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Monika Herbstrith-Lappe (Die Möglichmacherin): Digitaler Humanismus – Menschlichkeit im digitalen Zeitalter

Monika Herbstrich-Lappe – Autorin, Speakerin, Top-Trainerin – lädt zum Diskurs ein. Im exklusiven Confare Bloginterview unterhalten wir uns über die Bedeutung von Visionen, wie man trotz herausfordernder Zeiten innovativ bleibt und vieles mehr.
Wie schafft man es in auch in herausfordernden Zeiten die Balance zwischen kurzfristigen Anforderungen und langfristigen Visionen zu halten?
Gerade wenn es viele kurzfristige Anforderungen gibt und damit viele Aktivitäten braucht, ist es wichtig, dass es eine langfristige Vision gibt. In englischer Sprache ist eine japanische Volksweisheit besonders pointiert: „Vision without action is a daydream. Action without vision is a nightmare.“
Wenn ich nicht weiß, wo ich langfristig hinmöchte, führen die operativen Manöver ins Chaos. Ich habe viele Jahre als Statistikerin gearbeitet. Als solche weiß ich, wenn man auf alle Schwankungen unmittelbar reagiert und sie nicht über einen gewissen Zeitraum glättet, so verdoppelt das die Streuung und damit die Volatilität. Das erschwert die Steuerung maßgeblich. Die Vision sollte tatsächlich langfristig sein. Sonst verstellen die ersten Hürden den Blick auf den „Orientierungsstern“.
Daneben sollte es auch einen Wertekompass geben. Mit den Worten von Dalai Lama: „Öffne der Veränderung deine Arme und verliere dabei deine Werte nicht aus den Augen.“ Als Physikerin fasziniert es mich, dass man mit Segelbooten hart am Wind kreuzen und damit auch Gegenwind nutzen kann, um Ziele zu erreichen. Diese zielstrebige Wendigkeit ist in unserem dynamischen Umfeld erfolgsentscheidend.
In einer Zeit, in der technologische Möglichkeiten nahezu unbegrenzt sind, wie entscheidet man, welche Prioritäten für ein Unternehmen am wichtigsten sind? Welche Rolle spielt dabei die Vision für die Zukunft?
Bei meinen Kindern habe ich zwischen Spielzeug und Habzeug unterschieden: Mit ersterem haben sie sich freudvoll beschäftigt. Bei Zweiterem ist es nur um den Besitz gegangen. Ich verstehe die technologischen Möglichkeiten als Werkzeug und nicht als bloßes Habzeug. Und immer geht es primär um die Frage: „Welche Nutzen will ich damit bewirken und welchen Mehrwert für wen damit schaffen?
Die Vision und damit VorstellungsKRAFT gestaltet Zukunft. Die Zukunft kommt nicht auf uns zu. Wir müssen Schritte in Richtung Zukunft setzen. Ich halte es mit Robert Musil. Sein 4. Kapitel im „Mann ohne Eigenschaften“ „Wenn es den Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch den Möglichkeitssinn geben“ fasse ich in einem Appell zusammen: „Schaffen wir uns mögliche Wirklichkeiten und nutzen wir unsere wirklichen Möglichkeiten!“ Welchen Beitrag leisten Aktivitäten, dass das gelingt, liefert die Entscheidungsgrundlage für die Priorisierung.
Monika Herbstrith-Lappe ist ein allseits beliebter Gast beim Confare CIOSUMMIT. Treffen Sie Top-Autor:innen wie Monika auf dem Confare CIOSUMMIT Salzburg am 18.09.2025.
Wie gelingt es trotz wirtschaftlicher Herausforderungen, Kostendruck und steigender Anforderungen innovativ zu bleiben?
