Neben AMAZON bestehen? Ein mittelständischer Großhändler macht sich fit für das digitale Zeitalter

by Katharina Konstacky-Degasperi

Die Schukat electronic Vertriebs GmbH ist als mittelständisches Großhandelsunternehmen im direkten Mitbewerb mit AMAZON. Thomas Reichmann und Johannes Schukat sind überzeugt – nur mit perfekten Abläufen kann man in Bezug auf Kosten, Innovation und Kundennähe mit den digitalen Giganten mithalten und für den Kunden relevant bleiben. Dafür wird die Art und Weise, wie das Unternehmen gesteuert wird mit digitalen Mitteln revolutioniert, was die Schukat electronic GmbH in den Augen der IDEAward-Jury zum Digital Explorer 2017 macht, den Confare in Zusammenarbeit mit EY und VOICE am 13. September 2017 in Köln bei der Konferenz “Be CIO” überreicht hat.

Wie sehr verändert die Digitalisierung die Art und Weise wie Unternehmen gesteuert werden?

Die Digitalisierung bedeutet für uns eine immer weitergehende und tiefgreifendere Integration von Software in alle Unternehmensprozesse und -abläufe, sowohl intern als auch extern. Software wird so zum zentralen Element der Unternehmensentwicklung. Für uns als Großhandelsunternehmen bedeutet dies, dass wir uns immer mehr von einem klassischen Großhandelsunternehmen zu einem IT-Unternehmen, das handelt, wandeln müssen. Dies impliziert aber ausdrücklich nicht, jedem Trend blind zu folgen. Vielmehr geht es darum, Kunden, Mitarbeitern und Lieferanten ein Partner zu sein, der das gemeinsame Arbeiten durch Innovation einfacher und besser macht. Nur wenn sich Dinge durch eine Partnerschaft langfristig verbessern, werden damit auch langfristige und nachhaltige Erfolge erzielt. Mitarbeiter und externe Stakeholder müssen zwingend bei diesem Transformationsprozess mitgenommen werden. Die neu geschaffene Transparenz soll nicht missbraucht werden (z.B. für persönliche Leistungsmessungen), sondern ausschließlich zur konstruktiven Verbesserungen der Abläufe genutzt werden.

Die Rollen und Stellen im Unternehmen ändern sich perspektivisch grundlegend, dies stellt eine besondere Herausforderung für die Mitarbeiter dar, sowohl auf persönlicher Basis als auch aus Sicht der benötigten Qualifikationen. Es muss zwingend zu einer Änderung der Arbeitsweise kommen, Mitarbeiter werden immer mehr zu Managern des eigenen Arbeitsablaufs. Es geht hierbei zentral um das Mangement der verantworteten Prozesse und Abläufe und weniger um die bisher übliche sequentielle Abarbeitung von Aufgaben. Im Fokus steht dabei weniger die permanente Kontrolle der Abläufe (dies erledigt die Software), sondern die Befähigung zur direkten und unmittelbaren Reaktion bei auftretenden Problemen.

Das hier vorgestellte Projekt steht exemplarisch für eine neue Art der Innovation, bei der weniger die Innovation selbst im Fokus steht. Vielmehr ist die Art und Weise der Optimierung selbst die Innovation.

Welche Erwartungen haben die Kunden?

Zentrales Thema für die Zufriedenheit unserer Kunden ist die Qualität des Lieferversprechens. Die Anforderungen sind dabei so heterogen wie unsere Kunden. Wir müssen mit unseren logistischen Prozessen in der Lage sein, von der Same-Day-Delivery über Next-Day-Shipping bis zur Just-in-Time Belieferung die komplette Bandbreite logistischer Anforderungen abzubilden. Hierbei ist es wichtig, im Spannungsfeld schneller Reaktionsgeschwindigkeit, niedrigen Preisen und permanenter Zuverlässigkeit bestmöglich zu agieren. Elementar ist außerdem, eine direkte und individuell auf den Kunden abgestimmte Absprache zu finden.

Darüber hinaus sind 100% Traceability vom Hersteller bis zum Kunden und eine niedrige RMA-Quote weitere Qualitätsmerkmale die von unseren Kunden erwartet und durch die Digitalisierung unterstützt werden. Vor allem in Bezug auf die RMA-Quote stellt das Projekt zukünftig eine Hilfe dar, da durch das Exception Handling diese weiter gedrückt werden kann.

Hinzu kommt die Implementierung und Schaffung neuer Services (logistische Zusatzdienstleistungen o.ä.) sowie die permanente Verbesserung und Optimierung der angebotenen Dienstleistungen.

Worum ging es bei dem eingereichten Projekt?

