Die AI-Reise der Eberspächer Group: Von 5 Lizenzen zu 1.700 geschulten Mitarbeitenden

by Cansu Karacan

Confare ImpactAward Nominee Florian Duerr: Die AI-Reise der Eberspächer Group – von 5 Lizenzen zu 1.700 geschulten Mitarbeitenden

Unser heutiger Gast ist bereits als Confare ImpactAward Nominee bekannt – dieses Mal werfen wir einen exklusiven Blick hinter die Kulissen. Florian Duerr, VP AI & Digital Transformation bei der Eberspächer Group, steht im Confare Behind the Badge Live-Interview Rede und Antwort. Wie sieht sein pragmatischer Weg aus, um eine gesamte Organisation für künstliche Intelligenz zu begeistern? Welche neuen Aufgaben entstehen dadurch für die interne IT und wie verändert sich die Rolle von Führungskräften im Arbeitsalltag? Das gesamte Gespräch finden Sie direkt im Video unter diesem Beitrag.

 

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Florian, die Eberspächer Group ist nicht jedem ein Begriff. Kannst du das Unternehmen kurz vorstellen?

Wir sind Automobilzulieferer mit zwei Marken. Zum einen Purem by Eberspächer, die sich vor allem um Abgasreinigungssysteme kümmert. Zum anderen die Marke Eberspächer selbst, die vielen Camper-Besitzern bekannt sein dürfte, weil dort häufig unsere Standheizungen verbaut sind.

Du hast einmal gesagt: „AI ist kein IT-Projekt.“ Was bedeutet das in der Praxis?

Für uns bedeutet das, dass wir einen sehr starken Fokus auf Enablement und organisatorisches Change Management legen. Wir kommen grundsätzlich vom Business Case und nicht von der Technologie.

Wir rollen kein Tool aus und hoffen, dass daraus etwas entsteht. Für uns ist AI ein Katalysator, mit dem wir Prozesse neu betrachten und neu denken können. Viele Kolleginnen und Kollegen sehen das Potenzial und haben Freude daran, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das ist ein guter Ausgangspunkt.

Am Ende geht es häufig wieder um Prozesse und Automatisierung. AI ist dabei der Türöffner. Deshalb ist das Thema deutlich größer als reine Technologie.

Eure AI-Initiative hat mit fünf ChatGPT-Lizenzen begonnen. Wie ist daraus eine größere Bewegung im Unternehmen entstanden?

Ende 2023 haben wir uns erstmals intensiver mit dem Thema beschäftigt. Nach einer Schulung haben wir festgestellt, dass dort vor allem gezeigt wurde, wie die Trainer selbst mit ChatGPT arbeiten. Das war hilfreich und hat Mehrwert gebracht.

Wir haben daraufhin die Inhalte übernommen, die Schulung auf zwei Stunden verdichtet und intern angeboten. Dafür hatten wir zunächst fünf ChatGPT-Lizenzen beschafft.

Die Nachfrage war enorm. Die Schulungen waren über ein Jahr hinweg innerhalb kürzester Zeit ausgebucht. Diesen Trend sehen wir bis heute. Mittlerweile haben wir zwischen 1.600 und 1.700 Kolleginnen und Kollegen in den Grundlagen geschult und zusätzlich rund 100 Ambassadors ausgebildet.

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Viele Unternehmen kommen bei AI-Projekten nicht über Pilotphasen hinaus. Was macht aus deiner Sicht den Unterschied?

Experimentieren ist wichtig. Auch wir haben viele Piloten, die nicht in die Produktion gehen. Das gehört dazu.

Entscheidend ist jedoch, irgendwann bewusst den nächsten Schritt zu machen. Am Anfang stehen Enablement und Experimentieren. Dadurch entsteht Begeisterung und Verständnis für die Möglichkeiten.

Irgendwann muss der Fokus aber auf Themen gelegt werden, die tatsächlich umgesetzt werden. Dann braucht es Governance, klare Prioritäten und die Bereitschaft, Initiativen konsequent bis zur Nutzung zu begleiten. Genau dieser Übergang von der Begeisterung zur Umsetzung ist häufig die größte Herausforderung.

Wo begegnen euch dabei die größten Widerstände?

Ich würde nicht von Widerständen sprechen. Es gibt vielmehr Aufklärungsarbeit zu leisten.

