ERP und Innovation bei Steyr Arms – auf das ERP Team kommt es an

by Annecilla Sampt

Auf dem Confare Event „INNOVATIVE CIO“ haben wir gemeinsam mit hochkarätigen IT-Managern im Rahmen einer Creative Innovation Session die Frage diskutiert: „Wie kann ERP Innovation im Unternehmen unterstützen?“ Beinahe wäre die Diskussion gescheitert, denn relativ schnell war man sich einig: ERP, so wie es jetzt in den Unternehmen gehandhabt wird, ist eher hinderlich für Kreativität und Innovation. Als Schnittstelle zwischen Business und IT, als digitale Drehscheibe im Unternehmen, sollte das ERP aus unserer Sicht jedoch eine andere Rolle spielen. Im Bloginterview mit Michael T. Sander, Geschäftsführer von proALPHA Software Austria GmbH, hält er naturgemäß dagegen, schließlich will man sich nicht als Hersteller einer Innovationsbremse sehen. Für den Reality Check haben wir dann aber auch beim Kunden nachgefragt. Walter Hölblinger ist als CIO von Steyr Arms gefordert, den Expansions- und Innovationskurs des Unternehmens mit IT zu unterstützen. Welche Rolle spielt das ERP dabei? Was sind die entscheidenden Faktoren …

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ERP und Innovation werden von vielen erfahrenen IT-Managern als Widersprüche gesehen – muss das so sein?

Ich denke, dass der Widerspruch gar kein so starker ist wie man auf den ersten Blick meinen möchte. Um dies zu beantworten, muss ich ein wenig ausholen. Ein ERP System ist in vielen Unternehmen ein sehr robustes aber zugleich auch behäbiges um nicht zu sagen träges, Software Rückgrat. Ein ERP System ist also de facto nichts, was man primär mit Innovation in Verbindung bringen würde. Sehr oft werden dabei aber zwei Dinge übersehen: Erstens: Für Innovation braucht es ERP als solide Basis und Zweitens: alle gängigen ERP Systeme entwickeln sich gerade Richtung Innovation und Agilität. Der Unterbau bleibt dabei meistens gleich, aber es gibt nun viel mehr Möglichkeiten um Innovation gezielt voranzutreiben. Um es bildlich zu beantworten, auch ein Auto ist von außen seit Jahrzenten ein stupides Transportmittel, aber die technische Ausstattung hat sich massiv verändert. Ähnlich verhält es sich bei vielen ERP Systemen.

Plattform getriebene Geschäftsmodelle verändern die Wirtschaft – welche Anforderungen bringt das für ERP-Lösungen?

Die Anbieter von ERP Systemen dürfen sich der Veränderung des Marktes nicht verschließen. Sie müssen mit ihren Systemen und Lösungen dort sein, wo der Kunde Bedarf hat. Als Anbieter wird man an den „neuen Standards“ gemessen, die durch die Digitale Transformation vorgegeben werden.

Kunden erwarten die gleiche Annehmlichkeit und Leichtigkeit die sie von Cloud und App Lösungen gewohnt sind. Auch wenn ein ERP System dahinter viel komplexer ist. Hier gilt es für einen ERP Hersteller eine Kombination zu schaffen. Eine Kombination aus einer stabilen Software, einer Backbone Lösung, die das Datenrückgrat eines Unternehmens darstellt und gleichzeitig die Vorzüge dieser neuen App Lösungen bietet.

Ich kenne einige ERP Hersteller die sich bis vor kurzem noch gegen Cloud und Mobile Devices gewehrt haben. Nach dem Motto „Wir sind ein ERP System und keine x-beliebige App“. Einige dieser Hersteller haben mittlerweile aber eine 180 Grad Wendung vollzogen und bieten nun einen Zugriff auf aggregierte Daten via Web Browser oder App an. Nur weil man ein Anbieter einer großen Lösung ist, darf man sich nicht vor der Veränderung des Marktes verschließen.

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Die klassische Trennung von Business und IT verliert dabei an Bedeutung. Welchen Beitrag kann das ERP an dieser Schnittstelle leisten?

