Jeanie Bäder: Die Macht des Dreiklangs – Wie CIOs leistungsfähig bleiben

Jeanie Bäder ist Inhaberin von JB-Personal Body and Mind und Autorin des Buches „Die Macht des Dreiklangs“. Im Behind the Badge Interview verrät sie uns praktische Tipps und Tricks für Führungskräfte, um Körper, Geist und Seele in Einklang zu bringen.
Was hat dich dazu bewegt, dich mit Spitzenführungskräften in deinem Buch zu beschäftigen?
Da gibt es zwei Punkte. Zum einen meine eigene Erfahrung aus dem Leistungssport. Ich bin seit meinem siebten Lebensjahr überwiegend bei meinem Papa groß geworden, und er war schon immer selbstständig. Das heißt, ich hatte schon früh Kontakt mit dem Thema Leistungsdruck. Mit 14 Jahren habe ich angefangen, Seminare zu besuchen, Podcasts zu hören, Bücher zu lesen und mich intensiver damit auseinanderzusetzen: Was steckt eigentlich hinter diesem Leistungsdruck? Das fand ich unglaublich spannend. Dabei habe ich für mich gemerkt, wie wichtig die Verbindung zu sich selbst ist, und mir gedacht: Mit diesen Themen bin ich mit Sicherheit nicht die Einzige.
Der zweite Kontaktpunkt war meine Arbeit für Porsche. Dort habe ich gesehen, dass Rennfahrer unter Druck innerhalb von Millisekunden Entscheidungen treffen müssen. Führungskräfte müssen das letztlich auch. Sie tragen nur keinen Rennfahreranzug, sondern einen Businessanzug. Das hat mich fasziniert und ich habe dieses Thema weiter ausgebaut.
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Woran erkennst du, dass jemand innerlich bereits stark unter Druck steht?
Ich würde das auf drei Ebenen festmachen: auf der körperlichen Ebene, der Beziehungsebene und in der Kommunikation. Körperlich ist es wahrscheinlich am leichtesten zu erkennen. Verspannungen, Kopfschmerzen, Bluthochdruck oder ein sehr flacher Atem können erste Warnsignale sein. Ich hatte zuletzt eine Kundin im Coaching, die mir von ihrem Tag erzählt hat, gefühlt ohne zwischendurch einmal Luft zu holen. Ich habe sie gebeten, wirklich tief in den Bauch einzuatmen, und sie kam gar nicht mehr in diese tiefe Atmung hinein. Auch das ist ein klares Zeichen dafür, dass sehr viel Druck vorhanden ist.
In der Kommunikation hört man es ebenfalls. Menschen, die unter großem Druck stehen, sagen häufig: „Ich muss. Ich muss leisten. Ich muss funktionieren.“ Da ist Leistung sehr stark an die eigene Identität geknüpft. Und die dritte Ebene sind Beziehungen. Menschen unter großem Druck sind oft schneller reizbar, haben weniger Geduld oder ziehen sich zurück und wirken kühl. Die Verbindung zu anderen Menschen ist dann weniger verfügbar, ganz egal, ob im privaten oder beruflichen Umfeld.
Manche Führungskräfte wirken nahezu unerschütterlich und gehen scheinbar durch jedes Feuer. Andere kommen irgendwann an ihre Grenzen. Was unterscheidet diese Menschen?
Ein wichtiger Ansatzpunkt ist für mich unser vegetatives Nervensystem. Wir haben den Sympathikus und den Parasympathikus. Der Sympathikus ist unser Action- oder Fight-Modus, in dem wir unter Strom stehen. Der Parasympathikus ist der Gegenspieler, unser Entspannungsmodus. Eigentlich brauchen wir eine Balance zwischen beiden. Heute sind wir aber häufig permanent im Sympathikusmodus unterwegs.
