Gewonnene Zeit für die Patientenversorgung als Maßstab der Krankenhaus-IT

by Cansu Karacan

Confare ImpactAward Nominee Robert Mahnke (Universitätsklinikum Ulm): Gewonnene Zeit für die Patientenversorgung als Maßstab der Krankenhaus-IT

In dieser Blogbeitrag-Reihe sprechen wir mit den Nominees des Confare ImpactAward – der Auszeichnung für IT-Entscheider:innen, die die IT in das Rampenlicht rückt. Unser heutiger Gast: CIO beim Universitätsklinikum UlmRobert Mahnke. Wir unterhalten uns über die Entlastung von Fachkräften im Gesundheitswesen durch Prozessautomatisierung, die Rolle von KI im klinischen Alltag und langfristige Verantwortung im IT-Management.

 

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Welche Rolle spielen IT und Digitalisierung dabei, das Gesundheitswesen der Zukunft zu gestalten?

IT und Digitalisierung sind für das Gesundheitswesen der Zukunft keine Option, sondern Voraussetzung. Wenn wir Versorgung trotz demografischem Wandel, Fachkräftemangel und wachsender Komplexität sichern wollen, werden wir mit weniger Personal mehr leisten müssen.

Das wird nur funktionieren, wenn wir Prozesse konsequent digitalisieren, automatisieren und Fachkräfte von administrativen Routinen entlasten. Der eigentliche Maßstab ist dabei nicht Technologie, sondern gewonnene Zeit für Patientenversorgung.

Wenn uns das gelingt, können wir Qualität stabilisieren oder sogar verbessern. Wenn nicht, werden die strukturellen Probleme des Systems sehr schnell unmittelbar in der Versorgung ankommen.

 

Inwieweit war Corona ein Innovationstreiber für die Krankenhaus-IT?

Corona war für die Krankenhaus-IT weniger ein Innovationstreiber als ein massiver Beschleuniger. Die Probleme waren vorher schon da – veraltete IT-Landschaften, mangelnde Interoperabilität und zu wenig Tempo in der Modernisierung.

Die Pandemie hat diese Defizite schonungslos sichtbar gemacht und den Druck massiv erhöht – operativ wie politisch. Genau daraus ist die Dynamik entstanden, die schließlich auch im KHZG sichtbar wurde.

Mein Fazit: Corona hat die Digitalisierung nicht erfunden, aber sie in Priorität, Geschwindigkeit und Investitionsbereitschaft auf ein völlig anderes Niveau gehoben.

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Wie wichtig ist AI dabei und wo gibt es schon funktionierende Ansätze?

KI ist wichtig – aber nicht als Selbstzweck. Sie wird dort relevant, wo sie konkrete klinische oder administrative Prozesse messbar besser macht.

Besonders stark ist sie bei klar abgegrenzten, repetitiven Aufgaben – etwa in der Dokumentation oder beim Retrieval von Daten. In einzelnen Fachdomänen wie bspw. der Radiologie haben wir heute schon gut funktionierende und nützliche Lösungen im Einsatz.

Die eigentliche Hürde liegt meist nicht in der KI selbst, sondern in Datenqualität, Interoperabilität und Architektur. Deshalb ist KI für mich kein Add-on, sondern ein weiterer Grund, die digitale Basis endlich sauber aufzubauen.

 

Welche Hausaufgaben gilt es zu meistern, um fit für diese Digitale Zukunft zu sein?

Wir brauchen ein solides Fundament und echte Transformationsfähigkeit. Zum Fundament gehören eine klare Digital- und IT-Strategie, perspektivisch auch eine KI-Strategie, sowie belastbare Governance für Prioritäten, Ressourcen und Investitionen.

Der entscheidende Punkt ist aber: Digitalisierung ist selten zuerst ein Technikproblem, sondern fast immer ein Organisations- und Kulturthema. Systeme einzuführen ist meist leichter, als Prozesse, Verantwortlichkeiten und Zusammenarbeit wirklich zu verändern.

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Wie schafft man es Regulatorik, Effizienz und Innovation unter einen Hut zu bringen?

