Ulrike Huemer: In der IT kochen Männer auch nur mit Wasser – was zählt sind gute Ideen, Menschenführung und Resilienz

by Lisa Baur

Ulrike Huemer ist seit März 2014 CIO der Stadt Wien. In ihrer Funktion setzt sie sich besonders dafür ein, dass die Digitalisierung als zentrales Thema für Wirtschaft, Gesellschaft und Verwaltung erkannt wird.

Im Blog spricht sie darüber, wie sie ihre Rolle in einer von Männern dominierten Welt meistert und welche Tipps sie Frauen gibt, die eine Führungsrolle im IT-Management anstreben.

Mehr dazu auch in unserem Blog:

Frauen in der Informatik: Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder
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Hat sich die Rolle des CIO verändert?

Ja, die Rolle von CIOs hat sich sehr stark verändert. Einerseits kamen disruptive Technologien hinzu, wodurch bestehende Technologien, IKT-Produkte und Dienstleistungen verdrängt oder jedenfalls modifiziert wurden und werden. Andererseits ist es schon lange her, als einfach die IKT über bestehende Prozesse drüber gestülpt wurde. Heutzutage ist es selbstverständlich, dass bei neuen IKT-Services der gesamte Prozess vorerst durchleuchtet und analysiert und erst dann ein IKT-Projekt aufgesetzt wird, der für die Betroffenen nicht nur eine neue Technologie sondern auch verbesserte Arbeitsabläufe bringen soll. Dabei ist es extrem wichtig geworden, die Geschäftsprozesse unserer Kundinnen und Kunden sehr gut zu verstehen und die Übersetzungsfunktion zwischen IKT-Abteilung und Fachabteilungen zu übernehmen! Ich verstehe mich immer mehr als Organisationsentwicklerin und Changemanagerin.

Wie gestalten Sie die Aufgabe?

Ich bin als CIO der Stadt Wien nicht nur für die IKT-Strategie zuständig. Ich bin auch für das strategische Prozessmanagement verantwortlich. Dabei ist mir wichtig, dass Innovationen in der Stadt Wien gefördert und forciert werden. Zum Beispiel haben wir vor einiger Zeit eine Art „Start-up-Unternehmen“ innerhalb des Magistrats gegründet, welches sich um innovative Services kümmert, die sehr rasch umgesetzt und den Bürgerinnen und Bürgern zu deren unmittelbaren Nutzen angeboten werden. Ein Produkt dieser kleinen Gruppe ist die Sag’s-Wien-App, mit der die Bevölkerung mithelfen kann, die Stadt noch lebenswerter zu machen. Ich habe dieser Gruppe den Namen „Pace“ gegeben, um auch zu signalisieren, dass wir auf die sich rasch veränderten Technologien zeitnah reagieren müssen.

Außerdem ist es für mich selbstverständlich, dass die Verwaltung heute – insbesondere, aber nicht nur im IT-Bereich – nicht im stillen Kämmerchen und hinter verschlossenen Türen passieren darf. Deshalb setzen wir stark auf Offenheit, Transparenz und Bürgerpartizipation. Die Wiener Digitalisierungs-Strategie, die Digitale Agenda Wien, haben wir gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern erarbeitet. Dabei erstand unter anderem auch die Idee für die bereits erwähnte Sag’s-Wien-App.

Was sind die wichtigsten Faktoren für Erfolg als Frau in einer männerdominierten Rolle?

Ich habe das Gefühl, dass immer wieder diese Diskussion um die Fragestellung geführt wird, ob sich Frauen der Männerwelt anpassen sollten oder eben nicht. Ich denke, Frauen in der IKT sollten ihre persönlichen Stärken, die sie sich selbst angeeignet haben, stark einbringen. Diversität tut allen Teams gut! Wobei ich schon zugeben muss, dass ich glaube, dass Frauen bei einigen Themen, wie z.B. Kommunikation einen Vorteil haben 😉

Warum sollten sich Unternehmen um Diversity in der IT Führungsriege bemühen?

Unsere Gesellschaft ist divers, unsere Kundinnen und Kunden sind divers und auch unsere Teams müssen divers sein. Wenn wir die Digitalisierung für die Menschen in dieser Stadt entwickeln, dann ist es wichtig, dass auch in der IKT-Führungsriege jene vertreten sind, die unsere Kundinnen und Kunden quasi repräsentieren.

Wir sollten uns vor dem Hintergrund, dass Informationstechnologien unser Leben und Alltag immer stärker prägen, auch grundsätzlich Gedanken darüber machen, was es für unsere Gesellschaft bedeutet, wenn diese Veränderung nur von Menschen mit einem bestimmten Geschlecht oder einer bestimmten Hautfarbe vorangetrieben wird. Denn: Diversität bringt Innovationen hervor. Querdenkerinnen und Querdenker sind mir persönlich ganz wichtig. Und für Innovationen kann Diversität wesentliche Beiträge leisten.

Es ist mir egal, ob innovative Ideen für die Digitalisierung der Stadt Wien von älteren oder jungen, von weiblichen oder männlichen MitarbeiterInnen, mit oder ohne Migrationshintergrund kommen. Hauptsache ist, dass wir ein Klima haben, wo Innovationen möglich sind und dass Digitalisierung zur Steigerung der Lebensqualität in Wien statt-findet. Sind wir doch ganz ehrlich, Künstliche Intelligenz zum Beispiel wird derzeit von weißen jungen Männern ganz besonders im Silicon Valley entwickelt, das kann doch nicht die Intelligenz einer ganzen Gesellschaft abbilden.

Was sind 3 wichtigsten Tipps, die Sie jungen Frauen geben würden, die eine Führungsrolle im IT-Management anstreben?

Als erstes möchte ich an die jungen Frauen appellieren: „Traut euch!“ Ich finde es sehr schade, dass noch immer so wenige Frauen den Berufsweg in die IT einschlagen. Ich bin aber überzeugt, dass sich das ändert. Daraus resultiert, dass mehr Frauen im IKT-Management sein werden.

Zweitens sollten sich die Frauen nicht unterkriegen lassen. Die Männer kochen auch nur mit Wasser. Es zählen nämlich gute Ideen, eine gute Menschenführung und viel Resilienz. Womit ich auch schon beim dritten Tipp bin:

In der IT muss man auch ausprobieren dürfen. Manche IKT-Projekte können nicht bis zum Schluss durchgedacht werden. Hier setzen iterative Prozesse ein. Aber dafür braucht es Mut und einen langen Atem. Und Durchsetzungsvermögen gehört natürlich auch dazu. Aber auch das kann sich jeder und jede aneignen.

Treffen Sie Ulrike Huemer auf dem 11. Confare CIO SUMMIT. Mehr als 500 Besucher machen das CIO Summit zu Österreichs größtem IT-Treffpunkt 2018 – Zahlreiche hochkarätige Vortragende, IT-Manager und Partner aus dem DACH Bereich haben sich bereits angemeldet – sichern Sie rechtzeitig Ihre Teilnahme – www.ciosummit.at

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