IT made in Africa – Das Potenzial der IT-Branche in Uganda für europäische Kunden und welchen Beitrag sie gegen Armut und Umweltschäden leisten kann

by Yara El-Sabagh

IT made in Africa –  Jetzt im #Confare Blog mehr über das Potenzial die IT-Branche in Uganda

Bei den Confare CIOSUMMITs in Wien, Zürich und Frankfurt trifft sich die IT-Elite aus dem DACH-Raum. CIOs und IT-Manager haben alle eines gemeinsam: sie suchen händeringend nach Fachkräften und Experten, die dabei helfen, die Digitale Transformation zu bewältigen.

„Es ist Zeit, das Potential von Afrika in der IT-Outsourcing Debatte neu zu bewerten. Mit Yimuka kann das Potential in Uganda schon jetzt genutzt werden.“, meint Daniel Walk. Selbst über Jahre in Vorstands- und Geschäftsführungspositionen in der Industrie beschäftigt, war Daniel Walk bei einer Uganda Reise nicht nur beeindruckt von der Armut im Lande, sondern auch vom vorhandenen IT-Know-how und der unternehmerischen Findigkeit.

Das Unternehmen fungiert dabei als Schnittstelle zwischen den lokalen Experten und den Kunden im DACH-Raum. Dabei ist Daniel vor allem eins wichtig: Den Menschen und die Umwelt in den Mittelpunkt zu stellen.

Ihr habt Euch mit der Situation der Menschen in Uganda intensiv auseinandergesetzt. Was habt Ihr dabei herausgefunden?

Bei unseren Besuchen in den Ghettos haben wir erlebt, wie massiv die Not der Menschen ist. Es fehlt einfach an allem. Trotzdem musste ich mir eingestehen, dass ich sowohl von der Freundlichkeit und Dankbarkeit als auch von der Lebensfreude und Zuversicht der Menschen in Uganda viel lernen kann.

Das durchschnittliche Einkommen in Uganda liegt bei 1,80 USD pro Tag. Am Geld hängt einfach alles – Ernährung, Schulgeld, medizinische Versorgung aber genauso Korruption und Kriminalität und ja am Ende auch massive Zerstörung der Umwelt und Krieg. Spätestens bei den letzten beiden Punkten sind auch wir im doppelten Sinn betroffen. Uns stockte der Atem als wir hörten, dass Menschen auf dem Land wegen ihrer Armut ihre Kinder für 5,00 USD pro Kind an Städter verkaufen, die sie auf kleinstem Raum leben und für sich betteln lassen.

Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung kocht mit Holzkohle – selbst Haushalte mit Stromanschluss, weil Strom 4x teurer als Holzkohle ist. Die Auswirkungen auf die Gesundheit sind mit einem starken Kettenraucher vergleichbar. Täglich werden 5.000 Tonnen Holzkohle zum Kochen verbraucht – das sind ca. 20.000 Bäume. Die Bauern im Norden beklagen als Folge der massiven Baumrodungen hohe Ernteausfälle und das in einem Land, das eigentlich perfekte klimatische Bedingungen hat: Temperaturen zwischen 20°C und 30°C, nährstoffreiche Böden, genug Regen und mindestens 2 Ernten im Jahr.

Uganda hat die zweithöchste Geburtenrate der Welt und damit wächst die Bevölkerung sehr stark. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist noch nicht volljährig. Das führt leider auch dazu, dass trotz großer Anstrengungen im Bildungsbereich viele Studenten nach Abschluss des Studiums keinen adäquaten Job finden, sondern stattdessen z.B. Bananen am Straßenrand verkaufen. Die Wirtschaft wächst zwar, kann aber mit dem Tempo des Bevölkerungswachstums nicht mithalten. Das führt zu einem Überangebot von Arbeitskräften und sinkenden Löhnen.

Wie sieht denn die Situation der IT-Branche in Afrika und im Speziellen in Uganda aus?

Die IT-Branche in Afrika wächst, liegt aber im Vergleich zu allen anderen Kontinenten sehr weit zurück. Kenia hat in den letzten 10 Jahren den größten Sprung nach vorn gemacht. Der lokale Markt für IT-Unternehmen in Uganda ist wegen fehlender Nachfrage sehr klein. Ein Händler, der seine Waren an vielleicht 100 Kunden in seinem Dorf verkauft, braucht wenn überhaupt WhatsApp. Der mittel- und langfristige RoI vieler IT-Projekte steht im Gegensatz zur eher kurzfristig orientierten Lebensweise der Menschen. Die Landwirtschaft in der mit Abstand größte Wirtschaftsbereich und ist geprägt von Bauern, die für ihren Eigenbedarf anbauen. Viele Kernindustrien wie Maschinenbau, Fahrzeugbau, Energie oder Chemie existieren nicht oder auf sehr geringem Niveau. Kapital ist teuer und schwer zu erhalten. Den Staaten fehlen meist die Mittel für den Aufbau der IT-Basis-Infrastruktur.