Zum einen müssen Mitarbeitende erleben, was mit AI möglich ist. Zum anderen gibt es natürlich Compliance-Funktionen, die berechtigterweise zunächst auf Risiken schauen.

Unsere Aufgabe besteht darin, diese Perspektiven zusammenzubringen und fundierte Entscheidungen zu ermöglichen. Die Technologie entwickelt sich häufig schneller als die Gesetzgebung. Deshalb müssen Risiken bewertet und gemeinsam eingeordnet werden. Das gehört heute einfach dazu.

Ihr verfolgt einen sehr offenen und breiten Zugang zu AI. Wie gelingt dabei die Governance?

Wir haben einen klaren Prozess zur Qualifizierung von Software. Neue Lösungen werden geprüft, Informationssicherheit und Betriebsrat werden eingebunden und die Nutzung wird sauber bewertet.

Darüber hinaus spielt auch der gesunde Menschenverstand eine wichtige Rolle. Eine AI-Plattform kann sinnvoll eingesetzt werden oder missbraucht werden. Das gilt allerdings auch für viele andere Werkzeuge.

Deshalb müssen wir den Mitarbeitenden vermitteln, was erlaubt ist und was nicht. Schulungen sind dabei ein wichtiger Bestandteil.

Wo zeigt AI bei euch bereits konkrete Ergebnisse?

Ich betrachte das als ein Stufenmodell.

In der ersten Phase geht es um Enablement. In der zweiten Phase wollen wir messbaren Nutzen erzielen und arbeiten mit klaren Zielen. Dort sehen wir heute vor allem Optimierungen innerhalb einzelner Bereiche.

Besonders spannend wird die dritte Phase. Dann beginnen Fachbereiche, Prozesse grundlegend neu zu denken. Ein Beispiel ist unser Kalkulationsteam. Dort wurde der Kalkulationsprozess vom CAD-Modell bis zum Kostenmodell weitgehend automatisiert.

Das zeigt, was möglich wird, wenn Fachbereiche das Potenzial verstehen und bereit sind, Prozesse neu aufzubauen.

Welche Rolle spielt die IT in diesem Umfeld?

Die Rolle der IT verändert sich deutlich. Das gilt nicht nur für AI, sondern auch für Low-Code- und No-Code-Plattformen.

Fachbereiche können heute viele Dinge selbst umsetzen. Das schafft Geschwindigkeit und erhöht die Eigenständigkeit.

Gleichzeitig entstehen neue Aufgaben für die IT. Plattformen müssen bereitgestellt werden, Daten müssen verfügbar gemacht werden und Governance-Strukturen müssen aufgebaut werden. Darüber hinaus müssen Fachbereiche befähigt werden, diese Möglichkeiten sinnvoll zu nutzen.

Diese Entwicklung macht Organisationen insgesamt agiler.

Wie verändert AI die Rolle von Führungskräften?

Das ist ein sehr spannendes Thema. Viele Führungskräfte erleben aktuell selbst Unsicherheit und sollen gleichzeitig ihren Teams Orientierung geben.

Hinzu kommt, dass junge Mitarbeitende häufig bereits intensiv mit AI gearbeitet haben und in einzelnen Themenfeldern sehr schnell tiefes Wissen aufbauen können.

Dadurch verändert sich die Rolle von Führungskräften. Führungskompetenz wird wichtiger. Wissen allein reicht nicht mehr aus, um sich zu unterscheiden.

Durch AI wird Wissen zunehmend verfügbar. Gleichzeitig steigt die Bedeutung von Führung, Zusammenarbeit, Priorisierung und der Fähigkeit, Menschen durch Veränderungen zu begleiten.

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Du bist für den Confare ImpactAward nominiert. Wofür steht diese Nominierung aus deiner Sicht?

Für mich steht sie für einen sehr pragmatischen Zugang zu digitaler Transformation und AI.

Wir gehen die Themen mit hoher Geschwindigkeit an und versuchen, Dinge umzusetzen. Dabei verstehen wir AI nicht als reines Technologiethema. Technologie ist für uns der Ausgangspunkt.

Darüber hinaus geht es darum, Prozesse zu verbessern, unnötigen Aufwand zu reduzieren und schneller zu werden. Genau diese Verbindung aus Technologie, Veränderung und Umsetzung macht für mich den Kern unserer Arbeit aus.

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