Digital Finance – Die 3 wichtigsten Handlungsfelder für die Finanzbranche

by Katharina Konstacky-Degasperi

Die Finanzbranche verändert sich völlig. „Filialnetze verlieren an Bedeutung, neue Player drängen von allen Richtungen in bestehende Märkte (vor allem mit IT-Background)“ – Kaum eine Branche ist vom Digitalen Wandel so betroffen, wie die Finanzindustrie. Anlässlich seines Vortrages bei Be CIO am 13. September 2017 in Köln haben wir Yves-Deniz Underwood, Business Development Manager Germany, Financial Services bei NAVAX gefragt, welche Auswirkungen der digitale Wandel auf die Finanzbranche hat und welche Rolle dabei die IT spielt.

Welche Auswirkungen hat der Digitale Wandel konkret auf die Finanzbranche?

Bewegung und Veränderungen hat es gerade in der Finanzbranche immer wieder gegeben. Der derzeitige, digitale Wandel hat allerdings massive Auswirkungen auf diesen Sektor.

Früher konnten bspw. etablierte Banken und Institute auf bestehende Filialnetze mit den zugehörigen Kundenstrukturen setzen und vielen Marktveränderungen durch teilw. moderate Anpassungen an Geschäftsmodell und -Prozessen begegnen. Ähnlich waren auch bisher mehrheitlich die anderen Unternehmen in der Finanzbranche (wie bspw. Versicherungen, Privatbanken, Leasing-Unternehmen usw.), die über mehrere Jahre oder Jahrzehnte am Markt bestehen konnten, durch die aufgebauten Assets und vorhandenen Ressourcen (Kundenstamm, Partnernetzwerke, Kapitalbeschaffungsstrukturen usw.) in ihrem jeweiligen Segment recht gut positioniert. Durch den digitalen Wandel werden aber gerade Branchen mit immateriellen Gütern und Leistungen unter Druck gesetzt. Filialnetze verlieren an Bedeutung, neue Player drängen von allen Richtungen in bestehende Märkte (vor allem mit IT-Background), schaffen mit neuen Ideen neue Anforderungen und Erwartungen aus Kundensicht und zwingen eingesessene Marktteilnehmer zum Handeln. Wer hier nicht mitzieht oder vorangeht wird voraussichtlich mittelfristig nur mehr eine untergeordnete Rolle spielen oder vom Markt verschwinden.

Wo sind die 3 wichtigsten Handlungsfelder für Unternehmen aus der FInanzbranche?

Hier sehe ich definitiv die Themen 1. Kundenerlebnis (Customer Journey/Experience), 2. die Auseinandersetzung mit moderner Technologie wie Künstliche Intelligenz, Machine Learning, Bots usw. – nicht als Selbstzweck, sondern um herauszufinden welche Möglichkeiten sich für das jeweilige Unternehmen dadurch bieten und wie man sich noch besser aufstellen, Kosten optimieren und Mehrwerte generieren kann. So helfen bspw. Robo-Advisors heutzutage schon Investmentgesellschaften kleinere Vermögen anzusprechen, die bislang wirtschaftlich nicht attraktiv waren. Hier ergeben sich vollkommen neue Ideen und Möglichkeiten für das Business. Als 3. zentrales Handlungsfeld sehe ich den Umgang mit regulatorischen Anforderungen.

Welche Rolle spielt dabei die IT?

