Digitale Abhängigkeit: Europas gefährlichste Achillesferse

by Leon Ghezzo

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Marcus Heinrich (agilimo): Digitale Abhängigkeit: Europas gefährlichste Achillesferse

Globale Spannungen treffen heute direkt die IT europäischer Unternehmen. Marcus Heinrich von agilimo warnt: Die größte Gefahr ist, zu glauben, man sei nicht im Visier. Wer handlungsfähig bleiben will, muss Sicherheit geopolitisch denken – Abhängigkeiten kennen, Angriffe früh erkennen und auf vertrauenswürdige Technologien setzen. Als Partner des Confare CIOSUMMIT Frankfurt engagiert sich agilimo für die Stärkung digitaler Souveränität in Unternehmen.

Welche konkreten Risiken entstehen durch globale Spannungen für die digitale Infrastruktur europäischer Unternehmen – und wie kann man diesen geopolitischen Bedrohungen souverän begegnen?

Globale Spannungen wirken heute bis tief in die digitalen Infrastrukturen von Unternehmen hinein – und zwar in Echtzeit. In einer Welt, in der wirtschaftliche, politische und militärische Interessen zunehmend digital ausgetragen werden, geraten IT-Systeme immer öfter ins Fadenkreuz staatlicher oder staatlich unterstützter Angreifer. Die Risiken reichen dabei von Industriespionage über digitale Sabotage bis hin zur gezielten Destabilisierung kritischer Infrastrukturen.

Was früher nur für Regierungen galt, betrifft heute auch mittelständische Unternehmen – insbesondere, wenn sie Teil internationaler Lieferketten, technologischer Schlüsselindustrien oder KRITIS-Sektoren sind. Und das betrifft weit mehr Organisationen, als vielen bewusst ist.

Souverän begegnen lässt sich diesen Bedrohungen nur durch eine klare strategische Haltung: Wer seine digitale Handlungsfähigkeit schützen will, muss seine Sicherheitsarchitektur geopolitisch denken. Das heißt: Risiken aus technologischem Fremdzugriff aktiv minimieren, Abhängigkeiten bewusst analysieren – und konsequent in Lösungen investieren, die vertrauenswürdig, überprüfbar und rechtlich kontrollierbar sind.

Für uns bei agilimo bedeutet das ganz konkret: Wir setzen auf „Cybersecurity made in Germany“ – auf nachvollziehbare, kontrollierbare und geprüfte Technologien und Prozesse, die unseren Kunden maximale Datensouveränität ermöglichen. Und genau das ist aus unserer Sicht heute der entscheidende Resilienzfaktor.

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Warum ist es für Unternehmen heute so entscheidend, woher ihre Cybersecurity-Lösungen stammen – und welche Risiken birgt technologische Abhängigkeit?

Die Frage nach der Herkunft von Cybersecurity-Lösungen ist heute keine technische, sondern eine strategische. Denn wer Sicherheitslösungen einsetzt, gibt zwangsläufig auch einen Teil der Kontrolle über die eigenen Systeme, Daten und Prozesse ab – im besten Fall an einen vertrauenswürdigen Partner.

Das Problem beginnt da, wo Unternehmen nicht mehr nachvollziehen können, welche Abhängigkeiten in ihrer Infrastruktur stecken: In welchen Ländern werden die Komponenten entwickelt? Wer kontrolliert den Quellcode? Welche rechtlichen Zugriffsmöglichkeiten bestehen durch Gesetze wie den US Cloud Act oder vergleichbare Regelwerke?

Technologische Abhängigkeit wird in einem geopolitisch instabilen Umfeld zum Geschäftsrisiko. Denn im Ernstfall – zum Beispiel bei einem politischen Konflikt oder einem transatlantischen Machtwechsel – kann diese Abhängigkeit zur Achillesferse werden.

Deshalb plädieren wir bei agilimo ganz klar für digitale Souveränität: Unternehmen brauchen nachvollziehbare, auditierbare und kontrollierbare Sicherheitslösungen. Und sie brauchen Anbieter, die sich europäischen Datenschutzstandards und dem Prinzip der Rechtssicherheit verpflichten.

Vertrauen entsteht nicht durch große Namen, sondern durch Transparenz und Verantwortlichkeit. Deshalb setzen wir auf Produkte und Partner, die genau das liefern – und das idealerweise aus Deutschland oder Europa.

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Welche Angriffsmuster lassen sich bei staatlich gesteuerten Cyberbedrohungen beobachten – und wie können Unternehmen sie frühzeitig erkennen?

