Bessere Diagnosen und Therapien, zufriedene Ärzte und Patienten – Digitalisierung im Claraspital

by Lisa Baur

Dominique Schmid verantwortet als Teil der Geschäftsführung und Head of IT des Claraspitals die wichtigsten Aspekte der Digitalisierung des Krankenhauses. Dass er dies auf Basis einer konsequenten Strategie und einer ambitionierten Vision tut, war der Grund seiner Nominierung durch leadersbridge.org für den SWISS CIO AWARD 2018, der am 19. September in Zürich beim Confare Swiss CIO SUMMIT in Zusammenarbeit mit EY und Computerworld verliehen wurde. Beim 8. Swiss CIO SUMMIT spricht er über die Digitalisierung im Claraspital. Im Bloginterview hat er uns verraten, welche Technologien im Krankenhaus Einzug halten und welche Rolle die IT bei der Veränderung des Gesundheitswesens spielt.

Die Digitalisierung verändert das Gesundheitswesen massiv. Wo sehen Sie dabei die wichtigsten Handlungsfelder und technologischen Entwicklungen?

Die wichtigsten technologischen Entwicklungen sind neben den Anwendungen der grossen, allgemein bekannten Trendtechnologien (Blockchain, 3D, Big Data, IOT etc.) vor allem in der Leistung der Medizingeräte und –technologien zu finden. Dies verbessert die Anamnese und erlaubt enorme Verbesserungen in der Behandlung z.B. bei minimalinvasiven Eingriffen auch bei grossen Operationen wie den viszeral chirurgischen Eingriffen. Daneben entwickelt sich der Trend der Behandlung kontinuierlich zur personalisierten Medizin; d.h. dass die Behandlung und die Medikation exakt an die individuelle Krankheit angepasst wird und nicht mittels Standardpräparaten behandelt wird. Auch werden von vielen Start-up Firmen moderne Applikationen gebaut, die den Patienten oder die Gesundheitsfachpersonen in ihrer jeweiligen Situation stark unterstützen: automatisierte Übermittlung der Glukosewert oder den Chat mit einer Fachperson zum Abklären, ob ein Arztbesuch nötig ist bei Krankheitssymptomen sind heute schon fast allgemein bekannte Beispiele.

Das wichtigste Handlungsfeld liegt in der Vernetzung der Leistungserbringer und der Patienten. Die elektronische Patientenakte muss einerseits sehr einfach handhabbar, kostengünstig betrieben, zum Wohle des Patienten einfach den behandelnden Ärzten und Fachpersonen zugänglich und zugleich praktisch den gleichen Datenschutz und –Sicherheiten wie Bankdaten Genüge tun.  Der Aufbau dieser Vernetzung zwischen allen Leistungserbringern von der Kleinpraxis bis zum grossen Akutspital sowie die Gewinnung des Grossteils der Bevölkerung wird die Branche und den Gesetzgeber die kommenden Jahre fordern.

Wie sehen die Anforderungen an die IT im Spital aus?

Swiss CIO Summit - Domnique SchmidDie Spitäler kämpfen technologisch in der Regel auf einem ganz anderen Spielfeld. Die in anderen Industrien üblichen Instrumente und Regelwerke wie Master Data Management und Enterprise Architektur Management sind in fast keinem Spital implementiert; und wenn, dann nur in der IT ohne die Medizinal Technologien. Die Medizinal Produkte (Software und Hardware) sind in der Regel Insellösungen, welche normalerweise über die HL7 Schnittstelle angebunden werden. Die oft sehr komplexen Applikationswelten sind somit über Schnittstellen verbunden und erzeugen so eine ziemlich komplexe und inflexible Architektur, wo Informationen oft in Form unstrukturierter Daten oder Bilder von System zu System übermittelt werden. Ein grosses Handlungsfeld ist daher die Vernetzung die Systeme in einer Art, so dass die Daten analytisch je nach Bedarf und Adressat ausgewertet werden können. Dadurch wäre eine Patientensicht, ein Einsatzplan eines Arztes, die Belegung von Spitalbetten und Operationssälen künftig integriert und ohne Redundanzen durch klassische Datenanalyse erstellbar und müsste nicht aus verschiedenen System in Form von PDF’s idR händisch zusammengestellt werden.
Weiter ist die Papierakte noch in vielen, vor allem ambulanten, Prozessen üblich und weit verbreitet, diese gilt es natürlich durch eine digitale Akte zu ersetzen.
Auch Netzwerke und Kommunikationstechnologien sind oft nicht auf dem neusten Stand. Viele Häuser arbeiten noch mit Dect Telefonie und nutzen das Fax noch intensiv.
Die Anforderung an die IT ist somit, die Basis technologisch für die Digitalisierung zu legen und gleichzeitig sich zum Enabler für die Digitalisierung zu wandeln. Der Enabler ist eher im Sinne des Changemanagers zu verstehen, der die für die Digitalisierung nötigen Prozesse mit den Nutzern festlegt und die geeignete technologische Unterstützung unter Berücksichtigung der Gesamtarchitektur wählt.
Daneben braucht es natürlich den Austausch mit anderen Gesundheitseinrichtungen, den Medizinalprodukte-Hersteller und sowie den Start-up Firmen, damit Trends und Neuerungen in die aktuellen Fragestellungen als Lösungsansätze aufgenommen werden können.