Für langfristige Leistungsfähigkeit ist deshalb Selbstregulation entscheidend: zu erkennen, was ich in welchem Moment wirklich brauche. Und eben nicht ständig zu sagen: „Ich ziehe noch durch, ich mache das noch kurz.“ Wenn ich wahrnehme, in welchem Zustand ich gerade bin, und es schaffe, immer wieder in eine Balance zurückzukommen, kann ich langfristig leistungsfähig bleiben.
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Selbstregulation setzt auch Selbstwahrnehmung voraus. Man muss spüren können, wo man gerade steht und wie es einem tatsächlich geht. Welche Bedeutung hat das für Führung?
Ich habe einen Lieblingssatz: Je besser man sich selbst führen kann, desto besser kann man auch andere führen.
Wir dürfen uns bewusst sein, dass wir immer etwas ausstrahlen – ob wir wollen oder nicht, bewusst oder unbewusst. Selbstregulation unterstützt uns dabei, vom Reagieren wieder ins Agieren zu kommen und das bewusster zu steuern. Deshalb ist es für mich eine Grundlage für Führungskräfte, sich mit Selbstregulation, den eigenen Mustern und auch mit blinden Flecken auseinanderzusetzen.
Wie schafft man den Schritt vom Reagieren zum wirklichen Gestalten?
Ich glaube, die Grundlage für alles ist Bewusstsein. In dem Moment, in dem ich etwas wahrnehme, kann ich mich entscheiden: Verändere ich es oder lasse ich es so? Bewusstsein ist auch Training. Das ist wie bei der ersten Liegestütze: Am Anfang fühlt es sich vielleicht komisch an und man weiß noch nicht genau, was man alles spüren muss. Wenn ich es regelmäßig trainiere, wird es immer leichter und irgendwann muss ich gar nicht mehr wirklich darüber nachdenken.
Ich bin außerdem ein Fan von Routinen. Das kann eine Morgen- oder Abendroutine sein, die Selbstwahrnehmung und Selbstreflexion unterstützt. Das muss keine Stunde dauern. Diese Zeit haben wir wahrscheinlich alle nicht. Es reichen kurze Ankerpunkte: morgens etwas, das mir Energie gibt, und abends etwas, das mich wieder herunterbringt und mehr mit mir selbst verbindet.
Ein weiterer Punkt ist Ruhe beziehungsweise Stille. Fakt ist: Wir werden im Feuerlöschmodus keine Klarheit finden. Klarheit finden wir in der Ruhe. Wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der 30 Sekunden Stille für uns anstrengender sein können als drei Stunden Vollbeschallung. Auch fünf Minuten am Tag können ein Anfang sein, um diese Verbindung zu sich selbst wieder zu fördern.
Und dann geht es auch darum, sich mit den eigenen Werten auseinanderzusetzen. Ich hatte vor Kurzem ein Führungskräftetraining in einer IT-Firma in Köln. Dort haben wir einen Workshop zu Werten sowie Eigen- und Fremdwahrnehmung gemacht. Einige Teilnehmer haben gesagt: „Ich habe mich noch nie mit meinen Werten auseinandergesetzt oder damit, wie ich als Führungskraft wirken möchte.“ Wir haben dann gemeinsam erarbeitet: Warum bin ich überhaupt Führungskraft geworden? In welche Richtung möchte ich persönlich und mit meinem Team gehen? Gerade in turbulenten Zeiten hilft dieses Warum, auf dem eigenen Weg zu bleiben.
Was sind für dich gute Beispiele für Gewohnheiten, die Führungskräften helfen, ihre mentale Stabilität im Alltag zu bewahren?
Als Abendroutine finde ich zum Beispiel Journaling sehr hilfreich, gerade wenn der Kopf voll ist. Man kann den Tag kurz Revue passieren lassen und sich zwei oder drei Fragen stellen: Was lief heute gut? Wofür bin ich dankbar? Was nehme ich mir für morgen vor? Das sind vielleicht zehn Minuten Aufwand und helfen dabei, den Tag noch einmal sacken zu lassen.
