Legacy überwinden – Eine Erfolgsgeschichte aus der Finanz-IT

by Bianca Bogad-Frey

Legacy überwinden – Eine Erfolgsgeschichte aus der Finanz-IT

Benedikt Schmid ist CIO der MS Reinsurance und ausgezeichnet mit dem Confare TopCIO. Im Interview mit Confare-Gründer Michael Ghezzo sprechen wir über die Spezialsituation der Rückversicherungsbranche, ihre digitale Transformation, KI in der Finanzindustrie und vieles mehr.

Das gesamte Interview ist als Teil eines on demand Webcast sehen zum Thema „Zwischen Legacy und Leadership – IT-Entscheidungen, die den Finanzsektor bewegen“. An das Video gelangen Sie HIER.
Persönlich trifft man Benedikt und 250 weitere hochkarätige IT-Entscheider:innen und Branchen-Profis auf dem wichtigsten IT-Management Treffpunkt der Schweiz, dem
Confare CIOSUMMIT Zürich.

Michael Ghezzo: Benedikt, herzlich willkommen im heutigen Confare Webcast. Du bist CIO der MS Reinsurance. Die Rückversicherungsbranche ist ein ganz spezieller Teil der Finanzindustrie. Kannst du uns kurz schildern, was euer Unternehmen eigentlich macht und wofür ihr steht?

Benedikt Schmidt: Sehr gerne. Rückversicherung ist im Grunde genommen ein Mechanismus zur Risikodiversifikation. Wir versichern die Versicherer und machen damit die Gesellschaft insgesamt resilienter gegen große Risiken. MS Reinsurance ist die globale Rückversicherungsgesellschaft der Mitsui Sumitomo Gruppe, einem japanischen Versicherungsgiganten. Wir erwirtschaften weltweit einen Umsatz von rund 3,6 Milliarden US-Dollar, sind an sechs Standorten aktiv und zählen mehr als 300 Mitarbeitende.

Das gesamte Interview ist als Teil eines on demand Webcast sehen zum Thema „Zwischen Legacy und Leadership – IT-Entscheidungen, die den Finanzsektor bewegen“. An das Video gelangen Sie HIER.

Digitalisierung und KI

Michael Ghezzo: Die Digitalisierung und insbesondere auch das Thema KI haben in den letzten Jahren die Finanzindustrie stark beeinflusst. Welchen Einfluss hat das auf euer Geschäft?

Benedikt Schmidt: Unser Geschäft ist klassisches B2B: komplexe Transaktionen mit vergleichsweise geringem Volumen. Gerade deshalb ist Digitalisierung für uns so spannend. Sie hilft uns, präzisere Risiko- und Schadenanalysen durchzuführen, was wiederum unsere Schadenquote positiv beeinflusst. Gleichzeitig können wir Prozesse automatisieren, effizienter arbeiten und z. B. mit unseren Brokern strukturierte Datenschnittstellen aufbauen, was sich positiv auf unsere Kostenquote auswirkt.

Michael Ghezzo: Verändert sich dadurch auch die Zusammenarbeit mit euren Kunden?

Benedikt Schmidt: Definitiv. Auch wenn der Kontakt zu unseren Kunden primär über unsere Underwriter läuft, merken wir, dass IT-Themen zunehmend Teil der Gespräche werden. Unsere Kunden interessieren sich für unsere digitalen Strategien, unsere Datenplattformen und natürlich auch für unsere Ansätze in Sachen KI. Teilweise sprechen sogar die IT-Abteilungen direkt miteinander – das hätte es früher so nicht gegeben.

Michael Ghezzo: Ihr habt eine umfassende digitale Transformation hinter euch. Welche Meilensteine konntet ihr bereits erreichen?

