Wenn sich alles plötzlich verändert: Enterprise Architecture Management ist die Leitplanke

by Julia Hübsch

Nino Messaoud ist als CDO beim Maschinenbauer Barry-Wehmiller davon überzeugt, dass IT mehr ist als eine Support Funktion. Business Enabler, strategischer Gestalter, sind maßgeblich am Wandel beteiligt, so möchte er die Rolle der IT verstehen. Die IT hat die einmalige Möglichkeit Kosten durch Automatisierung & Prozessautomatisierungen zu senken, neue Umsätze zu erwirtschaften (durch digitale Angebote an Kunden) und das Unternehmen deutlich vom Wettbewerb zu distanzieren. Doch wie ist das möglich, wenn sich Technologie, Märkte und Umwelt ständig verändern? Nino sieht die Lösung in einem Enterprise Architecture Management, das sowohl künftige Anforderungen als auch das aktuelle Tagesgeschäft unterstützen kann, betont er im Interview im Vorfeld des kommenden Confare Factsheets rund um EAM in Zusammenarbeit mit SparxSystems.

Wie sehen Ihre Erwartungshaltungen an das EAM aus? Was bringt EAM in der Praxis?

Eine gute Enterprise Architektur ist das Bindeglied zwischen den Business- und den IT-Anforderungen. Im Idealfall deckt diese sowohl die heutigen (daily business)- als auch die zukünftigen Anforderungen (Skalierung, Internationalisierung, Belastung usw.) ab. Eine gute Enterprise Architektur ist Pfad und Leitplanke, auf welchem sich die IT – speziell im Hinblick auf die Digitale Transformation – sanft weiterentwickeln kann und muss. Dabei sichert die Architektur die SANFTE Transition und vermeidet den Big Bang! Und ganz wichtig: Eine gute Architektur unterstützt den stetigen Wandel der Anforderungen und vermeidet „Rückbauen“ & Fehlentwicklungen.

Die Covidkrise hat viel verändert – Die Analysten von Gartner sind der Ansicht die Bedeutung des EAM sei dadurch deutlich gestiegen? Sehen Sie das ebenfalls so?

Absolut Ja, nur wird das leider selbst in der IT sehr oft nicht – oder falsch – verstanden. Wenn Covid doch eines lehrt: Dinge verändern sich … was gestern noch undenkbar war, ist Morgen Realität. Ergo benötige ich eine Architektur – das RÜCKGRAT aller zukünftigen Prozesse & Anforderungen – welche schnell reagieren kann, OHNE immer wieder alles bisherige komplett in Frage stellen zu müssen.

Wie wichtig ist EAM wenn es um die Digitale Transformation des Unternehmens geht?

Essentiell wichtig. Wie will ich ein gutes, sicheres Haus bauen, wenn das Fundament bereits alt & marode ist? Wenn ich ein Haus baue, dann interessieren mich doch nicht zuerst die Geranien auf dem Balkon im ersten Stock, sondern das Fundament und die Architektur, denn ich will ja auch nicht durch 50 Zimmer laufen, um ins Bad zu gelangen. Ergo muss alles stimmig sein! Die Architektur muss mir die Sicherheit geben, dass auch zukünftig das Haus um- und ausgebaut werden kann, ohne das ich große Teile einreißen muss. Analog verhält es sich mit IT-Architekturen. Niemand weiß genau, was ggf. die Anforderungen in n Jahren sind, aber aus Investitionsschutzgründen und um das Tages- und strategische Geschäft optimal zu unterstützen, brauche ich einen stabilen- aber sehr flexiblen Rahmen. Ergo muss alles stimmig sein!

In welcher Form spielt EAM in Ihrer Organisation eine Rolle und wie ist es organisatorisch verankert?

Sehr wichtig! Wir haben bewusst einen Architektur-Stack gewählt, der die folgenden Dinge ermöglicht:

    • Unterstützung des AKTUELLEN daily business unter Einbeziehung der Bestands-IT
    • Modulares Konzept um eine Transition hin zu den zukünftigen Anforderungen zu gewährleisten
    • Hohe Skalierungsfähigkeit, Multi-Language Support und Device-Unabhängigkeit, Hohe Sicherheit
    • Berücksichtigung von BUSINESS- und IT-Anforderungen zu gleichen Teilen

Welche Rollenbilder und Aufgaben gibt es rund um EAM?

Das ist in hohem Maße vom Setup abhängig. Üblicherweise benötige ich zuerst einen Business-, Software- und Daten-Architekten. Bewege ich mich jedoch im Umfeld von Low-Code bzw. No-Code Plattformen, dann tritt der Business-Architekt (Prozess-Sicht) mehr in den Vordergrund. Wichtig ist m.E. von Beginn an das Zusammenspiel zwischen Business- und IT um nicht an den aktuellen- und zukünftigen Anforderungen „vorbei“ zu planen.

Was macht einen Enterprise Architekten aus? Welche Fähigkeiten muss er mitbringen? Welches Know-how ist entscheidend?

Business- und IT verschmilzt immer mehr. Ein guter Architekt muss sowohl die Business- als auch die IT-Anforderungen VERSTEHEN und BEWERTEN können. Idealerweise bringt er noch den „Blick von außen“ mit, um Anforderungen nach „Wirksamkeit“ und „Make or Buy“ bewerten zu können. Ein guter Architekt ist der Mediator- und das Bindeglied zwischen dem Business- und der IT. Idealerweise hilft er dem Business, die zukünftige Vision zu entwickeln und hilft bei der Planung der Implementierungs-Roadmap um vom IST-Zustand zum „Big Picture“ zu gelangen ohne das eine- oder das andere zu gefährden. Darüber hinaus blickt ein guter Architekt auch in andere Branchen und Firmen um nicht den Blick „über den Tellerrand“ zu verlieren und um neue Impulse zu erhalten.

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