Petra Clemens (Eppendorf) – „Frauen bewerben sich nicht“ ist keine Ausrede

In dieser Blogbeitrag-Reihe sprechen wir mit den Nominees des Confare ImpactAward – der Auszeichnung für IT-Entscheider:innen, die die IT in das Rampenlicht rückt. Unser heutiger Gast: Petra Clemens. Sie ist Global CIO (SVP global IT) bei Eppendorf. Mit uns spricht sie über ihren Impact in der IT. Von Selbstwertaufbau bei Frauen bis hin zu Appellen an die Männer der IT.
Ihre Stimme für die IT ist gefragt! HIER können Sie täglich für Ihre Favoriten beim Confare ImpactAward voten. Verliehen wird der Preis beim Confare CIOSUMMIT in Frankfurt. Freuen Sie sich auf inhaltliche Top-Beiträge von CIOs aus renommierten Unternehmen aus ganz Deutschland. Nähere Infos zum Event finden Sie HIER.
Ist es heute überhaupt noch nötig, über Gleichberechtigung und Diversity zu sprechen?
Absolut.
Solange gleiche Leistung nicht zu gleichen Chancen, Gehältern und Sichtbarkeit führt, ist die Debatte nicht beendet.
Mich irritiert ehrlich gesagt, dass wir diese Frage überhaupt noch stellen. Fachlich sind wir längst auf Augenhöhe – strukturell aber noch nicht.
Deshalb ist meine Haltung klar:
Wir hören erst dann auf, über Gleichberechtigung zu sprechen, wenn sie kein Thema mehr ist.
Und ja – das bedeutet auch, dass Männer verstehen müssen, dass sie Teil der Lösung sind. Als Allies. Als Role Models. Nicht als Zuschauer.
Wie viel Platz hat Feminismus heute in der IT?
Mehr, als viele denken – und noch lange nicht genug.
Die IT ist nach wie vor stark männlich geprägt. Das beeinflusst Kommunikation, Entscheidungen und oft auch Prioritäten.
Feminismus bedeutet für mich nicht Abgrenzung, sondern Erweiterung:
mehr Perspektiven, bessere Entscheidungen, nachhaltigerer Erfolg.
Ein bisschen mehr davon würde der Branche nicht schaden – im Gegenteil.
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Was können Männer in der IT zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen – Welche Rolle spielen Male Allies?
Also erst einmal freue ich mich, dass schon viel mehr Männer erkannt haben, wie toll es ist mit Frauen zu arbeiten und wieviel erfolgreicher man dadurch ist. Da ist wirklich schon einiges passiert. Konkret wünsche ich mir aber, dass wir z. B. bei Neubesetzungen von Stellen nicht einfach akzeptieren, dass sich ja keine Frau beworben hat. Hier müssen wir einfach neue Wege öffnen. Netzwerke anschreiben, Frauen in der IT ansprechen und fragen, ob sie nicht eine Frau kennen.
Dasselbe gilt für Vorträge – es gibt mittlerweile so viele Plattformen und Netzwerke in denen Frauen gelistet sind, die gerne einen Vortrag halten oder eben eine Frau kennen, die sie empfehlen können. Ein Panel, in dem es nicht pari pari zugeht, kann man dann auch einfach mal absagen mit einem klaren Statement – denn Frauen bereichern Vorträge immens mit ihren anderen Sichtweisen.
Allyship zeigt sich nicht in Worten, sondern in Entscheidungen. Und genau dort wird es sichtbar.
„Wir würden ja Frauen einstellen, wenn wir sie finden könnten“, hört man an vielen Stellen als Begründung für die geringe Frauenquote in IT-Abteilungen. Was kann man im Recruiting besser machen?
Dieser Satz ist bequem – aber nicht haltbar.
Wenn man keine Frauen findet, sucht man nicht richtig. Was besser geht:
- Stellenausschreibungen inklusiver formulieren
- Teilzeit- und Jobsharing-Modelle ernsthaft anbieten
- aktiv in Netzwerken suchen statt passiv zu warten
Frauen sind da.
Die Frage ist: Werden sie wirklich angesprochen – oder nur theoretisch mitgemeint?
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Du unterstützt aktiv Frauen auf ihrem Karrierepfad in der IT. Warum ist dir das ein persönliches Anliegen? Was kann man als Mentorin bewirken?
Absolut. Weil Potenzial oft nicht am Können scheitert, sondern am Selbstbild. Frauen brauchen manchmal einen kleinen Stupser – um zu erkennen, was sie eigentlich alles leisten können und dass sie einfach auch mal „machen“ – eine Bewerbung auf einen IT Job, der nicht 100% passt – für Frauen meist nicht machbar – Männer jedoch sagen: Kann ja nicht so schwer sein. Viele Frauen unterschätzen sich – während andere sich einfach bewerben und sagen: „Wird schon gehen.“
Genau da setze ich an:
- Selbstvertrauen stärken
- Klarheit schaffen
- Entwicklungspotenziale ehrlich aufzeigen
Mentoring ist für mich keine Einbahnstraße. Beide Seiten lernen – und genau das macht es so wertvoll.
Und ja, ich sage es bewusst klar:
Ich will mehr Frauen in Tech sehen.
Warum ist es wichtig, als Frau in der IT auch die Bühne zu suchen? Was bedeutet es, ein Role Model zu sein?
Weil Sichtbarkeit Wirkung erzeugt.
Ich bin ehrlich: Ich stehe gar nicht so gerne im Mittelpunkt. Aber wenn ich dann auf einer Bühne stehe, über Chancen und Herausforderungen rede, über Möglichkeiten zB Diversity wirklich zu leben – und dann kommen danach fremde Leute auf mich zu und sagen „Danke, dass du mich mal wieder geschüttelt hast!“ – dann weiß ich, dass ich da wohl doch öfter auf die Bühne muss. Dabei geht es nicht nur darum Frauen zu motivieren in die IT zu gehen, sondern vor allem auch darum, Männer zu Alies zu machen. Denn wir brauchen Männer, um echte Gleichberechtigung leben zu können!
Wie viel gesellschaftliche Verantwortung trägt man als Führungskraft – und was bedeutet das in der täglichen Praxis?
Mehr, als viele wahrhaben wollen.
Führung endet nicht beim Team – sie beginnt dort erst. Haltung zu zeigen, Position zu beziehen und danach zu handeln, ist für mich Teil von Leadership.
Für mich steht dabei ein Wert im Mittelpunkt: Menschlichkeit. In einer Welt, in der Polarisierung und Ungerechtigkeit zunehmen, dürfen wir nicht neutral bleiben.
Nicht alles ist „Business as usual“. Es geht nicht um Politik – es geht um Haltung. Und darum, sichtbar zu machen, wofür man steht.
Welche Bedeutung hat der Confare ImpactAward für dich persönlich?
Er wäre für mich eine große Ehre – und ein klares Signal. Gerade in einer Zeit, in der Diversity-Themen wieder in Frage gestellt werden, braucht es Sichtbarkeit und Haltung. Deshalb bedeutet mir diese Nominierung viel.
Und ich bin stolz, in einem Unternehmen wie Eppendorf zu arbeiten, das diese Werte nicht nur kommuniziert, sondern lebt: mit klarer Führung, echten Initiativen und sichtbarem Engagement. Für mich ist das kein „Nice-to-have“. Es ist ein klares Bekenntnis.


