Die 5 wichtigsten Folgerungen aus der Systemtheorie für Führung im Digitalen Wandel

by Annecilla Sampt

Marco Kellermann leitet die Global IT der FFG Europe & Americas, einer globalen Machinen- und Werkzeugbau-Unternehmensgruppe. Aus persönlichem Interesse und beruflicher Erfahrung stammt sein Interesse für die Rolle der Systemik wenn es um Digitalisierung und die Führung von IT geht. Im Bloginterview verrät er uns seine Schlussfolgerungen aus der Systemtheorie für die Rolle des IT-Managements und welche Quellen man als CIO nutzen kann, um sich der Systemik anzunähern. Persönlich trifft man Marco als Speaker beim 8. Confare Swiss CIO SUMMIT im September in Zürich und beim größten IT-Management Treffpunkt in Österreich, dem 12. CIO SUMMIT in Wien. Für beide Veranstaltungen können Sie schon jetzt Ihre Teilnahme sichern.

Woher stammt Dein Interesse für die Systemtheorie?

Meine Karriere begann über den zweiten Bildungsweg und in meinem Umfeld wurde die Akademik nicht gerade positiv bewertet. Ich setzte mich daher autodidaktisch mit dem Konstruktivismus auseinander, der mich sehr anzog. Dabei kam ich aber noch nicht mit der Systemtheorie nach Niklas Luhmann in Kontakt. Das geschah zu Beginn des BWL-Studiums bei Professor Pott an der HfWU Nürtingen-Geislingen. Er selbst war bemüht, sein betriebswirtschaftliches Denken in ein systemisch-ganzheitliches Konzept zu übersetzten. Als ich auf seine Empfehlung hin Luhmanns Standardwerk “Einführung in die Systemtheorie” las, fand ich endlich einen Weg, meine eigene Denkstruktur in Worte zu fassen. Es war wie eine Initiation!

Durch meine sehr praxisorientiere Vergangenheit hatte ich von da an das Ziel, die Luhmannsche Denke in die Realität des täglichen Tuns zu übersetzen. Mein Bestreben, die Systemtheorie in Managementregeln zu konvertieren, eine praktische Systemik daraus zu entwickeln, war geboren.

Was sind Deiner Ansicht nach die 5 wichtigsten Folgerungen, die sich aus der Systemtheorie für das IT-Management ergeben?

CIO Summit - Marco Kellermann 1IT bedeutet heute, die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern und deren Chancen zu nutzen. Auf Basis dieses Grundsatzes eröffnet sich die Möglichkeit, der Systemik den Weg in das Management zu bahnen. Die Digitalisierung bedeutet in letzter Konsequenz, dass wir die Realität umfänglich in einem IT-Hologramm abbilden und vor allem: dass wir die Realität über dieses Hologramm steuern und dabei auf Daten und Prozesse zurückgreifen. Somit katalysieren wir die Systemik über die Digitalisierung in ein holografisches Management. Aus dieser Erkenntnis möchte ich diese fünf Folgerungen ableiten:

 

  • IT-Management nutzt sein Potenzial dann, wenn es sich als holografisches Gesamtmanagement begreift
  • Das Wissen um Systemik ist Voraussetzung für die Umsetzung dieses holografischen Ansatzes in der IT
  • Systemik und Digitalisierung zu verstehen ist das eine, das auf Managementebene umsetzten, das andere. Im Selbstverständnis des IT-Managers braucht es eine viel deutlichere Gewichtung des Managementaspekts.
  •  Wer Digitalisierung nur als 4.0-Aspekt betrachtet, erkennt nicht deren transformatorisches Potenzial. Sie ist die technische Grundlage eines umfänglichen IT-Hologramms der Realität. Digitalisierung sollte mit diesem Anspruch gedacht und umgesetzt werden.
  • All das bedeutet Disruption. Über die Möglichkeiten der IT wird sich jegliches Business und letztlich die gesamte Gesellschaft grundsätzlich verändern. Das bringt eine enorme Verantwortung mit sich. Gerade die Systemik kann auch ein Leitfaden sein, um diese Verantwortung ganzheitlich wahrzunehmen.

Welche Quellen würdest Du IT-Managern empfehlen, die sich mit dem Thema auseinander setzen möchten?

Systemisches Vokabular sinnhaft verorten zu können reicht nicht. Wer Systemik im hochkomplexen Umfeld der Digitalisierung gesamtkonzeptionell anwenden will, muss ein systemisches Mindset und ein sytemisches Gespür entwickeln. Basis dafür sind die Schriften Niklas Luhmanns, vor allem seine oben genannte Einführung. Er hat die Systemtheorie aus der Soziologie heraus entwickelt. Und das ist das Wesentliche. Soziale Systeme sind das komplexeste, was man untersuchen kann. Dass er auf dieser Ebene eine systemische Wirkungsweise beschreiben konnte und dadurch maßgeblich neue Erklärungsmodelle entwickelt hat, macht ihn herausragend und zur Basis eines tatsächlichen systemischen Managements.