Die IT-Industrie in Uganda ist noch sehr klein. Mit 10-15 Mitarbeitern gehört man schon zu den Großen. Darüber hinaus haben die Firmen oft ein starkes Netzwerk zu Contractors, die sie bei Bedarf dazu holen. Trotz der geringen Firmengröße haben sie jedoch eine ganze Reihe komplexer Projekte erfolgreich realisiert. So hat z.B. ein Team von 5 Entwicklern ein drohnenbasiertes Analysesystem für die Landwirtschaft entwickelt, mit dem Pflanzenkrankheiten im Frühstadium erkannt werden. Dafür fliegen die Drohnen die Felder ab, machen Fotos und die Software vergleicht die Bilder mit Referenzbildern in der Datenbank.

In unserem Profiling Prozess haben wir die technischen Kompetenzen der IT-Firmen in Uganda erfasst. In den Bereichen Programmiersprachen, SW Frameworks, Datenbanken und Cloud Platforms sind sehr gute Kenntnisse in allen wichtigen Produkten vorhanden. Die Firmen sprechen außerdem hervorragendes Englisch und arbeiten bereits für internationale Kunden.

Welchen Beitrag wollt Ihr mit Eurem Unternehmen leisten?

Wir wollen mit allen bewährten markt- und betriebswirtschaftlichen Mitteln ein Unternehmen aufbauen, das die Menschen in den Mittelpunkt stellt. Dabei haben wir alle drei Säulen der Nachhaltigkeit im Blick: Gut für die Menschen, gut für die Umwelt und wirtschaftlich profitabel. Wir haben uns bei Yimuka das Ziel gesetzt, in den ersten 1.000 Tagen 1.000 Arbeitsplätze in Uganda zu schaffen und 10.000 Bäume vor der Rodung zu bewahren. Wir definieren einen Arbeitsplatz mit einem Jahreseinkommen von 1.000 USD, also in etwa dem Doppelten des Durchschnittseinkommens in Uganda. In der Landessprache bedeutet Yimuka „aufstehen, sich erheben“.

Unsere Arbeitsbereiche sind Exporte von Produkten und Dienstleistungen nach Deutschland und die Unterstützung lokaler Startups zusammen mit lokalen Partnern. In beiden Bereichen arbeiten wir nach dem Nachhaltigkeitsprinzip. Nachhaltig im Bereich Startup Support heißt für uns, dass wir nicht mit Spenden, sondern ausschließlich mit Darlehen arbeiten. Unser Darlehen ist eine Fähre, mit der die UnternehmerInnen über einen großen Fluss kommt. Aber die Fähre muss zurück, damit die nächste Unternehmerin über den Fluss kann. Die wartet nämlich schon. Nachhaltig im Bereich Export von Honig, Sheabutter und IT-Dienstleistungen heißt, uns erfolgreich gegen den auf Gewinnmaximierung ausgerichteten Wettbewerb durchzusetzen und unseren Kunden etwas Hochwertiges und Nachgefragtes anzubieten, so dass sie allein deshalb gerne wieder kaufen. Dass unsere Kunden dabei noch sehr direkt und signifikant Menschen in Uganda helfen ist dann das Sahnehäubchen. Und am Ende heißt nachhaltig auch für uns, dass wir uns Gründern selbst ein Gehalt zahlen können.

Programmierungen für ausländische Firmen sollen der IT-Branche in Uganda zum Durchbruch als wichtigem Industriebereich verhelfen. Der lokale Markt ist einfach zu klein für das Potential der Branche. Die IT-Firmen können weitere Mitarbeiter einstellen und damit den gut ausgebildeten Programmierern eine Perspektive geben. Das Geld, was sie für ihre Arbeit verdienen, fließt direkt in den lokalen Wirtschaftskreislauf und kommt auch Anderen im Land zugute. Durch internationale Kunden kann sich die IT-Branche in wenigen Jahren verfünffachen.

Welchen Nutzen können IT-Entscheider daraus gewinnen?

In einem Satz: Qualität sofort zum attraktiven Preis und die Garantie, dabei was Gutes zu tun.

Wir haben freie Kapazitäten im Frontend und Backend Bereich. Die IT-Entscheider bekommen externe Programmierkapazität aus Uganda als Paket mit Projektleitung und Vertragsmanagement aus Deutschland. Volle Flexibilität des Outsourcings mit Leitern und Kümmerern in Deutschland mit 20 Jahren Industrie- und Führungserfahrung.

Anders als bei größeren Outsourcing Partnern ist der Projekterfolg bei uns absolute Chefsache. Wir Geschäftsführer von Yimuka sind bei jedem virtuellen Meeting dabei und sorgen dafür, dass alle Projekte erfolgreich abgeschlossen werden und die Kunden zufrieden sind.

