Gemeinsame Sprache: Wie Sarah Seidl Business und IT synchronisiert

Sarah Seidl verbindet als Referentin Digitale Transformation bei eins energie in Sachsen täglich geschäftliche Anforderungen mit technologischen Lösungen.
Im Gespräch mit Barbara Klinka-Ghezzo, der Geschäftsführerin von Confare und Initiatorin der Confare Female IT-Community, teilt sie wertvolle Einblicke in ihre berufliche Praxis. Das Interview knüpft direkt an die Impulse des Confare Female IT-Mentorings in Frankfurt an – einer Initiative, die den gezielten Austausch und die berufliche Entwicklung von Frauen in der Unternehmens-IT fördert.
Erfahren Sie, wie Sarah Seidl Übersetzungsprozesse im Unternehmen gestaltet, warum KI erfahrene Fachkräfte dringender braucht als gedacht und welche Führungsprinzipien in volatilen Zeiten Orientierung bieten.
Du hast Wirtschaft und Marketing studiert, wie kam der Weg in die IT?
Ich hatte immer wieder „IT‑Momente“: als Kind mit dem ersten PC von meinem Onkel, dem IT-Berater. Später dann in meiner Rolle im Software‑Vertrieb als Bindeglied zwischen Kunde und IT. Noch später begegnete mir im Berufsalltag als Customer Experience Managerin ein Informatiker‑Kollege im Team, der mir Tag für Tag seine IT-Welt erklärte.
Meine heutige Rolle in der IT hat sich als Chance ergeben, der ich mich gestellt habe. Und das war eine der besten Entscheidungen, weil ich hier genau das tun kann, was mich antreibt: Perspektiven zusammenbringen und echte Veränderungen im Unternehmen herbeiführen.
Welche neuen Fähigkeiten und Talente sind in der heutigen IT-Landschaft entscheidend, um in Zeiten der Veränderung erfolgreich zu sein?
Für mich sind drei Dinge zentral: Übersetzen, Priorisieren, Verantwortung übernehmen.
Übersetzen heißt für mich: Fachbereich, IT, Governance und Datenrealität so zusammenzubringen, dass am Ende etwas Umsetzbares entsteht.
Priorisieren heißt für mich: nicht jedem Hype hinterherlaufen, sondern an Wertbeitrag, Synergien und Machbarkeit ausrichten. Sonst verliert man sich schnell in Einzelinitiativen.
Verantwortung heißt für mich: gemeinsame Ziele setzen und diese konsequent verfolgen. Dazu bedarf es in unserer heutigen komplexen IT- und Business Realität nicht nur proaktives Vorgehen, sondern auch Erwartungsmanagement und Kommunikation, damit alle wissen, was ein Tool/Team leisten kann und was nicht.
Wie siehst Du die Rolle der digitalen Transformation in der Gestaltung der IT: Du beschäftigst Dich viel mit KI. Was bedeutet “Digitale Transformation” im Bezug auf neue Technologien zusammen mit der Geschwindigkeit, die sie mitbringen?
Digitale Transformation ist für mich weit mehr als Technologieeinführung: es geht um gemeinsame Entscheidungen, den Wille zur Zusammenarbeit und letztlich auch sehr viel um Change Management. Die Geschwindigkeit von KI ist dabei Fluch und Segen zugleich: Jeden Monat neue Tools & Möglichkeiten – und Prozesse, Rollen und Security müssen Schritt halten?! Eine Mammut-Aufgabe für die meisten Unternehmen.
Wichtig ist ein schrittweises, strategisch verankertes Vorgehen: Kompetenzen und sicheren Rahmen schaffen, erst dann Integration in Prozesse und Systemlandschaft. Gleichzeitig muss (!) sich die IT auch Freiräume für Innovation schaffen, um nicht selbst zum Engpass zu werden.
In wie weit wird Technologie Arbeit und Gesellschaft verändern? KI bringt eine Menge Möglichkeiten auf der einen Seite und Herausforderungen auf der anderen Seite für Organisationen.
KI verändert Arbeit bereits spürbar, aber nicht automatisch im Sinne von „Entlastung“. KI wird als Produktivitäts- und Effizienzmaschine verkauft und wenn man daran blind glaubt, kalkuliert man zu knapp und erzeugt Stress. Dahinter steckt häufig eine Art „Automation Bias“ – also die Annahme, dass technische Systeme grundsätzlich bessere oder nahezu fehlerfreie Ergebnisse liefern. Organisationen müssen deshalb lernen, wo KI sinnvoll unterstützt UND wo robuste, klassische Verfahren oder Prozesse immer noch besser sind. Ich sehe: KI braucht erfahrene Fachkräfte ganz dringend. Nicht trotz KI, sondern gerade wegen KI.
Ihre Stimme für die IT ist gefragt! HIER können Sie täglich für Ihre Favoriten beim Confare ImpactAward voten.
Das Motto der Confare Summits 2026 lautet heuer: Digitale Schöpfung: Create.Inspire.Own. Aus meiner Sicht wird die IT stark in die Verantwortung gezogen einerseits zu gestalten, andererseits Verantwortung zu übernehmen. Was siehst Du?