CIO Summit 2019 - Talente bewegen

Was bedeutet das für Ihre Aufgabe als CIO und die IT-Mitarbeiter?

Für mich bedeutet dies, dass meine Hauptaufgabe neben der Entwicklung der IT vom Dienstleister zum Enabler auch in der Entwicklung des Verständnisses für die nötige Transformation im Unternehmen besteht. Konkret geschieht dies über die Implementierung von Projektportfolio Management als Führungsprozess, sowie dem Projekt- und dem Prozessmanagement. Ist diese Basis mal geschaffen, muss auch methodisch die Zusammenarbeit von abteilungsspezifischen Projekten in Richtung interdisziplinäre Zusammenarbeit aufgebaut werden. Dies ist eine Aufgabe, die jeder Mitarbeitende aus meinem Geschäftsbereich in seinen Projekten mit den Projektmitarbeitern erarbeiten muss. Wir haben beispielsweise gerade unseren Medikationsprozess „end2end“ im ganzen Hause erfasst. Es ist erstaunlich, was diese klassische Arbeit – so wie sie grundsätzlich in fast jedem Prozesslehrbuch beschrieben ist – in der Spitalwelt an neuen Perspektiven eröffnet.

Was macht die Aufgabe eines modernen CIO aus?

Die Aufgabe besteht im Vorwärtstreiben der Veränderung des Geschäftsmodelles oder wenigstens der Arbeitsweise (Prozesse) im Unternehmen. Im Gesundheitswesen gehören dazu auch das Schaffen der Voraussetzungen für die Digitalisierung sowohl in den Technologieabteilungen, als auch in den Fachbereichen. Er sollte eine einfache Vision vorleben und die Strategie zu deren Erfüllung formulieren können. Im Claraspital ist die Vision „wir sind ein digitales Spital“ und das Motto der Strategie für die IT „wir ermöglichen den Umbau in ein digitales Spital.“

Welche Fähigkeiten sind dafür entscheidend?

Der CIO ist ein klassischer „general manager“, der eine breite betriebswirtschaftliche und technische Ausbildung und Erfahrung hat. Er kann konkrete Ziele setzen und verfolgen, Budgets einhalten und gleichzeitig mit gesundem Charisma die Vision im Unternehmen verwurzeln. Er ist ein erfahrener Changemanager und in der Lage, die nötige Veränderung auch im Geschäftsleitungsgremium zu bewirken. Ein guter CIO ist somit ein guter Peoplemanager.

Welche 3 Technologien sollte man als CIO im Auge behalten?

Ein CIO sollte sich nicht beschränken. Die aktuell prägenden Technologie-Entwicklungen im Zusammenhang mit seiner Industrie kommen sowieso im 24-Stunden Takt in den Fachartikeln und Fachforen vor. Sei es nun IOT, Blockchain oder Robotics und AI, alle Themen können wichtig sein. Ein guter CIO hat das Gespür, welchen Spezialisten er zu einem Thema zuziehen muss, damit modernste Lösungen entstehen. Natürlich muss ein CIO verstehen, welche Veränderungen in der Industrie aufgrund von Technologien möglich sind.

Was bedeutet der CIO AWARD für Sie? Warum ist wichtig, IT-Manager vor den Vorhang zu holen, die aktiv die Digitalisierung von Unternehmen in die Hand nehmen?

Der CIO Award bedeutet für meine Branche, das Claraspital und mich die Anerkennung des grossen Einsatzes, der jeden Tag geleistet wird, um die Technik zu Wohle unserer Patienten und zur Erhöhung seiner Sicherheit zu nutzen. Wir arbeiten täglich dafür, dass wir trotz Kostendruck jedem Patienten eine immer bessere Behandlung für seine Beschwerden zukommen lassen können. Es ist eine Auszeichnung für die Branche, die zum Ziel hat, Leben immer ein bisschen lebenswerter zu machen.

Treffen Sie Dominique Schmid und knapp 200 weitere hochkarätige IT-Manager beim 8. Confare Swiss CIO SUMMIT in Zürich und sein Sie dabei, wenn die Schweizer IT-Manager des Jahres gekürt werden.

 

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