Regulatorik, Effizienz und Innovation sind für mich kein Widerspruch. Gerade im Gesundheitswesen sind Sicherheit, Stabilität und Compliance die Voraussetzung dafür, dass Innovation überhaupt tragfähig wird.

Das Problem entsteht meistens dann, wenn diese Themen organisatorisch getrennt werden. Wo Betrieb, Sicherheit, Compliance und Innovation nebeneinanderher laufen, entstehen Reibungsverluste, Verzögerungen und Zielkonflikte.

Der Schlüssel liegt deshalb in klarer Gesamtverantwortung und einer integrierten IT- und Digitalstrategie. Das schafft nicht weniger Innovation, sondern mehr Klarheit, Tempo und Verlässlichkeit in der Umsetzung.

 

Was braucht es, um Mitarbeiter, Fachabteilungen und Management für Innovation und Transformation zu gewinnen? Wie definierst Du Deine Rolle als CIO dabei?

Menschen gewinnt man nicht mit Buzzwords oder Strategiepapieren, sondern dann, wenn sie konkret erleben, dass Digitalisierung ihren Alltag besser macht.

Transformation gelingt dann, wenn Prozesse einfacher werden, Belastung sinkt und digitale Lösungen als Unterstützung erlebt werden. Wenn das nicht passiert, verliert man die Organisation – unabhängig davon, wie gut die Strategie klingt.

Genau hier liegt im Gesundheitswesen das Problem: Der Nutzen von Digitalisierung wird zu oft durch neue Pflichten, Dokumentation und regulatorische Zusatzanforderungen wieder aufgezehrt. Dann wird IT nicht als Entlastung wahrgenommen, sondern als weiterer Aufwand.

Meine Rolle als CIO ist deshalb für mich mehr als IT-Betrieb. Ich sehe mich als Übersetzer und Integrator zwischen Medizin, Pflege, Verwaltung, Technik und Vorstand – mit der Aufgabe, aus Digitalisierung echte Wirkung zu machen.

Der CIO der Zukunft ist aus meiner Sicht deshalb nicht nur Betriebsverantwortlicher, sondern ein Gestalter von Transformation.

 

Wie viel gesellschaftliche Verantwortung trägt man als Führungskraft – und was bedeutet das für dich in der täglichen Praxis?

Führung bedeutet für mich immer auch gesellschaftliche Verantwortung. Als Führungskraft präge ich Rahmenbedingungen, treffe Entscheidungen mit Wirkung auf Menschen und beeinflusse, wie eine Organisation funktioniert.

Konkret heißt das für mich: ein Umfeld zu schaffen, in dem Menschen leistungsfähig bleiben, sich entwickeln können und Entscheidungen transparent sind. Gerade im Gesundheitswesen ist das mehr als Führungsstil – es hat unmittelbare Auswirkungen auf Versorgung, Qualität und den Umgang mit knappen Ressourcen.

Gesellschaftliche Verantwortung heißt für mich deshalb, Technologie, Organisation und Ressourcen so einzusetzen, dass sie dem Menschen dienen – und Entscheidungen nicht nur kurzfristig, sondern langfristig verantwortbar sind.

 

Welche Bedeutung hat der Confare ImpactAward für dich persönlich?

Die Nominierung zum Confare ImpactAward ist für mich weniger eine persönliche Auszeichnung als eine Bestätigung des Weges, den wir am Universitätsklinikum Ulm eingeschlagen haben.

Der Award steht für die Leistung unseres Teams und dafür, dass wir Digitalisierung auch unter schwierigen Bedingungen wirksam voranbringen können, wenn Prioritäten klar sind und Umsetzung konsequent bleibt.

Für mich würdigt er auch eine Haltung: dass IT dann echte Wirkung entfaltet, wenn sie Verantwortung für Versorgung, Organisation und Zukunftsfähigkeit übernimmt.

Wir sind noch lange nicht am Ziel. Ich sehe die Auszeichnung deshalb nicht als Abschluss, sondern als Ansporn, diesen Weg weiterzugehen.

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