Jahrestrends 2026: „Klarheit ist ein echter Differenzierungsfaktor“

by Cansu Karacan

Die technologische Dynamik fordert das IT-Management 2026 massiv heraus. Es gilt, Handlungsfähigkeit und digitale Souveränität zu sichern, während sich gewohnte Marktstrukturen auflösen. Einer, der hierbei neue Impulse setzt, ist Bernd Preuschoff. Der CEO von CodeCamp:N und dreifache Impact-Award-Preisträger wird auf dem kommenden CIOSUMMIT Wien mit seiner Keynote „Als gäbe es keine Schwerkraft – Teil 3: Tonight’s gonna be a good night“ für den passenden Rahmen sorgen und zeigen, wie man die Leichtigkeit im Business behält.

Bernd Preuschoff plädiert dafür, dass IT-Verantwortliche die strategische Führung im Unternehmen aktiv besetzen. Im Interview gibt er Einblicke in die Themen, die 2026 den Takt angeben. Wer ihn persönlich treffen möchte, hat in Wien die ideale Gelegenheit dazu jetzt anmelden und dabei sein!

Welche Rolle spielen IT und Digitalisierung heute dabei, gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen zu bewältigen?

Eine gute Frage zum Einstieg – denn aktuell könnte man ja genau den entgegengesetzten Eindruck bekommen: Digital-Themen kreieren mehr neue Herausforderungen, als dass sie diese tatsächlich bewältigen. Unternehmen, Länder und Kontinente stellen derzeit fest, dass sie im Vertrauen auf Verträge und Abkommen heute, wo diese in Frage gestellt werden, von Systemen und Infrastruktur bzw. einzelnen Anbietern zu stark abhängen. Das ist nicht nur ein technisches Problem, sondern ein echtes Geschäftsrisiko. Als Gesellschaft fordern uns Social Media und die damit verbundene Allgegenwärtigkeit von Hass, Manipulation und Fake News schon lange heraus, nun exponentiell verstärkt durch die Möglichkeiten, die KI bietet. Man könnte also schnell zu dem Schluss kommen, dass IT und Digitalisierung das Problem und nicht die Lösung sind.

Schaut man jedoch genauer hin, ist es wie mit allen Handwerkszeugen der Menschheit: Das Instrument ist nicht das Problem, sondern der Geist und die Hand des Menschen, der es nutzt. Und deswegen haben wir als „Digital Leader“ auch in meinen Augen eine so immense Verantwortung, nicht nur für unsere Unternehmen, sondern auch die Gesellschaft: Wir müssen zeigen, dass man diese Lösungen auch anders anwenden, steuern und einsetzen kann, um somit messbare und ethisch vertretbare Wertschöpfung für Wirtschaft und Menschen zu schaffen. Mit IT lassen sich stabile und resiliente Landschaften schaffen, neue Kapitel für Unternehmen schreiben und Netzwerke etablieren, denen Nutzer vertrauen können. Damit haben wir dann auch eine Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit.

Wie nimmst Du die aktuelle wirtschaftliche Lage wahr, und welche Auswirkungen hat sie aus Deiner Sicht konkret auf Investitionen, Prioritäten und Erwartungshaltungen in der Unternehmens-IT?

Derzeit sehen wir natürlich allseits viel Verunsicherung und, damit einhergehend, auch Investitionszurückhaltung und Sparmaßnahmen. Das berühmte „Spielgeld“, das es früher gab, um zu experimentieren und Dinge auszuprobieren, existiert quasi nicht mehr. Gleichzeitig werden, wie oben schon beschrieben, die Herausforderungen nicht weniger für IT-Verantwortliche: Wertschöpfung will neu erfunden, Landschaften stabilisiert und souverän aufgebaut, Regulatorik befolgt werden – und das alles mit weniger Leuten, Partnern und Budget als früher. „Die größtmögliche Wirksamkeit mit dem geringstmöglichen Ressourceneinsatz“ ist derzeit die Erwartungshaltung an die IT im Unternehmen.

Ein weiterer wichtiger Faktor für mich: IT ist nicht mehr nur ein „Kostenfaktor“, sondern Teil der Wertschöpfung und Teil des Risikos. Deutsche Unternehmen leben derzeit von Digital-Importen – der Bitkom-Verband hat in einer Studie kürzlich festgestellt, dass ohne diese jedes zweite Übernehmen kein Jahr überleben würde. Wenn man zusätzlich noch sieht, dass Wertschöpfung auch in Industrieunternehmen immer mehr im digitalen und nicht mehr im analogen Anteil des Produktes stattfindet, dann wird klar, dass IT nicht mehr nur „Enabler“ sein darf.

