Raus aus dem Elfenbeinturm! Enterprise Architecture Management gehört in den Driver Seat

by Fernando Ducoing

Als Global Head of IT Technology Strategy & CTO BI X sieht Clemens Utschig-Utschig Enterprise Architecture Management als besonders wichtigen Faktor für die Digitale Transformation des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim. Im Rahmen unserer Blogreihe über EAM in Top Unternehmen hat er uns verraten, was diese Rolle den „Master Buildern“ abverlangt und was sie in der Praxis beitragen können.

Wie sehen Ihre Erwartungshaltungen an das EAM aus? Was bringt EAM in der Praxis?

Abhängig davon, wie gut Enterprise Architecture Management in der Organisation ausgebaut ist, schafft sie IT-Transparenz und deckt mögliche Lücken gleich vom Start weg auf. Ein reaktives EAM ist mehr auf der Reporting Seite verhaftet und kann einen Überblick verschaffen, wie gut die Landschaft unter Kontrolle ist. Sie hilft aktiv technische Schulden abzubauen. Ein aktives EAM dagegen generiert aus den vielen Daten und Trends, Ideen für Verbesserungen in der IT und im Business. Beide Varianten sind gut. Zum Erfolg des EAM tragen jedoch maßgeblich die Balance und die Reife der Organisation bei.

Die Covidkrise hat viel verändert – Die Analysten von Gartner sind der Ansicht die Bedeutung des EAM sei dadurch deutlich gestiegen? Sehen Sie das ebenfalls so?

Clemens Utschig-Utschig: Enterprise Architecture Management gehört in den Driver Seat

 

Das ist enorm abhängig vom Geschäftsmodell der Branche und nicht zuletzt auch vom Unternehmen. Einige Unternehmen waren gut aufgestellt, auch auf technologischer Seite. Boehringer Ingelheim hat zum Bespiel 40+k Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt, ohne nennenswerten Ausfälle – denn wir waren richtig gut vorbereitet. Wo ad hoc neue Geschäftsmodelle benötigt werden, können Architekten bei der Definition und der schnellen Implementierung sicherlich sehr viel beitragen.

Die Zeit von Elfenbeintürmen ist auf jeden Fall vorbei – Architekten, Master Builder, müssen in den driving seat rutschen und nicht reaktiv auf Aufträge etc. warten, oder einfach nur Daten einsammeln.

Wie wichtig ist EAM wenn es um die Digitale Transformation des Unternehmens geht?

Es gibt immer eine Architektur, im Zweifelsfall als Ergebnis vieler Projekte. Wie zukunftsträchtig sie ist, wie erweiterbar und wie offen für den schnellen Verbrauch im Rahmen der Digitalisierung, hängt von den Architekten im Unternehmen ab.

In welcher Form spielt EAM in Ihrer Organisation eine Rolle und wie ist es organisatorisch verankert?

Jeder funktionale Tower hat seine eigene Architektur – die Chefarchitekten kommen im Architecture Board zusammen – um eine kohäsive Architekturplattform für das Unternehmen zu bauen. Prozesse die Anwendungen und Projekte durchleuchten, Standards durchsetzen wie auch im Krisenmanagement helfen, sind das Rückgrat unserer Architektur-Funktionen.

Welche Rollenbilder und Aufgaben gibt es rund um EAM?

Es gibt bei uns unterschiedliche Bilder – einmal sehr lösungsnahe (das sind die Lösungs-Architekten) und einmal auf Tower/funktionaler Ebene, diese sind für die gesamte Tower (z. B. M&S) Architektur verantwortlich.

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Was macht einen Enterprise Architekten aus? Welche Fähigkeiten muss er mitbringen? Welches Know-how ist entscheidend?

Das hängt sehr stark vom Aufgabengebiet ab. Es gibt Architekten, die langjährige, harte Technologieerfahrung mitbringen und andere, die aus dem Business kommen, wie z. B. Consultants oder Analysten. Wichtig ist der Wille zu lernen und zu bauen – der Begriff Architekt kommt aus dem Griechischen, archi / tekton – master builder. Bauen kann man an allen Ecken, an den Informationen, Geschäftsmodellen, Prozessen wie auch auf Seiten der Technologie.

Was sind die schlimmsten Fehler und Missverständnisse, wenn es um EAM geht und wie kann man sie vermeiden?

Einen Papiertower zu bauen ohne Impact. Die Mission des EAM-Teams sollte sauber mit den Stakeholdern abgestimmt sein, schlussendlich haben Architekten in den wenigsten Fällen operative Linienverantwortung – d.h. auch keinen hierarchischen Durchgriff. Viel läuft über Hebel an kritischen Prozesspunkten.

Welchen Impact hat EAM auf die Kommunikation in und über Abteilungs- und Unternehmensgrenzen hinaus?

Leute zusammenzubringen, eine gemeinsame Sprache verwenden, die Zukunft gemeinsam bauen, und vor allem Fehler früh vermeiden.

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