Digitale Transformation gestalten – mit Mut, Klarheit und Vielfalt

by Cansu Karacan

Confare Blog Interview mit Andrea Passenberg: Digitale Transformation gestalten – mit Mut, Klarheit und Vielfalt

Andrea Passenberg arbeitet seit fast 30 Jahren als Führungskraft, Transformatorin und Projektleiterin im Digitalisierungskontext. Sie ist aktuell Head of Digitalization & IT für das Polyester Geschäft von Evonik und spricht im Interview über Ihre Erfahrungen und die Bedeutung der digitalen Transformation für Unternehmen und die Gesellschaft sowie der Rolle von Führung und Teamarbeit. Außerdem beleuchtet sie die Notwendigkeit von Vielfalt und Sichtbarkeit für Frauen in der IT und teilt ihre Ansichten zu Mut, weniger Perfektionismus und aktivem Personal Branding als Schlüsselfaktoren für eine erfolgreiche Karriere in der IT.

Du hast Mathematik kombiniert mit Betriebswirtschaft studiert. Ist 1 und 0 nicht zu wenig Herausforderung, oder ist der analytische Ansatz hilfreich?

Der analytische Ansatz der Mathematik ist für mich ein unschätzbares Werkzeug, um strukturiert an neue Themen und die Herausforderungen des Alltags heranzugehen. Dennoch habe ich mir zur Passion gemacht, „Fünfe gerade sein zu lassen“. Perfektionismus ist oft nicht der Weg zum Ziel. Ich bevorzuge daher ein pragmatisches Vorgehen, um schnell erste Fortschritte zu erzielen.

Im August 2025 hast du die Aufgabe der Leiterin Digitalisierung & IT für einen mittelständischen Unternehmensbereich der Evonik übernommen. Wie stellst du sicher, dass IT zum Businesserfolg beiträgt? Ist IT für dich der Schlüssel zum Erfolg?

Ich freue mich sehr über diese neue Herausforderung! In den nächsten 1-2 Jahren werden wir die bestehende digitale IT-Landschaft eines Großunternehmens in eine agile, mittelständische Architektur weiterentwickeln. Dabei arbeiten wir eng mit den verschiedenen Fachbereichen zusammen. Unser Ziel? Eine schlanke Anwendungslandschaft und IT-Infrastruktur, die den Bedürfnissen der Anwender und Prozesse gerecht wird und die Business Strategie bestmöglich unterstützt. Insbesondere die Customer Centricity ist für mich der Schlüssel zum Erfolg – sowohl intern als auch extern. Und Digitalisierung ist dabei eine nicht unerhebliche Unterstützungsfunktion zur Erreichung des Unternehmenserfolgs.

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Wie siehst du die Rolle der digitalen Transformation in der Gestaltung der zukünftigen Gesellschaft und Wirtschaft? Was bedeutet “Digitale Transformation” für dich über die Einführung neuer Technologien hinaus?

Transformation ist für mich vor allem etwas Disruptives. Ähnlich wie Henry Ford, der das Auto erfand, anstatt mehr Pferde vor die Kutsche zu spannen. Ich sehe viele großartige Erfinder mit innovativen Ideen, die jedoch oft nicht das nötige Kapital finden, um ihre Technologien marktreif zu machen. Deutschland braucht mehr Mut, zukunftsfähige Ideen auszuprobieren. Es gibt Probleme, die gelöst werden müssen, und ich bin überzeugt, dass wir unsere Mitarbeiter und die nachfolgenden Generationen dazu ermutigen müssen, ganzheitlich zu denken und voranzuschreiten im Bereich Innovation.

Wie gestaltest du die Rolle als Führungskraft? Auf welchen Werten basiert modernes IT-Leadership für dich?

