Keine Technologie ohne Business-Beitrag: Wie Confare ImpactAward Nominee Petra Clemens IT-Investitionen konsequent am Nutzen misst

Petra Clemens verantwortet als Global CIO bei der Eppendorf-Gruppe die globale Steuerung der IT-Landschaft. Nach Phasen starken Unternehmenswachstums steht die Organisation vor der Aufgabe, entstandene Komplexität in den Systemen schrittweise abzubauen und End-to-End-Prozesse weltweit harmonisch auszurichten. Wie die Transformation von einer betriebsorientierten IT-Organisation hin zur strategischen Partnerschaft mit den Fachbereichen gelingt und welche Prioritäten dabei im Fokus stehen, erfahren Sie im Blogbeitrag.
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Michael Ghezzo:
Du bist Global CIO bei Eppendorf. Kannst du uns das Unternehmen und deine Rolle kurz vorstellen?
Petra Clemens:
Sehr gerne. Eppendorf entwickelt und produziert Laborprodukte für Forschung, Biotechnologie und Pharma. Die meisten kennen uns über unsere Pipetten und Pipettenspitzen. Darüber hinaus bauen wir aber auch Zentrifugen, Ultra-Tiefkühlgeräte und viele weitere Laborprodukte.
Unser Hauptsitz ist in Hamburg. Wir beschäftigen weltweit rund 5.000 Mitarbeitende. Der Name Eppendorf geht übrigens tatsächlich auf den Hamburger Stadtteil zurück, in dem das Unternehmen entstanden ist.
Michael Ghezzo:
Eppendorf ist heute weltweit aktiv. Welche Rolle spielt die IT in einem solchen Unternehmen und was gehört zu deinen Aufgaben als Global CIO?
Petra Clemens:
Eigentlich ist die IT heute nicht mehr wegzudenken. Ohne IT funktioniert nichts – und genauso ist es natürlich auch bei uns.
Du hast es gerade gesagt: Wir sind weltweit tätig, arbeiten aber zentral organisiert. Das bedeutet, dass wir globale IT-Services für die gesamte Eppendorf-Gruppe bereitstellen. Für mich persönlich ist das eine wunderbare Aufgabe. Mit Kolleginnen und Kollegen auf der ganzen Welt zusammenzuarbeiten, macht die Rolle unglaublich spannend. Die unterschiedlichen Kulturen und Perspektiven bereichern den Alltag.
Zu meinen Aufgaben gehört es, unsere End-to-End-Prozesse kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu verbessern. Gleichzeitig haben wir eine hohe Komplexität in unseren Systemlandschaften. Diese Komplexität müssen wir Schritt für Schritt reduzieren. Das sind klassische CIO-Aufgaben, die bei uns zentral gebündelt sind.
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Michael Ghezzo:
Wie viele international tätige Unternehmen ist auch Eppendorf über viele Jahre gewachsen. Damit entstehen IT-Landschaften, die irgendwann wieder vereinfacht werden müssen. Der Fokus verschiebt sich dann wieder stärker in Richtung Effizienz.
Petra Clemens:
Genau. Eppendorf ist gerade während der Corona-Zeit stark gewachsen. Durch unsere Ausrichtung auf Forschung, Biotechnologie und Pharma hat sich das Unternehmen sehr positiv entwickelt. Entsprechend wurde investiert, Unternehmen wurden übernommen und Softwarelösungen eingeführt – häufig, ohne die dahinterliegenden Prozesse konsequent zu harmonisieren.
Heute führt das dazu, dass unsere IT einen sehr hohen operativen Aufwand betreibt, um diese Landschaft stabil zu halten. Dadurch bleibt oft weniger Zeit für das, worauf es eigentlich ankommt: das Business zu unterstützen und echten Business Value zu schaffen.
Genau das ist eine unserer größten Herausforderungen. Wir arbeiten mit einer klaren Strategie daran, die Komplexität zu reduzieren und den Business Value wieder stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Unser Ziel ist es, das Business bestmöglich zu unterstützen und wieder mehr Zeit für Wertschöpfung zu gewinnen, anstatt Komplexität zu verwalten.