Staatlich gesteuerte Cyberangriffe sind in der Regel hochgradig organisiert, langfristig angelegt und taktisch sehr präzise. Anders als bei klassischen Cyberkriminellen geht es hier nicht um schnelle finanzielle Gewinne, sondern um strategische Ziele: Informationsgewinnung, Sabotage, Spionage oder systematische Destabilisierung.

Typisch ist der Einsatz sogenannter APT-Gruppen – „Advanced Persistent Threats“. Sie arbeiten in Phasen: Zuerst erfolgt eine unauffällige Infiltration über Schwachstellen, Phishing oder sogenannte „Living-off-the-Land“-Techniken. Dann wird die Umgebung systematisch ausgekundschaftet, Zugangspunkte werden ausgebaut, um sich dauerhaft unbemerkt in der Infrastruktur einzunisten. Oft vergehen Wochen oder Monate, bis ein eigentlicher Angriff erfolgt – etwa durch das Abschalten kritischer Systeme oder den Abfluss sensibler Daten.

Frühzeitig erkennen lassen sich solche Bedrohungen nur mit einer Kombination aus Technologie, Erfahrung und klarem Lagebild:

  • Auf technischer Seite braucht es verhaltensbasierte Analyseverfahren, die Anomalien erkennen, bevor klassisches Signature-Monitoring anschlägt.
  • Gleichzeitig braucht es ein qualifiziertes Team, das nicht nur die Technik versteht, sondern auch die geopolitische Lage interpretieren kann.
  • Und nicht zuletzt braucht es eine gute Informationslage durch die Zusammenarbeit mit CERTs, Partnern und Behörden.

Wir bei agilimo betrachten Angriffe immer aus der Sicht des Angreifers – das ist zentral für unser Sicherheitskonzept. Denn wer denkt wie ein Angreifer, erkennt Muster, bevor sie zum Schaden führen.

Wie lässt sich ein wirksames Frühwarnsystem aufbauen, das nicht nur auf Technologie, sondern auch auf organisationsseitiger Wachsamkeit basiert?

Ein technisches Frühwarnsystem ist wichtig – aber allein nicht ausreichend. Wirksame Früherkennung entsteht erst durch das Zusammenspiel von Technologie, Prozessen und einem sicherheitsbewussten Mindset im Unternehmen.

Technisch gesehen braucht es Monitoring-Lösungen, die nicht nur Logs erfassen, sondern laufend bewerten, einordnen und priorisieren – idealerweise im Kontext aktueller Bedrohungslagen. Ein gut aufgestelltes Security Operations Center (SOC) ist hier das Rückgrat, das verdächtige Aktivitäten erkennt, bewertet und Gegenmaßnahmen einleitet.

Aber Technologie allein erkennt keine „leisen“ Vorzeichen, wenn das Sicherheitsbewusstsein in der Organisation fehlt. Ein funktionierendes Frühwarnsystem basiert deshalb auch auf folgenden Faktoren:

  • Klare Verantwortlichkeiten: Wer ist im Alltag für die Sicherheitslage zuständig – fachlich, technisch, strategisch?
  • Sicherheitskultur: Werden Auffälligkeiten gemeldet oder ignoriert? Weiß jeder im Unternehmen, worauf zu achten ist?
  • Interne Informationsflüsse: Gibt es eine gute Verbindung zwischen IT, Geschäftsführung und Fachbereichen?
  • Awareness-Trainings: Nur wer typische Angriffsvektoren kennt, kann verdächtiges Verhalten früh erkennen.

Ein Frühwarnsystem ist keine Software, sondern ein Unternehmensprinzip. Bei agilimo nennen wir das „operative Resilienz“ – ein Zustand, in dem Technologie und Menschen gleichermaßen wachsam sind und handlungsfähig bleiben.

Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit Behörden und CERTs in der effektiven Abwehr komplexer Bedrohungen?

Die Zusammenarbeit mit Behörden und CERTs ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil jeder professionellen Sicherheitsstrategie. Kein Unternehmen – auch kein großes – kann sich alleine gegen die Dynamik und Komplexität moderner Cyberbedrohungen behaupten.

Gerade bei staatlich gesteuerten oder sehr gezielten Angriffen sind die ersten Indikatoren oft nur im größeren Zusammenhang erkennbar. CERTs (Computer Emergency Response Teams) und spezialisierte Behörden wie das BSI verfügen über diese übergreifenden Informationen, die für die Bewertung der eigenen Risikolage entscheidend sein können.

In der Praxis erleben wir, wie wertvoll der Informationsaustausch mit diesen Stellen ist – sei es bei der Einschätzung aktueller Angriffsmuster, bei der Koordination von Reaktionen oder im Rahmen der Prävention.