Für mich ist das Motto ein stimmiger Dreiklang: „Create“: Dinge in die Umsetzung bringen. „Inspire“: Menschen mitnehmen, damit Veränderung getragen wird. Und „Own“ ist der harte Teil. Verantwortung übernehmen, auch wenn es unbequem ist: klare Leitplanken, klare Entscheidungen, klares Ownership. Verantwortung heißt dabei für mich auch, Widersprüche offen anzusprechen. Sonst sind parallele Initiativen, inkonsistente Lösungen und Fragmentierung vorprogrammiert.
Du proklamierst eine Zusammenarbeit der Fachbereiche mit der IT, das ist unter anderem ein starkes Kommunikationsthema. Mensch und Technik zusammenzuführen ist die Anforderung an die Zukunft. Wie ist deine Herangehensweise?
Mein Ansatz ganz konkret: gemeinsame Sprache, gemeinsame Formate, gemeinsame Entscheidungen.
Viele Konflikte zwischen Fachbereichen und IT entstehen, weil unterschiedliche Sprachen (meint Perspektiven, Ziele und Denklogiken) aufeinandertreffen. Deshalb sehe ich meine Rolle oft als Übersetzerin und Vermittlerin zwischen diesen Welten. Technologie darf nicht isoliert gedacht werden und Fachbereiche dürfen Digitalisierung nicht nur „bestellen“. Gute Lösungen entstehen dort, wo beide Seiten frühzeitig ein gemeinsames Ziel definieren.
Dafür braucht es auch eine bestimmte Fehlerkultur. Organisationen müssen akzeptieren, dass digitale Transformation und KI-Einführung keine linearen Projekte sind, sondern organisationale Lernprozesse. Nicht jede Idee funktioniert sofort. Entscheidend ist, wie schnell Teams gemeinsam lernen, nachjustieren und Erkenntnisse in bessere Entscheidungen übersetzen. Genau dort entsteht langfristig echte digitale Reife.
Welche Bedeutung haben Role Models und Vorbilder? Meinst Du es macht Sinn, wenn Frauen Ihre Arbeit sichtbar machen, um andere zu motivieren und zu bestärken?
Ja, absolut! Weil Sichtbarkeit Möglichkeiten greifbar macht. Ich habe mir immer wieder Menschen in meinem Umfeld (Role Models) gesucht, die mich durch ihre persönliche Haltung und ihr Wirken beeindruckt haben. Erst unbewusst, später sehr bewusst. Dadurch konnte ich beobachten, lernen, adaptieren.
Sichtbarkeit ist für mich nicht Selbstdarstellung, sondern Orientierung für andere. Sichtbarkeit verändert langfristig, wer sich überhaupt zutraut, den nächsten Schritt zu gehen. Ich denke, ich bin ein gutes Beispiel dafür, dass es heute viele Arten gibt, als Frau in der IT wirksam zu sein, und zwar nicht nur über den „klassischen“ Weg. Am Ende stärkt das auch Vielfalt in Teams, was nachweislich bessere Ergebnisse produziert.
Wie gestaltest Du die Rolle als Führungskraft in der IT? Auf welchen Werten basiert modernes IT-Leadership für DICH?
Ich habe bisher immer fachlich/programmatisch geführt – über Themen, Projekte und Netzwerke. Für mich heißt modernes IT‑Leadership: Orientierung geben, Komplexität reduzieren und Entscheidungen möglich machen. Dabei spielen Werte wie Klarheit, Verantwortung und Gegenseitigkeit für mich eine zentrale Rolle. Ich mag produktives Zusammenarbeiten mit dem Ziel, daraus einen gemeinsamen Handlungsplan zu entwickeln. Gleichzeitig braucht es Disziplin in strategischer Priorisierung und Standardisierung, damit Geschwindigkeit nicht in Chaos umschlägt. Und: Veränderung braucht Begleitung, Stichwort Change Management.
Welche Rolle spielt Mentoring bei der Förderung von Female Leadership?
Mentoring ist für mich ein starker Hebel. Ich selbst hatte nie einen Mentor „per Definition“, sondern habe über Vorbilder gelernt, aber das ist nicht planbar und viel zu selten. Mentoring kann strukturiert und vorsorglich Orientierung geben: Wie treffe ich Entscheidungen, wie positioniere ich mich, wie gehe ich mit Unsicherheiten um? Gerade Frauen hilft das, in zumeist männlich geprägten Führungsebenen Selbstvertrauen und Sichtbarkeit zu stärken, ohne sich verbiegen zu müssen. Ich wünsche mir, dass Mentoring in Deutschland viel stärker als Modell verankert wird, nicht nur als Ausnahmeprogramm. Das würde Karriereentwicklung endlich fairer machen!
Erweitern Sie Ihr berufliches Netzwerk und nutzen Sie den gezielten Erfahrungsaustausch für Ihre Karriere. Sichern Sie sich HIER Ihren Platz beim Confare Female IT-Mentoring in Frankfurt.
Was würdest du jungen Frauen raten, die eine Karriere in der IT anstreben?
Erstens: Du musst nicht ins Klischee passen. IT braucht viele Profile, gerade Menschen, die Business‑Nutzen und Technik verbinden.
Zweitens: Hab den Mut, Chancen anzunehmen, auch wenn du dich nicht komplett „ready“ fühlst. Wachstum passiert oft genau dort. Wenn du wachsen willst, geh dorthin, wo du Verantwortung übernehmen und gestalten darfst.
Drittens: Stell Fragen, auch wenn es unbequem ist und bleibe immer offen für neue Perspektiven.


