Judith Denkmayer – Kundenbeziehungen im Social Web – CRM und Social Media wachsen zusammen

by Michael Ghezzo

Judith Denkmayer, Geschäftsführerin von Digital Affairs ist Social Media Pionier in Österreich, auf Twitter aktiv unter @linzerschnitte und Referentin auf dem Confare Jahresforum Marketing & Vertrieb 2.0 am 5. Juni in Wien. Im Gespräch sagt sie uns, warum bestehende CRM Lösungen nicht fit für das Social Web sind, und wo sie sich weiterentwickeln müssen.

Welche Auswirkungen haben die Sozialen Medien auf die Kundenbeziehungen?

Mit Social Media ändert sich die Erwartungshaltung von Kunden an die Unternehmen und auch Institutionen: Kundenservice wird immer mehr von der Hol- zur Bringschuld. Der Kunde bzw. User wählt den Kanal, über den er mit dem Unternehmen in Kontakt tritt und stellt Fragen bzw. postet Kommentare öffentlich. Dies bedeutet für die Unternehmen eine neue Transparenz, weil jeder die Dialoge mitlesen kann; hinzu kommt eine neue Geschwindigkeit in der Servicierung. Das fordert von den Unternehmen große Änderungen in ihren Prozessen, weil sie nun schnell und unbürokratisch und möglicherweise sogar abteilungsübergreifend zusammenarbeiten müssen!

 Nicht zuletzt hat sich auch die Art und Weise geändert, wie auf Kundenanfragen geantwortet wird, insbesondere in der Tonalität: Callcenterhandbuch-Phrasendrescherei kommt definitiv nicht gut an. Alles in allem bedeutet Social Media einen Kontrollverlust für die Unternehmen; im Gegenzug bekommen sie aber unmittelbarere, direkte Kontakte, authentisches Feedback und Fragen, die vielleicht sonst nie gestellt wurden und damit verbundene Business Intelligence und neue Möglichkeiten für Kommunikation, Marketing und Vertrieb.

Inwieweit sind bestehende CRM Systeme reif, um die Kundenbeziehungen im Social Web abzubilden?

Die bestehenden CRM Systeme haben – laut unseren Kunden – nie bis selten die notwendigen Schnittstellen, um Social Media Daten in anderer Form als CSV Upload abzubilden. Das ist in Sachen individueller Dialog nicht immer einfach. Allerdings bestätigen viele unserer Kunden uns auch, dass CRM Systeme/Datenbanken zu den Themen gehören, die sie in den nächsten zwei Jahren angehen wollen, weil die Systeme komplett veraltet oder eben einfach Stückwerk sind. 

Nicht ganz unbedeutend ist in Sachen CRM natürlich die Tatsache, dass Social Media und Kundendaten aus anderen Kanälen nicht ohne weiteres abgeglichen werden dürfen, aus datenschutzrechtlichen Gründen. Die Social CRM Tools werden immer besser, haben aber eine natürliche Grenze bedingt durch Datenschutz (Facebook Profile würden sicher den spannendsten Content hergeben, sind aber standardmäßig nicht öffentlich) oder Plattformen, die gar keine bzw. keine geeignete API (Programmierschnittstelle) haben wie google+, Instagram oder foursquare.

Das größte Problem sind wohl die unterschiedlichen rechtlichen Bedingungen in Bezug auf Social Media Daten und klassischen Kundendaten, da diese nicht vermischt werden sollten. Noch öfter aber sind das klassische CRM System und das Social Media CRM System nicht kompatibel. Gerade in Österreich entscheidet man sich dann oft dafür, gar kein Tool zu nehmen, weil in unserem KMU-Land gar nicht soviele Menschen permanent über Dienstleistungen/Produkte reden und daher meist eine Monitoringlösung und ein Ticketingtool zu reichen scheinen. Eine nicht unbedingt nachhaltige Lösung, da langfristig Infos verloren gehen oder zuwenig Kundendaten erfasst werden – dabei wären Email Adressen von einigen wenigen Facebook Fans wichtiger und wertvoller als noch mehr Facebook Fans. 

Wie sehen denn die rechtlichen Rahmenbedingungen aus?

Grundsätzlich sind Daten im Social Web publik, dementsprechend dürfen sie für ein Monitoring verwendet und ausgewertet werden. (Nutzermeinung darf verwertet werden/Nutzerbezogene Daten nicht) Wer sich für ein Forum etc. anmelden muss oder zb. mit jemandem auf Facebook befreundet sein muss, um einen Inhalt zu sehen, darf diese Daten nicht verwenden.

Allerdings ist es nicht erlaubt, Kunden, die im Monitoring aufgetaucht sind, plötzlich ohne vorherige Einwilligung (“Weil ja ein Geschäftverhältnis besteht, hehe!”) via Mail, Facebook Message oder Direct Message (Twitter) mit Newsletter und Werbung zu beschicken. Oder auch nur anhand der Social Media Daten die echte Adresse/Telefonnummer der Person ausfindig zu machen – was aber erlaubt ist: die Person via Social Media – also zum Beispiel mit dem eigenen Twitteraccount auf Twitter (direkt) anzusprechen. (“Serviceabsichten berechtigen nicht zum Abgleich von Kundendaten”, “Direkte Ansprache potentieller Kunden ist nicht zulässig”)

Welche Prognosen hast Du für die Zukunft von Social CRM?

Nach mehreren Jahren, in denen wir unsere Kommunikationsaktivitäten zunehmend in  “Walled Gardens” transferiert haben, kommt jetzt – wenig überraschend – die Erkenntnis, dass man dort zwar Touchpoints hat, aber sich viel zu wenig um die Datenextrahierung gekümmert hat. Insofern ist Social CRM eine logische Weiterentwicklung in der Social Media Strategie. Es ist eine Rückbesinnung auf die BWLer-Weisheit, dass ein bestehender Kunde mehr wert ist, als ein Lead.

 

 

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