Europa hat kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem

by Bianca Bogad-Frey

Thorsten Schmiady - Europa hat kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem

Thorsten Schmiady ist Founder und Host des CIOspirit. Durch seine Einblicke in die Welt der IT-Entscheider:innen gibt er Aufschluss, welche Themen 2026 einen besonderen Stellenwert haben – von Digitalisierung bis zu politischen Veränderungen.

Welche Rolle spielen IT und Digitalisierung heute dabei, gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen zu bewältigen?

IT und Digitalisierung spielen heute eine zentrale, ja dominante Rolle. Nahezu alles wird digitaler – Prozesse, Geschäftsmodelle, Kommunikation, Machtstrukturen. Das eröffnet enorme Chancen, etwa bei Effizienz, Skalierung und Entscheidungsfähigkeit.

Gleichzeitig entstehen massive Risiken: Wenige Organisationen bündeln gigantische Datenmengen und werten sie zunehmend automatisiert mit KI aus. Das schafft Abhängigkeiten, Konzentration von Macht und im schlimmsten Fall Missbrauch.

Trotzdem bin ich Optimist. Nicht naiv, aber überzeugt: Wenn wir Technologie aktiv gestalten und Verantwortung übernehmen, überwiegen die Chancen deutlich. Wegducken oder Verteufeln hilft niemandem.

Wie nimmst Du die aktuelle wirtschaftliche Lage wahr, und welche Auswirkungen hat sie aus Deiner Sicht konkret auf Investitionen, Prioritäten und Erwartungshaltungen in der Unternehmens-IT?

Wir leben in einer Phase massiver Unsicherheit.

In Deutschland – und vermutlich ähnlich in Österreich – gewinnen radikale, demokratiefeindliche Parteien an Einfluss. Global erleben wir Autokraten, die offen versuchen, die Welt neu aufzuteilen. Und unser wichtigster Partner wird aktuell von einer Truppe moralfreier Wahnsinniger regiert. Das muss man nicht schönreden.

Diese Lage zwingt zu Fokus. Ich habe meine eigenen Investitionen in den letzten Jahren bewusst konzentriert: ein großer Teil breit gestreut und risikoarm, ein kleiner Teil gezielte Wetten und etwas „Spielgeld“ für außergewöhnliche, spannende Themen.

In der Unternehmens-IT sehe ich eine ähnliche Verschiebung. IT wird stärker als echter Business-Partner gesehen – insbesondere für CFOs, wenn es um bessere Analysen, Szenarien und Entscheidungen mit Hilfe von KI geht. Parallel bleibt Cybersecurity existenziell. Nicht neu, aber immer kritischer.

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Gemeinsam mit Lambert Sharwitzl und dem CIO der Stadt Wien, Klemens Himpele, werden wir diese Themen weiterdiskutieren, u.a. mit dem CIO der NATO, Manfred Boudreaux-Dehmer.
Viele Programm-Highlights finden Sie HIER. 

Was bedeutet das für Euer eigenes Unternehmen? Wo setzt Ihr 2026 bewusst Schwerpunkte?

Ich habe mehrere Beteiligungen und Beiratsrollen im IT-Umfeld, deshalb antworte ich bewusst übergreifend.

Was wir sehr klar sehen: Kunden wollen ihre IT gleichzeitig flexibler und kostengünstiger machen. Und zwar nicht in Hochglanzfolien, sondern in der Realität – im Maschinenraum. Genau das ist unsere DNA, und daran wird sich 2026 nichts ändern.

Bisher basieren viele Lösungen auf Technologien aus den USA. Das wird kurzfristig so bleiben, aber digitale Souveränität wird zunehmend strategisch relevant. Hinzu kommen Security, Resilienz und die Frage, wie man in diesem Umfeld die richtigen Menschen gewinnt und hält. In all diesen Feldern bin ich aktiv – über Beteiligungen oder starke Partnerschaften.