Es kann aber genauso Bewegung sein. Man klappt den Laptop zu und geht noch einmal 20 Minuten um den Block – ohne Handy und ohne Kopfhörer. Auch dabei kann man kurz bei sich selbst einchecken. Morgens kann es ebenfalls Bewegung sein oder einfach ein ruhiger Start. Häufig stehen wir auf, greifen direkt zum Handy, sehen die erste Mail und die erste WhatsApp-Nachricht und sind sofort wieder in genau diesem Modus, über den wir gesprochen haben. Man kann versuchen, das zumindest in den ersten 20 Minuten zu reduzieren.
Der Parasympathikus wird aktiv, wenn wir Dinge achtsam machen: achtsam essen, achtsam in die Bewegung gehen, einfach im Moment sein. Dieses Im-Moment-Sein trainiert bereits unser Bewusstsein. Viele von uns haben das ein Stück weit verlernt. Ich nehme mich da selbst überhaupt nicht aus. Auch ich verfalle immer wieder in diese Muster. Entscheidend ist, es wahrzunehmen.
Diese Dauerbeschallung zumindest ein bisschen reduzieren, gerade wenn man in den Tag startet.
Was wäre dein wichtigster Tipp an mich, damit ich langfristig leistungsfähig bleibe?
Ich komme ursprünglich aus dem Leistungssport und Sport hat mich immer sehr begleitet. Bewegung reduziert Stress. Deshalb bin ich ein absoluter Fan davon, sich möglichst täglich zu bewegen. Damit meine ich nicht, dass man jeden Tag ins Fitnessstudio rennen muss. Es können auch einfach 10.000 Schritte sein. Entscheidend ist, den Körper zu bewegen.
Dazu gehört für mich die gesamte körperliche Ebene: Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und Schlaf. Gerade Schlaf ist wichtig, um den Alltag zu verarbeiten, für die Psyche und für die Regeneration. Gleichzeitig gilt das auch für die geistige Ebene. Da sind wir wieder bei Stille, Reflexion und Journaling. Ich würde das als eine Art Gedankenhygiene bezeichnen. Dafür braucht man auch nicht unbedingt einen Coach. Man kann sich selbst zwei oder drei Ankerpunkte setzen, die sich sofort in den Alltag integrieren lassen.
Was würdest du jemandem raten, der „Die Macht des Dreiklangs“ liest? Worauf sollte man besonders achten und was sollte man für sich mitnehmen?
Ich finde natürlich jedes Kapitel wertvoll. Das Wichtigste ist für mich aber, dass einem beim Lesen bewusst wird, wie kraftvoll die Verbindung zwischen Körper und Geist ist und dass man ihr in Zukunft mehr Aufmerksamkeit schenkt. Der Körper spricht immer mit uns. Leider ist es oft so, dass wir dem nicht nachgehen. Dann sagen wir: „Ich nehme eine Schmerztablette“ oder „Diese Woche ziehe ich noch durch, ab nächster Woche kümmere ich mich darum.“ Wir verschieben das ganz gerne. Deshalb ist es wichtig, diese Verbindung wieder wahrzunehmen, zuzuhören und sich selbst zuzuhören. Das ist für mich die Grundessenz.
Eine Botschaft, die ich aus dem Buch mitgenommen habe, ist, auf sich selbst zu achten, um leistungsfähig zu bleiben. Gerade Menschen mit hohem Leistungsanspruch neigen ja dazu, sich selbst einen Vorwurf daraus zu machen, wenn sie einmal nicht zu 100 Prozent performen. Wie du schreibst, geht es um den Dreiklang aus Körper, Geist und Seele.
Was ist dein nächstes Buch?
Aktuell ist tatsächlich noch keines in Planung. Ich denke, mit diesem Buch habe ich erst einmal eine gute Grundlage geschaffen. Aber wer weiß, was noch kommt. Sag niemals nie. Ich denke, da wird schon noch das eine oder andere kommen – ob in Buchform, in Interviewform oder in einer anderen Form. Darauf freue ich mich auf jeden Fall.


