
Stabilität ist kein Selbstzweck. Sie ist die Voraussetzung für Wirkung. Warum moderne IT-Führung nicht steuert, sondern verbindet.
Im Gespräch mit Dandy Bräunlich, Bereichsleiter IT bei igefa IT-Service der IT-Tochter von igefa SE, geht es um die Rolle moderner IT-Leitung zwischen Betriebssicherheit und Gestaltung. Wir sprechen darüber, wie IT-Führung Wirkung entfaltet, warum Orchestrierung wichtiger ist als Kontrolle und wie Kreativität im Arbeitsalltag Raum bekommt.
Zwischen Systempflege und Zukunftsgestaltung – wo sollte der Schwerpunkt liegen?
Systempflege ist notwendig, aber nicht hinreichend. Ohne sie geht nichts, aber sie allein schafft keinen Wert. Stabiler Betrieb, verlässliche Prozesse und saubere Compliance schaffen die Grundlage für jede Form von Zukunftsgestaltung. Umgekehrt gilt: Wenn das Tagesgeschäft dauerhaft brennt, wenn IT ständig im Feuerwehrmodus arbeitet, von Ticket zu Ticket springt, ohne je zur Ruhe zu kommen – dann entsteht weder Vertrauen noch Gestaltungsraum. Die Organisation gewöhnt sich daran, dass IT nur reagiert, statt gestaltet.
In Organisationen mit vielen Standorten, gewachsenen Strukturen, M&A und zunehmendem Regulierungsdruck prägt IT die operative Realität jeden Tag. Entscheidungen im Vertrieb, in der Logistik, im Einkauf oder im Finance hängen unmittelbar an Datenverfügbarkeit, Schnittstellen und Berechtigungen.
Der Schwerpunkt liegt deshalb in der bewussten Verbindung von Stabilität und Weiterentwicklung. Eine klare Zielarchitektur ist dabei zentral. Sie verhindert Insellösungen, schafft Orientierung und sorgt dafür, dass Komplexität beherrschbar bleibt und Entscheidungen skalierbar werden.
Ebenso entscheidend sind gezielte Investitionen in Plattformen, Standardisierung und Automatisierung. Nicht aus technischer Begeisterung, sondern weil sie Kapazität freisetzen. Für Qualität, für die Weiterentwicklung und für Themen mit echter Wirkung.
Roadmaps funktionieren nur, wenn Prozessverantwortliche, Key User, Finance und IT früh eingebunden sind. Dann verschiebt sich der Fokus: Weg von Tools und hin zur Wirkung. Transparenz, Geschwindigkeit und Resilienz entstehen dann nicht als Versprechen, sondern durch gemeinsame Entscheidungen.
Systempflege und Security bilden daher das Fundament und Zukunftsgestaltung beginnt dort, wo IT nicht als Kostenblock verstanden wird, sondern als steuerbare Investition sowie dort, wo bewusst entschieden wird, wie Technologie konkret zum Geschäftserfolg beiträgt.
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Wo entfaltet sich heute die Kreativität im Alltag als IT-Führungskraft und wie begeistert man Menschen für Transformation, statt sie nur zu überzeugen?
Kreativität entsteht dort, wo Welten aufeinandertreffen, seien es Fachbereiche und IT, Legacy und Cloud oder Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit. Genau an diesen Schnittstellen wird aus Technik ein Geschäftsthema. Ein gutes Beispiel ist die Ablösung gewachsener Systeme, auf dem Papier ein IT-Projekt, in der Praxis ein Kulturprojekt. Prozesse ändern sich, Rollen verschieben sich, Verantwortlichkeiten werden neu sortiert. Der schwierigste Teil ist selten die Migration. Es ist die gemeinsame Einigung darauf, wie Arbeit künftig laufen soll.
Woran erkennt man, ob Transformation trägt und ob die Anwenderinnen und Anwender es wirklich und sicher nutzen?
Erstens: Der Startpunkt ist nicht die Technologie, sondern das Problem. Wenn klar ist, was besser wird, sinkt der Widerstand. Weniger Excel, weniger Doppelpflege, weniger Reibung. Mehr Klarheit und Verlässlichkeit.
Zweitens: Man könnte es „Co-Creation“ nennen. Aber ehrlich gesagt heißt es einfach: Die Menschen, die nachher mit dem System arbeiten müssen, entscheiden mit. Nicht in endlosen Workshops. Nicht im Nachgang. Nicht pro forma. Sondern von Anfang an, mit echter Verantwortung.
Drittens: Kleine, sichtbare Schritte schaffen Vertrauen. Ein automatisierter Ablauf, ein Dashboard, das wirklich genutzt wird oder ein Prozess, der spürbar schneller wird, solche Ergebnisse erzeugen Energie. Und diese Energie braucht es, um die Transformation durchzuhalten.
Transformation gelingt nicht, weil IT besonders laut argumentiert. Sie gelingt, wenn Menschen erleben, dass Technologie ihre Arbeit besser macht.
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Welche Rolle spielt ein Unternehmer-Mindset für den Erfolg als CIO?
Ein Unternehmer-Mindset ist für mich heute kein „Nice to have“ mehr, sondern Kernanforderung an jede CIO-Rolle. Die Themen, mit denen wir uns beschäftigen, sind zu wirkungsvoll, zu teuer und zu geschäftskritisch, um nur aus der Perspektive eines internen Dienstleisters zu handeln.
