
Warum digitale Souveränität nicht später entsteht, sondern in der Architektur von heute
Digitale Souveränität ist längst kein politisches Schlagwort mehr – sie ist ein technischer, wirtschaftlicher und geopolitischer Imperativ. Die Abhängigkeit Europas von US- und asiatischen Plattformen ist tief, strukturell und in vielen Bereichen alternativlos geworden. Doch genau aus dieser Lage heraus ergibt sich eine strategische Aufgabe für CIOs: Souveränität entsteht nicht, wenn der Markt fertig ist – sie entsteht in den Architektur- und Technologieentscheidungen von heute.
Während private Unternehmen wie die Schwarz Gruppe mit ihrer 11-Milliarden-Euro-Investition in ein hyperskalierendes Rechenzentrums- und KI-Campusprojekt massive Impulse setzen, bleibt eines klar:
Infrastruktur ist der Startpunkt – echte Souveränität entscheidet sich im Design von Plattformen, Workflows, Daten und Organisationen.
Der Confare CIO Fachbeirat hat dies bereits bei unserem Meeting zum Thema Geopolitik & Digitale Resilienz betont:
„Technologische Entscheidungen sind heute immer auch geopolitische Weichenstellungen. Wer Architektur sagt, sagt Souveränität.“
Dieses Verständnis muss sich schon jetzt im CIO-Alltag und in Entscheidungen abbilden – unabhängig davon, ob der souveräne Technologiemarkt bereits vollständig ausgereift ist.
Der Confare CIOSUMMIT Wien am 25.–26. März 2026 bietet Ihnen die Möglichkeit, sich mit Profis aus dem gesamten DACH-Raum über die Zukunft der digitalen Souveränität zu unterhalten. HIER ANMELDEN.
Warum CIOs jetzt handeln müssen – obwohl der Markt noch unreif ist
Der Markt für souveräne Cloud- und Datenlösungen wächst, aber:
- Er ist noch nicht vollständig konkurrenzfähig zu Hyperscalern.
- Viele Angebote befinden sich in einer Aufbauphase.
- Standards und Interoperabilität sind noch heterogen.
Doch CIOs können es sich nicht leisten, „auf perfekte Lösungen“ zu warten.
Denn die realen Risiken entstehen jetzt:
- Vendor Lock-in über proprietäre Plattformdienste
- Jurisdiktionskonflikte
- eingeschränkte Datenportabilität
- geopolitische Abhängigkeiten
- strategischer Kontrollverlust bei KI-Plattformen
Souveränität ist deshalb kein Ziel „in Zukunft“, sondern ein Weg, der heute beginnt – in Architektur, Einkauf, Datenhaltung und Governance.
Die CIO-Agenda: Was Organisationen jetzt vorbereiten müssen
Im Austausch mit CIOs, IT-Leitern, Architektinnen und dem Confare Fachbeirat lassen sich sechs zentrale Handlungsfelder identifizieren. Sie bilden das Fundament jeder zukünftigen souveränen Infrastruktur – egal, welche Anbieter sich durchsetzen.
1. Softwareentwicklung muss Souveränität mitplanen
Viele Abhängigkeiten entstehen nicht in Infrastruktur, sondern in Code, Frameworks, Integrationen und proprietären PaaS-Diensten.
Prinzipien für souveräne Softwareentwicklung:
- Keine harte Kopplung an proprietäre Cloud-Dienste, wenn Alternativen existieren
- Abstraktionsschichten zwischen Business-Logik und Infrastruktur
- Containerisierung & Standardisierung der Laufzeitumgebungen
- Konsequent Open Standards bevorzugen
- Exit-Points im Code designen, bevor sie gebraucht werden
Warum das wichtig ist:
Weil Software der Engpass ist, nicht Infrastruktur. Wer Software souverän denkt, bleibt handlungsfähig.
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2. Weg vom Monolithen – in austauschbaren Schichten denken
Digitale Souveränität bedeutet nicht: alles selbst hosten.
Sie bedeutet: Beweglichkeit behalten.
CIOs sollten ihre Architektur entlang folgender Fragen designen:
- Welche Schichten müssen verlagerbar sein?
- Wo ist eine Bindung an einen Provider akzeptabel – und wo nicht?
- Wie stelle ich sicher, dass kritische Kernprozesse nicht untrennbar mit einem Hyperscaler verwachsen?