Unser Stundensatz liegt deutlich unter dem Marktdurchschnitt für externe Programmierer. Die lokale Vertragsgestaltung in EUR mit der Yimuka GmbH schließt arbeitsrechtliche Risiken für den Kunden aus. Besonders für Kunden, die heute mit indischen IT- Dienstleistern arbeiten, ist interessant, dass die Zeitverschiebung nur 1-2 Stunden beträgt und dass das Englisch in Telefon-/Videokonferenzen sehr gut verständlich ist.

Ich kann mir die Freude der IT-Entscheider in ein paar Jahren gut vorstellen, wenn deutlich wird, dass sie zu den mutigen und erfolgreichen Wegbereitern der Etablierung von Uganda als IT-Outsourcing Standort gehören. Wenn man den Stundensatz einer Programmierstunde mit dem Tageseinkommen von 1,80 USD in Uganda vergleicht, wird sehr deutlich, wie groß der positive Effekt auf die Menschen in Uganda ist.

Einen Vorteil hätte ich beinahe vergessen: Die ersten 5 Firmen, die uns kontaktieren, bekommen natürlich unser Honig Geschenkset als Dankeschön!

Was ist dabei zu beachten, damit die Projekte erfolgreich klappen?

Vor Projektbeginn ermutigen wir alle unsere Kunden, einen Skill-Check der Programmierer in Uganda zu machen. Das dauert pro Programmierer 1-2 Stunden in einer Videokonferenz und beinhaltet project/ code reviews und meist auch ein life coding. Wir wollen vor Projektbeginn sicher sein, dass wir einen guten Skill-Fit haben. Jeder Kunde definiert Skill level anders. Wir tauschen lieber vor Projektbeginn noch mal den Programmierer statt im Projekt unter Zeitdruck.

In den ersten Monaten nach Gründung von Yimuka mussten wir für fast alle Videokonferenzen die Teilnehmer nach Beginn der Konferenz noch mal an ihre Teilnahme erinnern und sind häufig fast eine halbe Stunde später gestartet. Da ist mir teilweise schon die Freude am Gespräch verloren gegangen. Heute ist ein unpünktlicher Start eher die Ausnahme. Sicherzustellen, dass dies so bleibt, ist eine unserer permanenten Aufgaben.

Die Fertigstellung von Arbeitspaketen zum zugesagten Termin ist ein weiterer Dauerfokusbereich für uns. Hier hat sich eine Kombination aus bewusstem Einbau von zeitlichen Reserven in die Projektpläne und einer sehr engmaschigen Betreuung der Programmierer in Uganda durch uns bewährt.

Nicht nur wegen der kulturellen Unterschiede ist Kommunikation ein großer Hebel auf den Projekterfolg. Kommunikation muss proaktiv und klar verständlich sein. Im Zweifel weisen wir auf mögliche Risiken lieber zu früh hin und schlagen Lösungen vor als bei Abgabe eine Enttäuschung zu produzieren.  Genauso sind wir dankbar, wenn unsere Kunden mit Fragen, Sorgen und Kritik oder auch mal einem unguten Bauchgefühl direkt auf uns zukommen.

Wir möchten in den Programmierprojekten nicht nur die Anforderungen an die Software verstehen, sondern auch warum die Anforderungen gestellt werden, sprich die Business Logik dahinter. Das kostet am Anfang etwas Zeit aber dieses Verständnis hilft uns bei der Umsetzung der Anforderungen im Detail bessere Entscheidungen zu treffen.

Welche Perspektive habt Ihr mit Eurem Unternehmen? Was sind die nächsten Pläne?

Im IT-Bereich sind unsere nächsten 3 Meilensteine 20, 50 und 100 Programmierer Vollzeit in IT-Outsourcing Projekten zu beschäftigen. Damit hätten wir die Personalstärke unserer IT-Partnerfirmen in Uganda verdoppelt. Wenn wir das erreicht haben, werden wir uns neue Ziele setzen.

Für den Ausbau des Honigexports planen wir Firmen und unseren Honig als Weihnachtsgeschenk für Ihre MitarbeiterInnen anzubieten. Wir zahlen unseren Imkern in Uganda 70% über Fairtrade, so dass 2 verkaufte Gläser ein Tageseinkommen sind. Unser Ziel ist, 100 Firmen für diese Weihnachtsaktion 2022 zu gewinnen.

Aktuell finanzieren wir alle Darlehen für Startups in Uganda aus Eigenmitteln. Uns ist wichtig, in diesem Bereich zunächst eigene Erfahrungen zu sammeln. Unsere Perspektive ist, diesen Bereich durch Aufnahme von Darlehen Dritter deutlich auszubauen. Im Moment unterstützen wir ca. 70 UnternehmerInnen. Mit weiteren Darlehen Dritter sehen wir die Chance, in Uganda 1.000 UnternehmerInnen mit Yimuka Darlehen zu unterstützen.

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