„Ist kein kompetenter Herr da?“ Frauen als Exoten bei der IT-Ausbildung

by Fernando Ducoing

Seit vielen Jahren zeichnet Confare Digital Leaders und CIOs im DACH Raum aus. Die Anzahl von Frauen unter den Preisträgern ist erschreckend gering. Im Vorfeld der Confare #CIOAwards in Österreich und der Schweiz, sowie der Confare CIO Impact Challenge 2021 holen wir Role Models und Talente vor den Vorhang. Wir zeigen Chancen auf und bieten Karriere-Tipps von erfahrenen Top Managerinnen.

Jungen Frauen wird oft schon in der Ausbildung der Spass an der IT genommen. Barbara Berger hat sich nicht unterkriegen lassen. Sie ist Geschäftsführerin der KSD – dem Informatikunternehmen von Kanton und Stadt Schaffhausen und Mitglied des Confare CIO ThinkTanks in der Schweiz.

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Welche Bedeutung hat den gender diversity für ein Unternehmen? Welche Vorteile bringt ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis?

Barbara Berger: Gender Diverstity verleiht einem Unternehmen ein modernes, sympathisches Gesicht. Zudem haben gemischtgeschlechtliche Teams einen positiven Effekt auf die Innovationsfähigkeit von Unternehmen. Durch das verbreiterte Wertespektrum werden mehr Ideen eingebracht und vielfältige Standpunkte führen zu innovativeren Entscheiden. Gemischtgeschlechtliche Teams können sich gegenseitig motivieren, voneinander lernen und ihre Kund*innen besser verstehen. Dies wiederum erzeugt einen Wettbewerbsvorteil.

Die IT-Branche ist immer noch männlich dominiert. Ist es hier besonders schwer, als Frau Karriere zu machen?

Nein, ich denke, es ist nicht schwerer als anderswo.

Barbara BergerWie geht es Mädchen in der technischen Ausbildung?

Ich hoffe, es geht den Mädchen nicht wie mir anno dazumal. Ich fühlte mich stets als Exotin und wurde mit Fragen wie „Ist kein kompetenter Herr da?“ konfrontiert. Frauen waren damals vor allem in der Administration zu finden oder an Computer-Messen, wo sie dem neuen Gadget einen Hauch von Sex-Appeal verliehen. Das empfand ich immer als sehr diskriminierend.

Welche Bedeutung haben Role Models und Vorbilder?

Ich denke, es ist immer einfacher, die Welt zu verändern, wenn man jemanden sieht, der damit schon angefangen hat. In einer Microsoft-Studie habe ich gelesen, dass sich über die Hälfte der Mädchen mit Vorbildern eine Karriere in einem MINT-Beruf vorstellen können. Wenn man dem Glauben schenkt, dann haben Role Models und Vorbilder eine sehr grosse Bedeutung. Dazu eine persönliche Geschichte: An einer Management-Weiterbildung habe ich eine junge Frau kennengelernt. Seit letztem Jahr absolviert sie ein Informatikstudium und wir tauschen uns regelmässig aus. Nach unserem letzten Treffen erhielt ich folgende Nachricht: “Die Gespräche mit DIR sind bereichernd. Du bist eine Art Role Model für mich.“ Ich freute mich sehr darüber und bin stolz, dass ich für eine junge Frau ein Role Model sein kann.

Was sind denn Ihre 3 wichtigsten Tipps an junge Frauen, die in der IT oder in der IT-Branche Karriere machen wollen?

Frauen können MINT! Deshalb an sich glauben, Ziele setzen und nie den Spass an der Arbeit verlieren.

Wo gibt es denn aus Ihrer Sicht die größten Handlungsfelder in Unternehmen und in der Gesellschaft, um diese Situation zu verbessern?

Die Sensibilisierung für das Thema “Vielfalt in Unternehmen” vorantreiben und das Bewusstsein stärken, dass Diversity Management dem Unternehmen Wettbewerbsvorteile bringt. Zudem sollten Glaubenssätze wie “Männer eignen sich besser für technische Berufe” mit Erfolgsgeschichten von Frauen aus der Welt geschafft werden.

Welche Rolle spielen Mentoring und Coaching? Wo kann man sich Unterstützung suchen?

Mentoring und Coaching erachte ich als eines der Erfolgsrezepte bei der Förderung von Frauen, denn ein*e Coach unterstützt Frauen bei der Erreichung ihrer Ziele und ein*e Mentor*in steht ihr bei beruflichen Anliegen mit Erfahrungen und Ratschlägen zur Verfügung. Ich war einige Jahre Mentorin für Frauen in Führungspositionen und konnte miterleben, wie die Mentees über sich hinauswuchsen und erfolgreich waren. Eine sehr schöne Aufgabe, die mir grosse Freude bereitete. Eine solche Unterstützung kann man im beruflichen Umfeld, über sein persönliches Netzwerk oder über eine Internet Plattform suchen.

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