Technische Leitlinien:
- Layered Architecture
- API-First
- Infrastruktur als austauschbare Ebene
- Datenhaltung unabhängig von Anwendungslogik
- Modularisierung statt Full-Stack-Abhängigkeit
3. Daten qualifizieren: Souveränität dort einsetzen, wo sie nötig ist
Nicht alle Daten sind gleich wichtig – aber viele Unternehmen behandeln sie so.
Ein souveräner Ansatz benötigt:
- Datenklassifizierung (kritisch, sensibel, reguliert, unkritisch)
- Transparente Datenflüsse
- Regulatorische Zuordnung (NIS2, DORA, Data Act)
- Bewertung von Speicherort, Zugriffspfaden und Verarbeitungsketten
Damit CIOs bewusst entscheiden können: „Diese Daten müssen wir kontrollieren – jene dürfen skalieren.“
4. Vendor Lock-in aktiv begrenzen
Lock-in entsteht selten durch Technologie – sondern durch Bequemlichkeit.
Praktische Maßnahmen:
- Portabilitätstests als Standard
- Offene Datenformate statt proprietärer Services
- Vermeidung unnötiger PaaS-Abhängigkeiten
- Architekturprinzip: „Replace without rewrite“
- Schnittstellendesign mit dokumentierten Alternativpfaden
Strategische Prämisse:
Jede Entscheidung für Komfort ist eine Entscheidung gegen Handlungsfähigkeit.
5. Einkauf & Governance auf Souveränität ausrichten
Viele Souveränitätsverluste passieren bereits vor dem ersten Deployment – im Einkauf.
Moderne Beschaffungskriterien:
- Datenresidenz in Europa
- europäische Anbieter bewusst berücksichtigen
- vertraglich garantierte Portabilität
- Exit- und Switching-Klauseln
- klare Anforderungen an Interoperabilität
- Sovereign-by-Design-Kriterien in Ausschreibungen
Governance und Procurement werden damit zu strategischen Partnern des CIO.
6. Allianzen und Ökosysteme aufbauen
Digitale Souveränität entsteht nicht isoliert.
Sie basiert auf:
- gemeinsamen Standards
- sektorübergreifenden Datenspaces
- europäischen Referenzarchitekturen
- Branchenökosystemen
- technologischer Kooperation statt Insellösungen
Der Confare CIO Fachbeirat betont:
„Europäische Souveränität entsteht dort, wo Unternehmen gemeinsam handeln – nicht dort, wo jeder für sich kämpft.“
Was sich ändert: Von Infrastrukturdenken zu Architekturverantwortung
Mit Investitionen wie den 11 Mrd. € der Schwarz Gruppe kommen erstmals Angebote und Kapazitäten, die echte Alternativen eröffnen.
Doch die Frage ist nicht:
„Wann ist der Markt bereit?“
Sondern:
„Sind unsere Architekturen bereit, wenn der Markt kippt?“
Diese Verantwortung liegt – heute und morgen – bei den CIOs.
STACKIT als europäischer Vorreiter: Austausch auf dem Confare #CIOSUMMIT Wien
STACKIT und Schwarz Digits zählen zu den wenigen Playern, die digitale Souveränität nicht nur definieren, sondern bauen.
Beim Confare #CIOSUMMIT Wien wird Workspace by STACKIT mit dem Team rund um Michael Brenzel sehr prominent vertreten sein – und gemeinsam mit führenden CIOs der DACH-Region diskutieren:
- Wie baut man souveräne Architektur in einer Welt voller Abhängigkeiten?
- Welche Entscheidungen müssen heute getroffen werden, damit Europa morgen handlungsfähig bleibt?
- Wie gelingt der Weg von Hyperscaler-Bequemlichkeit zu echter Wahlfreiheit?
Souveränität entsteht nirgendwo so konkret wie im Austausch zwischen Praktikern, die Verantwortung tragen – und Lösungen entwickeln.
Die 11-Milliarden-Investition zeigt, was möglich ist.
Die Architekturarbeit entscheidet, was daraus wird.
Digitale Souveränität ist kein Zustand, den man einkaufen kann.
Sie ist das Ergebnis von Entscheidungen über Architektur, Daten, Organisation und Governance.
Europa wird nur dann souverän, wenn CIOs heute die Grundlagen dafür legen.