Ich rede hier von Mindset und Gespür. Das kommt nicht nur durch Lesen, sondern durch Verinnerlichen zustande. Zwar haben viele Luhmann in leicht lesbaren Schriften erklärt und das kann beim Einstieg  helfen. Aber die Systemik hat man dann wirklich verstanden, wenn man seine eigene Wahrnehmung und Denkstruktur systemisch ausgerichtet hat, wenn man mental systemisch geworden ist. Und das ist mehr als Wissen und braucht einen persönlichen iterativen und integrativen Veränderungsprozess. Und diesen kann man realisieren, in dem man Luhmanns Gedankenkonstruktionen von den ersten Worten bis zu den fertigen Systemerklärungen folgt und dadurch in sich selbst aufbaut.

CIO Summit 2019 - Talente bewegen

Welche konkreten Handlungsoptionen ergeben sich aus Deiner Sicht?

CIO Summit - Marco Kellermann 2Bei Confare schreibe ich Beiträge in Blogs und halte Vorträge auf Summits, welche konkret auf Handlungsoptionen eingehen. In denen beschreibe ich die Systemik als Managementkonzept und die Verbindung zur Digitalisierung genauer. Konkrete Handlungsoptionen lassen sich daraus zusammengefasst so formulieren:

Die IT kann heute schon selbst in wenig digitalisierten Firmen direkt in die Unternehmung hinein wirken, da sie maßgeblich an der Gestaltung und Steuerung der ERP-Systeme und den verbundenen Anwendungen beteiligt ist.

 

Diesen Einfluss kann sie nutzen und dadurch die Digitalisierung ganzheitlich vorantreiben. Konkret bedeutet das im technischen Sinne, dass sie Applikationen, Big Data, IoT-Technik und Cloud-Infrastruktur in einer Gesamtfunktionalität fördern kann. Wenn Transformation tatsächlich stattfinden soll, braucht es all diese Aspekte des technischen digitalen Quadrats, wie ich diese funktionale Gesamtheit nenne. Nur in dieser ist es möglich, die Realität so weit in einem IT-Hologramm abzubilden, dass es als technische Basis für ein systemisches Management tauglich ist.

Dieses technische Quadrat hat eine organisatorische Entsprechung. Sie bedeutet die Umsetzung des systemischen Managements in der Firmenorganisation. Hier wiederum konkret: Es geht um die Schaffung einer Unternehmung, die ganz unabhängig von Ihrer Branche in modulare Microservices aufgeteilt ist, die wiederum über ein Multiprojektmanagement gesteuert werden. Wenn man den dadurch entstehenden Serviceaspekt und den Projektaspekt in operative und strategische Dimensionen strukturiert, bekommt man das organisatorische Quadrat. Kombiniert man nun beide Quadrate, hat man den digitalen Würfel, eine Art Fingerabdruck einer vollständig digitalisierten Unternehmung, welche per IT-Hologramm systemisch gesteuert wird. Die Landkarte des holografischen Managements.

Die IT hat also die Option, durch systemisches Wissen und mit holografischem Anspruch, über deren technische und organisatorische Möglichkeiten, die Firmen der Zukunft maßgeblich zu gestalten. Und das selbst in Unternehmen, welche bis jetzt lediglich ERP-basiert arbeiten.

Mir ist klar, dass ich nun wenige Fragen beantwortet aber dadurch viele neue Fragen aufgeworfen habe. Ich möchte die Leser dieses Interviews dazu einladen, in meinen Beiträgen und Vorträgen Antworten zu finden. Und ich möchte sie dazu ermuntern, das auch in der Auseinandersetzung mit der Systemik zu tun, wie ich es hier beschrieben habe.

All das ist aber nur ein intellektueller Zeitvertreib, wenn die gefundenen Antworten nicht in konkretes Handeln umgesetzt werden. Aber dieses Umsetzen ist als einsamer Rufer in der Unternehmung oft schwer. Daher möchte ich auch dazu ermutigen, dass die IT-Manager ihre Netzwerke gezielt auf die Realisierung des holografischen Managements hin ausweiten und beeinflussen. CIO-Plattformen wie Confare sind dafür ein sehr gutes Medium. Gemeinsam können wir die Systemik durch die Digitalisierung anwendbar machen und nicht nur unsere Firmen, sondern die gesamte Gesellschaft ganzheitlich und somit produktiv und nachhaltig beeinflussen.

Talente bewegen…, be the influence ist das Motto von Österreichs größtem IT-Treffpunkt. Mehr als 500 Besucher aus dem DACH Raum treffen sich am 3. und 4. April 2019 in Wien beim Confare CIO SUMMIT 2019. Bereits jetzt haben zahlreiche hochkarätige IT-Manager, Speaker und Top-Unternehmen des IT-Marktes die Mitwirkung bestätigt. Sichern Sie rechtzeitig Ihre Teilnahme!

Hier werden die IT-Manager des Jahres mit dem Confare CIO AWARD ausgezeichnet. Holen Sie sich die Einreichungs- oder Nominierungs-Unterlagen hier: www.cioaward.at

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