Generativity Gap: Warum der richtige Umgang mit KI wichtiger ist als Alter oder Geschlecht

by Cansu Karacan

Prof. Dr. Ingrid Bauer-Hänsel: Generativity Gap – Warum der richtige Umgang mit KI wichtiger ist als Alter oder Geschlecht

Wie verändert Künstliche Intelligenz die Zusammenarbeit von Grund auf? Prof. Dr. Ingrid Bauer-Hänsel, Assistenzprofessorin für IT-Management an der Universität St. Gallen (HSG), erforscht an der Schnittstelle von Wissenschaft und Praxis, warum manche Teams durch KI massive Leistungssprünge erleben und andere leer ausgehen.

Am 9. September 2026 leitet sie eine unserer Female Exchange Zones beim Confare Female IT-Mentoring in Zürich, um die organisatorische Transformation greifbar zu machen. Tauschen Sie sich direkt mit ihr aus, bringen Sie Ihre Perspektiven ein und sichern Sie sich Ihren Platz.

Du bist Professorin an der Universität in St. Gallen. Mich würde Dein Werdegang etwas interessieren, kannst Du Deine Laufbahn mit uns teilen?

Ich hatte wahrscheinlich nie den ganz klassischen akademischen Karriereweg. Mir war schon immer das Zusammenspiel von Forschung und Praxis sehr wichtig. Deshalb bin ich in meiner Laufbahn immer wieder bewusst zwischen Universität und Wirtschaft gewechselt.

Studiert und promoviert habe ich im Bereich Wirtschaftsinformatik mit Fokus auf digitale Technologien und datengetriebene Geschäftsmodelle. Parallel dazu habe ich früh eng mit Unternehmen zusammengearbeitet und war unter anderem auch in der Praxis tätig – beispielsweise bei AMAG im Umfeld digitaler und datengetriebener Innovationen.

Heute bin ich Professorin an der Universität St. Gallen und beschäftige mich in meiner Forschung vor allem mit der Aufbereitung und Gestaltung von Daten und KI sowie mit der Frage, wie Organisationen neue Technologien sinnvoll und verantwortungsvoll einsetzen können. Gerade diese Verbindung zwischen wissenschaftlicher Tiefe und praktischer Relevanz motiviert mich bis heute am meisten.

Gerade in der Lehre und Ausbildung sind Frauen im technischen Bereich eher rar, wie ist es bei Euch?

Ja, Frauen sind in technologie- und IT-nahen Studiengängen nach wie vor unterrepräsentiert. Im Master in Business Innovation an der HSG liegt der Frauenanteil aktuell bei rund einem Drittel.

Gleichzeitig nehme ich wahr, dass sich in den letzten Jahren sehr viel verändert hat. Themen wie KI, Daten und digitale Transformation betreffen heute nahezu alle Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft. Dadurch interessieren sich auch immer mehr Frauen für diese Themen und bringen wertvolle Perspektiven ein.

Aus meiner Sicht geht es aber weniger darum, bestimmte Quoten zu erreichen, sondern darum, Talente zu fördern und unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen. Gerade bei der Gestaltung von Daten- und KI-Lösungen brauchen wir Diversität – nicht nur hinsichtlich Geschlecht, sondern auch hinsichtlich Erfahrungen, Disziplinen und Denkweisen.

Du förderst mit Deiner Initiative eines Women in IT Roundtable „Academia meets Business“ das Zusammenkommen von Frauen aus der Wirtschaft mit Studentinnen. Warum hast Du die Initiative gegründet? Was ist Dir dabei wichtig?