CIOs müssen heute mehr denn je Fragen finden auf Antworten, welche die Existenz des gesamten Unternehmens heute und morgen betreffen – und deswegen aus meiner Sicht auch die Diskussion hierzu selbst ownen. Was mich wieder zu meinem persönlichen Wunsch führt, dass zukünftig mehr CIOs den Mut haben, den CEO-Posten zu übernehmen.

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Was bedeutet das für Euer eigenes Unternehmen? Wo setzt Ihr 2026 bewusst Schwerpunkte?

Wir haben 2026 für CodeCamp:N ganz klar als Wachstumsjahr definiert, weil wir sehen, dass wir als kleiner, wendiger Partner, der aber tief in der Regulatorik verwurzelt und bei vielen der in diesem Jahr relevanten Themen „vor der Welle“ ist, sowohl unserem Mutterkonzern, der NÜRNBERGER Versicherung, aber auch unseren Drittmarkt-Kunden perfekt helfen können. So unterstützen wir z.B. einen großen deutschen Finanzdienstleister bei der KI-basierten Migration von Legacy-Systemen – ein Thema, das direkten Mehrwert bietet, Zukunftsfähigkeit schafft und fast alle Unternehmen betrifft.

Parallel haben wir uns selbst intern weitgehend souverän mit europäischen Lösungen aufgestellt und bauen Partnerschaften mit relevanten Anbietern aus Deutschland und Europa, damit wir in der Lage sind, Lösungen, Ansätze und Vorgehen für Dritte zu kuratieren. Generell IT-Landschaften zu überprüfen und in Richtung „KI-Readiness“ zu transformieren, ist ein weiteres Schwerpunkt-Thema – hier kommt uns natürlich zugute, dass wir trotz unserer mittelständischen Unternehmensgröße gewohnt sind, in großen, hochregulierten Konzernlandschaften zu agieren.

In Summe ist es unser Ziel, komplexe Themen für unsere Partner zu kuratieren, pragmatische Ansätze für sie zu finden und ggf. als „Schnellboot“ umzusetzen, damit die Transformation auch mit wenig Menschen und wenig Budget schnellstmöglich vorankommt. Aus unserer Sicht ist es diese Art von Partnern, die Unternehmen in diesem „wilden“ Jahr 2026 benötigen.

Die geopolitische Unsicherheit der letzten Jahre hat viele Abhängigkeiten sichtbar gemacht. Was braucht es aus Deiner Sicht, damit Europa daraus einen nachhaltigen Innovations- und Digitalisierungsschub entwickelt?

Ich denke, dass es vor allem den Willen dazu braucht, Europa als Ganzes zu begreifen und zu formen. Schließlich haben wir es hier mit dem größten Wirtschaftsraum der Welt zu tun; wir haben Gewicht in der Welt, also sollten wir es nutzen. Gemeinsam klare Linien, aber vor allem Ziele festzulegen, wie sich Europa für die Zukunft selbst, aber auch als attraktiver Standort aufstellen will, halte ich für essentiell. Anhand dieser Linien dann Fortschritt in den Bereichen KI, Plattformen und Infrastruktur „herbeizuinvestieren“, ist dann zwar immer noch ein Kraftakt, aber definitiv möglich.

Gibt es technologische Entwicklungen, von denen Du glaubst, dass sie 2026 den Markt tatsächlich prägen werden?

Ich sehe in diesem Jahr verschiedene Trends im Technologie-Bereich:

  • KI bleibt wichtig, aber muss skalierbar werden und vor allem den Weg in die Kern-Geschäftsprozesse finden, um relevante Effekte zu heben.
  • Cybersecurity bekommt ebenfalls neue Dimensionen durch KI und stellt neue Anforderungen an die Unternehmenssicherheit.
  • Technologische Souveränität ist keine Frage von Willenserklärungen mehr, sondern Realität, die umgesetzt sein will.
  • Europa und Deutschland wird das Thema EU-Wallet stark beschäftigen – wenn dieses Thema in 2027 startet, sehe ich auf viele große Branchen, wie z.B. Banken und Versicherungen, starke Veränderungen in Prozessen und Kundeninteraktion zukommen.