Die größte und die kleinste. Die grundsätzlich größte Rolle deshalb, weil es in dieser Branche kein greifbares Produkt gibt und die IT ein integraler Bestandteil, wenn nicht überhaupt der wesentliche Kern ist. Die kleinste deshalb, weil die beste IT nichts bringt, wenn man sich nicht mit dem Wesen des digitalen Wandels auseinandersetzt und sich daran orientiert. Wer heutzutage denkt, dass die digitale Transformation ein Projekt ist, welches ich am Tag X abschließe und mir am Tag Y 10% mehr Umsatz bringt, der sollte sich schon mal warm anziehen – für den wird es stürmisch. Das will natürlich keiner hören, vor allem nicht in größeren Unternehmen wo alles versucht wird mit Planung und Controlling meß- und steuerbar zu machen. So funktioniert der digitale Wandel allerdings nicht. Agile Methoden, rasches Handeln und Mut sind die Schlüssel dazu. Netflix‘ CEO Reed Hastings hat vor etwa zwei Jahren zu diesem Thema treffend gesagt, dass sie bei ihren Eigenproduktionen unbedingt Flops brauchen. Denn wenn diese ausbleiben, wäre das ein Zeichen, dass sie nicht versucht haben das möglichste herauszuholen. Das lässt sich auf alle Branchen anwenden sofern es das Thema digitale Transformation betrifft. Bei der Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen würde ich aber nicht zu allzu viel Mut raten. Hier helfen (leider) nur die Beschäftigung von Rechtskundigen und Zusatzinvestitionen in die entsprechend gesetzeskonformen Umsetzungen.

Was sind die Voraussetzungen für eine positive Zusammenarbeit zwischen Fachabteilung, IT und Geschäftsführung?

Das Commitment des Top-Managements und des mittleren Managements zum digitalen Wandel muss da sein, ohne diesem geht es nicht. Wenn eine oder gar mehrere Stellen im Unternehmen Widerstand gegen den digitalen Wandel leisten und davon ausgehen, dass es sich hierbei um einen kurzlebigen Trend handelt, der bald wieder abflaut, dann werden die Ideengeber und Innovatoren gegen Wände laufen. Daher ist das Commitment des gesamten Managements zum digitalen Wandel von essentieller Bedeutung für die Ideenfindung und eine erfolgreiche Umsetzung. Des Weiteren sollten sich auf jeden Fall in den Fachbereichen Personen finden die sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Die digitale Transformation ist kein reines IT-Thema. Im Gegenteil, die Auslöser müssen aus dem Business kommen sonst fehlt der elementare Baustein, die Idee bzw. die Vision für den Geschäfts- bzw. Kundennutzen. Wenn die IT alleine mit Vorschlägen aufkommt, funktioniert das zumeist zwar aus technischer Sicht sehr gut, richtige Mehrwerte für das Business werden aber daraus selten geboren.

Wenn diese Konstellation (Management Commitment, Auslöser aus dem Business und IT als Begleiter) zustande kommt, dann ist konstruktive Zusammenarbeit und eine erfolgreiche Umsetzung vorprogrammiert.

Was sind die konkreten Anforderungen an IT-Systeme? Was sollte bei Software Auswahl bedacht werden?

IT-Lösungen sollten heutzutage auf jeden Fall moderne Technologien unterstützen und rasch an zukünftige Anforderungen angepasst werden können.

Lösungen die unflexibel sind oder deren Anpassung an neues Business aus strukturellen Gründen nur mit viel Aufwand durchgeführt werden kann, kommen in Zeiten schneller Veränderung zu teuer und können für das Unternehmen zum unkalkulierbaren Risiko werden. Dazu benötigt man allerdings in erster Linie IT-Partner die sich mit modernen Technologien und zukünftigen Themen beschäftigen. Ich empfehle jedem Unternehmen das vor einer Software-Auswahl steht, den Fokus mehr auf die Anbieter zu richten als das bis jetzt üblicherweise der Fall war. Bei den Kriterien für die jeweiligen Systeme sollten insbesondere die eingesetzte Technologie, deren Zukunftssicherheit, Aktualität und Flexibilität ganz oben stehen.

Treffen Sie Yves-Deniz Underwood und rund 100 hochkarätige Teilnehmer auf der Confare Konferenz Be CIO, am 13. September 2017 in Köln. Im Rahmen der Konferenz werden Unternehmen mit dem IDEAward ausgezeichnet, die sich erfolgreich den Herausforderungen der digitalen Transformation stellen. Die Teilnahme ist für Anwender, CIOs und IT-Manager kostenlos.

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