Klarheit in den Zielsetzungen und dem Rollenverständnis ist für mich der Dreh- und Angelpunkt. Mein Team muss wissen, wohin die Reise geht. Auf dieser Grundlage können wir dann den Weg zur Umsetzung unserer Ziele entwickeln. Als Führungskraft begleite ich, höre zu, fördere Diskurs und eine offene Kommunikation. Für mich ist es wichtig, dass meine Mitarbeiter ihr volles Potenzial entfalten können und bereit sind, dezentrale Entscheidungen zu treffen in der Rolle oder Funktion, in der sie jeweils aktiv sind. Auch laterales Führen über Hierarchien hinweg ist wesentliches Element für mich. Deshalb ist mir bei aller Führung immer sehr wichtig, untereinander gut abgestimmt zu sein.

Welche neuen Fähigkeiten und Talente sind in der heutigen IT-Landschaft entscheidend, um in Zeiten der Veränderung erfolgreich zu bleiben? Wie förderst du diese innerhalb deines Teams?

Eine große Herausforderung in der IT ist die jahrelange Kapselung von Aufgaben in „sauber“ definierte und vor allem stark abgegrenzte Rollen der vergangenen Jahre. Ich setze Methoden wie KANBAN oder SCRUM ein, um diese Barrieren aufzubrechen. Dabei geht es mir nicht um Tools, sondern um die Haltung, mit der diese eingesetzt werden – Teamgeist und Innovationswille sind entscheidend. Und noch viel wichtiger ist der Veränderungswille. In den Jahren und Jahrzehnten wird Wissen sich so schnell exponentiell verdoppeln, wie wir es bisher nicht erlebt haben. Mit dieser Geschwindigkeit müssen wir lernen umzugehen, damit wir neue Anforderungen und Geschäftsmodelle in kürzester Zeit umsetzen können. Schlussendlich müssen alle an einem Strang ziehen und sich gemeinsam weiterentwickeln. Das gilt für die wesentlichen Geschäftsfunktionen genauso wie für die digitalen Teams.

Die IT-Branche durchläuft in den letzten Jahren eine beeindruckende Entwicklung: Sie wird flexibler, zukunftsorientierter und zunehmend weiblicher. Was ist deine Erfahrung und Einschätzung dazu?

Trotz der Fortschritte sind Frauen in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert. Ich sehe viele talentierte Frauen, die bereit sind, die Führung zu übernehmen, oftmals dann aber aus diversen Gründen die Chance dazu nicht erhalten. Wir müssen die Sichtbarkeit weiblicher Führungspersönlichkeiten stärken und die hierarchischen Strukturen in Unternehmen überdenken. Nachweislich sind Unternehmen mit Frauen in oberen Führungspositionen erfolgreicher als männlich dominierte Unternehmen. Mentoring-Programme, wie die von Confare, sind daher unabdingbar, um Frauen zu vernetzen und ihre Sichtbarkeit zu erhöhen. Gleichzeitig dürfen wir Frauen uns selbst auch etwas zutrauen. Wir meistern oft so viel und tun das einfach. Kinder, Care Arbeit, Investmentfragen – all das machen wir nebenbei, während wir erfolgreich im Job sind.

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Das Motto 2025 lautet bei unseren Confare CIOSUMMITs: Balancing in challenging times – Enabling visions. Denkst du, zukunftssicher werden wir nur, wenn Teams durchmischt sind?

Ja, Vielfalt in den Teams ist entscheidend! Ich wünsche mir Teams, die kreativ und zukunftsorientiert denken. Unterschiedliche Erfahrungshintergründe sind wichtig, um die Herausforderungen der Digitalisierung zu meistern. Es geht dabei nicht nur um Männer oder Frauen in den Teams, sondern vielmehr um einen guten Mix aus visionärem Denken, analytischen Macher:innen und kreativen Umsetzer:innen, um erfolgreich zu sein.

Es gibt 3 Schlüsselpunkte, die eine weibliche Karriere braucht in der IT: MUT, weniger Perfektionismus und eigenes Marketing. Fehlt dir etwas?

Mutig war ich schon immer und habe vor allem nie den Mainstream gesucht. Ich stelle Fragen, um Themen voranzubringen. Perfektionismus? Ich lasse ihn mehr und mehr hinter mir und konzentriere mich auf das Wesentliche. Doch beim Personal Branding gibt es definitiv noch Luft nach oben – denn Sichtbarkeit ist ein großer Türöffner für uns Frauen.

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