Die Idee hinter dem Women in IT Roundtable war für mich von Anfang an, eine Brücke zwischen Forschung und Praxis zu schlagen. Ich glaube fest daran, dass beide Seiten enorm voneinander profitieren können: Wir in der Forschung lernen durch den Austausch mit Unternehmen die realen Herausforderungen, aktuellen Probleme und praktischen Bedürfnisse besser zu verstehen. Gleichzeitig können Praktikerinnen von neuen Denkansätzen, aktuellen Forschungserkenntnissen und einem Austausch ausserhalb des eigenen Unternehmens profitieren.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war für mich aber auch, Frauen in der IT sichtbarer zu machen und stärker zu vernetzen. Gerade junge Frauen brauchen Vorbilder und den Austausch mit Frauen, die bereits spannende Wege in der IT gegangen sind. Mir ist wichtig, einen offenen, ehrlichen und inspirierenden Rahmen zu schaffen, in dem voneinander gelernt wird und neue Perspektiven entstehen können.

Du hast ein aktuelles Forschungsprojekt, „𝗚𝗲𝗻𝗲𝗿𝗮𝘁𝗶𝘃𝗶𝘁𝘆 𝗚𝗮𝗽“: Worum geht es da?

Im Forschungsprojekt “Generativity Gap” untersuchen wir die Frage, warum manche Menschen durch KI massiv produktiver und kreativer werden, während andere trotz derselben Technologie kaum profitieren oder sogar schlechtere Ergebnisse erzielen. Der Begriff beschreibt also den Unterschied im Leistungszuwachs durch KI-Unterstützung.

Dafür haben wir Interviews mit Praktikerinnen und Praktikern geführt sowie ein Experiment mit typischen Wissensarbeits- und Business-Analysis-Aufgaben durchgeführt. Besonders spannend war für uns die Erkenntnis, dass KI zwar die durchschnittliche Ergebnisqualität deutlich steigern kann, die Unterschiede zwischen einzelnen Personen aber enorm sind.

Ein zentrales Ergebnis war zudem, dass nicht unbedingt klassische Faktoren wie Geschlecht oder Alter entscheidend sind, sondern vielmehr der Umgang mit KI, kritisches Denken, die Fähigkeit zur Reflexion und der richtige Einsatz der Technologie für die jeweilige Aufgabe.

Für Unternehmen bedeutet das aus meiner Sicht: KI allein schafft noch keinen Mehrwert. Entscheidend ist, wie Menschen befähigt werden, sinnvoll mit diesen Technologien zu arbeiten

“When work is no longer human-only: Human-AI workflow configurations.” Wie verändern neue Mensch-KI-Arbeitsformen die Rollen Ihrer Mitarbeitenden? Diskutieren Sie diese Gestaltungsoptionen direkt mit Ingrid Bauer-Hänsel in ihrer Female Exchange Zone beim Confare Female IT-Mentoring in Zürich.

Confare Female IT-Mentoring Zürich - Banner Desktop

Welche neuen Fähigkeiten und Talente sind in der heutigen IT-Landschaft entscheidend, um in Zeiten der Veränderung erfolgreich zu sein? Braucht es Diversität?

Technisches Wissen bleibt natürlich weiterhin wichtig, aber es reicht heute allein nicht mehr aus. Gerade im Zeitalter von KI werden Fähigkeiten wie kritisches Denken, Lernfähigkeit, Kreativität und interdisziplinäre Zusammenarbeit immer wichtiger. Menschen müssen Technologien nicht nur bedienen können, sondern auch verstehen, hinterfragen und sinnvoll in Prozesse und Entscheidungen integrieren können. Gleichzeitig verändert sich die IT zunehmend von einer rein technischen Disziplin hin zu einer noch stärker Gestaltungsdisziplin. Themen wie Kommunikation, Übersetzungsfähigkeit zwischen Business und Technologie sowie Verantwortungsbewusstsein gewinnen nochmals an Bedeutung.

In wie weit wird Technologie Arbeit und Gesellschaft verändern? KI bring eine Menge Möglichkeiten auf der einen Seite und Herausforderungen auf der anderen Seite für Organisationen.

Ich glaube, Technologie – und insbesondere KI – wird Arbeit und Gesellschaft ähnlich stark verändern wie früher das Internet oder die Industrialisierung. Viele Tätigkeiten werden sich verändern, manche werden automatisiert, andere erweitert. Gleichzeitig entstehen aber auch neue Rollen, neue Berufsbilder und neue Möglichkeiten für Kreativität und Innovation.

