Die Politik und die Herausforderung Digitalisierung

by Katharina Konstacky-Degasperi

VOICE sieht sich als Verband und Netzwerk für IT-Entscheider und Anwender. Als Partner unterstützt VOICE das Confare Deutschland Debüt „Be CIO“ am 13. September 2017 in Köln. Dies haben wir als Anlass genommen mit Patrick Quellmalz, Leiter Services und Geschäftsführer der VOICE-CIO Service GmbH über die Rolle der IT für die Zukunft der deutschen Wirtschaft und die notwendigen politischen Weichenstellungen zu sprechen.

Welche Rolle spielt die IT in der Wertschöpfung?

Der Anteil wächst signifikant. Schon ohne die Digitalisierungsanstrengungen der Unternehmen war der Anteil der IT an der Wertschöpfung hoch. Denken Sie an die vielen Geschäftsprozesse, die von der IT unterstützt werden. Angefangen bei der Entwicklung über Produktion, Vertrieb, Marketing bis hin zur Verwaltung. Kein Unternehmen kommt heute mehr ohne IT aus. Banken zum Beispiel würden ohne IT schon nach wenigen Tagen vom Markt verschwinden. Durch die Digitalisierung wird der Wertschöpfungsanteil der IT noch deutlich größer. Digitale Produkte bestehen zu praktisch 100 Prozent aus IT. Viele physische Produkte werden inzwischen digital erweitert, beispielsweise durch Sensoren, durch die direkte Anbindung ans Internet oder durch Predictive Maintenance. Wie weit die IT vorgedrungen ist in die Wertschöpfung der Unternehmen kann jeder erkennen, der heute ein Auto kauft. Es wird viel weniger mit Motorkraft oder Komfort geworben, sondern mit der Connectivity, die manche schon davon sprechen lässt, dass ein Auto heute ein Smartphone auf Rädern ist. Wir erleben gerade die immer intensiver werdende Verbindung von analoger und virtueller Welt. Die Brücke dazwischen ist die IT und vielleicht sollten wir die Frage einmal umdrehen – wo spielt die IT keine Rolle in der Wertschöpfung?

Was sind die großen politischen Herausforderungen bei der Digitalisierung?

Infrastruktur, (Rechts-)Sicherheit, Bildung, Innovationsfähigkeit, Verhinderung des digitalen Grabens. In Deutschland kommt der Breitbandausbau nicht zügig genug voran. Hier muss deutlich mehr investiert werden. Diese digitale Infrastruktur muss endlich die gleiche Bedeutung und die gleichen Investitionen bekommen wie die analoge Verkehrsinfrastruktur. Die Themen Security und Datenschutz sind von zentraler Bedeutung für eine erfolgreiche Digitalisierung und zwar auf nationaler wie internationaler Ebene. Wenn analoge und virtuelle Welt zusammenwachsen, geht es bei Hackerangriffen nicht mehr darum, dass in einem Unternehmen die E-Mail oder die Website ausfällt. Sicherheitslücken können die gesamte Infrastruktur des Landes gefährden oder wie man bei den Angriffen auf Krankenhäuser mit Ransom-Ware im letzten Jahr gesehen hat, auch unser Gesundheitssystem teilweise lahmlegen. Gesetzgeber, Anbieter und Anwender müssen das Thema Security noch viel ernster nehmen als bisher. Hier sehe ich auf staatlicher Seite gute Initiativen, aber die Vernetzung der verschiedenen Initiativen auch auf europäischer Ebene muss noch besser werden. Was die rechtlichen Rahmenbedingungen betrifft ist die Europäische Datenschutzgrundverordnung ein guter Anfang und eine gute Voraussetzung für den digitalen europäischen Binnenmarkt. Aber international – tragfähige Abkommen mit den USA, Russland und China – muss noch viel getan werden. Bildung und Weiterbildung sind in Sachen Digitalisierung eine Sache des wirtschaftlichen Überlebens, sowohl für die Bürger unseres Landes als auch für die Unternehmen. Millionen von Arbeitsplätzen werden sich durch die Digitalisierung sehr stark verändern. Wenn unsere Bürger und Unternehmen nicht zu Digitalisierungsopfern werden sollen, dann müssen zügig entsprechende Bildungs- und Weiterbildungsangebote geschaffen werden, die aus digitalen Laien digitale Profis machen. Entsprechende Weiterbildungsangebote, die übrigens auch stark von den Unternehmen selbst kommen müssen, helfen einen digitalen Graben erst gar nicht entstehen zu lassen. Auch die Innovationsfähigkeit der Unternehmen gilt es zu stärken, mit der Förderung von Kooperationen zwischen Wirtschaft und Wissenschaft, zwischen Start-ups und etablierten Unternehmen sowie mit Steuererleichterungen für innovative Unternehmen und der Förderung der Zusammenarbeit auf der internationalen Ebene.