Benedikt Schmidt: In den letzten drei Jahren haben wir die MS Reinsurance grundlegend transformiert. Das ging weit über IT hinaus: Wir haben unser Portfolio neu positioniert, Kapitalstrukturen angepasst und kulturellen Wandel vorangetrieben. Im Bereich Data & Technology haben wir unsere Legacy konsequent abgebaut. Heute sind wir Cloud Native, verfügen über eine moderne Datenplattform, orchestrieren unsere Workflows über APIs und haben eine produktbasierte, agile Organisation eingeführt. Gleichzeitig sind wir aus einem Shared-Service-Modell heraus in eine autonome Struktur gewachsen – und unser IT-Team ist von 5 auf 35 gewachsen.

Michael Ghezzo: Und wie sieht euer Zugang zum Thema KI aus?

Benedikt Schmidt: Wir verfolgen einen pragmatischen, schrittweisen Ansatz. Zuerst haben wir letztes Jahr mit Personal Productivity Use Cases gestartet – Copilot, Chatbots usw. Jetzt fokussieren wir uns auf integrierte, wertschöpfende Anwendungen. Wichtig ist uns dabei, nicht jedem Hype hinterherzulaufen, sondern den konkreten Nutzen in den Mittelpunkt zu stellen. Unsere Prinzipien: “Responsible Use”, “AI-augmented Employees”, kontinuierliches Training und eine klare Governance.

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Persönlich trifft man Benedikt und 250 weitere hochkarätige IT-Entscheider:innen und Branchen-Profis auf dem wichtigsten IT-Management Treffpunkt der Schweiz, dem Confare CIOSUMMIT Zürich.

Der Legacy-Zugang zu AI

Michael Ghezzo: Was muss man organisatorisch und technologisch mitbringen, um KI wirklich nutzen zu können?

Benedikt Schmidt: Man muss seine technischen Altlasten im Griff haben. Wer Tech Debt nicht aktiv abbaut und keine sauberen, strukturierten Daten hat, wird die Potenziale von AI kaum nutzen können. Unsere Transformation hat uns in eine gute Ausgangsposition gebracht: Cloud-Native-Ansatz, API-basierte Integration, moderne Datenarchitektur – das sind die Voraussetzungen für Agilität und Innovationsfähigkeit.

Michael Ghezzo: Wie hat sich deine Rolle als CIO in diesem Umfeld verändert?

Benedikt Schmidt: Früher war der CIO vor allem für den stabilen Betrieb der Plattform verantwortlich. Heute ist das selbstverständlich. Der Fokus liegt darauf, gemeinsam mit dem Business strategisch Mehrwert zu schaffen. Wir arbeiten eng mit den Fachbereichen in gemischten Product Teams zusammen, z. B. mit “Citizen Developers” – also Versicherungsmathematikern mit IT-Know-how. Diese Kombination aus Business- und Tech-Kompetenz ist ein echter Erfolgsfaktor. Meine Rolle sehe ich dabei als Orchestrator.

Michael Ghezzo: Wie viel Versicherungswissen braucht man als CIO in einem so spezialisierten Umfeld?

Benedikt Schmidt: Ich bin seit über 25 Jahren in der Branche und habe das Geschäftsmodell tief verstanden. Dieses Wissen ist entscheidend, um als IT-Führungskraft wirklichen Mehrwert zu liefern. Für mich sind Business-Verständnis und People Management mindestens genauso wichtig wie technisches Know-how. Das Dritte kann man zur Not delegieren – die ersten beiden nicht.

Michael Ghezzo: Gibt es neben KI weitere technologische Entwicklungen, die du für die Finanzindustrie am Radar hast?

Benedikt Schmidt: Quantum Computing wird kommen. Auf der einen Seite als Möglichkeit, Risikomodelle viel genauer zu berechnen, auf der anderen Seite auch als Herausforderung in puncto Sicherheit – Stichwort “quantum safe encryption”. Es lohnt sich, hier schon jetzt die Entwicklungen genau zu beobachten.

Michael Ghezzo: Benedikt, vielen Dank für das spannende Gespräch und herzliche Grüße aus Wien!

Benedikt Schmidt: Danke dir, Michael.

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