„Nur stabil“ wird dem dynamischen Umfeld nicht gerecht. „Nur agil“ fehlt die Robustheit, neben der Resilienz überlebenswichtig ist. Ein chinesisches Sprichwort besagt: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ Als wenn das ein Gegensatz sein muss! Windmühlen brauchen Mauern. Für die Future of Work spielt die Ambidextrie eine zentrale Rolle.
Ursprünglich Beidhändigkeit versteht man jetzt im übertragenen Sinne darunter die Fähigkeit von Organisationen zwei scheinbar gegensätzliche Anforderungen gleichzeitig zu erfüllen: Zum einen bestehende Strukturen, Prozesse und Geschäftsmodelle effizient zu nutzen und zu optimieren und zum anderen neue Möglichkeiten, Innovationen und Geschäftsmodelle zu erforschen und zu entwickeln. Diese „beidhändige“ Herangehensweise bedeutet, dass Unternehmen flexibel und anpassungsfähig auf Veränderungen reagieren können, ohne dabei die Effizienz und Stabilität des laufenden Geschäfts zu vernachlässigen.
Der renommierte Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky räumt dem Lernen des Vergessens einen hohen Stellenwert ein. Ich bevorzuge „Vom Alten lernen Neues zu machen“. Dafür habe ich die Formel der Zuversicht entwickelt:
- Was ist mir schon gelungen?
- Welche Stärken und Strategien haben sich dabei bewährt?
- Wie kann ich diese Stärken und Strategien in gleichen, ähnlichen und auch ganz anderen Situationen nutzen?
Vordergründig mache ich jetzt als Keynote Speakerin, Top-Trainerin und High Performance Coach ganz etwas anderes als ich in meinem Mathematik- und Physikstudium gelernt habe. Doch durch die intensive Auseinandersetzung mit der Quantenphysik habe ich für den Umgang mit Komplexität und Widersprüchlichkeit wertvolle Kompetenzen erworben, die jetzt in der VUCA-Welt besonders gefragt sind.
Als Mathematikerin habe ich die Leidenschaft entwickelt, Annahmen zu hinterfragen und zu ändern, um Lösungsräume wesentlich zu vergrößern. Das nutze ich jetzt als MöglichMacherin, die dazu inspiriert inmitten von Schwierigkeiten erstaunliche Möglichkeiten zu entdecken und dazu bestärkt daraus der Bestmögliche zu machen. Als begeisterte Extrem-Taucherin nutze ich mein Meer der Möglichkeiten als Einladung zu einem Perspektivenwechsel für mehr Möglichkeiten und damit mehr Erfolgschancen.
Sie wollen mehr über das Thema Visionen und Balance in herausfordernden Zeiten hören? Dann melden Sie sich für das Confare CIOSUMMIT Frankfurt am 30.09.2025 an.
Wie sehen Sie die Rolle der digitalen Transformation in der Gestaltung der zukünftigen Gesellschaft und Wirtschaft? Was bedeutet “Transformation” für Sie über die Einführung neuer Technologien hinaus?
Ich engagiere mich für den sogenannten „Digitalen Humanismus“ im Sinne des Wiener Manifests aus dem Jahr 2019, der zutreffender „Menschlichkeit im digitalen Zeitalter“ heißen sollte. Als 20-jährige Physikstudentin habe ich an einem einwöchigen Kongress zur Ethik der Naturwissenschaft teilgenommen. Jetzt engagiere ich mich für die Ethik der Künstlichen Intelligenz.
Damals habe ich mich mit der Frage befasst, wie konnte es dazu kommen, dass Atombomben über Hiroshima und Nagasaki abgeworfen wurden, wofür sie überhaupt nicht entwickelt wurden.
Wer trägt dafür welche Verantwortung? In der Psychologie hat man den Effort-Justification-Effect erforscht, der auch IKEA-Effekt heißt: Der Wert eines Billy-Regals besteht darin, dass man es unter Fluchen zusammengebaut hat. Je größer der Aufwand, den wir in eine Sache investieren, desto wertvoller erscheint es uns. Deshalb haben die Entscheider das Manhattan Project zur Entwicklung der Atombombe nicht gestoppt, als das entscheidende Argument „Wenn wir sie nicht bauen, bauen sie die Deutschen“ durch Kriegsende mit Deutschland weggefallen ist.