Welche Rolle spielt die VOICE dabei?

Wir bieten ein Netzwerk und eine Wissensplattform, auf der sich CIOs und Digitalentscheider austauschen können und ihr Digitalisierungs-Know-how vergrößern können. Außerdem arbeiten wir als Verband eng mit den involvierten Bundesministerien zusammen und vertreten die Interessen unserer Anwender auch auf Ebene der EU-Kommission. Wir haben der Bundesregierung erst kürzlich einen Forderungskatalog für die Digitalisierung vorgelegt und ein IT-Manifest für mehr Security und Safety. Darüber hinaus bieten wir unseren Mitgliedern die Services unsere Cyber Security Competence Centers an, das sie in Sachen Security tatkräftig mit aktuellen Lagebildern, Best Practices und schneller Unterstützung im Krisenfall unterstützt. Außerdem sind wir gerade dabei, unsere VOICE-Akademie zu etablieren, mit der wir Unternehmen und ihren Mitarbeitern helfen wollen, sich noch intensiver auf die digitalisierte Welt vorzubereiten. Wie das alles zusammenspielt und wie stark sich Digital-Entscheider mit uns für die Digitalisierung engagieren, können Sie übrigens auf unserem 2. VOICE ENTSCHEIDERFORUM miterleben, das vom 20. bis 22. September in Berlin stattfindet. Dort bringen wir Anwender, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Start-ups zusammen, um die Digitalisierungsvoraussetzungen zu diskutieren. Außerdem entwickeln wir dort konkrete Vorschläge, wie es in Sachen Digitalisierung in Deutschland weitergehen kann.

Was sind die wichtigsten Services, mit denen die VOICE CIOs bei den aktuellen Herausforderungen unterstützt?

Das sind zum einen unsere Special Interest Groups zu allen aktuell wesentlichen Digitalthemen von Sicherheit über Innovation, Strategie und Lizenzthemen. Auf unseren CIO-Roundtables bieten wir unseren rund 400 Mitgliedern aus Großunternehmen und Mittelständlern Austauschplattformen für Digitalentscheider auf oberster Führungsebene. In den Metropolregionen bieten wir unsere Regionaltreffen an, an denen auch Unternehmen teilnehmen können, die nicht VOICE-Mitglieder sind. Das Cyber Security Competence Center und die VOICE Akademie habe ich ja schon erwähnt. Sie sehen also, unser Bundesverband bietet Anwenderunternehmen weitreichende Unterstützung in Sachen Digitalisierung. Außerdem verstehen wir uns als Vertreter der Anwenderinteressen, die in keinem anderen produktneutralen IT-Verband in Deutschland so im Fokus stehen wie bei uns.

Treffen Sie Patrick Quellmalz von VOICE und rund 100 hochkarätige Teilnehmer auf der Confare Konferenz “Be CIO“, am 13. September 2017 in Köln. Im Rahmen der Konferenz werden Unternehmen mit dem IDEAward ausgezeichnet, die sich erfolgreich den Herausforderungen der digitalen Transformation stellen. Die Teilnahme ist für Anwender, CIOs und IT-Manager kostenlos.

Welche Rolle spielt die IT in Ihrem Unternehmen?

Wie sehen Sie die politischen Herausforderungen bei der Digitalisierung?

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