Die geopolitische Unsicherheit der letzten Jahre hat viele Abhängigkeiten sichtbar gemacht. Was braucht es, damit Europa daraus einen nachhaltigen Innovations- und Digitalisierungsschub entwickelt?

Wir müssen aufhören, in nationalen Grenzen zu denken.

Europa hat kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem. Die Dinge, die demokratische Parteien und Staaten im Detail trennen, sollten wir für den Moment ausblenden und uns auf das Gemeinsame konzentrieren.

Was mir oft fehlt, ist Mut. Mut zu kalkulierten Risiken, zu Geschwindigkeit, zu Entscheidungen. Ein bisschen mehr Unternehmerspirit würde Europa guttun. Weniger Bedenkenträgerei, mehr MACHEN.

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Gibt es technologische Entwicklungen, die 2026 den Markt tatsächlich prägen werden?

KI wird auch 2026 massive Auswirkungen haben – aber weniger als Show, mehr als Infrastruktur. Sie wird tief in Prozesse integriert sein und dort echten Mehrwert liefern oder eben gnadenlos entlarvt werden.

Darüber hinaus halte ich Robotik, autonome Systeme und darauf aufbauende Services für extrem relevant. Besonders großes Potenzial sehe ich im Healthtech-Bereich – gesellschaftlich wie wirtschaftlich.

Ich bin überzeugt: Die Welt in zehn Jahren wird sich deutlich stärker von heute unterscheiden als die heutige Welt von der vor zwanzig oder dreißig Jahren. Das Veränderungstempo steigt weiter – ob wir wollen oder nicht.

Zwischen Legacy-Systemen und moderner KI-Welt, Stabilität und Transformation, Innovationsdruck und Cybersecurity: Welche Ratschläge gibt es für CIOs, um in diesem Spannungsfeld Prioritäten setzen zu können?

Wenn ich sehe, was viele IT-Organisationen als Ausgangsbasis haben, frage ich mich ehrlich: Wie soll daraus ein modernes Digitalisierungspowerhouse entstehen? Zersplitterte Landschaften, historisch gewachsene Integrationen, explodierende Kosten.

Mein klarer Rat: Erst das Fundament in Ordnung bringen. Komplexität radikal reduzieren, Kosten senken, Stabilität schaffen. Und dann das freiwerdende Budget gezielt in Innovation stecken – statt Innovation auf ein marodes System obendrauf zu kleben.

Stabilität ist kein Gegner von Innovation. Sie ist ihre Voraussetzung.

Welche Rolle spielt Ihr dabei mit Euren Produkten und Dienstleistungen im CIO-Ökosystem?

Mein zentrales „Produkt“ ist der CIOspirit – eine nicht-kommerzielle Community von CIOs.

Ergänzend zu Formaten wie Confare verstehen wir uns als Raum für ehrlichen Austausch auf Augenhöhe – und das verbunden mit großem Spaßfaktor.

Unser Ziel ist es, CIOs mit relevanten Impulsen zu versorgen, sie miteinander zu vernetzen und sie ins Handeln zu bringen. Ohne Verkaufsagenda, aber mit Haltung.

Was bedeutet das Motto der Confare CIOSUMMITs 2026 – Digitale Schöpfung: Create. Inspire. Own. – für Dich persönlich?

Ich mag eure Mottos sehr, weil sie Haltung transportieren. Dieses hier trifft es besonders gut.

Create heißt für mich: aktiv gestalten statt verwalten.

Inspire heißt: Menschen mitnehmen, Perspektiven öffnen, auch Reibung zulassen.

Own heißt: Verantwortung übernehmen – für Entscheidungen, für Konsequenzen, für Wirkung.

Digitale Schöpfung ist für mich kein Technologiethema. Es ist eine Frage von Haltung.

 

Disclamer: Den Inhalt habe ich selbst geschrieben und mit Hilfe von KI stilistisch optimiert.

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