Confare ImpactAward Nominee Florian Duerr (Eberspächer) – Eigenverantwortung und Kompetenzaufbau als Fundament der KI-Transformation

In dieser Blogbeitrag-Reihe sprechen wir mit den Nominees des Confare ImpactAward – der Auszeichnung für IT-Entscheider:innen, die die IT in das Rampenlicht rückt. Unser heutiger Gast: Florian Duerr, VP AI & Digital Transformation bei Eberspächer. Er beschreibt, wie durch die Befähigung der Fachbereiche und eine neue Form der Zusammenarbeit aus technologischen Anwendungen gelebter Arbeitsalltag wird.
Ihre Stimme für die IT ist gefragt! HIER können Sie täglich für Ihre Favoriten beim Confare ImpactAward voten. Verliehen wird der Preis beim Confare CIOSUMMIT in Frankfurt. Freuen Sie sich auf inhaltliche Top-Beiträge von CIOs aus renommierten Unternehmen aus ganz Deutschland. Nähere Infos zum Event finden Sie HIER.
Warum ist KI für dich kein IT-Projekt, sondern eine Frage der Organisation und Führung?
IT-Projekte haben Anfang und Ende. Change hat keines.
Meine Aufgabe dabei ist im Kern ganz einfach: Menschen inspirieren – und ihnen dann vertrauen und den Weg ebnen. Wer einmal selbst erlebt hat, was KI für seine eigene Arbeit bedeutet, braucht keinen weiteren Anstoß. Er fragt weiter, probiert mehr aus und zieht andere mit.
Das lässt sich nicht ausrollen wie ein ERP-System. KI ist eine Führungsfrage – denn Inspiration und Vertrauen entstehen nicht durch Technologie allein.
Wie bringst du Spaß an KI in das Unternehmen? Wie nimmst du Mitarbeitende konkret mit, die KI skeptisch gegenüberstehen oder keinen Zugang finden?
Spaß an KI entsteht, wenn Mitarbeitende die Technologie selbst erleben – das ist der große Aha-Moment. Wir setzen auf niederschwellige Formate wie Promptathons, um Berührungsängste zu nehmen. Den Betriebsrat haben wir von Anfang an eingebunden.
Entscheidend sind der persönliche Mehrwert und etwas Humor: Im „Build-your-own-AI-Advisor“-Format bauen Mitarbeitende ihren eigenen digitalen Assistenten. Zum Einstieg arbeiten wir gerne mit digitalen Zwillingen berühmter Persönlichkeiten. Das macht das Thema greifbar.
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Was ist für dich der richtige Weg, KI nachhaltig in der Organisation zu verankern?
Zu Beginn sind Akzeptanz durch Kompetenzaufbau und schnell sichtbare Erfolge wichtig. Für die nachhaltige Verankerung müssen wir Prozesse neu denken, die Unterstützung des Managements sicherstellen und den Wandel verbindlich organisieren.
Die Enablement-Phase macht Spaß – dann kommt die harte Arbeit: Change-Management, Governance-Verankerung, Messbarkeit. Ohne diese zweite Phase bleibt KI ein Spielzeug. Mit ihr wird KI Teil des Arbeitsalltags.
Welche Auswirkungen hat der Umgang mit KI auf die Wettbewerbsfähigkeit eures Unternehmens?
KI stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit auf zwei Ebenen: Kurzfristig erzielen wir Kostenvorteile durch schnelle Adaption. Langfristig ist KI der Katalysator, um Prozesse radikal neu zu denken – und das brauchen wir in einer Branche, die mitten in einer Transformation steckt. Wer KI nur als Effizienzthema sieht, denkt zu kurz. Es geht um die Zukunftsfähigkeit des gesamten Unternehmens und darum, auf Augenhöhe mit Wettbewerbern zu bleiben, die Standortvorteile haben.
Welche Rolle spielen Community-Konzepte, wenn es darum geht, KI im Unternehmen zu verbreiten?
Community-Konzepte sind für uns zentral. Wir bringen motivierte Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen zusammen – das schafft Netzwerkeffekte und macht KI greifbar. Für mich ist wichtig, dass dies über das eigene Unternehmen hinaus geht: Der Austausch mit anderen Mittelständlern ist enorm wertvoll. Viele stehen vor ähnlichen Herausforderungen, lösen sie aber unterschiedlich. Genau daraus entsteht Innovation.