Gleichzeitig gilt aber auch: Diese Zusammenarbeit funktioniert nur, wenn man intern vorbereitet ist. Wer keine verlässlichen Prozesse, Ansprechpartner oder Dokumentation hat, kann externe Hilfe oft nicht wirksam abrufen.

Wir bei agilimo pflegen deshalb bewusst den engen Austausch mit CERTs und Sicherheitsbehörden – nicht erst im Notfall, sondern als Teil unserer proaktiven Sicherheitsarchitektur. Denn effektive Cyberabwehr ist kein Solo, sondern Teamarbeit auf Augenhöhe – zwischen Wirtschaft, Staat und Spezialisten.

Welche Sicherheitsmaßnahmen haben sich in der Praxis besonders bewährt – vor allem bei KRITIS und in innovationsgetriebenen Unternehmen?

In der Praxis sind es nicht die teuersten Tools, die den Unterschied machen, sondern die kluge Kombination aus Technik, Prozessen und Haltung. Besonders in KRITIS-Umgebungen und innovationsstarken Unternehmen, wo Verfügbarkeit, Geschwindigkeit und Sicherheit gleichzeitig gewährleistet sein müssen, haben sich einige Maßnahmen als besonders wirksam erwiesen:

  • Zero-Trust-Architekturen: Der Grundsatz „Vertraue niemandem – auch nicht innerhalb des Netzwerks“ hat sich als solides Fundament etabliert. Zugriffe werden kontextbasiert geprüft, nicht pauschal erlaubt.
  • Endpoint-Security nach militärischem Standard: Gerade bei mobilen Endgeräten und im Homeoffice setzen wir auf VS-NfD-konforme Lösungen wie INDIGO. Diese ermöglichen hochsicheres Arbeiten – ohne die Nutzbarkeit einzuschränken.
  • Verhaltensbasierte Angriffserkennung: Klassische Signaturen reichen heute nicht mehr. Moderne Systeme analysieren Verhalten und erkennen verdächtige Muster – auch ohne bekannte Angriffssignatur.
  • Sicherheitsoperationen rund um die Uhr (SOCaaS): Ein 24/7 Security Operations Center mit laufendem Monitoring und klaren Reaktionswegen ist für kritische Infrastrukturen heute Pflicht.
  • Präventive Schwachstellenanalysen aus Angreiferperspektive: Unsere Erfahrung zeigt: Wer denkt wie ein Angreifer, erkennt Schwächen früh – und kann sie systematisch schließen.

Innovation und Sicherheit schließen sich nicht aus – im Gegenteil. Wer innovativ ist, braucht sogar ein höheres Sicherheitsniveau. Denn mit jeder neuen Technologie wächst auch die Angriffsfläche. Die gute Nachricht: Sicherheit kann Innovation sogar beflügeln – wenn sie von Anfang an mitgedacht wird.

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Wie gelingt es, IT-Security ganzheitlich im Unternehmen zu verankern – jenseits von Tools und Policies?

IT-Security ist keine technische Abteilung, sondern ein unternehmerisches Prinzip. Wenn wir über ganzheitliche Sicherheit sprechen, meinen wir bei agilimo vor allem eins: ein Bewusstsein im gesamten Unternehmen, dass digitale Sicherheit nicht delegiert, sondern gelebt wird.

Das beginnt im Top-Management – denn wer Digitalisierung ernst meint, muss Sicherheit zur Chefsache machen. Nur wenn Führungskräfte Sicherheit als Teil der Unternehmensstrategie verstehen, bekommt das Thema die notwendige Sichtbarkeit und Priorität.

Ebenso wichtig ist es, Security nicht als „Verhinderer“ zu positionieren, sondern als Ermöglicher. Moderne IT-Security schützt nicht nur, sie schafft die Basis für Innovation, Geschwindigkeit und Vertrauen – intern wie extern.

In der Praxis funktioniert das nur, wenn Security in alle Prozesse eingebettet ist – von der Produktentwicklung über das HR-Onboarding bis zur Kommunikation mit Kunden. Dazu braucht es:

  • klare Verantwortlichkeiten,
  • eine verständliche Sprache,
  • regelmäßige Awareness-Formate

– und eine Unternehmenskultur, die Offenheit und Prävention fördert.

Und noch etwas: Ganzheitliche IT-Security entsteht nicht über Nacht. Sie ist ein Prozess – aber einer, der sich lohnt. Denn in Zeiten globaler Unsicherheit ist Vertrauen das wertvollste Kapital. Und Vertrauen entsteht dort, wo Sicherheit nicht nur versprochen, sondern nachweislich gelebt wird.

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