir das Unternehmen weiterentwickeln? Wie schaffen wir gemeinsam Mehrwert?
Ich werde heute viel früher in strategische Entscheidungen eingebunden und bin Teil dieser Entscheidungen. Das ist eine völlig andere Rolle als noch vor einigen Jahren.
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Michael Ghezzo:
Der Wechsel zu Swissgrid war für dich gleichzeitig auch ein Wechsel in eine neue Branche. Wie ist es dazu gekommen?
Konrad Zöschg:
Nach der Corona-Zeit habe ich den Flughafen Zürich noch eine Zeit lang begleitet. Gleichzeitig wurden mit dem Circle grosse Projekte abgeschlossen und ich begann mich zu fragen, wie mein nächster beruflicher Schritt aussehen könnte. Damals hatte ich noch keine konkrete Antwort.
Dann erhielt ich einen Anruf von einem Headhunter, der mich auf die Position bei Swissgrid aufmerksam machte. Für mich war das sofort spannend. Ich habe ursprünglich eine Ausbildung als Elektromonteur gemacht. Strom und Energie haben mich also schon zu Beginn meines Berufslebens begleitet.
In gewisser Weise war der Wechsel deshalb auch eine Rückkehr zu meinen Wurzeln. Die Kombination aus Energieversorgung, Technik und IT hat mich sofort begeistert. Heute kann ich beide Welten miteinander verbinden.
Michael Ghezzo:
Mit dem Wechsel bist du auch Mitglied der Geschäftsleitung geworden. Hat das deine Rolle verändert?
Konrad Zöschg:
Ja, deutlich. Schon als IT-Leiter war ich eng in viele Entscheidungen eingebunden. Als Mitglied der Geschäftsleitung ist das noch einmal eine andere Dimension.
Ich bin heute viel näher an der Unternehmensentwicklung. Wir diskutieren strategische Themen gemeinsam und überlegen, wie wir Swissgrid als Unternehmen weiterentwickeln können. Das verändert auch die Rolle des CIO. Es geht längst nicht mehr nur um IT. Es geht darum, das Unternehmen mitzugestalten.
Michael Ghezzo:
Swissgrid betreibt eine der wichtigsten kritischen Infrastrukturen der Schweiz. Gleichzeitig verändert die Energiewende das gesamte Stromsystem. Welche Auswirkungen hat das auf die IT?
Konrad Zöschg:
Sehr grosse. Früher wurde Strom vor allem in einigen wenigen grossen Kraftwerken produziert. Heute haben wir viele dezentrale Erzeuger. Dadurch verändert sich das gesamte System.
Unsere Aufgabe besteht darin, Erzeugung und Verbrauch jederzeit im Gleichgewicht zu halten. Das klingt einfach, tatsächlich ist es hochkomplex. Jede Sekunde verändert sich die Situation. Deshalb benötigen wir leistungsfähige Algorithmen, moderne Systeme und eine IT, die sehr schnell reagieren kann.
Gleichzeitig muss das Gesamtsystem jederzeit stabil und robust bleiben. Genau diese Kombination macht unsere Aufgabe so spannend.
Michael Ghezzo:
Das bedeutet, dass Innovation und Stabilität gleichzeitig funktionieren müssen.
Konrad Zöschg:
Ganz genau. Swissgrid betreibt kritische Infrastruktur. Der Strom muss jederzeit fliessen.
Deshalb denken wir sehr konsequent in Richtung Resilienz und Business Continuity. Gleichzeitig entwickeln wir unsere Systeme permanent weiter. Diese Balance zwischen Innovation und Stabilität gehört heute ganz selbstverständlich zu unserer Arbeit.
Gerade das macht die Aufgabe für mich so spannend.
Michael Ghezzo:
Wie verstehst du vor diesem Hintergrund heute deine Rolle als CIO?
Konrad Zöschg:
Für mich geht es vor allem darum, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Ich habe Teams, die sich um die Weiterentwicklung unserer Systeme kümmern. Andere Teams sorgen für Stabilität und einen sicheren Betrieb.
Ein gutes Beispiel ist Cybersecurity. Früher wurde Sicherheit häufig erst am Ende eines Projekts berücksichtigt. Heute binden wir unsere Security-Spezialistinnen und -Spezialisten von Anfang an ein. Dadurch entstehen Lösungen, die von Beginn an robuster sind. Wir müssen später deutlich weniger nachbessern. Das spart Zeit und erhöht gleichzeitig die Qualität.
Michael Ghezzo:
Du beschäftigst dich heute also deutlich weniger mit Technologie als früher.