Als Großhändler bewegen wir uns auf nahezu vollständig transparenten Märkten. Wenn aber auf unseren Märkten totale Transparenz herrscht, stellt sich die Frage wie wir es schaffen, diese auch im Unternehmen zu erreichen? Ziel des hier vorgestellten Projekts war genau dies zu erreichen. Da sich Großhandelsunternehmen nur schwer über Produktinnovationen von ihren Wettbewerbern hervorheben können (wir erfinden leider morgen kein neues iPhone oder ähnliche Gadgets) ist die permanente Optimierung der und die Kontrolle über die ablaufenden Unternehmensprozesse essentiell für den Wettbewerbserfolg unseres Unternehmens. Prozessmanagement ist daher ein zentrales Zukunftsthema für unsere künftige Unternehmensentwicklung. Wir wollten weg von weg von “gefühlten” Problemen, hin zur Lösung echter Probleme, also letztlich die Objektivierung von “Bauchgefühlen” erreichen. Unternehmensabläufe in den zentralen Funktionsbereichen des Unternehmens (Vertrieb, Einkauf, Logistik) sollten daher in allen Schattierungen sichtbar gemacht und die daraus resultierenden Erkenntnisse zu einer Optimierung derselbigen genutzt werden. Ziel war, Prozesse, die nicht wie geplant ablaufen, frühzeitig zu erkennen, um dementsprechend schneller auf Abweichungen reagieren zu können. Darüber hinaus sollen eine permanente Optimierung und Qualitätssicherung der überwachten Prozesse gewährleistet werden und das Potential für mögliche Prozessinnovationen gehoben werden. Daneben sollte durch das Projekt die Grundlagen für die Implementierung eines Risikomanagementsystems geschaffen und die Umsetzung von Compliance Anforderungen erleichtert werden.

Welche Perspektiven/Next Steps sehen Sie?

Die nächsten Schritte sind ein immer weitergehender Einsatz und die Nutzung von Echtzeitdaten sowie die umfassende Integration des Prozessminings in den Arbeitsalltag unserer Mitarbeiter.

Ziel ist es, weg von der Totalüberwachung der Abläufe hin zu einem echten Exception Handling zu kommen, sprich der Mitarbeiter bekommt die für ihn relevanten Abläufe und Abweichungen direkt auf den Schirm, der Filtervorgang auf das Wesentliche und Relevante und die Priorisierung der Aufgaben wird automatisiert vom System übernommen und das von den Mitarbeitern zu sichtende Datenaufkommen dadurch signifikant reduziert, während die betrachtete Datenmenge steigt.

Für 2018 wird in unserer Logistik erstmalig ein automatisiertes Lagersystem in Betrieb genommen. Dabei handelt es sich um ein innovatives Shuttle-System der österreichischen Firma Knapp. Im Zuge dessen werden wir die Integration echter Maschinendaten (aus dem Knapp Shuttle) in das Celonis-Process-Mining-System umsetzen.

Was bedeutet der IDEAward für Sie? Warum ist es wichtig, erfolgreiche Projekte vor den Vorhang zu holen?

Aus unserer Sicht ist es wichtig, erfolgreiche Projekte deshalb vor den Vorhang zu holen, um anderen Unternehmen die Möglichkeit zu bieten, im Sinne eines Best-Practice-Ansatzes von uns zu lernen. Auch erhoffen wir uns, dass andere Unternehmen dies daraufhin auch tun, damit wir mit diesen in einen regen und fruchtbaren Austausch über Unternehmensprozesse treten können, um auch bei uns noch nicht angezapfte Potentiale zu entdecken. Für uns gilt es aufzuzeigen, dass auch kleinere Unternehmen Innovationsführer sein können und so ihre Relevanz und ihren Bestand am Markt nachhaltig sichern können. Wir denken, dass gerade kleinere Unternehmen mit ihrer Agilität und Flexibilität schneller und freier Innovationen umsetzen können und hier einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber größeren Marktteilnehmern besitzen. Unsere Erfahrung ist, dass sich Mut zur Innovationen lohnt und in der betrieblichen Praxis schnell Erfolge zu erzielen sind. Außerdem halten wir die Vernetzung mit Partnern für außerordentlich wichtig, Prozessmanagement (wie wir es verstehen) endet nicht am Unternehmenstor.

Natürlich spielen für uns auch Faktoren wie das Zeigen von Marktrelevanz, Erhöhung unserer Bekanntheit und die Anerkennung unserer Ideen/Botschaft eine relevante Rolle.

Wir würden uns daher über den IDEAward als Anerkennung für unsere Arbeit freuen und ihn als Zeichen verstehen, dass wir mit unseren Innovationsansätzen auf dem richtigen Weg sind.

Auch 2018 geht die Suche weiter: Mit dem IDEAward 2018 zeichnen wir Unternehmen aus, die sich erfolgreich den Herausforderungen der digitalen Transformation stellen.

Erfahren Sie am 18. Oktober 2018 auf der Confare Konferenz “BeCIO” in Frankfurt am Main, wer den IDEAward entgegennimmt und treffen Sie rund 100 hochkarätige Teilnehmer aus unterschiedlichen Branchen. Die Teilnahme ist für Anwender, CIOs und IT-Manager kostenlos.

Mit welche digitalen Riesen müssen Sie sich auseinandersetzen?

Was sind Ihre Erfolgsfaktoren im Wettbewerb?

Ebenfalls interessant:

Das Confare-Seminar:
Distribution und Führung – Management Maximen für das digitale Zeitlater

Die Digitalisierung bringt nicht nur Chancen, sondern auch Herausforderungen mit sich. Lebenslanges Lernen darf nicht länger nur Schlagwort sein, sondern muss vom „digitalen Menschen“ gelebt werden

0 comment

Für Sie ausgewählt

Leave a Comment

LinkedIn
Share