Jetzt höre ich immer wieder von OpenAI-Gründer Sam Altman „Wenn wir die Super Intelligenz nicht rasch genug, weil mit hohen Sicherheitsauflagen bauen, dann überholen uns die Chinesen.“ Die Wirkmacht der Atombombe wurde hoffnungslos unterschätzt. Trotz dreimal größerem Sicherheitsabstand als nach Berechnungen erforderlich, hat die Druckwelle die Beobachter umgeschmissen. Jetzt betrachte ich es als fatalen Fehler, die Wirkmacht der KI zu unterschätzen. Künstliche Intelligenz ist nicht Zukunft. Sie ist in der Gegenwart angekommen. Wir brauchen eine kluge Balance zwischen Vor(aus)sicht und Zuversicht im Umgang mit KI. Deshalb habe ich die Ausbildungen zur zertifizierten Zukunfts- und KI-Managerin absolviert.
Im systemischen Zukunftsmanagement spricht man nicht mehr von Transformation, als projekthafte temporäre Veränderung, sondern von Transitionen, d.h. von Übergangsprozessen. Das deutsche und österreichische Zukunftsinstitut sieht Europa in einem Erschöpfungszustand. Daher ist es entscheidend, dass wir die Stagnation überwinden. Das sehe ich als meinen Beitrag für unsere freudvolle Zukunft: Innovation beginnt mit Irritation. Mit meinen humorvollen Vorträgen kann ich die Wirkmacht der Bühne nutzen, um liebevoll verstörend neue Perspektiven zu erschließen und von der Erstarrung in die Erneuerung wachzurütteln. Wie Steve Jobs appelliere ich: „Stay Foolish!“ Das erweitert den Möglichkeitsraum, die Voraussetzung für unseren Handlungsraum zur Gestaltung der Zukunft.
Im Kontext der Human Centered AI sind die Kant’schen Fragen brandaktuell:
- Was kann ich wissen?
- Was soll ich tun?
- Was darf ich hoffen?
- Was ist der Mensch?
„Mehr digital ermöglicht mehr menschlich“ ist eine Möglichkeit, von der ich mir wünsche, dass sie zu unserer Wirklichkeit wird. Wenn KI zunehmend den Menschen den Rücken freispielt, dann haben Menschen mehr Zeit für Beziehungen in der beruflichen und privaten Lebenszeit.
Wie wichtig ist die Zusammenarbeit zwischen CIOs und IT-Entscheidern für den Erfolg von Visionen? Welche Rolle spielt der Confare CIOSUMMIT dabei?
CIOs sind die großen Gewinner oder großen Verlierer der zunehmenden Bedeutung der Künstlichen Intelligenz. Keine Frage, der Einsatz von KI bringt große Herausforderungen der IT-Infrastruktur und die meisten KI-Oberflächen sind so nutzungsfreundlich, dass es keine tiefen technischen Kenntnisse braucht, um sie zur Optimierung und Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle und -prozesse zur nutzen.
Dadurch brauchen die Fachabteilungen weniger technischen Support von einem klassischen IT-Bereich. Die große Chance der Aufwertung besteht jedoch darin, dass Sie als KI-Vorreiter:innen zu unverzichtbaren Bündnispartner:innen im Business werden. Die großartige CIOSummit-Community und das großflächige Ökosystem von Confare sind von gegenseitiger Inspiration und Bestärkung geprägt. Das ist ein fruchtbarer Nährboden für Innovation und trägt damit maßgeblich dazu bei, dass CIOs wirkmächtige Gestalter:innen des Business in den Organisationen und damit für unsere Gesellschaft sind.

