Digitalisierungsstrategie “Schule 4.0” – wie die IT neue Formen von Lehren und Lernen schaffen kann! #TopCIO Heidrun Strohmeyer, BMB

by Annecilla Sampt

10 Jahre CIO AWARD – wir nutzen den Anlass um österreichische IT-Manager auf die Bühne zu holen. Heidrun Strohmeyer leitet die IT im Bundesministerium für Bildung und stellt sich dort den Herausforderungen, die die Digitalisierung für die Schulen mit sich bringt. Daher wurde sie 2017 als #TopCIO ausgezeichnet.

Mit welchen Veränderungen ist das Bildungswesen in Österreich konfrontiert?

Die Digitalisierung stellt die Schulen vor große Herausforderungen. Sie müssen die jungen Menschen auf die Zukunft best möglich vorbereiten, sodass sie in einer digitalen Welt bestehen und ein selbstbestimmtes und erfülltes berufliches und privates Leben führen können. Dafür sind umfassende digitale Kompetenzen erforderlich. Dieses Wissen und die notwendigen Fertigkeiten umfassen informatische Grundkenntnisse genauso wie den kritischen und reflektierten Umgang mit der Technik. Man muss Informationen suchen, finden und bewerten können, aber auch Standardsoftware für den beruflichen Einsatz beherrschen.
Das alles stellt auch hohe Anforderungen an die österreichischen Lehrkräfte. Sie müssen selbst über entsprechendes Wissen verfügen, um diese Kompetenzen vermitteln zu können, und sie sollen darüber hinaus die digitalen Medien auch im Unterricht pädagogisch sinnvoll einsetzen. Eine gute Ausbildung in IT-Didaktik ist daher unerlässlich.
Die Grundvoraussetzung dafür ist eine gut ausgebaute und funktionierende IT-Infrastruktur an den Schulstandorten. Auch digitale Lernmaterialien und Tools stehen zunehmend zur Verfügung und können durch Interaktivität und individuelle Lernpfade den Lernprozess verbessern und die Motivation steigern.
Wir haben daher im Auftrag von Bildungsministerin Sonja Hammerschmied unter dem Titel „Schule 4.0“ eine eigene Digitalisierungsstrategie entwickelt und bereits mit der Umsetzung von verschiedenen Maßnahmen begonnen. Die digitale Grundbildung wird in den Lehrplänen der Volksschule und der Sekundarstufe verankert und in der Aus- und Weiterbildung der Lehrkräfte werden spezielle Schwerpunkte gesetzt.

Welche Rolle spielt IT bei Innovationen?

Die Informationstechnologien können, wenn sie bewußt und sinnvoll eingesetzt werden, neue Formen des Lehrens und Lernens sehr gut fördern. Der Unterricht kann – beispielsweise durch den Einsatz von Smartphones – anschaulicher und interessanter gestaltet werden. Auch die Kreativität wird durch die Möglichkeiten, die die Technologie bietet, angeregt.
Neue pädagogische Settings wie etwa das Flipped Classroom Prinzip bringen Innovationen direkt ins Klassenzimmer. Durch digitale Lernmaterialien kann der Lernprozess personalisiert werden. Die Lernenden bekommen unmittelbares Feedback, der Lernfortschritt wird sichtbar und ermöglicht individuelle Förderung.
Auch in der Lehrerbildung bieten die Technologien eine Reihe von Innovationen, beispielsweise in Form unserer virtuellen pädagogischen Hochschule oder in innovativen Peer-Learning Projekten in unserem eEducation Schulnetzwerk, wo Expertschulen neue Schulen ins Boot holen und zeigen, wie IT im Schulalltag gut eingesetzt wird. Wir haben unlängst auch unser erstes Education Innovation Studio an der pädagogischen Hochschule in Wien eröffnet. Da kann der spielerische Umgang mit Technik und informatischer Bildung in Form von Coding praktisch ausprobiert werden.

Wie hat sich Ihre Rolle als CIO in den letzen Jahren verändert?

Durch die Digitalisierung hat die Funktion an Bedeutung gewonnen und die Anforderungen sind sicher höher als früher. Was ich persönlich sehr erfreulich finde, ist dass die IT so wirklich in den gesamten Entwicklungs- und Reformprozess des Bildungswesens als wichtiger Bestandteil integriert ist. Das Bewusstsein für die Bedeutung der digitalen Technologie ist gestiegen. Unsere Strategie Schule 4.0 ist mittlerweile auch im neuen Programm der Bundesregierung verankert. Das bedeutet für alle Beteiligten Personen eine große Verantwortung bei der Umsetzung und mein Team und ich sind sehr motiviert und mit Freude bei der Arbeit. Die Anerkennung unserer Tätigkeit ist im Moment sehr hoch und IT ist als strategischer Fachbereich in der Organisation direkt unter politischen Führung verankert.

Frauen sind unter den österreichischen CIO eher spärlich vertreten- was ist anders, wenn eine Frau diese Rolle wahrnimmt?

Grundsätzlich besteht eigentlich kein Unterschied. Wichtig ist professionelles Management und gute Führung wie in anderen Fachbereichen. Manchmal ist die Aufteilung der Geschlechter in den Teams sehr unausgewogen und die Männer sind stark in der Überzahl. Da ist es wichtig darauf hinzuwirken, dass mehr Frauen technische Ausbildungen absolvieren und IT-Berufe ergreifen.

Was wären Ihre drei Ratschläge an Frauen, die eine CIO Rolle übernehmen?

Wichtig ist, unvoreingenommen und selbstbewusst an die Aufgabe heranzugehen und auf ein gutes Arbeitsklima in den Projektteams zu achten. Die Funktion ist eine strategische Schlüsselrolle in der Gesamtorganisation, die mit viel sozialer Kompetenz und guter Kommunikation wahrgenommen werden muss. Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen.

Was bedeutet der CIO AWARD für Sie?

Ich glaube, dass es besonders wichtig ist, die Leistungen der IT sichtbar zu machen. Eine funktionierende IT-Infrastruktur ist die Basis für Lernen und Arbeiten im digitalen Zeitalter. Oft ist die IT dann ein Thema, wenn etwas nicht funktioniert, umso bedeutender ist die Anerkennung der positiven Auswirkungen der IT. Die vielen interessanten und innovativen Aktivitäten und Projekte werden immer von engagierten Personen und Teams geplant und umgesetzt. Der CIO AWARD holt diese vor den Vorgang und gibt einen eindrucksvollen Überblick über die Leistungen der österreichischen IT-Landschaft. Vielen Dank!

Das 11. Confare CIO SUMMIT ist mit mehr als 360 IT-Managern, 80 Speakern und 40 Ausstellern der größte österreichische IT-Management Treffpunkt. Sein Sie dabei, wenn die besten IT-Manager Österreichs von einer hochkarätigen Jury und Staatssekretär Harald Mahrer ausgezeichnet werden.

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