Spannend finde ich persönlich, dass ich bei den Trends für dieses Jahr keine „Spielereien“ mehr finde, wie in den vergangenen Jahren, als man meinte, das z.B. das Metaverse unbedingt zu beachten sei oder Unternehmen NFTs ausgeben müssten. Persönlich finde ich diese Entwicklung gut, dass es wieder mehr darum geht, welchen Nutzen Technologie stiftet, als darum, ob sie „trendy“ ist und Menschen sich damit als „Evangelists“ positionieren können.

Zwischen Legacy-Systemen und moderner KI-Welt, Stabilität und Transformation, Innovationsdruck und Cybersecurity: Welche Orientierung gibst Du CIOs, um in diesem Spannungsfeld Prioritäten setzen zu können?

So banal es klingt: Ich glaube, die wichtigste Grundlage für Prioritäten ist und bleibt Klarheit im eigenen Geist. Dafür braucht es Ruhe zum Denken – und das ist gerade schwer: Es ist leicht, sich in der großen Welt aus News, Hypes und Ragebait zu verlieren; als Mensch und als Verantwortlicher für IT. Zu den „Säuen“, die durch die Tech-Szene „durchs Dorf getrieben werden“, kommt nun ein amerikanischer Präsident, der jeden Tag mit Posts auf seinem Netzwerk oder Interviews im Flugzeug neue Krisen-Szenarios entwirft.

Hier die eigene Ruhe zu bewahren, klare Gedanken zu fassen, Prioritäten abzuwägen und diese dann konsequent beizubehalten und auf Kurs zu bleiben, ist die Führungsqualität, die wir benötigen. Die mittel- und langfristigen Prioritäten selbst werden, je nach Lage des Unternehmens, unterschiedlich sein, deswegen muss das jeder CIO selbst entscheiden – aber das Durchhaltevermögen, sie im Trubel des Alltags aufrechtzuerhalten, macht am Ende den Unterschied, ob auch die besten Pläne ins Ziel kommen oder nicht. Fürs Unternehmen, aber auch für die Mitarbeitenden ist in Zeiten des „Lärms“ auf allen Kanälen Ruhe und Klarheit ein echter Differenzierungsfaktor.

Welche Rolle spielt Ihr dabei mit Euren Produkten und Dienstleistungen im CIO-Ökosystem?

Wie ich an andere Stelle schon erwähnte: Wir sehen unsere Aufgabe darin, Hypes zu kuratieren und aufzuzeigen, wie Dinge effektiv und pragmatisch gehen können. Für mich als Ex-CIO ist es genau das, was ich mir, als ich diese Rolle innehatte, immer gewünscht habe: Ein vertrauenswürdiger Partner, der meine Lernkurve schneller und günstiger macht. Und der Bedarf ist definitiv da: In all den Gesprächen auf Veranstaltungen, gerade auch im Mittelstand, sehen wir z.B. beim Thema KI immer noch viel Verwirrung angesichts all der Nachrichten, ständigen Neuerungen und Hype-Botschaften der Anbieter.

Oftmals sind dort ja auch die IT-Abteilungen für solche Themen gar nicht aufgestellt und hängen an Einzelpersonen. Aber gerade auch Nicht-Technologen sagen mir: „Ich kann das alles nicht beurteilen – was stimmt denn jetzt? Und was ist jetzt wirklich wichtig für mich?“ Hierauf zunächst eine Erklärung, dann eine Antwort zu geben, um es in Folge gemeinsam wahr zu machen, ist unser Ziel.

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Was bedeutet das Motto der Confare CIOSUMMITs 2026 – Digitale Schöpfung: Create. Inspire. Own. – für Dich persönlich?

Das diesjährige Motto der Confare liegt sehr nah an meiner persönlichen Überzeugung, wie Leadership heute aussehen muss und was ich im Kontext meines Buches als „Poet meets Athlete“-Style bezeichne: Wir Führungskräfte müssen zunächst in der Lage sein, Geschichten zu erdenken, die es noch nicht gibt; die aber andere begeistern, mitzumachen – und die wir in Folge mit starkem Handwerk, dem unbedingten Willen zum Erfolg und dem entsprechenden Durchhaltevermögen auch in der Realität umsetzen. Wir sind selbst die Schöpfer der Zukunft, die wir uns wünschen – ich freue mich, dass Ihr diesen Gedanken in Euer Motto habt einfließen lassen und wir damit noch viel mehr Menschen erreichen.

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