Michael Ghezzo:
Wenn man dir zuhört, fällt auf, dass du immer wieder von Business Value sprichst. Die IT soll sich also möglichst wenig mit sich selbst beschäftigen und möglichst viel Wert für das Unternehmen schaffen.
Petra Clemens:
Richtig. Das ist im Moment tatsächlich eine der größten Herausforderungen. Durch das starke Wachstum haben wir heute eine IT-Landschaft, die sehr komplex geworden ist. Unsere Teams beschäftigen sich deshalb oft mit dem Betrieb und der Verwaltung dieser Systeme.
Eigentlich möchten wir unsere Zeit aber viel stärker dafür einsetzen, das Business zu unterstützen und gemeinsam Mehrwert zu schaffen. Deshalb ist es so wichtig, Komplexität konsequent zu reduzieren. Nur dann schaffen wir Freiräume für Innovation und können uns wieder stärker auf das konzentrieren, was für das Unternehmen wirklich wichtig ist.
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Michael Ghezzo:
Das bedeutet auch, dass sich die Rolle des CIO verändert hat.
Petra Clemens:
Ja, absolut. Natürlich gehören stabile Systeme, Cybersecurity und ein verlässlicher IT-Betrieb weiterhin zu unseren Kernaufgaben. Gleichzeitig reicht das heute nicht mehr aus. Wir müssen End-to-End-Prozesse verantworten und gemeinsam mit dem Business überlegen, wie wir Abläufe vereinfachen und verbessern können.
Der CIO ist heute viel stärker Business Partner als früher. Es geht nicht mehr nur darum, Technologie bereitzustellen, sondern gemeinsam mit den Fachbereichen Lösungen zu entwickeln, die einen echten Beitrag zum Unternehmen leisten. Das ist aus meiner Sicht die wichtigste Veränderung der vergangenen Jahre.
Michael Ghezzo:
Du führst eine weltweit organisierte IT. Was macht diese internationale Zusammenarbeit für dich persönlich besonders spannend?
Petra Clemens:
Vor allem die Menschen. Wir arbeiten mit Kolleginnen und Kollegen aus ganz unterschiedlichen Kulturen zusammen. Jeder bringt andere Erfahrungen und Sichtweisen mit. Genau das macht internationale Zusammenarbeit so spannend. Man lernt jeden Tag dazu.
Natürlich ist es manchmal auch herausfordernd, unterschiedliche Erwartungen und Arbeitsweisen zusammenzubringen. Gleichzeitig entstehen gerade daraus häufig die besten Lösungen. Für mich persönlich ist das einer der schönsten Aspekte meiner Aufgabe.
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Michael Ghezzo:
Wenn man mit CIOs spricht, dominieren häufig Themen wie AI, Cybersecurity oder Cloud. Bei dir habe ich den Eindruck, dass der eigentliche Fokus auf etwas anderem liegt.
Petra Clemens:
Technologie bleibt selbstverständlich die Grundlage. Aber am Ende geht es immer darum, welchen Beitrag sie für das Unternehmen leistet. Wir dürfen Technologie nicht um ihrer selbst willen einsetzen.
Unsere Aufgabe ist es, Prozesse zu vereinfachen, Komplexität zu reduzieren und den Kolleginnen und Kollegen die Arbeit zu erleichtern. Wenn uns das gelingt, entsteht Business Value. Und genau daran sollte sich moderne IT messen lassen.
Michael Ghezzo:
Damit beschreibst du eigentlich sehr gut die moderne Rolle eines CIO.
Petra Clemens:
Ich glaube tatsächlich, dass sich diese Rolle stark verändert hat. Heute geht es viel stärker darum, Menschen zusammenzubringen, Veränderungen zu begleiten und gemeinsam mit dem Business Verantwortung zu übernehmen.
Technologie bleibt wichtig, aber sie ist Mittel zum Zweck. Entscheidend ist, welchen Mehrwert wir gemeinsam schaffen.
Im zweiten Teil unseres Gesprächs wechseln wir die Perspektive. Dann sprechen wir über Female Leadership, Sichtbarkeit und warum Führungskräfte Karrieren aktiv fördern müssen.