Konrad Zöschg:
Ja. Technologie bleibt wichtig. Meine eigentliche Aufgabe besteht heute aber darin, Menschen zusammenzubringen und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sie erfolgreich arbeiten können.
Ich muss nicht mehr jede technische Entscheidung selbst treffen. Ich möchte dafür sorgen, dass unsere Teams ihre Stärken optimal einsetzen können. Darin sehe ich heute meine wichtigste Aufgabe als Führungskraft.
Michael Ghezzo: Du hast vorhin beschrieben, wie viele unterschiedliche Anforderungen heute auf einen CIO einwirken. Stabilität, Transformation, Cybersecurity, Innovation – oft gleichzeitig. Wie gehst du persönlich mit diesem Spannungsfeld um?
Konrad Zöschg:
Das musste ich erst lernen. Früher hatte ich häufig das Gefühl, vieles selbst lösen zu müssen. Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass das auf Dauer nicht funktioniert.
Heute versuche ich ganz bewusst, Verantwortung abzugeben und Menschen zu befähigen, ihre Aufgaben eigenständig wahrzunehmen. Ich habe das Glück, mit einem sehr starken Team zusammenzuarbeiten. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen sind in ihren Fachgebieten besser als ich.
Genau das wünsche ich mir auch. Dadurch entsteht für mich der Freiraum, mich stärker mit der Zukunft des Unternehmens zu beschäftigen und nicht ausschliesslich im Tagesgeschäft aufzugehen.
Michael Ghezzo:
Das heisst, gute Führung beginnt für dich damit, die richtigen Menschen zusammenzubringen.
Konrad Zöschg:
Ganz genau. Ich bin überzeugt, dass der Erfolg einer Führungskraft unmittelbar mit dem Team zusammenhängt, das sie um sich hat. Wenn ich mich auf mein Team verlassen kann, entsteht Vertrauen. Dann können wir offen miteinander diskutieren. Wir wissen, wo unsere jeweiligen Stärken liegen und wo wir uns gegenseitig ergänzen. Das macht am Ende den Unterschied.
Ich vergleiche das gerne mit einer Sportmannschaft. Man gewinnt nicht, wenn man nur Stürmer oder nur Verteidiger aufstellt. Erfolg entsteht dann, wenn unterschiedliche Fähigkeiten gut zusammenspielen. So verstehe ich auch Führung.
Michael Ghezzo:
Gerade diese Community war von Anfang an ein zentrales Anliegen von Confare. Technologie entwickelt sich heute schneller denn je. Umso wichtiger wird der Austausch zwischen CIOs, die ähnliche Herausforderungen bewältigen und voneinander lernen können. Konrad, vielen Dank für das Gespräch. Ich freue mich darauf, dich beim 15-jährigen Jubiläum des Swiss CIOAWARD wiederzusehen und wünsche dir weiterhin viel Erfolg bei Swissgrid.
Konrad Zöschg:
Vielen Dank, Michael. Ich freue mich ebenfalls sehr auf das Wiedersehen.
Und ich möchte die Gelegenheit nutzen, euch zum Jubiläum zu gratulieren. Ihr habt vor 15 Jahren den Mut gehabt, in der Schweiz eine Plattform für CIOs aufzubauen und ihre Arbeit sichtbar zu machen. Davon profitiert heute die gesamte Community. Ich wünsche euch, dass ihr diesen Weg noch viele Jahre weitergeht.
Michael Ghezzo:
In diesem Jahr feiert der Swiss CIOAWARD sein 15-jähriges Jubiläum. Du gehörst zu den bisherigen Preisträgern. Was würdest du einer CIO oder einem CIO mit auf den Weg geben, die gerade überlegen, sich zu bewerben?
Konrad Zöschg:
Ich sehe dabei zwei grosse Vorteile. Der erste beginnt schon während der Bewerbung. Als wir unser Dossier erstellt haben, wurde mir erst richtig bewusst, wie viel wir als Team eigentlich erreicht hatten. Im Alltag schaut man immer auf die nächsten Aufgaben. Man nimmt sich viel zu selten die Zeit, zurückzublicken und die eigene Entwicklung bewusst wahrzunehmen. Allein dafür lohnt sich die Bewerbung bereits.
Der zweite Punkt ist die Community. Natürlich freut man sich, wenn man ausgezeichnet wird. Mindestens genauso wertvoll ist für mich aber der Austausch mit den anderen CIOs. Man merkt schnell, dass man mit seinen Herausforderungen nicht allein ist. Es entsteht ein Netzwerk, in dem Erfahrungen geteilt werden und man sich gegenseitig unterstützt. Das empfinde ich bis heute als einen der grössten Werte des CIOAWARD.
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