Wie gelingt der Schritt von ersten Tests hin zu skalierbaren KI-Anwendungen im operativen Geschäft?
Wir haben mit fünf ChatGPT-Lizenzen angefangen. Kein Mandat, kein Budget, keine ausgereifte Strategie. Heute nutzen über 2.000 Kolleginnen und Kollegen unsere GenAI aktiv – sieben Monate nach der Einführung und mit dokumentierten Einsparungen im Rücken. Neben Leuchtturmprojekten wie unserem Customer Service Agent sehe ich viel Potential in der kontinuierlichen Verbesserung von Prozessen. Aktuell arbeiten unsere Ambassadors an rund 70 Initiativen.
Der Weg dahin: Lösungen schnell zum Anwender bringen, auch wenn noch manuelle Schritte drin sind. Echtes Feedback holen. Weiterentwickeln. Denn wer zu lange im Elfenbeinturm entwickelt, baut an den Nutzern vorbei. Skalieren lässt sich nur, was im Alltag genutzt wird.
Welche Rolle spielen Vibe Coding, Low Code und Citizen Development in Eurer KI-Strategie?
In unserem Umfeld ist der IT-Experte – intern wie extern – oft der Engpass. Bei SAP-Anpassungen, bei Prozessautomatisierung, und bei vielen anderen Themen.
Wenn wir Fachbereiche befähigen, sich selbst zu helfen, lösen wir diesen Engpass. Das ist keine Theorie – wir sehen Kolleginnen und Kollegen, die sich nie als ‘technisch’ bezeichnen würden, und heute eigene Lösungen bauen.
Deshalb investieren wir viel in Schulungen. Nicht um die IT zu ersetzen, sondern damit die IT-Teams ihre Zeit für etwas Besseres verwenden können als Standardanfragen zu beantworten.
Wie organisierst du die Zusammenarbeit zwischen IT und Fachbereichen, damit KI wirklich Wirkung entfaltet?
Wir haben kein klassisches IT-Projekt. Wir haben eine neue Arbeitsteilung.
Fachbereiche übernehmen mehr Verantwortung: Sie kennen die Prozesse, sie definieren den Bedarf, sie testen. Die IT stellt dabei sicher, dass das Fundament stimmt: Infrastruktur, Sicherheit, Standards.
Meine Aufgabe ist an der Schnittstelle eine gemeinsame Sprache zu schaffen und die beste Lösung für Eberspächer zu finden. Das heißt nicht Verantwortung verschieben. Sondern: Jeder bringt seine Stärken ein und gemeinsam entsteht so ein Mehrwert für alle.
Wie viel gesellschaftliche Verantwortung trägt man als Führungskraft – und was bedeutet das für dich in der täglichen Praxis?
Für mich zeigt sich gesellschaftliche Verantwortung in Führung vor allem darin, ins Handeln zu kommen. Ich konzentriere mich auf das, was wir selbst verändern können: Menschen stärken, Entwicklung ermöglichen und unser Unternehmen zukunftsfähig aufstellen. Da Wissen durch KI immer leichter zugänglich wird, werden Eigenverantwortung, Lernbereitschaft und gute Führung noch wichtiger. Führung heißt für mich deshalb, die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, um diesen Wandel aktiv zu gestalten.
Welche Bedeutung hat der Confare ImpactAward für dich persönlich?
Die Nominierung ist eine Bestätigung für die Arbeit, die mein Team und ich bei Eberspächer leisten. In Zeiten der Transformation ist Fortschritt nicht immer leicht messbar. Umso schöner ist es, wenn unsere Arbeit auch außerhalb des Unternehmens wahrgenommen wird. Der Award ist Anerkennung und Ansporn zugleich – weiterzumachen, andere zu begeistern und eine spannende Zukunft zu gestalten.
Verliehen wird der Preis beim Confare CIOSUMMIT in Frankfurt. Freuen Sie sich auf inhaltliche Top-Beiträge von CIOs aus renommierten Unternehmen aus ganz Deutschland. Nähere Infos zum Event finden Sie HIER.