Für Organisationen liegt die grosse Chance darin, Mitarbeitende produktiver zu machen, Wissen besser verfügbar zu machen und neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. Gleichzeitig bringt KI aber auch grosse Herausforderungen mit sich – beispielsweise Fragen rund um Verantwortung, Datenschutz, Governance oder den richtigen Umgang mit Abhängigkeit von Technologie.

Aus meiner Sicht wird deshalb nicht die Technologie allein entscheidend sein, sondern wie wir sie gestalten und einsetzen. Unternehmen müssen lernen, KI nicht nur technisch zu implementieren, sondern auch organisatorisch und kulturell sinnvoll zu integrieren. Der Mensch bleibt dabei zentral – gerade weil kritisches Denken, Verantwortung und Urteilsvermögen wichtiger werden, nicht weniger.

Das Motto der Confare CIOSUMMITs 2026 lautet heuer: Digitale Schöpfung: Create.Inspire.Own.
Aus meiner Sicht wird die IT stark in die Verantwortung gezogen einerseits zu gestalten, andererseits Verantwortung zu übernehmen. Was siehst Du?

Ich sehe das sehr ähnlich. Die IT hat heute längst nicht mehr nur eine unterstützende Rolle, sondern gestaltet aktiv mit, wie Organisationen arbeiten, entscheiden und Innovation schaffen. Gerade mit KI entstehen enorme Möglichkeiten, Neues zu entwickeln, Prozesse neu zu denken und Wertschöpfung völlig neu zu gestalten – also im besten Sinne „Create“ und „Inspire“.

Gleichzeitig wächst aber auch die Verantwortung. Technologien prägen heute nicht nur Unternehmen, sondern zunehmend auch unsere Gesellschaft. Deshalb reicht es nicht mehr, nur zu fragen, was technisch möglich ist. Wir müssen auch fragen, was sinnvoll, verantwortungsvoll und langfristig tragfähig ist.

Für mich bedeutet „Own“ deshalb auch, Verantwortung zu übernehmen – für Daten, Transparenz, Fairness und den bewussten Umgang mit KI.

Welche Bedeutung haben Role Models und Vorbilder? Meinst Du es macht Sinn, wenn Frauen Ihre Arbeit sichtbar machen, um andere zu motivieren und zu bestärken.

Absolut. Role Models schaffen Sichtbarkeit und zeigen, dass es viele unterschiedliche Wege in der IT gibt. Gerade junge Frauen unterschätzen oft ihre eigenen Fähigkeiten oder sehen bestimmte Karrierewege gar nicht erst als Möglichkeit. Deshalb finde ich es wichtig, Erfahrungen, Projekte und Erfolge sichtbar zu machen, nicht um sich in den Vordergrund zu stellen, sondern um andere zu inspirieren und zu ermutigen.

Welche Rolle spielt Mentoring für Dich in Deinem Bereich?

Mentoring spielt aus meiner Sicht eine sehr wichtige Rolle, weil man enorm von den Erfahrungen anderer lernen kann. Gleichzeitig sehe ich Mentoring aber nicht als Einbahnstrasse, bei der nur eine Person Wissen weitergibt. Für mich ist gutes Mentoring eher ein Tandem, bei dem beide Seiten voneinander lernen und neue Perspektiven gewinnen.

Gerade deshalb arbeiten wir im Rahmen des Women in IT Roundtables aktuell auch an einem Tandem-Projekt zwischen Forschung und Praxis. Ziel ist es, den gegenseitigen Austausch noch stärker zu fördern und Brücken zwischen unterschiedlichen Erfahrungen, Perspektiven und Arbeitswelten zu schaffen.

Melden Sie sich jetzt gemeinsam mit Ihren Kolleginnen und Male Allies für das Confare Female IT-Mentoring am 9.9.2026 beim Confare CIOSUMMIT Zürich an. Sichern Sie sich Ihren Platz im Netzwerk.

Confare Female IT-Mentoring Zürich - Banner Desktop

Für Sie ausgewählt

Leave a Comment