Meme CIO Summit 2019 - Walter Hölblinger 2Diese besagte Trennung zwischen Business und IT war mir immer ein Dorn im Auge, denn wenn eine solche Trennung stattfindet, dann ist das zumeist auch gleichzeitig ein Zeichen, dass etwas grundlegend falsch läuft. Die IT und das Business stehen mittlerweile in einer sehr direkten Wechselwirkung zueinander: Ohne Business braucht es keine IT und ohne IT würde das Business nicht funktionieren. Um zukunftsfähig zu sein muss man deshalb permanent auf ein möglichst optimales Business Alignement achten. Eine sehr gute Lösung dafür wäre die Einführung eines Enterprise Architecture Managements (EAM), welches aber aufgrund der Unternehmensgröße in vielen österreichischen Unternehmen nicht praktikabel ist. Somit bedarf es also anderer Hilfsmittel um Business und IT noch stärker zusammenzuführen und genau da kann ein zeitgemäßes ERP System ein sehr hilfreiches Werkzeug darstellen.

Welche Aufgabe erfüllt Unternehmenssoftware bei Innovation und kreativen Entwicklungen? Welche technischen Möglichkeiten bieten ERP Lösungen dafür?

Wie bereits eingangs erwähnt bilden ERP Systeme meistens „nur“ das Fundament für Innovationen bzw. kreative Entwicklungen.  Immer öfter sehe ich aber, dass ERP Hersteller aus ihrem Dornröschenschlaf aufgewacht sind und nun selbst oder durch Kooperationen mit Forschungseinrichtungen gezielt Innovationen vorantreiben. Dabei ist ein weiteres Merkmal sehr erfreulich – die ERP Hersteller berichten offen über ihre Forschungskooperationen und versuchen gezielt mit ausgewählten Kunden diese neuen Möglichkeiten am Markt zu testen. Als ich damals (vor einigen Jahren) einen Fachartikel über einen mittelständischen ERP Hersteller und dessen erfolgreiche Versuche mit Google Glass gelesen habe, war mir klar, dass es nun auch in diesem Bereich zu einem massiven Innovationsschub kommen wird. Heutzutage bieten ERP Systeme viel mehr technische Lösungen als noch vor einigen Jahren. Wobei der Begriff technisch immer mehr in den Hintergrund gerückt ist, denn es zählt nicht mehr die Technik, sondern die angebotene Lösung für ein Problem.

Bei Steyr Arms passiert gerade rasante Veränderung – welche Rolle spielt dabei Euer ERP?

Das ist absolut zutreffend, derzeit finden bei Steyr Arms gerade viele innovative Entwicklungen parallel statt. Der Großteil davon betrifft direkt oder indirekt die IT. Durch diese rasanten Veränderungen gibt es zwei zusätzliche Hauptanforderungen an unser ERP System:

Auf der einen Seite muss es eine solide Plattform für die Abwicklung unserer Kernprozesse und somit die Basis für die darauf aufbauenden, digitalen Innovationen darstellen. Auf der anderen Seite muss das ERP System aber auch selbst einen hohen Grad an Flexibilität aufweisen. Erst dadurch wird es möglich, dass das ERP System nicht nur mithält, sondern diese auch optimal unterstützt. An diesem Punkt möchte ich aber auch darauf hinweisen, dass es nicht nur auf das ERP System selbst, sondern ganz wesentlich auch auf das dazugehörige ERP Team, sowohl intern als auch extern (Hersteller), ankommt. Denn nur durch die Kombination von alle diesen Punkten kann ein ERP System einen zeitgemäßen, den Anforderungen gerecht werdenden Mehrwert liefern.

Nach welchen Kriterien sollte man ein ERP auswählen, das fit für Digitalisierung, Agilität und Innovation ist?

Zuerst muss man sein Unternehmen und seine Prozesse kennen. Viele machen den Fehler, dass sie einfach verschiedene ERP Systeme miteinander vergleichen, ohne sich vorher Gedanken zu machen, was sie damit überhaupt erreichen wollen. Um ein zukunftsfähiges ERP System, welches die oben angeführten Punkte erfüllt, auszuwählen, würde ich auf jeden Fall empfehlen, dass man sich die Entwicklung des ERP Systems ansieht. Ich spreche dabei aber nicht davon wie viele Releases es gegeben hat, sondern wie sich das ERP System aufgrund der technologischen Veränderung entwickelt hat. Ein weiterer Faktor ist die Kooperation mit Forschungseinrichtungen und die Bereitschaft des ERP Herstellers neue Ideen aufzugreifen. Natürlich darf man dabei die beiden Eckpunkte der Kundenzufriedenheit und der Referenzstimmen nicht außen vorlassen. Auch wenn diese in Bezug auf Digitalisierung, Agilität und Innovation eine eher sekundäre Rolle einnehmen. Und zu guter Letzt sollte man immer auch ein wenig auf sein Bauchgefühl achten.

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