Unternehmerisches Denken heißt für mich vor allem:
Verantwortung zu übernehmen, nicht nur für Systeme, sondern für Ergebnisse. Wenn wir eine Plattform einführen, geht es nicht darum, ob das Projekt „abgenommen“ ist, sondern ob Time-to-Market sinkt, Transparenz steigt und Risiken besser beherrschbar werden.
Investitionen argumentieren wie ein Geschäftsmodell: Cloud, Zero Trust, Datenplattformen, Workplace. All das sind keine technischen Spielwiesen, sondern strategische Investitionen. Ich kalkuliere Nutzen, Risiken und Alternativen, gehe bewusst in die Diskussion mit Vorstand oder Geschäftsleitung und vertrete diese Entscheidungen auch in wirtschaftlicher Sprache.
Chancen sehen, wo andere nur Aufwand sehen: Viele Themen, die auf den ersten Blick Kosten erzeugen wie bspw. Security, Compliance, Modernisierung von Altsystemen sind in Wahrheit die Basis für neue Geschäftsmodelle, höhere Resilienz und schnellere Integration von Zukäufen. Unternehmergeist heißt hier, nicht nur auf das Budget zu schauen, sondern auf den Hebel, den wir damit für das Geschäft schaffen.
Mut zu Entscheidungen: Unternehmerisch zu handeln, heißt auch, nicht jede Entscheidung zu perfektionieren, sondern bewusst mit 80 Prozent zu starten und aus der Umsetzung zu lernen. In einer digitalisierten Welt ist heute das Nicht-Entscheiden die größte Gefahr. Confare stellt schon lange heraus, dass der moderne CIO auch der Architekt der digitalen Zukunft ist und nicht nur Verwalter von Systemen. Genau dort sehe ich auch meine Rolle: als jemand, der Risiken bewusst eingeht, Verantwortung übernimmt und aus IT heraus unternehmerischen Wert stiftet.
Wie gelingt es, über Abteilungsgrenzen hinweg echten Impact zu erzeugen?
Echter Impact entsteht, wenn IT nicht als eigene Welt wahrgenommen wird, sondern die Organisation verbindet. In Unternehmen mit vielen Standorten und unterschiedlichen Geschäftsbereichen gehört das zum Alltag und gelingt nur im Miteinander.
Der erste Hebel sind gemeinsame Ziele. Initiativen müssen so geschnitten sein, dass sie nicht nur einer Abteilung helfen. Ein DMS ist dann nicht „Accounting“, sondern eine Plattform, die Einkauf, Vertrieb, Kundenservice und Revision gleichermaßen trägt. Sobald diese Perspektive geteilt ist, ändern sich Prioritäten und Entscheidungen und Diskussionen werden spürbar sachlicher.
Der zweite Hebel ist Transparenz. Wirkung entsteht, wenn alle auf dieselben Daten und dieselbe Wahrheit schauen. Architekturprinzipien, Datenmodelle und Governance sind kein Selbstzweck, sie erleichtern jedoch Entscheidungen. Vor allem machen sie sichtbar und sie verhindern, dass jede Einheit ihre eigene Lösung baut.
Der dritte Hebel sind Brückenrollen. Es braucht Menschen, die Technik und Business gleichermaßen verstehen. Oft sind das Key User, Prozessverantwortliche, Product Owner oder Kolleginnen und Kollegen aus der IT, die nahe am Prozess arbeiten. Sie moderieren Spannungen früh und verhindern, dass Zusammenarbeit in ein Ping-Pong zwischen IT und Fachbereich kippt.
Woran erkennt man, dass es wirkt? An sichtbaren Ergebnissen: Dashboards, kurze Stories und Vorher-nachher-Beispiele zeigen, dass IT nicht nur Tickets reduziert, sondern Risiken senkt, Umsatz sichert oder Arbeit im Alltag spürbar erleichtert. Sichtbarkeit schafft Vertrauen und Vertrauen schafft Spielraum für den nächsten Schritt.
Wenn diese Prinzipien zusammenkommen, verschiebt sich das Bild von IT. Weg vom „Zuständigen für Systeme“ hin zum Mitgestalter unternehmensweiter Wertschöpfung.
Was bedeutet das Confare CIOSUMMIT für die Entwicklung von CIOs – fachlich, persönlich, menschlich?
Das Confare CIOSUMMIT schafft den Raum für Reflexion und ehrlichen Austausch, der uns im operativen Alltag oft fehlt. Das Wertvolle daran ist, dass es dort nicht darum geht, Erfolge zu präsentieren.
Stattdessen sprechen wir offen über reale Herausforderungen und unsere Lernerfahrungen bei der Umsetzung von Themen wie digitale Souveränität oder verantwortungsvollem KI-Einsatz. Gerade diese Offenheit schafft Vertrauen und gibt mir wertvolle Impulse, um fundiertere Entscheidungen für unser Unternehmen zu treffen.
Kurz gesagt: Das Confare CIOSUMMIT ist für mich Spiegel und Katalysator zugleich. Es ist der Ort für meine fachliche Orientierung, persönliche Standortbestimmung und den Austausch mit IT-Verantwortlichen, die ihre Rolle ernst nehmen.


